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Die Kinderperspektive in Ilse Aichingers Roman "Die größere Hoffnung"

Title: Die Kinderperspektive in Ilse Aichingers Roman "Die größere Hoffnung"

Term Paper , 2020 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Miscellaneous
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Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann beschreibt in ihren Forschungen zum kollektiven Gedächtnis eine menschliche Unfähigkeit, sich an Traumata wie den Holocaust im Zweiten Weltkrieg unmittelbar zu erinnern und sie zu erzählen. Erinnern und Vergessen stellen einen konstitutiven Teil zum sowohl individuellen als auch kollektiven Gedächtnis dar. In diese Dialektik fügen sich die literarischen Werke von Ilse Aichinger ein. Entgegen Assmanns These erzählt Ilse Aichinger bereits unmittelbar nach dem Kriegsende von den unvorstellbaren und traumatischen Geschehnissen, die die jüdische Bevölkerung unter dem Nationalsozialismus erleiden musste. Mit ihrem Roman Die größere Hoffnung veröffentlichte sie eine der frühesten literarischen Aufarbeitungen der NS-Zeit – er blieb ihr erster und einziger Roman. Laut Aichinger selbst sollte es ein „ein Bericht darüber werden, wie es wirklich war.“ Hervorgebracht hat sie einen Roman, der sich – mit der Thematisierung des Holocaust und den Versuch seiner Darstellbarkeit – durch eine anspruchsvolle literarische Gestaltung und die Verwendung einer poetischen Sprache auszeichnet. Das Leiden der jüdischen Bevölkerung unter dem nationalsozialistischen Terrorregime wird hervorgehoben durch die Erzählung der Erfahrungen der kindlichen Protagonistin Ellen und ihrer jüdischen Freunde. Hierbei kommt der Kinderperspektive in Die größere Hoffnung eine bedeutende Rolle zu, die in dieser Hausarbeit untersucht werden soll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die größere Hoffnung zwischen Erinnern und Vergessen

2.1 Die Darstellbarkeit des Holocaust

2.2 Die Protagonistin Ellen

3. „Vom Ende her auf das Ende hin“: Erzählperspektive, Ellen und die Erzählstimme

3.1 Die Erzählperspektive

3.2 Das Verhältnis von Erzählstimme und Kinderperspektive (Ellen)

4. Die Kinderperspektive

4.1 Die Spiele

4.2 Fantasien und Träume

5. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die zentrale Rolle der Kinderperspektive in Ilse Aichingers Roman „Die größere Hoffnung“ unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen der Erzählstimme und der kindlichen Protagonistin Ellen. Es wird der Frage nachgegangen, wie der Roman den Holocaust thematisiert, ob das Wissen der Erzählinstanz jenes der kindlichen Perspektive übersteigt und wie Kinder durch Spiele, Fantasien und Träume versuchen, ihre schmerzhafte Realität zu verarbeiten.

  • Analyse der Darstellbarkeit des Holocaust in Aichingers poetischer Sprache.
  • Untersuchung des Verhältnisses von Erzählstimme und Kinderperspektive.
  • Bedeutung der kindlichen Spielwelten als Strategie der Realitätsbewältigung.
  • Rolle von Fantasien und Träumen bei der Zukunftsperspektive der verfolgten Kinder.
  • Intertextualität und Mythenbezüge innerhalb der Erzählung.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Erzählperspektive

Wie bereits erwähnt, hat Ilse Aichinger für den Roman die Kinderperspektive gewählt. Diese wird zum einen durch personales Erzählen der Protagonistin Ellen repräsentiert. Zum anderen lässt sich erkennen, dass in Die größere Hoffnung überwiegend eine heterodiegetisch-extradiegetische Erzählstimme auftritt. Diese erscheint nicht als Figur in der Erzählung, sondern berichtet von den Erlebnissen Ellens und ihren Freunden sowie weiteren im Roman vorkommenden Figuren. Auffällig ist ebenso, dass die Handlung im Präteritum erzählt wird. Es handelt sich also um eine spätere Narration, bei der die Erzählstimme bereits das Ende (=der Tod) kennt. Lediglich einzelne Abschnitte wie jenes im vierten Kapitel (Im Dienst einer fremden Macht) sind im Präsens geschrieben, hier heißt es:

„Die Wolken reiten Manöver, mitten im Krieg reiten sie Manöver, reiten toll und tänzelnd und tief über den Dächern der Welt, tief über diesem Niemandsland zwischen Verrat und Verkündigung, tief über der Tiefe. […]“

Diese Passage hebt sich nicht nur durch die gewählte Zeitform hervor, sondern auch durch die Wahl einer besonders lyrischen Sprache. Der Roman weist direkte Rede ebenso wie erlebte Rede der Figuren auf.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Erinnerung an den Holocaust bei Ilse Aichinger ein und formuliert die Ziele der Hausarbeit hinsichtlich der Analyse der Erzählperspektive und der Kinderperspektive.

2. Die größere Hoffnung zwischen Erinnern und Vergessen: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeiten der Darstellung des Holocaust in der Literatur und führt die zentrale Protagonistin Ellen als Halbjüdin in ihrer gesellschaftlichen Situation ein.

