Laien in der Geschichte der katholischen Kirche

Das Vaticanum II als neue Hoffnung!?


Hausarbeit, 2009
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Exkurs
2.1 Wortdefinition
2.2 Der Begriff Laie in den Anfängen des Christentums
2.3 Die Unterscheidung zwischen Laien und Klerikern
2.4 Die Laien nach dem Konzil von Trient
2.5 Der Katholizismus im 19. Jahrhundert
2.6 Die Katholische Aktion

3. Das Zweite Vatikanische Konzil
3.1 Am Vorabend des Konzils
3.2 Allgemeines zum Konzil
3.3 Die dogmatische Konstitution über die Kirche lumen gentium
3.3.1 Das vierte Kapitel über die Laien
3.3.2 Bewertung
3.4 Das Dekret über das Laienapostolat

4. Nach dem Konzil und Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

1956 schrieb G. Stachel, dass es nicht die Aufgabe von Laien sein kann, neue Tätigkeitsbereiche in der Kirche zu erobern, sondern dass abzuwarten sei, wie weit diese durch die Hierarchie der Kirche herangezogen werden.1 Ob Stachel im Entferntesten geahnt hat, was sich ungefähr sechs Jahre später in Rom in dieser Frage abgespielt hat, ist mehr als fraglich: Johannes XXIII. ruft das Zweite Vatikanische Konzil aus und am Ende dieser mehrjährigen Versammlung stehen 1965 viele gewaltige Beschlüsse, mit denen so gut wie niemand in dieser Zeit gerechnet hätte.

Die Zeit war in Deutschland bestimmt von der Nachkriegszeit, der zweiten deutschen Demokratie (Bonner Republik) unter den Kanzlern Adenauer und Erhard und der Wirtschaftsexplosion. In solch einer Zeit sind die Menschen mit sich selbst, ihrem Erfolg und dem Neuaufbau des eigenen Lebens beschäftigt – bleibt da noch Zeit für Religion und Kirche? Wie sah die Stimmung vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil aus? Warum beruft ein Papst in dieser Zeit ein Konzil ein? War das Zweite Konzil nur der Nachfolger des Ersten?

Diese Hausarbeit soll einen Überblick über die Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils, die Umstände und Gründe der Einberufung desselben geben. Die Dogmatische Konstitution lumen gentium bildet einen weiteren Teil, da in diesem Dokument die Hierarchie innerhalb der Kirche in einschneidender Weise verändert wird und die Rolle der Laien, das Volk Gottes, ein völlig neues Gewicht erhält. Daher wird im Besonderen die Rolle der Laien in der Kirche betrachtet. Weiterhin ist das Laienapostolat ein wichtiger Beschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils und beschäftigt sich ebenfalls mit der größten Gruppe in der Katholischen Kirche. Durch die Stärkung der Laien kam es bei manch einem Kleriker auch zu Existenzängsten, da er sich in seinen Autoritäten beschnitten fühlte.

2. Geschichtlicher Exkurs

Bevor ich in die Thematik um das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Wirkung auf die Stellung der Laien in der katholischen Kirche eingehen kann, werde ich kurz in die Geschichte der Kirche eintauchen müssen. Dies erscheint mir wichtig, um die Diskussion um Laien in der Kirche ernsthaft betreiben zu können.

Ebenso spiegelt die Stellung der Laien in der jeweiligen Zeit die Art des gemeindlichen Lebens wieder.2

Viele Gegner der Veränderung nennen sich Traditionalisten, wie z.B. Bischof Lefèbvre, der sich so stark am Konzil von Trient orientiert, das, seiner Meinung nach, den ganzen Glaubensschatz der katholischen Kirche festgesetzt hat.3 Allerdings scheinen hier entscheidende historische Fakten und Zeiträume komplett ausgeblendet worden zu sein. Karrer schreibt einem wahren Traditionalisten die Fähigkeit zu, die kirchliche Tradition bis zu ihrem Ursprung zu kennen und daraufhin den Reichtum der Kirche zu erkennen. Anhand dieser Kenntnis sollte ein Christ dann versuchen, die Probleme der Kirche zu lösen.

