Sind Schutzengel eine Gefahr für den einen Gott?

Ein Vergleich mit den Gottheiten des Hinduismus


Hausarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Die Engel im Christentum
1.1 Die Aktualität des Themas
1.1.1 Auf der Suche nach den Engeln im Alltag
1.1.2 Verwendung des Begriffs Engel
1.2 Der Begriff des (Schutz-)Engels
1.2.1 Die Übersetzung
1.2.2 Der Engel in seinen religionsgeschichtlichen Ursprüngen
1.2.2.1 Die Fravašis
1.2.2.2 Die Vorstellung eines persönlichen Gottes
1.2.2.3 Der persönliche Dämon in der griechisch-römischen Welt
1.2.3 Der Sprachgebrauch
1.2.4 Der Engel in der Bibel
1.2.4.1 Wo taucht der Begriff auf
1.2.4.2 Verschiedene Typen von Engeln
1.2.4.3 Verschiedene Betitelungen der Engel
1.2.5 Der Schutzengel als ständiger Begleiter?
1.2.6 Das Verhältnis der Engel zu Gott
1.3 Der Engel – Eine Gefahr für den Monotheismus?

2. Die Gottheiten im Hinduismus
2.1 Ein kurzer Umriss des Hinduismus
2.2 Die Götterwelt des Hinduismus

3. Vergleich

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

„Fahre nie schneller als dein Schutzengel fliegen kann“[1] oder „Ihrem Schutzengel verdanken sie ein langes Leben.“[2], solche Texte finden wir in den letzten Jahrzehnten wieder häufiger. Ob in der Werbung, in der Kirche oder im Alltag – der Schutzengel ist wieder da. Jedoch stellt uns dies vor eine Problematik in unserem katholischen monotheistischen Glauben. Dürfen wir zu Schutzengeln beten, sie verehren und gleichzeitig von uns behaupten, dass wir „neben Gott „keine anderen Götter haben“ (Ex 20,3)? Sind die Schutzengel für uns zu Nebengöttern oder Gottheiten geworden? Hat ein Schutzengel immer etwas mit Religion zu tun, oder hat sich der Begriff in der heutigen Gesellschaft selbstständig gemacht? Sind die „Boten Gottes“[3] nur noch Boten der Werbestrategen oder wirkliche „Offenbarungsträger“[4] ?

Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, werde ich im ersten Teil dieser Arbeit auf die Suche nach der heutigen Bedeutung eines ‚Schutzengels’ eingehen. Um festzustellen, ob der monotheistische Glaube sich trotz der Schutzengel vom polytheistischen Glauben absetzt, werde ich ihn mit ebendiesem vergleichen.

Für den Vergleich habe ich den Hinduismus gewählt, der mir mit seinen vielen Gottheiten als gutes Beispiel für einen polytheistischen Glauben dient. Somit folgt im zweiten Kapitel die Auseinandersetzung mit den diversen Gottheiten im Hinduismus sowie deren Bedeutung im Glauben.

Im darauf folgenden Kapitel erfolgt dann der Vergleich, der mit dem Versuch einer Antwort auf die Frage nach der Rolle der Schutzengel für das Christentum endet.

Am Schluss dieser Arbeit werde ich dann eine kurze Zusammenfassung der Problematik und des Ergebnisses geben.

1. Die Engel im Christentum

1.1 Die Aktualität des Themas

Warum beschäftigt man sich gerade heute wieder mit dem Thema der Engel!? Seit Jahrtausenden soll es diese Wesen[5] geben; viele Forscher haben sich mit ihnen beschäftigt und sich diesem Thema gewidmet.

Es gab Zeiten, in denen die Engel kein Thema mehr waren und sich niemand mit ihnen beschäftigte. Warum sich also mit Engeln befassen?

1.1.1 Auf der Suche nach den Engeln im Alltag

Wenn man sich heutzutage umsieht, dann sieht es so aus, als wären Engel immer schon da gewesen und niemand macht sich Gedanken um sie. Sie gehören einfach dazu. Ob als „Gelbe Engel“ des ADAC oder als Werbeträger diverser Versicherungen. Der Engel ist wieder da. Selbst die Zigarettenfirma WEST arbeitet auf ihren Plakaten mit einem Engel[6], mal als Frau und mal als Mann mit Flügeln dargestellt.

