Ein Zusammenwachsen der Wirtschaftsmärkte in den letzten Jahrzehnten setzt sich mit einer unglaublichen Intensität und Dynamik weiter fort. Internationale Kontakte, besonders im beruflichen Bereich, werden weiter ausgebaut. Mehr denn je kommt es im Handel darauf an, gekonnt grenzüberschreitend zu kommunizieren. Die Entwicklung der Massenmedien trug zur
Ausbildung einer globalen Informationsgesellschaft bei. Im Vergleich zu vergangenen Jahrhunderten ist die Kommunikation zwischen den verschiedenen Kulturen schneller und intensiver
geworden (vgl. Lüsebrink, 2005: 3).
Das Nachbarland Frankreich ist dabei nach wie vor Deutschlands wichtigster Handelspartner (vgl. Geistmann, 2002: 1ff).
Allgemein stellen Ratgeber eine Grundlage für die Orientierung von Menschen in verschiedenen Situationen des Lebens dar. Ratgeber helfen dem Leser sich in sozialem Kontext zu Recht
zu finden. Wenn dem richtigen Ratschlag Folge geleistet wird, ist „einem der Erfolg sicher“.
Das ist, wie im Titel der Arbeit angedeutet, das Erfolgsversprechen, das uns Ratgeber suggerieren. Für alle diversen Lebensbereiche gibt es diese Orientierungshilfen. Dies führte in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem wahren Boom in der Sachliteratur, die sich auf dem Buchmarkt etablieren konnte (vgl. J.S. , 2008). Sachbücher, Ratgeber, Essays und Reiseberichte
gelten als die zentralen Medien von Wissensspeicherung, -verteilung und -vermittlung im späten 19. und 20. Jahrhundert (vgl. Sparenberg, 2006).
Seit zirka 50 Jahren ist die Managementliteratur auf dem Markt existent. Seit etwa 20 Jahren ist ein explosionsartiger Anstieg der Literatur für Manager zu verzeichnen (vgl. Weber, 2005: 24).
In dieser Arbeit möchte sich der Verfasser auf die Ratgeberliteratur für deutsche (ab hier: dt.) Manager
konzentrieren, die für das Frankreichgeschäft geschrieben ist. Diese Ratgeber wurden für dt. Führungskräfte verfasst, die mit der französischen (ab hier: frz.) Geschäftspraxis bereits in
Berührung gekommen sind oder noch kommen werden oder es zumindest in Betracht ziehen - ein Werkzeug für die womöglich perfekte Vorbereitung zum „erfolgreichen“ Auslandsaufenthalt
im französischen Nachbarland?
Inhaltsverzeichnis
0 INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG
2 QUELLENLAGE UND FORSCHUNGSSTAND
3 UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND
3.1 QUALITATIVE INHALTSANALYSE
3.2 ANFORDERUNGSPROFIL UND AUSWAHLKRITERIEN
3.3 AUSWAHL UND HINWEISE ZUM QUELLENKORPUS
4 SACHTEXT UND NUTZEN IN DER RATGEBERLITERATUR
4.1 ZUR NÄHE DER SACHTEXTE/ DES SACHBUCHS
4.2 ZUM DILEMMA DER KATEGORISIERUNG
4.3 ENTWICKLUNG DER GATTUNG RATGEBER
4.4 ZIELE DER RATGEBER
4.5 EIN NEUER BEDARF FÜR MANAGEMENT- UND BENIMMLITERATUR?
5 ZUR ZIELGRUPPE DER RATGEBER: MANAGER
5.1 AUSLANDSEINSÄTZE VON MITARBEITERN IN FRANKREICH
5.2 DER GRUND FÜR DEN ERWERB : OPTIMALE VORBEREITUNG UND ERFOLG?
6 ZU DEN AUTOREN DER RATGEBER
6.1 DER MODERNE AUTOR
6.2 DIE VERFASSERBIOGRAPHIE ALS LEGITIMATION FÜR DAS ENTSTEHEN DES BUCHES
6.3 SELBSTVERWIRKLICHUNG ODER MARKETING? ZIELE DER AUTOREN
7 ZUM UNTERSUCHUNGSMATERIAL
7.1 TEXTSORTENANALYSE DER RATGEBERTEXTE
7.1.1 Text-, Textsortenbegriff und Textfunktion
7.1.2 Methodik nach Brinker
7.2 INHALTLICHER AUFBAU
7.2.1 Gliederungsstrukturen
7.2.2 Hinweise zur Lektüre und „Praktische Tipps und Adressen“
7.2.3 Die Geschichte Frankreichs als prophylaktische Verständnissicherung d. frz. Mentalität?
7.3 SPRACHLICHE ASPEKTE UND GESTALTUNGSPRINZIPIEN
7.3.1 Der Anspruch an Verständlichkeit
7.3.2 Argumentationsstrukturen
7.4 DIE ANWENDUNG HOFSTEDES KULTURSTANDARDS IN GESCHÄFTSKULTUREN
7.5 DIE WIDERSPRÜCHLICHKEIT DER RATSCHLÄGE
7.6 SPEKTRUM DER RATGEBER - INHALTLICHE THEMENSCHWERPUNKTE
8 AUSBLICK RATGEBERLITERATUR
9 FAZIT DER UNTERSUCHUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gattung der Ratgeberliteratur für deutsche Manager im Kontext des Frankreichgeschäfts. Ziel ist es, die spezifische Funktion dieser Texte, ihren Nutzen für die Zielgruppe und die Autorenmotivation zu analysieren sowie eine Typologie der verwendeten Strategien zu erstellen.