2.1 Wortdefinition

Beginnen möchte ich mit der etymologischen Klärung des Wortes Laie.4 Laie kommt aus dem griechischen Sprachraum vom Wort laikoj, welcher wiederrum vom Wort laoj abgeleitet wurde, was nichts anderes meint als Volk, Menschenmenge. Und das führt uns direkt zur Bedeutung der Laien am Anfang des Christentums.

2.2 Der Begriff Laie in den Anfängen des Christentums

Wie oben beschrieben, wurde in den Anfängen mit dem Wort laoj ganz profan das Volk bezeichnet, eine Menge von allen Menschen, egal welchen Standes. In der Septuaginta bezeichnet dieses Wort das Volk Israel bzw.

das Volk Gottes.5 6 Somit können wir aus der Grundbedeutung des Wortes schlussfolgern, dass vom Ursprung her, die Kirche das gesamte christliche Volk einschließen will.

Den Begriff Laie selbst finden wir in den Schriften des Neuen Testaments nicht. Dies lässt wiederum erkennen, dass es zu dieser Zeit keinerlei Hierarchisierung in den Gemeinden gab, welche zwischen Laien und Menschen, die Dienste im Sinne von unseren Klerikern heute übernommen haben, eine Trennung vornahm.7 Im Jahre 96 n. Chr. begegnet uns der Laie im Klemensbrief an die Korinther das erste Mal. Hier finden wir Hinweise auf eine Unterscheidung zwischen Priestern und Laien im Bereich der Synagogenverwaltung.8

2.3 Die Unterscheidung zwischen Laien und Klerikern

Den Beginn einer Institutionalisierung im weitesten Sinne und der damit verbundenen Einrichtung von Ämtern erkennen wir im weiteren Verlauf der Geschichte: Nachdem ersichtlich wurde, dass die Heilserwartung nicht kurze Zeit nach der Auferstehung Jesu Christi erfüllt wird, gab es erste Bestrebungen, die Gemeinden zu strukturieren. 9 Jedoch brachte diese Entwicklung natürlich auch negatives zu Tage: Dort wo einmal eine Unterscheidung getroffen wurde, gab es Uneinigkeiten, Streitigkeiten, Neid und Ausgrenzung. Dies zeigt sich in jeder Gemeinschaft, in der Ämter an eine kleine Gruppe von Menschen vergeben werden und diese über andere zu bestimmen haben. Diese Problematik zieht sich bis heute durch die Geschichte der katholischen Kirche. So war die Institutionalisierung des Papstamtes natürlich ein weiterer Schritt zur Strukturierung der Kirche; gleichzeitig wurde der Abstand zwischen den einfachen Kirchenmitgliedern und den Klerikern erhöht.

Der Kirchenrechtler Gratian hat im 11. Jahrhundert sehr eindeutig die Unterscheidung zwischen Laien und Klerikern im Decretum Gratiani, einer wichtigen Sammlung des mittelalterlichen Kirchenrechts, beschrieben:

Duo sunt genera Christianorum. Est autem genus unum, quod mancipatum divino officio, et deditum contemplationi et orationi, ab omni strepitu temporalium cessare convenit, ut sunt clerici, et Deo devoti, videlicet conversi. klhroj enim grece latine sors. Inde huiusmodi homines vocantur clerici, id est sorte electi. Omnes enim Deus in suos elegit. Hi namque sunt reges, id est se et alios regentes in virtutibus, et ita in Deo regnum habent. Et hoc designat corona in capite. Hanc coronam habent ab institutione Romanae ecclesiae in signo regni, quod in Christo expectatur. Rasio vero capitis est temporalium omnium depositio. Illi enim victu et vestitu contenti nullam inter se proprietatem habentes, debent habere omnia communia.