2.1 Die Darstellbarkeit des Holocaust: Hier wird der Verzicht des Romans auf historische Fakten und nationalsozialistische Begrifflichkeiten analysiert, um stattdessen eine poetische Sprache zur Annäherung an das Unbegreifliche zu nutzen.

2.2 Die Protagonistin Ellen: Die Untersuchung konzentriert sich hier auf Ellen, ihren Status als Halbjüdin, ihre Isolation und ihre vergeblichen Versuche, durch symbolische Handlungen wie das Erwirken eines Visums ihre Situation zu verbessern.

3. „Vom Ende her auf das Ende hin“: Erzählperspektive, Ellen und die Erzählstimme: Dieses Kapitel beginnt mit der Analyse des Verhältnisses zwischen der Erzählinstanz und der kindlichen Perspektive.

3.1 Die Erzählperspektive: Es wird die Doppelperspektivität des Romans aufgezeigt, die zwischen personalem Erzählen aus Ellens Sicht und einer auktorialen, das Ende bereits kennenden Stimme wechselt.

3.2 Das Verhältnis von Erzählstimme und Kinderperspektive (Ellen): Es wird belegt, dass das Wissen der Erzählstimme dasjenige der kindlichen Perspektive übersteigt, wodurch eine bewusste Distanz zur kindlichen Naivität hergestellt wird.

4. Die Kinderperspektive: Dieses Kapitel widmet sich der inhaltlichen Ebene der kindlichen Lebenswelt unter dem Terrorregime und wie diese durch spielerische Elemente und Fantasien Ausdruck findet.

4.1 Die Spiele: Hier wird analysiert, wie Kinder reale Ängste und Ausgrenzungen in ernsthafte Spiele übertragen, um eine Form von Reintegration oder eine aktive Mitgestaltung ihres Schicksals zu simulieren.

4.2 Fantasien und Träume: Die Untersuchung zeigt auf, wie Fantasien und Träume den Kindern als Fluchtmöglichkeiten dienen oder als verfremdete Abbilder ihrer traumatischen Realität fungieren.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der gewonnenen Einsichten über die Funktion der kindlichen Erzählweise als Mittel zur Demaskierung nationalsozialistischer Ideologie.

Schlüsselwörter

Ilse Aichinger, Die größere Hoffnung, Kinderperspektive, Holocaust, Erinnerungskultur, Erzählperspektive, Identität, Spieltheorie, Trauma, Nationalsozialismus, Realitätsbewältigung, Traumdeutung, Poetik, Literaturwissenschaft, Kindheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse der Kinderperspektive in Ilse Aichingers Roman „Die größere Hoffnung“ und untersucht, wie dieses stilistische Mittel genutzt wird, um die traumatischen Erfahrungen während der NS-Zeit literarisch aufzuarbeiten.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit behandelt die Darstellbarkeit des Holocaust, das Verhältnis zwischen kindlichem Erleben und auktorialem Erzählen, die Identitätssuche von verfolgten Kindern sowie die Bedeutung von Spiel, Fantasie und Traum als Verarbeitungsstrategien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass durch die spezielle Erzählstruktur des Romans keine naive Kinderperspektive erzeugt wird, sondern ein verfremdeter und reflektierter Blick auf die gesellschaftliche Ordnung des Nationalsozialismus möglich wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die den Roman auf seine narrativen Strukturen, Erzählperspektiven und symbolischen Ebenen hin untersucht, eingebettet in den Kontext der Aichinger-Forschung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret analysiert?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der Heterodiegetik, der Bedeutung des Spiegelmotivs, der Untersuchung von Kinderspielen sowie der Analyse von Träumen der Protagonistin Ellen als Bewältigungsmechanismen gegenüber der Deportationsangst.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Doppelperspektivität“, „Poetisierung“, „Trauma“, „Reintegration“, „Erzählsituation“ und „Identitätspolitik“ geprägt.

Inwiefern spielt der „Spiegel“ eine Rolle für die Protagonistin?

Das Spiegelmotiv dient als Vorausdeutung auf das Schicksal der Protagonistin Ellen; der zerbrochene Spiegel symbolisiert sowohl die Zerstörung des Kindes als auch die Unmöglichkeit, die Realität des Holocaust unmittelbar ungebrochen darzustellen.

Warum ist die Analyse der Spiele der Kinder so wichtig?

Die Spiele werden analysiert, weil sie einen Einblick in die Fluchtbewegungen der Kinder geben, die durch das Spiel versuchen, ihre Opferrolle zu verlassen und ihr Schicksal kurzzeitig aktiv zu bestimmen.

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Details

Title
Die Kinderperspektive in Ilse Aichingers Roman "Die größere Hoffnung"
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Grade
1,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2020
Pages
18
Catalog Number
V1325916
ISBN (PDF)
9783346812117
ISBN (Book)
9783346812124
Language
German
Tags
kinderperspektive ilse aichingers roman hoffnung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2020, Die Kinderperspektive in Ilse Aichingers Roman "Die größere Hoffnung", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1325916
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