In dieser Hausarbeit werde ich zunächst eine Klärung des Begriffs „Suizid“ vornehmen sowie die Darstellung der theologischen und rechtlichen Hintergründe des 18. Jahrhunderts in Bezug auf die Selbsttötung darstellen. Im weiteren Verlauf werde ich dann die Ausgangsposition der beiden Figuren erklären und auf dieser Grundlage die Diskussion (Brief vom 12. August) zwischen Albert und Werther analysieren. Zum Ende der Arbeit sollen einige Beispiele des gesamten Buches, die für die Figuren exemplarischen Charakterzüge hervorheben. Das Ziel dieser Arbeit ist zum Einen, die Darstellung der Positionen, die Albert und Werther hinsichtlich der Selbstmordfrage beziehen. Zum Anderen soll die Untersuchung dazu dienen, herauszustellen inwiefern die vertretenen Positionen „typisch“ für die jeweilige Figur sind, bzw. als Teil einer Charakterisierung gelten können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Definition der Selbsttötung
2.1 Die theologische Sichtweise der Selbsttötung
2.1.1 Kirchengeschichtlich
2.1.2 Kirchliche Praxis und Stellungnahmen
2.2 Die rechtliche Sichtweise der Selbsttötung
3 Einordnung der Szene in den Kontext
3.1 Alberts Position in Bezug auf den Selbstmord
3.2 Werthers Position in Bezug auf den Selbstmord
4 Die Typisierung der beiden Figuren
4.1 „Typisch“ Albert
4.2 „Typisch“ Werther
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Positionen von Albert und Werther zum Thema Suizid, wie sie im Brief vom 12. August in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" verhandelt werden. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwiefern diese Haltungen Ausdruck ihrer jeweiligen Charakterzüge sind.
- Theologische und rechtliche Grundlagen des Suizids im 18. Jahrhundert
- Analyse der argumentativen Auseinandersetzung zwischen den Protagonisten
- Gegenüberstellung von Vernunftorientierung (Albert) und Leidenschaft (Werther)
- Typisierung der Charaktere anhand ihrer Wertesysteme
- Gesellschaftskritik als integraler Bestandteil der Werther-Figur
Auszug aus dem Buch
Alberts Position in Bezug auf den Selbstmord
Albert nimmt deutlich Abstand vom Gebrauch von Waffen. Dies wird durch die Tatsache ersichtlich, dass er Werther auffordert die Pistolen selbst zu laden und erklärt: „...bey mir hängen sie nur pro forma“23. Die Waffen sind ihm demnach nicht dienlich, um sie tatsächlich zu verwenden. Albert deutet jedoch an, dass seine Abneigung gegen die Verwendung von Waffen mit einem bedeutungsträchtigen Erlebnis zusammenhängt. Alberts Bediensteter, der den Auftrag erhielt, die Pistolen zu putzen und zu laden begeht einen folgenschweren Fehler: als er ein Mädchen erschrecken will, löst sich ein Schuss und der Daumen des Mädchens wird zerschlagen24. Albert wird zur Verantwortung gezogen, denn er muss sich einerseits des Lamentierens annehmen andererseits für die Kosten der Kur des Mädchens aufkommen. Seit diesem Zeitpunkt lässt er alles Gewehr ungeladen. Albert hat aufgrund dieser Erfahrung für sich entschieden, zwar Waffen zu besitzen, sie jedoch weder zu laden, noch zu gebrauchen. Er zeigt sich gelehrsam und stiehlt sich nicht aus seiner Verantwortung. Zudem zeigt diese Entscheidung seine Vernunft, denn er möchte weder sich noch einen anderen nochmals durch seine Unachtsamkeit verletzen. Dass Alberts Geld, das ihn diese Angelegenheit gekostet hat, Erwähnung findet, wirkt beinah grotesk. Es scheint als sei nicht der Verlust des Daumens, sondern vielmehr der Verlust des Geldes das Tragische an dieser Geschichte.
