Der Kampf gegen die Osmanen und die Muslime der Mittelmeerländer

Kaiser Karl V., König Ferdinand I. und die Osmanen


Hausarbeit, 2009

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Zur Vorgeschichte
1.1 Aufstieg des Osmanischen Reiches
1.2 Herrschaftsansprüche

2 Kampf Karls gegen die Osmanen
2.1 Karl in Österreich
2.2 Unternehmungen im Mittelmeer
2.2.1 Einführung
2.2.2 Tunis
2.2.3 Konstantinopel?
2.2.4 Algier

3 Rolle Ferdinands
3.1 Offensiven des Osmanischen Reiches seit
3.1.1 Belgrad
3.1.2 Der Feldzug des Jahres 1526 und die Schlacht von Mohács, Folgen
3.2 Der Friede von Großwardein und die diplomatische Annäherung in den 40er-Jahren
3.3 Die Finanzierung der Osmanenabwehr

4 Franz I. von Frankreich und Sultan Süleiman, Karls Suche nach Verbündeten

5 Ein Kreuzzug?

Schluss

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Thema meiner Arbeit ist die Außeinandersetzung der habsburgischen Brüder Karl V. und Ferdinand I. mit Sultan Süleiman, Herrscher des Osmanischen Reiches und seinen muslimischen Vasallen. In diesem Zusammenhang wird auch die Bedeutung des französischen Königs erläutert werden. Vor allem aber möchte ich das Ausmaß der Bedrohung, die von den Osmanen ausging, herausarbeiten.

Es lässt sich grundsätzlich sagen, dass dieses Thema schon in großem Umfang erforscht worden ist. In den großen Biografien über Kaiser Karl V. sind immer mindestens ein Kapitel oder einige Unterkapitel der Bedrohung durch die Osmanen und die Muslime des Mittelmeerraums gewidmet, so in Kohlers Karl V., 1500-1558 Eine Biografie und in Brandis älterer, aber standardmäßiger Biografie. Auch in verschiedenen Sammelbänden und Bänden einer Reihe, wie Band 1 des Handbuchs der Geschichte der Internationalen Beziehungen, Expansion und Hegemonie, Internationale Beziehungen 1450-1559, verfasst von Alfred Kohler und Monografien, wie Klaus-Peter Matschkes Das Kreuz und der Halbmond, ist die Problematik der Osmanenabwehr, der Finanzierung selbiger aber auch der propagandistischen Ausnutzung im Sinne der oder eher einer Kreuzzugsidee dargestellt worden. Aufgrund der recht ausführlich ausgewerteten Quellen, so Denkschriften, Briefen Karls oder Ferdinands, kann die Bedrohung durch die Osmanen in ihrer Bedeutung und ihrem Ausmaß gut bemessesn werden. So wird deutlich, dass sowohl der Reichstag und die Reichsstände als auch Ferdinand immer wieder der Gefahr für das Reich große oder gar größte Bedeutung beimaßen und Karl der schwierigen Lage im Mittelmeer wiederholt Herr zu werden versuchte. Auch ist eine klare Aufgabentrennung zwischen den habsburgischen Brüdern herausgearbeitet worden, die auch ganz klar an der Richtung der jeweiligen Hauptstöße Karls und Ferdinands zu erkennen sind: Der eine, Karl, richtete seine Aufmerksamkeit auf das für Spanien und Italien lebensnotwendige Mittelmeer, der andere, Ferdinand, die seine auf das umstrittene Königreich Ungarn, das sowohl dem Sultan als auch dem Erzherzog und späteren römisch-deutschen König als Aufmarschgebiet und Vorhof dienen konnte. In meiner Arbeit stütze ich mich ganz wesentlich auf die Texte Alfred Kohlers und Klaus-Peter Matschkes. Diese beiden betonen die europäischen Dimensionen im Kampf der Habsburger gegen die Osmanen, welche ich auch herausarbeiten werde, da der Umfang der Bedrohung mein Hauptinteresse ist.

