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Möglichkeiten und Grenzen von Ombudschaften bei den Hilfen zur Erziehung

Title: Möglichkeiten und Grenzen von Ombudschaften bei den Hilfen zur  Erziehung

Bachelor Thesis , 2021 , 71 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Barbara Scarvaglieri (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz verankert im SGB VIII mit dem neu eingefügten § 9a SGB VIII die in der Praxis bereits bestehenden Strukturen von Ombudschaften als externe und unabhängige Anlaufstellen, die Betroffenen in Konfliktsituationen zur Seite stehen und verlangt, dass die Länder die Schaffung einer bedarfsgerechten Struktur von Ombudsstellen in ganz Deutschland sicherstellen. So sollen Kinder, Jugendliche und ihre Familien gehört und in der Wahrnehmung ihrer Rechte unterstützt werden und organisierte Formen der Selbstvertretung gestärkt werden. Sieht man Beschwerde und Partizipationsmöglichkeiten als Motor für positive Weichenstellungen, eröffnet dies ein enormes Verbesserungspotential für zukünftige Entscheidungen und Arbeitsprozesse.

Diese Arbeit setzt sich auf Grundlage einer systematischen Literaturrecherche mit der Frage nach den „Möglichkeiten und Grenzen von Ombudschaften bei den Hilfen zur Erziehung“ auseinander. Die Einbindung von Ombudschaften bei strittigen Entscheidungsfindungen im sozialrechtlichen Drei- bzw. Viereck hat eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Stärkung der Betroffenenrechte, die Beförderung der Einzelfallgerechtigkeit, für Transparenz und Akzeptanz getroffener Entscheidungen und nicht zuletzt für die offensive Verteidigung der Rechtsstaatlichkeit in der Jugendhilfe.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hilfen zur Erziehung

2.1. Vom RJWG zum SGB VIII – der Paradigmenwechsel

2.2. Definition und Voraussetzungen der Hilfearten nach § 27 SGB VIII

2.3. Hilfe für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII, Nachbetreuung nach § 41a SGB VIII

2.4. Kosten vs. Fachlichkeit

2.5. Lebenslagen der Adressaten

2.6. Geschlossene Unterbringung

3. Kontrollmechanismen

3.1. Mitwirkungs- und Beteiligungsrechte im SGB VIII

3.1.1. Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, Jugendhilfe nach § 1 SGB VIII

3.1.2. Selbstorganisierte Zusammenschlüsse zur Selbstvertretung nach § 4 a SGB VIII

3.1.3. Wunsch und Wahlrecht nach § 5 SGB VIII

3.1.4. Beteiligung von Kindern und Jugendlichen nach § 8 SGB VIII und § 8b Abs. 2 Nr. 2 SGB VIII

3.1.5. Beratung nach § 10a SGB VIII

3.1.6. Mitwirkung, Hilfeplan nach § 36 SGB VIII

3.1.7. Partizipation und Beschwerde im Rahmen der Betriebserlaubnis/Heimaufsicht nach §§ 45- 48 a SGB VIII

3.1.8. Jugendhilfeausschuss nach § 71 SGB VIII

3.2. Verwaltungskontrolle und Rechtsschutz

3.2.1. Verwaltungskontrolle

3.2.2. Rechtsschutz

4. Ombudschaften

4.1. Entstehung und Entwicklung der Ombudschaften

4.2. Selbstverständnis und Arbeitsweise

4.2.1. Definition und Legitimation ombudschaftlichen Handelns

4.2.2. Tätigkeitsfelder, Beratung und Haltung

4.2.3. Unabhängigkeit und Einbindung ehrenamtlicher Mitarbeiter

4.2.4. Evaluation und fachpolitische Öffentlichkeitsarbeit

4.3. Möglichkeiten von Ombudschaften

4.3.1. Ausgleich der Machtasymmetrie

4.3.2. Partizipation, Selbstwirksamkeit und Nachhaltigkeit

4.3.3. Unabhängige Beschwerdeinstanzen als Unterstützung und Kontrolle

4.3.4. Fachdiskurs, Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit

4.4. Grenzen von Ombudschaften

4.4.1. Fachkräfte – „Woher nehmen, wenn nicht stehlen?“

4.4.2. Herausforderungen im realen Umfeld

4.4.3. Der Sozialstaat in der Pflicht – Ressourcenmangel als externe Limitierung

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht systematisch die Möglichkeiten und Grenzen von Ombudschaften in der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere im Kontext von erzieherischen Hilfen, und bewertet deren Rolle bei der Stärkung der Betroffenenrechte sowie der Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit angesichts struktureller Defizite.

  • Historische Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe und des SGB VIII
  • Aktuelle Kontrollmechanismen und Partizipationsrechte im System
  • Funktionsweise, Legitimation und Arbeitsweise von Ombudsstellen
  • Herausforderungen durch Ressourcenmangel und Fachkräftemangel
  • Bedeutung der Ombudschaft für den Ausgleich von Machtasymmetrien

Auszug aus dem Buch

4.3.1. Ausgleich der Machtasymmetrie

Trotz weitgehend im SGB VIII verankerter Mitwirkungs- und Beteiligungsrechte der Betroffenen entspricht die Bewilligungspraxis durch den öffentlichen Träger und die Ausgestaltung der Hilfeleistung durch den freien Träger teilweise nicht dem Erfordernis einer geeigneten und/oder bedarfsgerechten Hilfe (vgl. Bundesnetzwerk Ombudschaft 2019a, S. 3). Der im SGB VIII postulierte, von der Theorie der Lebenswelt geprägte, sozialpädagogisch geschützte Rahmen sozialstaatlicher Rechtsumsetzung, stößt in der Praxis auf ordnungspolitische Zusammenhänge, die gleich „Korsettstangen“ alle Vorgänge im Bereich der Jugendhilfe und auch die Beratungstätigkeit der Ombudschaften beeinflussen. Das sind u. a. fachliche Begründungen, die Erwartungen an Trägerinteressen, die Kooperation mit öffentlichen Kostenträgern, die verfahrensrechtlichen Prozesse des Widerspruchs, aber auch die Machbarkeitsüberlegungen innovativer Konzepte und deren Umsetzung, die diesen ordnungspolitischen Zusammenhängen unterliegen (vgl. Schruth 2015, S. 266).