Um die Aktualität dieses Themas in Zahlen zu packen, kann man sich mit der Intenet-Suchmaschine Google[7] helfen. Am 27.01.2007 ergab eine gemeinsame Suche nach den Begriffen „Schutzengel“ und „Zeitung“ eine Trefferzahl von ca. 99.900 Seiten, allein auf Deutsch.[8] Der Begriff „Zeitung“ ist hier wichtig, damit bestimmte einschlägige Blättchen nicht mitgezählt werden, sondern nur diejenigen „Printmedien, die die Selbstbezeichnung ‚Zeitung’ führen.“[9]

Viele Theologen sind „[s]eit fast zwei Jahrzehnten“[10] wieder dabei, sich mit der „Rückkehr der Engel“[11] zu beschäftigen. Weitere Beobachtungen, wie der Bericht darüber, dass sich Bücher, die sich mit dem Thema beschäftigen, über mehrere Monate auf den Bestsellerlisten der Vereinigten Staaten von Amerika hielten,[12] oder selbst die Verwendung des Symbols auf Christbaumkugeln,[13] sind eindeutige Zeichen für die „Wiederkehr der Engel“[14] (Herbert Vorgrimler).

1.1.2 Verwendung des Begriffs Engel

Dass Engel im Alltag wieder eine Rolle spielen, ist in 1.1.1 eindeutig klar geworden. Die Frage bleibt jedoch, was für eine Bedeutung ein Engel heutzutage hat?

In dem Suchergebnis der Internetrecherche durch die Google-Suchmaschine fanden wir den Engel vor allem als Helfer in Not oder Beschützer bei Autounfällen, Umweltereignissen, „Rettung aus Not“[15] und sonstigen Katastrophen,[16] sie „verkörpern Schutz und Begleitung, Hilfe und Bewahrung.“[17] Einen religiösen Zusammenhang können wir hier aber nicht direkt entdecken. Es scheint fast so, als seien die Engel in der heutigen Zeit „als Dienstleister wichtig, nicht als Offenbarungsträger.“[18]

1.2 Der Begriff des (Schutz-)Engels

1.2.1 Die Übersetzung

Um genauer heraus zu bekommen, was ein Schutzengel ursprünglich bedeutete, sollte man versuchen den Ursprungsbegriff zu finden. Bei unserem Wort Schutzengel ist dies allerdings gar nicht so einfach, da es weder im Griechischen noch im Hebräischen einen entsprechenden Begriff gibt.[19] Erst im Lateinischen wird man fündig und findet das Äquivalent „angelus custos“[20].

1.2.2 Der Engel in seinen religionsgeschichtlichen Ursprüngen

Bianca Schnupp teilt die Vorstellung von Schutzengeln in zwei Komponenten ein: auf der einen Seite den „auf das irdische Leben ausgerichtete [Engel, der] Hoffnung auf Schutz, Begleitung und Rettung in Gefahr“[21] bietet und auf der anderen Seite spricht sie von einer „individuellen Zuordnung eines Engels zu einem Menschen“[22].[23] Hierzu siehe auch Kapitel 1.2.5.

Um nun ein wenig tiefer in die Materie der Schutzengel einzusteigen, suchen wir nach Parallelen in der Geschichte. Es werden hier drei verschiedene Themenkomplexe genauer behandelt, welche „immer wieder in der Fachliteratur genannt werden.“[24]

1.2.2.1 Die Fravašis

Die Fravašis sind seit der Übersetzung des Bartholomae als „Schutzgeist“[25] die Urform der Schutzengel.[26] Neuere Forschungen haben jedoch belegt, dass diese Übersetzung nicht richtig ist, da „die Grundbedeutung des Wortes ‚bevorzugen’ heißt, nicht ‚beschützen’“[27]. Des Weiteren ist diese Urform zu weit von dem heutigen Sprachgebrauch, der in Kapitel 1.2.3 besprochen wird, entfernt. Die Fravašis treten nur in der Mehrzahl auf und wenden sich nicht an einen einzelnen Menschen, sondern nur an ein Kollektiv. Daher kann man abschließend sagen, dass sie von unserem Engelsbild zu weit entfernt sind.[28]