Auf dieser Grundlage komme ich zu dem Ziel der Untersuchung, die es sein soll, das Ausmaß der Bedrohung des Heiligen Römischen Reiches und Europas durch die Osmanen herauszuarbeiten. Ich werde mich in der folgenden Arbeit auf die osmanischen Angriffe gegen die österreichischen Erblande und damit verbunden auf das Problem Ungarn konzentrieren und weniger auf andere Kriegsschauplätze eingehen. Diese Eingrenzung nehme ich aus meheren Gründen vor. Zum einen ist die Bedrohung der österreichischen Erblande für die Dynastie der Habsburger am gefährlichsten einzustufen. Hier lag der Hauptteil ihrer Hausmacht und die inoffizielle Hauptstadt der Habsburger, Wien, die auch direkt von den osmanischen Heeren bedroht wurde. Zum anderen war es Ferdinand, dem der größte Anteil an der Verteidigung gegen die Streitkräfte der Hohen Pforte zukam, und genau diese Person war auch unmittelbar für die am meisten bedrohten habsburgischen Ländererien als Erzherzog von Österreich verantwortlich. Da Ferdinand zudem ab 1531 die römische Königswürde innehatte, wird dieser Kriegsschauplatz nochmal in seiner Bedeutung betont. Freilich waren die Osmanen auch an anderen Schauplätzen aufgetreten. In diesem Zusammenhang waren das westliche Mittelmeer und Nordafrika von Bedeutung. Daher werde ich auf die Unternehmungen gegen Algier und Tunis, sowie die Idee eines Vorgehens direkt gegen Konstantinopel eingehen. In Nordafrika allerdings trat Istanbul weniger direkt auf, sondern in Form seiner nordafrikanischen Vasallen und der Bedrohung durch das französische Königtum, das mehr und mehr zum Verbündeten des Sultans wurde.

Die Rolle König Franz I. von Frankreich werde ich ebenso beleuchten. Hier wird der gesamteruopäische Kontext noch einmal deutlich. In diesem Abschnitt soll es auch kurz um die Suche Karls nach Verbündeten gehen. In einem weiteren Kapitel komme ich auf die Finanzierung der Osmanenabwehr zu sprechen. Da auch hier Ferdinand die Hauptlast trug, wird er hier die größere Rolle spielen als sein Bruder.

Zusätzlich werde ich auf die Idee eines Kreuzzuges eingehen und diese Frage sowohl aus dem protestantischen als auch dem katholischen Blickwinkel betrachten.

Zudem werde ich die Betrachtung mit dem Jahr 1521 beginnen lassen und 1547 beenden. Das erste Datum entspricht dem Fall Belgrads, mit der die Bedrohung durch die Osmanen auch den Reichsständen sehr deutlich vergegenwärtigt wurde. In den 1540er Jahren kam es hingegen zu einer diplomatischen Annäherung zwischen Wien und Istanbul. Diese Annäherung führte zu einer verminderten kriegerischen Tätigkeit, die im Großen und Ganzen auf Grenzscharmützel begrenzt blieb und letzlich am 19.06.1547 zu einem auf fünf Jahre begrenzten Friedensschluss2, der in der Folge mehrmals verlängert wurde, aber nur als Waffenstillstand zu sehen ist, was sich allein schon aus der zeitlichen Begrenzung heraus begründen lässt. Im Vergleich mit den zum Teil sehr umfangreichen Feldzügen der vorangegangenen Jahre, bei dem einmal, 1532, gar der Kaiser selbst das Kommando übernahm und an der Spitze eines gewaltigen Reichsheeres gegen die Osmanen ritt, waren diese Auseinandersetzungen aber kaum erwähnenswert. Im Gegenzug für die weitgehende Befriedung der Grenzen und die Lösung einiger weiterer offener Fragen, verpflichtete sich Ferdinand zu einer jährlichen Zahlung an den Sultan, die allerdings zwischen 1548 und 15932 nur 27 mal gezahlt wurde.

