Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche ethischen Aspekte für oder gegen die Therapiebeendigung auf Grund von Non-Adhärenz des Patienten sprechen und ob es aus ethischer Sicht vertretbar ist, die Therapie bei fehlender Adhärenz zu beenden. Hinführend zur Diskussion dieser Fragestellung erfolgen zunächst die Begriffsdefinitionen, zusätzlich soll die Thematik anhand eines Fallbeispiels erläutert werden.
Seit den 1960er-Jahren hat die Anzahl der an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankten Patienten um das Zehnfache zugenommen. Zusätzlich zu den Risikofaktoren wie Nikotinabusus, falsche Ernährung, fehlende körperliche Bewegung und damit einhergehend Adipositas oder vaskuläre Erkrankungen, kommt es häufig zur Nichteinhaltung der ausgearbeiteten Therapieansätze seitens des Patienten.
In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass es Patienten gibt, die sich nicht an medizinische Vorgaben ihres behandelnden Arztes halten. Medikamente werden nur unregelmäßig eingenommen oder gänzlich weggelassen. Weitere therapeutische Überlegungen seitens des Arztes werden nicht angenommen oder durchgeführt, obwohl dies lebensverlängernd und krankheitsmildernd sein kann. Das Behandlungsverhältnis wird im Alltag in aller Regel trotz fehlender Therapieadhärenz fortgeführt und nur in seltenen Fällen seitens der Behandler beenden.
Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung
3 Theoretischer Hintergrund
3.1 Adhärenz vs. Non-Adhärenz
3.2 Folgen von Non-Adhärenz
4 Fallbeispiel
4.1 Krankengeschichte
4.2 gescheiterte Therapieansätze
4.3 Mögliche Ursachen für Non-Adhärenz
4.4 Prognose bei Non-Adhärenz
5 Beendigung des Behandlungsverhältnisses – ethische Aspekte
5.1 Pro Argumente
5.2 Contra Argumente
5.3 Abwägung der Argumente
6 Fazit
7 Anlagen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit der Beendigung eines medizinischen Behandlungsverhältnisses, wenn Patienten aufgrund von Non-Adhärenz die vereinbarten Therapiepläne nicht einhalten. Ziel ist es, Argumente für und gegen diesen Schritt gegenüberzustellen und anhand eines konkreten Fallbeispiels kritisch zu diskutieren.
- Theoretische Abgrenzung von Adhärenz und Non-Adhärenz
- Analyse gesundheitlicher und ökonomischer Folgen von Therapietreue-Verlusten
- Detaillierte Falldarstellung einer Diabetikerin mit wiederholter Entgleisung
- Ethische Bewertung unter Einbezug ärztlicher Berufsregeln und rechtlicher Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
4.2 gescheiterte Therapieansätze
In der Vergangenheit wurden unterschiedliche Therapiekonzepte angewandt, um eine möglichst stabile Blutzuckereinstellung gemeinsam mit der Patientin zu erarbeiten. Anfangs wurden quartalsweise Routinekontrollen vereinbart. Diese wurde dann mit engmaschigeren Terminen aufgestockt, nachdem sich die HbA1c-Werte nicht signifikant verbessert haben. Zu dieser Zeit misst Frau Leiden die Blutzuckerwerte mehrfach am Tag blutig. Im Januar 2017 wird ihr ein CGM verordnet, was einen Therapievorteil darstellt, da blutige Blutzuckermessungen entfallen.
Mit der Schwangerschaft im März 2017 stellt sich im Hinblick auf die bestmögliche Entwicklung des Fetus die Notwendigkeit einer besseren Stoffwechsellage. (Haak, Gölz, Fritsche, Füchtenbusch, & Siehmund, 2018) Viele Termine wurden telefonisch abgehalten, um die Flexibilität der Patientin zu gewährleisten. Zusätzlich wurde von der Krankenkasse auf Grund der Schwangerschaft ein weiteres CGM und eine Insulinpumpe genehmigt, um die Therapieziele zu erreichen. Dies vereinfacht die Therapie für die Patientin und ermöglicht dem medizinischen Personal die Echtblutzuckerwerte einzusehen, um mit der Bertoffenen zu agieren. Auf diesem Weg konnte gemeinsam mit der Patientin eine Optimierung der Diabeteseinstellung erreicht werden, der HbA1c lag während der Schwangerschaft durchgehend bei < 7,5% und das Kind kam gesund und regelrecht entwickelt zur Welt.