Schruth benennt als eine dieser „Korsettstangen“ das bestehende Machtgefälle zwischen Adressaten und Fachkraft. Auf der einen Seite steht der sich in einer persönlichen Krisensituation befindliche Klient. Er sucht Hilfe und Unterstützung, kann aber fachliche, rechtliche und institutionelle Vorgänge und Gegebenheiten weder einordnen noch beurteilen. Auf der anderen Seite agiert die Profession auf eigenem Terrain im besten Sinne gut ausgebildet und durchorganisiert. Die hoheitliche Entscheidungskompetenz der Mitarbeiter des ASD und deren Sprach-, Wissens- und Verfahrenskompetenz bedingen ein strukturelles Ungleichgewicht (vgl. ebd., S. 267). Im Leistungsdreieck bzw. -viereck bei den Hilfen zur Erziehung ist die Machtasymmetrie in fast nahezu allen Fällen systemimmanent. Im Regelfall müssen die Adressaten der Kinder- und Jugendhilfe ihre Ansprüche und Rechte bei den Hilfen zur Erziehung selbst einfordern.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigenden Fallzahlen im Bereich der Erzieherischen Hilfen, thematisiert Missstände in der Praxis und führt in die Notwendigkeit unabhängiger Ombudsstellen als Kontrollinstrument ein.

2. Hilfen zur Erziehung: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Weg vom RJWG zum SGB VIII nach, definiert die verschiedenen Hilfearten und beschreibt die Lebenslagen und Rechtsansprüche der Adressaten im Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle.

3. Kontrollmechanismen: Es werden die verschiedenen gesetzlichen Beteiligungs-, Mitwirkungs- und Kontrollrechte im SGB VIII detailliert erläutert, die dazu dienen sollen, die Machtasymmetrie zwischen Behörden und Betroffenen zu verringern.

4. Ombudschaften: Das Hauptkapitel widmet sich der Entstehung, dem Selbstverständnis, den Möglichkeiten und den Grenzen der Arbeit von Ombudsstellen sowie deren Verankerung als externe Beschwerdeinstanz.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bedeutung der Ombudschaften für eine rechtsstaatliche Kinder- und Jugendhilfe, wobei die strukturellen Grenzen der Einzelfallhilfe hervorgehoben werden.

Schlüsselwörter

Ombudschaften, Kinder- und Jugendhilfe, SGB VIII, Hilfen zur Erziehung, Partizipationsrechte, Beschwerdemanagement, Machtasymmetrie, Rechtsstaatlichkeit, KJSG, Soziale Arbeit, Hilfeplanung, Einzelfallgerechtigkeit, Kinderrechte, Jugendhilfeausschuss, Fachkräftemangel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen von Ombudsstellen als unabhängige und externe Beschwerdeinstanzen im System der Kinder- und Jugendhilfe.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen des SGB VIII, die bestehenden Machtasymmetrien zwischen Klienten und Jugendämtern sowie die Rolle der Ombudschaft bei der Durchsetzung von Kinderrechten und Einzelfallgerechtigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die systematische Literaturrecherche zu den Potenzialen und strukturellen Barrieren von Ombudschaften, um deren Beitrag zur Weiterentwicklung einer demokratischen und transparenten Jugendhilfepraxis zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert primär auf einer systematischen Literaturrecherche und der Auswertung fachwissenschaftlicher Diskurse sowie gesetzlicher Grundlagen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Entstehung von Ombudsstellen, deren Selbstverständnis und Arbeitsweise, Möglichkeiten zur Partizipation und die Grenzen der Arbeit, insbesondere hinsichtlich Ressourcen- und Fachkräftemangel.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Ombudschaft, SGB VIII, Partizipation, Rechtsstaatlichkeit, Beschwerdekultur und die Stärkung des Subjektstatus von Kindern und Jugendlichen.

Wie wirkt sich der Fachkräftemangel auf die Arbeit der Ombudsstellen aus?

Der Fachkräftemangel gefährdet die quantitative Personalausstattung und führt zu steigenden Belastungen, was langfristig die Qualität der Beratung und die Realisierung bedarfsgerechter Strukturen erschwert.

Warum ist die räumliche Trennung vom Jugendamt so wichtig?

Die räumliche Trennung auf „neutralem Boden“ ist für Ratsuchende ein entscheidendes Merkmal zur Wahrnehmung der Unabhängigkeit, was die Hemmschwelle für eine Kontaktaufnahme signifikant senkt.

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Details

Title
Möglichkeiten und Grenzen von Ombudschaften bei den Hilfen zur Erziehung
College
University of Applied Sciences Kempten
Grade
1,0
Author
Barbara Scarvaglieri (Author)
Publication Year
2021
Pages
71
Catalog Number
V1326134
ISBN (PDF)
9783346812926
ISBN (Book)
9783346812933
Language
German
Tags
möglichkeiten grenzen ombudschaften hilfen erziehung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Barbara Scarvaglieri (Author), 2021, Möglichkeiten und Grenzen von Ombudschaften bei den Hilfen zur Erziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1326134
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