Im Osmanischen Reich lassen sich ab den 1540er Jahren verstärkt soziale Probleme aufzeigen. Diese resultierten aus der geringer werdenden offensiven Tätigkeit der Osmanen. Denn mit dem Abklang der osmanischen Offensiven ging auch einher, dass das Beutegut an Umfang verlor. Die Sipahi, die osmanischen Elitereiter, erhielten für ihren Dienst so genannte Timare. Timare waren Landgüter, die dem Sipahi zur Bearbeitung auf Lebenszeit überlassen wurden. Wurde weniger Land erobert, konnte logischerweise auch kein weiteres Land als Timar an die Sipahi verteilt werden. Dazu kamen nun auch eine Inflation und Konflikte mit dem Persischen Reich an der osmanischen Ostgrenze.3 Diese Argumente sprechen zusätzlich zu den weiter oben aufgeführten für ein Ende der Betrachtung in den 1540er Jahre.

Der relativ lange Zeitraum von 26 Jahren soll aus dem Grund beschrieben werden, dass das Ziel der Arbeit eine Aussage über das Maß der Bedrohung durch die Osmanen sein soll. Daher werde ich einen möglichst detailreichen Überblick über diese 26 Jahre geben, um eine fundierte Aussage treffen zu können, was bei der Betrachtung nur eines oder einiger weniger Jahre nicht möglich wäre.

1 Zur Vorgeschichte:

1.1 Aufstieg des Osmanischen Reiches

Ab dem Jahr 1243 setzten sich türkische Muslime in Kleinasien, der heutigen Türkei, im anatolischen Hochland fest. Ab 1281 herrschte Sultan Osman I., der Namensgeber des Osmanischen Reiches, über eines von vielen kleinen Territorien, die aus der Auflösung des Seldschukenstaates in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sowie später des Rückzuges der mongolischen Herren enstanden. Er eroberte 1337 auch die erste bedeutende Stadt des Reiches, Bursa. Im Jahr 1299 erklärte Osman I. sein Territorium für von den Seldschuken unabhängig.

Dieses Datum wird zumeist als Gründungsdatum des Osmanischen Reiches angesehen.4 Mit Gallipoli wurde 1354 der erste osmanische Stützpunkt in Europa erobert und mit der Schlacht auf dem Amselfeld, im heutigen Kosovo, die Grenze bis an die Donau vorgeschoben. 1453 fiel die Haupstadt des byzantinischen Reiches5, deren Mauern und Befestigungen als äußerst mächtig galten, und wurde als Istanbul Hauptstadt des Reiches. Sultan Selim I. hinterließ mit seinem Tod 1520 eines der bedeutendsten Reiche der Erde.6 Sultan Süleiman II., der “Prächtige” besiegte 1526 die Ungarn bei Mohács und rückte zweimal, 1529 und 1532 Richtung Wien vor, wobei er 1529 die Stadt belagerte.7 Mit der Einnahme Belgrads, das als uneinnehmbare Zitadelle der europäischen Christen galt, im Jahre 1521, nach einer erfolglosen Belagerung der Stadt 1456, wurde Europa zum ersten Mal über Ungarn direkt durch die Osmanen bedroht.8

Im Mittelmeer hatten beide, sowohl der Sultan als auch Kaiser Karl V., Interessen. Mit den nordafrikanischen Vasallen, allen voran Chaireddin Barbarossa, der 1529 Algier, 1534 Tunis eroberte9 verfügten die Osmanen über hervorragende Stützpunkte, von denen aus sie die spanische und italienische Küste und den Mittelmeerhandel bedrohen konnten. Andererseits verfügte auch Karl im Mittelmeer über eine starke Position. Er beherrschte die süditalienischen Küsten, die Inseln Sizilien und Sardinien, die Balearen und die spanische Küste. Nach dem Fall der Johanniterfestung Rhodos an die Osmanen übergab Karl 1522 dem Ritterorden Malta als Bollwerk gegen die Osmanen. 1530 hatten die Johanniter Malta endgültig als Festung übernommen.10