Zusammenfassung der Kapitel
2 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 und die damit einhergehende Problematik der Non-Adhärenz im Versorgungsalltag.
3 Theoretischer Hintergrund: Hier wird der Begriff der Adhärenz definiert und die gesundheitlichen sowie ökonomischen Folgen einer fehlenden Therapietreue detailliert aufgezeigt.
4 Fallbeispiel: Anhand einer anonymisierten Patientengeschichte werden Therapiemöglichkeiten, Ursachen für mangelnde Mitwirkung und die medizinische Prognose bei ausbleibender Besserung analysiert.
5 Beendigung des Behandlungsverhältnisses – ethische Aspekte: Dieses Kapitel diskutiert die ökonomischen und ethischen Pro- und Contra-Argumente einer Beendigung des Arzt-Patienten-Verhältnisses bei ausgeprägter Non-Adhärenz.
6 Fazit: Das Fazit stellt fest, dass eine Therapiebeendigung eine schwierige Einzelfallentscheidung bleibt, die sowohl ärztliche Fürsorge als auch die Eigenverantwortung des Patienten abwägen muss.
Schlüsselwörter
Non-Adhärenz, Adhärenz, Diabetes mellitus, Therapieadhärenz, Fallbeispiel, Ethik, Patientenwohl, Behandlungsverhältnis, Therapiebeendigung, HbA1c, Folgeerkrankungen, Versorgungsalltag, Eigenverantwortung, Akzeptanzprobleme, Gesundheitsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Dimension der Therapiebeendigung durch den Arzt, wenn Patienten ihre Behandlung nicht konsequent befolgen (Non-Adhärenz).
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die medizinische Adhärenzforschung, die ökonomischen Auswirkungen von Therapietreue sowie die ethische Abwägung zwischen ärztlicher Fürsorge und dem Recht auf Selbstbestimmung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob und unter welchen ethischen Gesichtspunkten es vertretbar ist, ein Behandlungsverhältnis zu beenden, wenn ein Patient trotz ärztlicher Bemühungen die Therapieanweisungen verweigert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit beruht auf einer Literaturanalyse sowie einer praktischen Fallstudie, die den Krankheitsverlauf einer Patientin detailliert nachzeichnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Fallanalyse sowie eine strukturierte Diskussion von ethischen Pro- und Contra-Argumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wesentliche Begriffe sind Non-Adhärenz, Therapieadhärenz, Diabetes mellitus, Patientenwohl und ethische Fallentscheidung.
Warum spielt die Schwangerschaft der Patientin im Fallbeispiel eine so zentrale Rolle?
Während der Schwangerschaft war die Patientin motiviert und adhärenzfähig, was zeigt, dass bei entsprechender Zielsetzung eine erfolgreiche Stoffwechsellage möglich war; nach der Entbindung kehrte sie jedoch in das alte Muster der Non-Adhärenz zurück.
Welche Rolle spielen ökonomische Argumente bei der Therapiebeendigung?
Ökonomische Argumente umfassen den Zeitaufwand des medizinischen Personals, den Verdienstausfall durch nicht wahrgenommene Termine und die Blockade von Ressourcen für adhärente Patienten.
Was leitet sich aus dem Hippokratischen Eid für die Fragestellung ab?
Der Eid verpflichtet den Arzt zum Nutzen des Kranken; ein Therapieabbruch könnte somit im Widerspruch zur Fürsorgepflicht stehen, insbesondere wenn die Gesundheit des Patienten gefährdet ist.
- Arbeit zitieren
- Annekathrin Kretschmer (Autor:in), 2022, Therapiebeendigung aufgrund von Non-Adhärenz. Ethische Gründe und Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1326385