Aliud vero est genus Christianorum, ut sunt laici. laoj enim est populus. His licet temporalia possidere, sed non nisi ad usum, Nichil enim miserius est quam propter nummum Deum contempnere. His concessum est uxorem ducere, terram colere, inter virum et virum iudicare, causas agere, oblationes super altaria ponere, decimas reddere, et ita salvari poterunt, si vicia tamen benefaciendo evitaverint. (DECRETUM GRATIANI, c.XII q.1 c.7) 10

Diese Unterscheidung fand sich also auch in dem offiziellen Recht der Kirche wieder, was deutlich zeigt, dass die anfängliche Trennung von Laien und Klerus sich immer stärker ausprägte.

2.4 Die Laien nach dem Konzil von Trient

Durch die Reformationsbewegung bekamen die einfachen Gläubigen wieder mehr Gewicht.11 Die Menschen konnten wieder das fordern, was ihnen auf dem Herzen lag und lösten sich aus den Zwängen der kirchlichen Hierarchie. Die Laienbewegung erwachte in dieser Zeit und strebte nach Veränderungen in verschiedenen Bereichen. Ein wichtiger Punkt, der uns heutzutage im Bereich von Integrationspolitik begegnet, ist die Sprache. Die Laien forderten Gottesdienste und Bibelübersetzungen in ihre Sprachen,

ebenso wurde der Laienkelch und die Gleichheit aller Christen (egal ob Kleriker oder nicht) als Erwartung geäußert.

Diese Forderungen standen im Raum als das Konzil von Trient 1545 n. Chr. eröffnet wurde.

Das Konzil war jedoch für die Laienbewegung eine herbe Enttäuschung. 12 Die Laien wurden nur über die Beschreibung des Klerus indirekt erwähnt; eine tiefere Beschäftigung mit dieser Gruppe, die die Majorität in der Kirche bildet, blieb aus. Viel schlimmer war noch, dass der besondere Stand der Kleriker noch hervorgehoben wurde, also derjenige, der Vollmachten besitzt, die einem Laien nicht verliehen werden. Es geht sogar soweit, dass man im Catechismus Romanus von 1566 folgende Beschreibung findet:

So ist offenbar ihr Amt [der Priester, Anm. d. A.] ein solches, dass man sich kein höheres ausdenken kann, daher sie mit Recht nicht nur Engel, sondern auch Götter genannt werden, weil sie des unsterblichen Gottes Kraft und Hoheit bei uns vertreten.13

2.5 Der Katholizismus im 19. Jahrhundert

Der Begriff des Katholizismus beschreibt eine Lebensform, welche im 19. Jahrhundert entwickelt und gelebt wurde.

Durch neu geschaffene Bürgerrechte wie die Niederlassungs- und Pressefreiheit, das Recht, Vereine und Verbände zu gründen, konnte die katholische Kirche manch eine Laienbewegung nicht mehr eingrenzen. Die Kirche musste in dieser Zeit aber auch erkennen, dass die Laien hilfreich waren, um die Kirche in der Gesellschaft weiterhin zu erhalten. Das Leben zwischen Kirche und Staat war nicht mehr eindeutig getrennt, sondern der Katholizismus bildete eine Sozialform für ein katholisches Leben im Staat. Die Gründung von eigenen Verbänden unter dem Dach der Kirche gab v.a. auch den Frauen die Möglichkeit, sich intensiver in der Kirche zu engagieren.

Gleichzeitig wurde die Kirche auch von Kritikern und Gegnern angegriffen und die Gläubigen sahen sich mit naturwissenschaftlichen Fakten konfrontiert. Gerade für diese Gläubige bildeten die Verbände und Vereine im Rahmen des Glaubens ein „schützendes Schild“14.

[...]


1 M. GARTMANN, „Laien“ als Theologen in der Gemeindepastoral, Zur Integration der „Laientheologen“ in die Gemeindepastoral unter Einbeziehung ihres empirisch erhobenen Selbstverständnisses, Münster 1978, 10.

2 Vgl. L. KARRER, Die Stunde der Laien, Von der Würde eines namenlosen Standes, Freiburg im Breisgau / Basel / Wien 1999, 17.

3 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Ebd.

4 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Ebd, 18.