1.2 Herrschaftsansprüche

Grundsätzlich sollte klar gestellt werden, dass sowohl die Habsburger als auch der Sultan an der Spitze von Systemen standen, die einen Anspruch auf Dominanz über die, wenn nicht gar Beherrschung der, Welt geltend machten. Daraus resultierte schon von vornherein, dass es nicht zu einem Friedensschluss kommen konnte, sondern nur zu Waffenstillständen11, wenn nicht eine der beiden Mächte ihren Anspruch fallen lies. Außerdem ist der Konflikt immer im gesamteuropäischen und zum Teil auch asiatischen Zusammenhang zu sehen, da die Osmanen in Frankreich und Venedig europäische Verbündete fanden, die Habsburger in den Persern asiatische Verbündete, deren Bedrohung der Osmanen im Jahre 1545 sogar dazu führte, dass die unter dem Befehl des Korsaren Chaireddin Barbarossa stehende, in französischen Häfen überwinternde Flotte sich zurück ziehen musste.12 Beide Seiten nutzten also die bereits bestehenden Konflikte aus, um sich selbst Vorteile gegenüber dem Kontrahenten zu schaffen.

Ein nicht zu vernachlässigendes Problem der österreichischen Seite ist der Glaubenskonflikt im Reich und daraus resultierend die häufigen Spannungen mit dem Papsttum.

Auch gab es eine sehr klare Rollenverteilung zwischen Karl und Ferdinand. Karl sah es als seine Aufgabe an, den Krieg gegen die Osmanen im Mittelmeer zu führen und überließ seinem Bruder, Ferdinand, die kontinentale Verteidigung vor allem in Ungarn.13

2 Kampf Karls gegen die Osmanen

Wie weiter oben dargestellt, sah es Karl vorwiegend als seine Aufgabe an, den Kampf gegen die Osmanen im Mittelmeerraum zu führen. Schon allein aus der Tatsache heraus, dass Karl den überwiegenden Teil seines Lebens in Spanien und den spanischen Gebieten verbrachte, lässt sich schließen, dass der Kaiser seinem spanischen Herrschaftsbereich mehr Bedeutung beimaß, als dem Reich oder den österreichischen Gebieten. Dies musste für den Herrscher zur Folge haben, dass er sich mehr um die Bedrohung der Seefahrtsrouten im westlichen Mittelmeer kümmerte als um die Bedrohung Kontinentaleuropas durch die Osmanen. Diese Tatsache lässt sich auch daran erkennen, dass Karl während seiner Regierungszeit im Mittelmeer weit mehr Maßnahmen gegen die Osmanen ergriff als in Südosteuropa, wo er seinem Bruder Ferdinand den Kampf gegen die Osmanen überließ. Allerdings ließen auch Karls Maßnahmen im mediterranen Raum lange auf sich warten. Zunächst musste Karl seine Position in Spanien festigen. Nachdem er am 14. März 1516 in Brüssel das königliche Schwert entgegengenommen hatte, er zum König der spanischen Reiche proklamiert worden war und die Regentschaft für seine Mutter, Johanna die Wahnsinnige, übernommen hatte14, regte sich in verschiedenen Gegenden Spaniens Widerstand gegen den König aus Burgund. Die spanischen Cortes übergaben Karl eine Liste von Forderungen, in Valencia etablierte sich die sogenannte Germanía, eine Protestbewegung gegen den König und Ähnliches fand in anderen Städten Spaniens statt, wobei die Communeros-Bewegung zu nennen wäre.15 Alle diese zum Teil gewalttätigen Aufstände gegen Karl konnte er nach langwierigen Kämpfen niederringen, allerdings ergab sich daraus ein gewaltiger Zeitaufschub. Außerdem stand für Karl neben der Festigung seiner Herrschaft in Spanien auch zunächst die Befriedung Italiens und der Kampf gegen Franz I., König von Frankreich, im Zentrum seiner Politik. Erst nachdem Italien um 1530 befriedet und Franz besiegt zu sein schien, konnte er sich der Osmanenfrage zuwenden.