- Analyse des Nutzwerts und der Definitionskriterien von Ratgeberliteratur.
- Untersuchung der Autorenintentionen und der Legitimation durch Verfasserbiographien.
- Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse und textlinguistischer Methoden nach Brinker.
- Bewertung der interkulturellen Kompetenzvermittlung anhand von Hofstedes Kulturstandards.
Auszug aus dem Buch
7.1.1 Text-, Textsortenbegriff und Textfunktion
Bevor ein Textsortenbegriff erläutert werden kann, ist es erforderlich, Text als Text zu begreifen. Darüber gibt die Textdefinition Aufschluss, die mündliche und schriftliche Ein-Wort-Sätze oder mehrbändige Romane, monologische oder dialogische, rein sprachliche oder gemischte Texte mit einschließt (vgl. Vater, 1994: 16). Beaugrande/Dressler bestimmen Text als kommunikative Okkurrenz, die sieben Kriterien der Textualität erfüllt [Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Situationalität, Informativität und Intertextualität] Wenn irgendeines dieser Kriterien als nicht erfüllt betrachtet wird, so gilt der Text nicht als kommunikativ. Daher werden nicht kommunikative Texte als Nicht-Texte behandelt (1981: 3).
Eine weitere Bedingung, um von einem sprachlichen Gebilde als Text zu sprechen, ist die Textfunktion, die „die kommunikative Funktion von Texten“ (Brinker, 2001: 83) darstellt (vgl. ebd.: 129). Die Textfunktion ist ferner „der Sinn, den ein Text in einem Kommunikationsprozess erhält, bzw. der Zweck, den ein Text im Rahmen einer Kommunikationssituation erfüllt“ (Brinker, 2001: 83). Vor allem handelt es sich dabei auch um „Absicht des Emittenten, die der Rezipient erkennen soll, [...], wie dieser den Text insgesamt auffassen soll“ (vgl. Brinker, 2001: 95). Ein Text kann mehrere Kommunikationsfunktionen enthalten. Eine ist jedoch hierbei dominierend, die folglich als Textfunktion bezeichnet wird (vgl. ebd.: 84).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Bedeutung des französischen Marktes für deutsche Unternehmen und Einführung in die Fragestellung zur Ratgeberliteratur.
2 QUELLENLAGE UND FORSCHUNGSSTAND: Überblick über die bestehende Forschung zur Ratgeber- und Sachliteratur sowie deren Einordnung in verschiedene wissenschaftliche Disziplinen.
3 UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND: Definition der Methodik der Quellenauswahl sowie Einführung in die qualitative Inhaltsanalyse zur Strukturierung des Textkorpus.
4 SACHTEXT UND NUTZEN IN DER RATGEBERLITERATUR: Theoretische Abgrenzung der Ratgebergattung und Analyse des Nutzwertbegriffs sowie der gesellschaftlichen Trends.
5 ZUR ZIELGRUPPE DER RATGEBER: MANAGER: Untersuchung der Bedürfnisse und Motivationslagen von Führungskräften bei Auslandseinsätzen.
6 ZU DEN AUTOREN DER RATGEBER: Analyse der Autorentypen, ihrer Legitimation und der Ziele hinter der Erstellung solcher Publikationen.
7 ZUM UNTERSUCHUNGSMATERIAL: Detaillierte linguistische und inhaltliche Analyse der ausgewählten Ratgeberwerke unter Anwendung spezifischer Kriterien.
8 AUSBLICK RATGEBERLITERATUR: Einschätzung zukünftiger Entwicklungen im Bereich der Mediennutzung und Publikationsformen für Ratgeber.
9 FAZIT DER UNTERSUCHUNG: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit von Ratgebern als Vorbereitungsinstrumente für das interkulturelle Management.
Schlüsselwörter
Ratgeberliteratur, Frankreichgeschäft, Management, Interkulturelle Kompetenz, Textlinguistik, Nutzwert, Kulturstandards, Hofstede, Textsortenanalyse, Brinker, Kommunikation, Verhaltensregeln, Business-Knigge, Sachbuch, Berufsratgeber
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die inhaltliche und formale Gestaltung von Ratgeberliteratur, die speziell für deutsche Führungskräfte im Frankreichgeschäft entwickelt wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen interkulturelle Kommunikation, Manieren, Geschäftskultur, Markteintritt und die spezifische Rolle der Autoren als Ratgebervermittler.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Es soll untersucht werden, ob und wie effektiv diese Ratgeber deutsche Manager auf den Geschäftsalltag in Frankreich vorbereiten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring sowie eine textsortenlinguistische Analyse basierend auf der Methodik von Brinker.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, Autorenanalyse, Zielgruppenuntersuchung und die praktische Textsorten- sowie Kulturstandardanalyse ausgewählter Werke.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ratgeberliteratur, interkulturelle Kompetenz, Kulturstandards, Nutzwert, Textfunktion und Managementpraxis.
Warum ist das Thema "Kulturstandards" relevant?
Die Arbeit nutzt die Kulturdimensionen nach Hofstede, um zu prüfen, ob die Ratgeber theoretische Konzepte in praktische Handlungsanweisungen für den Alltag übersetzen.
Wie kommen die Autoren zu ihrer Legitimation?
Die Legitimation erfolgt meist über die Verfasserbiographie, in der die Autoren als Berater oder Personalmanager auftreten, um ihre Praxiserfahrung als Experten zu untermauern.
- Quote paper
- Hermann Hetzer (Author), 2008, Erfolgreich im deutsch-französischen Management?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132650