5 Vgl. Ebd.

6 Viele Bibelstellen zeigen auf, dass das Wort laoj die Menschenmenge an Christinnen und Christen beschreibt. Vgl. hierzu folgende Bibelstellen (nach L. Karrer, Die Stunde der Laien, 19): Gott selbst hat „aus den Heiden ein Volk für seinen Namen gewonnen“ (Apg 15, 14), Wer den „für euch bestimmten Christus“ (Apg 3, 20), nicht hört, „ wird aus dem Volk ausgerottet werden“ (Apg 3,23). Apg 18,9f; 2 Kor 6,16; 1 Petr 2,9.

7 Vgl. S. SPENDEL, Laien –Stiefkinder oder Priester, Propheten und Könige? Zum Laienproblem in der katholischen Kirche, 131f, in: G. GROHS / G. CZELL (HRSG.), Kirche in der Welt – Kirche der Laien? Frankfurt am Main 1990.

8 Vgl. L. KARRER, Die Stunde der Laien, 21; S. Spendel, Laien – Stiefkinder oder Priester, Propheten und Könige?, 132.

9 Vgl. L. KARRER, Die Stunde der Laien, 20.

10 Deutsche Übersetzung: Es gibt zwei Arten von Christen. Die eine Art aber ist die, der es zukommt, dem göttlichen Dienst verpflichtet und hingegeben der Kontemplation und dem Gebet, sich von allem Getöse der zeitlichen Dinge fern zu halten, nämlich die Kleriker und die Gott durch Gelübde Geweihten bzw. die Konversen. klhroj (kleros) bedeutet nämlich im Griechischen soviel wie lateinisch Los. Von daher werden derartige Menschen Kleriker genannt, d.h. durch das Los erwählte. Alle hat nämlich Gott zu den Seinigen erwählt. Diese nämlich sind Herrscher, d.h. solche, die über sich und andere in Tugenden herrschen, und so in Gott Herrschaft haben. Und dies bezeichnet die Krone (Tonsur) auf ihrem Kopf. Diese Krone haben sie von der Anordnung der Römischen Kirche her zum Zeichen der Herrschaft, die in Christus erwartet wird. Das Scheren des Kopfes ist das Ablegen alles Zeitlichen. Jene nämlich sollen, zufrieden mit Nahrung und Kleidung und ohne Eigentum untereinander, alles gemeinsam haben. Es gibt aber die andere Art der Christen, nämlich die Laien. laoj (laos) nämlich heißt Volk. Diesen ist es erlaubt, Zeitliches zu besitzen, aber nur zum Gebrauch; denn nichts ist erbärmlicher als um des Geldes willen Gott zu verachten. Diesen ist eingeräumt zu heiraten, die Erde zu bebauen, untereinander Richter zu sein, Prozesse zu führen, Opfergaben auf die Altäre zu legen, den Zehnten zu zahlen und so können sie zum Heil kommen, wenn sie die Laster durch Gutestun meiden. Original und Übersetzung vgl. V. PFNÜR, Klerus – Geistlicher Stand – Lebensweise, in: http://ivv7srv15.uni-muenster.de/mnkg/pfnuer/klerus.html; zuletzt gesichtet 18.04.2009.

11 Vgl. hierzu und zum Folgenden: L. KARRER, Die Stunde der Laien, 46.

12 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Ebd.

13 http://www.theologie.uni-wuerzburg.de/fileadmin/01030300/_temp_/Folien_Homepage_56-123.pdf; zuletzt gesichtet am 18.04.2009.

14 L. KARRER, Die Stunde der Laien, 58.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Laien in der Geschichte der katholischen Kirche
Untertitel
Das Vaticanum II als neue Hoffnung!?
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Katholische Theologie)
Veranstaltung
Einführung in die Historische Theologie: Religion und Gesellschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V132591
ISBN (eBook)
9783640388592
ISBN (Buch)
9783640388516
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kirche, katholische Kirche, Konzil, Vatikanische Konzil, Laien, Laienbewegung, Vaticanum, Zweite Vatikanische Konzil, Loewenich
Arbeit zitieren
Arne Loewenich (Autor), 2009, Laien in der Geschichte der katholischen Kirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132591

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