2.1 Karl in Österreich

1532 führten nun die Osmanen einen neuerlichen Feldzug gegen die österreichischen Erblande, wobei der Sultan etwa 200.000 Mann aufbieten konnte. Gegeben dieser ungeheuren Bedrohung gewährte der in Regensburg tagende Reichstag eilende Türkenhilfe, die der Ausrüstung eines Reichsheeres dienen sollte. Karl führte nun die sich auf etwa 120.000 Mann summierenden Truppen seiner selbst, Ferdinands, der seit 1531 römisch-deutscher König war, und der Reichsstände persönlich an und es schien sich eine erste große Feldschlacht zwischen dem Sultan und dem Kaiser abzuzeichnen. Der Sultan zog sich aber zurück und riskierte keine Entscheidung im Felde. Kurz zuvor hatte der von den Franzosen zu Karl übergetretene Admiral Andrea Doria bei Patras einen Sieg über die osmanische Flotte errungen. Wahrscheinlich hatte diese Niederlage den Sultan entmutigt, sodass es nicht zu einer großen Schlacht kam. Zusätzlich zu dieser Niederlage der osmanischen Flotte scheute der Sultan wahrscheinlich auch das Wetter. Nach dem schwierigen Rückzug im Jahre 1529 hatte Süleiman aus seinen Fehlern gelernt.16 Dennoch ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass am 9. und am 19. September Reichstruppen zum ersten Mal über osmanische Truppen Siege erringen konnten.17 Das Herannahen des Kaisers mit seiner Armee führte also dazu, dass die neuerliche Bedrohung weiter Teile Niederösterreichs und Wiens selbst, das zudem erst drei Jahre zuvor von den Osmanen schon einmal belagert worden war, abgewendet werden konnte.

Der Feldzug des Jahres 1532 war das einzige Mal in Karls langer Regierungszeit, dass er direkt gegen die Osmanen ritt und Ferdinand half. Bedeutend ist auch, wie der Feldzzug von osmanischer Seite aus inszeniert wurde. Für den Sultan wurde ein prunkvoller Thron angefertigt und mitgetragen, ebenso ein Szepter. Überhaupt glich der Zug einer Prozession. Süleiman wollte seinen Anspruch, ein über allen Königen, dem Kaiser und dem Papst stehender Monarch zu sein, sehr deutlich zur Schau tragen. Am augenfälligsten tat er dies mit einem Prunkhelm. Dieser war von vier goldenen Reifen gekrönt, die die drei Reifen der päpstlichen Tiara und die Kaiserkrone Karls symbolisierten.18 Der Herrscher der Osmanen verdeutlichte hiermit unmissverständlich seinen eben erläuterten Anspruch.

Außerdem lässt sich aus den Vorbereitungen und dem Tragen des symbolträchtigen Helmes ein politisches Programm des Sultans für Europa ableiten. Gleichzeitig mit den Aktionen zu Lande sollte eine Landung in Süditalien erfolgen, die Rom zum Ziel hatte. Die Habsburger sollten aus Italien vertrieben werden, Norditalien als Lehen an Franz I., König von Frankreich, übergehen. Fernziel des Sultans scheint es gewesen zu sein, Europa grundlegend neu zu gestalten und eine ganze Reihe ihm verantwortliche und zur Lehenstreue verpflichtete Herrscher einzusetzen. Europa sollte ein osmanisches Lehen werden. Von einem solchen Programm legt auch die Tatsache Zeugnis ab, dass Karl in der Korrespondenz nie als Kaiser, sondern nur als König von Spanien bezeichnet wurde.19 Die Titulation Kaiser beinhaltete also wohl auch für den osmanischen Herrscher eine gewisse Gleichstellung Karls mit ihm selbst, die er freilich nicht akzeptieren oder gar bestätigt sehen wollte.

Hernach kümmerte Karl V. sich weitgehend nur noch um dem Kampf im Mittelmeer.

2.2 Unternehmungen im Mittelmeer

2.2.1 Einführung

Wie weiter oben erwähnt, hatte der Korsar Chaireddin Barbarossa, ein Vasall Istanbuls, 1529 Algier mit seinem Felsen und 1534 Tunis erobert. Von diesen Positionen aus konnte der Barbareskenführer die Handelsrouten im westlichen Mittelmeer und die Küsten Spaniens und Italiens direkt bedrohen. Gleichzeitig fingen osmanische Schiffe an, die italienischen Küsten direkt zu plündern und der französische König entpuppte sich als Verbündeter der Hohen Pforte. Der Kaiser entschloss sich nun also zu handeln, da er diese Bedrohung nicht hinnehmen konnte. Seine Vorfahren auf den spanischen Thronen hatten eine offensive Mittelmeerpolitik verfolgt, die man mit der Reconquista beginnen lassen kann, die dazu führte, dass 1492 die Muslime vollständig von der Iberischen Halbinsel vertrieben worden waren. An diese knüpfte Karl nun auch an.20 Schon 1530 unternahm Andrea Doria mit der genuesischen Flotte einen Schlag gegen Cherchel, westlich von Algier, der auch erfolgreich war, aber Barbarossas Macht beinahe unangetastet ließ. Im darauf folgenden Jahr führte der Spanier Alvaro de Bazán Honeine einen Angriff gegen Tlemcen, der ebenfalls in einem Erfolg mündete.