1.2.2.2 Die Vorstellung eines persönlichen Gottes

Im Alten Orient gibt es die Vorstellung von einem persönlichen Gott.[29] Dieser Begriff ist meiner Meinung nach nicht glücklich gewählt, da es hier nicht um einen „permanenten Privatengel für jede Privatperson“[30] geht. Mit dem persönlichen Gott ist hier ein Familiengott gemeint, d.h. eine Familie bezieht sich „in besonderer Weise auf eine bestimmte Gottheit“[31]. Es können diverse Lokalgötter, aber auch die Götter der Staatsreligion angebetet werden.[32]

Wenn wir nun diese Götter in Vergleich mit unseren beiden Komponenten setzen, dann fällt auf, dass hier „eine Parallele zu beiden Aspekten der modernen Schutzengelvorstellung erkennbar“[33] ist: Sowohl die Zuordnung zu den Menschen wie auch die (mögliche) Errettung aus Gefahr oder der Schutz vor Unheil sind hier vertreten. Somit kann man den persönlichen Gott zumindest als Vergleichsoption in Betracht ziehen. Allerdings ist hier zu beachten, dass zwischen der Zuordnung zu einem Menschen und zu einer Familie ein nicht zu unterschätzender Unterschied besteht.

[...]


[1] Zitat nach Peter Darbo.

[2] Aus einer Werbeanzeige der Provinzial-Versicherung.

[3] B. Schnupp, Schutzengel, 13.

[4] Ebd.

[5] Der Begriff „Wesen“ ist hier völlig unkritisch zu betrachten und ohne direkte Aussage.

[6] Vgl. http://engelwald.heim.at/engel_in_der_werbung.htm.

[7] Vgl. http://www.google.de.

[8] Idee vgl. B. Schnupp, a. a. O., 16.

[9] Ebd.

[10] Ebd., 13.

[11] B. Wilson, Christentum, 158.

[12] Vgl. ebd.

[13] Vgl. B. Schnupp, a. a. O., 13.

[14] Ebd.

[15] Ebd., 16.

[16] Zum Beispiel „Schutzengel im Orkan“ aus der Zeitung in Kassel vom 19.01.2007.

[17] B. Schnupp, a. a. O., 13.

[18] Ebd.

[19] Vgl. hierzu und zum Folgenden B. Schnupp, a. a. O., 178;ebd. 16.

[20] Zur Übersetzung siehe auch J.M. Stowasser, Stowasser, 136.

[21] B. Schnupp, a. a. O., 26.

[22] Ebd.

[23] Vgl. ebd.

[24] Ebd.

[25] B. Schnupp, a. a. O., 26, zit. nach: C. Bartholomae, Art. fravašay, Altiranisches Wörterbuch, Sp. 992-995.

[26] B. Schnupp, a. a. O., 26.

[27] Ebd., 27.

[28] Vgl. ebd.

[29] Vgl. ebd., 28.

[30] K. Barth, Die kirchliche Dogmatik III/3, 608.

[31] B. Schnupp, a. a. O., 28.

[32] H. Vorländer, Mein Gott, 165f.

[33] B. Schnupp, a. a. O., 28.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Sind Schutzengel eine Gefahr für den einen Gott?
Untertitel
Ein Vergleich mit den Gottheiten des Hinduismus
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Katholische Theologie)
Veranstaltung
Eschatologie
Note
2,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V132594
ISBN (eBook)
9783640388608
ISBN (Buch)
9783640388691
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Monotheismus, Schutzengel, Hinduismus, Dämon, Engel, Christentum, Gott, Loewenich
Arbeit zitieren
Arne Loewenich (Autor), 2006, Sind Schutzengel eine Gefahr für den einen Gott?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132594

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