Albert führt seine Erzählung weiter aus und beginnt über die Vorsicht zu sprechen: „Lieber Schatz, was ist Vorsicht? die Gefahr lässt sich nicht auslernen!“25. Albert ist sich bewusst, dass zwar immer Vorsicht geboten ist, er jedoch nicht immer die Möglichkeit haben wird, dieser entgegen zu wirken und der Gefahr Einhalt zu gebieten. Es wird immer eine Gefahrenquelle geben, die ihn überrascht und Schaden anrichten kann, egal wie vernünftig der Mensch auch sein mag. Keine Vorsicht kann jegliche Gefahr verhindern. Albert wirkt weise, vernünftig, bodenständig, bedacht und erkenntnisreich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Suizidinterpretation im 18. Jahrhundert ein und skizziert das Ziel, die Positionen von Albert und Werther auf ihre Charakteristik hin zu analysieren.
2 Die Definition der Selbsttötung: Dieses Kapitel beleuchtet die theologische und rechtliche Sichtweise der Selbsttötung im 18. Jahrhundert als Basis für das Verständnis der zeitgenössischen Urteile.
3 Einordnung der Szene in den Kontext: Das Kapitel verortet den Brief vom 12. August innerhalb der Handlung des Romans und analysiert die gegensätzlichen Positionen von Albert und Werther detailliert.
4 Die Typisierung der beiden Figuren: Hier werden die gewonnenen Erkenntnisse aus der Suizid-Diskussion genutzt, um das typische Wesen und die Charakterzüge von Albert und Werther zu bestimmen.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Albert und Werther als unvereinbare Kontrastfiguren fungieren, deren Weltbilder auf fundamental unterschiedlichen Grundstrukturen beruhen.
Schlüsselwörter
Goethe, Die Leiden des jungen Werthers, Suizid, Selbstmord, Albert, Werther, Aufklärung, Leidenschaft, Vernunft, Charakterisierung, literarische Analyse, 18. Jahrhundert, Literaturwissenschaft, Gesellschaftskritik, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Umgang mit dem Thema Suizid im Brief vom 12. August in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" und wie dieser das gegensätzliche Weltbild der beiden Hauptfiguren widerspiegelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Neben den historischen theologischen und juristischen Ansichten zum Selbstmord im 18. Jahrhundert konzentriert sich die Arbeit auf die Typisierung der Charaktere von Albert und Werther.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob die von Albert und Werther vertretenen Positionen zur Selbstmordfrage als "typisch" für ihre jeweiligen Charakterzüge angesehen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse des Quellentextes unter Einbeziehung von Kontextinformationen zur historischen Sicht auf den Suizid.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, die Einordnung der relevanten Roman-Szene sowie eine detaillierte Charakterisierung der beiden Protagonisten auf Basis ihrer Argumente.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Werther, Albert, Leidenschaft, Vernunft, Selbstmord, Aufklärung und literarische Kontrastfiguren gekennzeichnet.
Warum lehnt Albert das Konzept des Suizids so vehement ab?
Albert repräsentiert die aufklärerische Ethik und bürgerliche Ordnung, die den Suizid als moralisch verwerfliche Verletzung göttlicher Herrschaftsrechte über das Leben sieht.
Wie verteidigt Werther Menschen, die den Freitod wählen?
Werther verweigert die vorschnelle moralische Verurteilung und betont die Ausweglosigkeit und das Leid der Betroffenen, die er als schicksalhaft und nicht als reine Schwäche betrachtet.
Inwiefern ist die Auseinandersetzung ein Kampf der Weltanschauungen?
Die Debatte zeigt den unauflösbaren Kontrast zwischen Alberts rationalem, vernunftorientiertem Handeln und Werthers von Leidenschaft und Gefühl getriebenem Existenzverständnis.
- Quote paper
- Sandra Maghs (Author), 2005, "Die Leiden des jungen Werther" - Entsprechen die von Albert und Wether vertretenen Positionen in Bezug auf die Selbstmordfrage ihren "typischen" Charakterzügen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132586