[...]


1 Kohler, Alfred: Expansion und Hegemonie. Internationale Beziehungen 1450-1559 (=Handbuch der Geschichte der Internationalen Beziehungen Bd 1, hg. von Duchhardt, Heinz und Knipping, Franz, Paderborn 2008), S.396.

2 1593 begann der lange Türkenkrieg unter Rudolph II. Ebd.: S. 397.

3 Ebd., S. 259.

4 Faroqhi, Suraiya: Geschichte des Osmanischen Reiches, 4. Aufl. München 2006, S. 16.

5 Kohler: Expansion und Hegemonie, S. 253.

6 Ebd., S. 255.

7 Kennedy, Paul: Aufstieg und Fall der Großen Mächte. Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500­2000, 5. Aufl. Frankfurt am Main 2005, S. 38.

8 Kohler: Expansion und Hegemonie, S.21f.

9 Ders.: Karl V., 1500-1558. Eine Biographie, 3. durchges. Aufl. München 2001, Beck'sche Reihe 2005, S. 240-242.

10 Ebd., S. 242.

11 Kohler: Expansion und Hegemonie, S. 24.

12 Ders.: Karl V., S. 260.

13 Ebd., S. 26.

14 Kohler: Karl V., S. 55-57.

15 Ebd., S. 62-65.

16 Matschke, Klaus-Peter: Das Kreuz und der Halbmond. Die Geschichte der Türkenkriege, Düsseldorf 2004, S.256.

17 Kohler: Expansion und Hegemonie, S. 393.

18 Matschke: Das Kreuz und der Halbmond, S. 254. Bezüglich der Symbolik der päpstlichen Tiara gibt es verschiedene Deutungen: Eine aus dem 13. Jh. Stammende, die die drei Kronen der Tiara den drei dem Kaiser zustehenden Kronen Aachens, der Langobarden und Roms zuordnet, eine betreffend das dreifache Amt des Papstes als Lehrer, Lenker und Heiliger, sowie eine weitere, die die drei Kronen der Dreienigkeit Gottes zuordnet. Den Sultan dürfte die erstgenannte interessiert haben. Siehe weiterhin zur Tiara: Emminghaus, J. H.: Art. Tiara, in Lexikon für Theologie und Kirche 10 (1965), 177f.

19 Matschke: Das Kreuz und der Halbmond, S. 254.

20 Kohler: Karl V., S. 240.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Kampf gegen die Osmanen und die Muslime der Mittelmeerländer
Untertitel
Kaiser Karl V., König Ferdinand I. und die Osmanen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar, Abtg. Geschichte der Frühen Neuzeit)
Veranstaltung
Proseminar: Karl V., das Reich und Europa
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V132622
ISBN (eBook)
9783640415199
ISBN (Buch)
9783640411504
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit befasst sich mit dem Kampf Karls V. und seines Bruders Ferdinand I. gegen die Osmanen. Dabei geht es vor allem um die politische Geschichte, es werden längerfristige Abläufe genau wie kurzzeitige, konkrete Unternehmungen und Pläne dargestellt. Hauptaugenmerk liegt auf dem europäischen Ausmaß des Konfliktes.
Schlagworte
Karl V., Ferdinand I., Osmanen, Türkenkriege
Arbeit zitieren
Liam Fitzgerald (Autor:in), 2009, Der Kampf gegen die Osmanen und die Muslime der Mittelmeerländer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132622

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Kampf gegen die Osmanen und die Muslime der Mittelmeerländer



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden