Im Studium setzen sich die zukünftigen LehrerInnen intensiv mit ihren Schwerpunktfächern auseinander: es wird sowohl fachlich wie auch didaktisch-methodisches Wissen vermittelt. Der Student setzt sich intensiv mit der Frage auseinander, wie er was am besten den Schülern vermittelt. Doch wie reagiert er bei schwierigen Lernsituationen? Was macht er, wenn es permanente Unterbrechungen durch Unterrichtsstörungen gibt? Wie verhält er sich schwierigen Schülern gegenüber? Wie setzt er sich als Lehrer vor der Klasse durch?
In den Schulpraktika steht er zwar schon vor einer Klasse und muss unterrichten – doch so ganz „echt“ ist die Situation auch nicht, da sich der Fachlehrer immer im Hintergrund aufhält. Daher ist es meiner Meinung nach ein sehr wichtiges Thema, mit dem sich jeder Lehramtsstudent bereits während des Studiums auseinander setzen sollte. Im vorliegenden Referat beschäftige ich mich zuerst mit dem Begriff der (allgemeinen) Unterrichtsstörungen (2.), gehe dann auf die verschiedenen Formen ein (3.) um anschließend die verschiedenen Ursachen von Unterrichtsstörungen herauszustellen (4.). Punkt 5 führt Handlungsalternativen im Umgang mit schwierigen SchülerInnen und mit Unterrichtsstörungen auf, wobei es wichtig ist sich klar zu machen, dass die aufgeführten Möglichkeiten nur Angebote sein können. Wir haben es mit Menschen zu tun, die in vergleichbaren Situationen völlig unterschiedlich reagieren können. Im Exkurs (6.) gehe ich kurz auf den Einfluss des Sportunterrichts auf Unterrichtsstörungen ein. Im letzten Abschnitt (7.) versuche ich an einer tatsächlich erlebten Schulsituation Handlungsalternativen aufzuzeigen. Ob diese Reaktionsvarianten tatsächlich den Unterricht positiv beeinflusst hätten, vermag ich nicht zu sagen. Ich denke aber, dass es sinnvolle Wege sind, mit ähnlichen Unterrichtsstörungen besser fertig zu werden oder eine derartige Situation erst gar nicht auftreten zu lassen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärungen
3. Formen der Unterrichtsstörungen
4. Ursachen von Unterrichtsstörungen
4.1 Allgemein
4.2 Unterrichtsfach Sport
5. Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Unterrichtsstörungen
5.1 Direkte Reaktionen
5.2 Didaktisch-methodische Maßnahmen
5.3 Sonstige Maßnahmen
6. Exkurs
6.1 Einfluss des Sportunterrichts auf Unterrichtsstörungen
7. Unterrichtsstörungen anhand eines praktischen Beispiels
7.1 Fallbericht
7.2 Reaktionsvarianten
7.2.1 Bestandsaufnahme
7.2.2 Mögliche Motive und Ziele
7.2.3 Mögliche Maßnahmen zur Vermeidung der Störung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Entstehung von Unterrichtsstörungen auseinander, analysiert deren Ursachen aus verschiedenen Perspektiven und zeigt praxisnahe Handlungsalternativen für Lehrkräfte auf. Dabei wird insbesondere die Rolle des Sportunterrichts sowie die Bedeutung einer wertschätzenden Lehrer-Schüler-Beziehung untersucht.
- Definition und Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen
- Multifaktorielle Ursachenanalyse (Lehrende, Lernende, Institution, Gesellschaft)
- Besonderheiten von Störungen im Fach Sport
- Didaktisch-methodische Interventionsstrategien
- Fallbezogene Analyse einer abgebrochenen Sportunterrichtsstunde
Auszug aus dem Buch
7.1 Fallbericht
Ich unterrichtete in einer 2. Klasse Sport. Es gehen 6 Mädchen und 11 Jungen in dieser Klasse, wobei die meisten Jungen sehr temperamentvoll und die Mädchen dagegen sehr ruhig und still sind. Allgemein gilt diese Klasse als recht schwierig: sie hält Regeln oft nicht ein, es herrscht wenig Harmonie untereinander, und es gibt ein großes Leistungsgefälle in den kognitiven Fächern zwischen Mädchen und Jungen. Gerade die als „schwierig“ geltenden Schüler weisen eine große Bewegungsfreude auf und haben besonders ausgeprägte sportliche Interessen (z.B. Handball-/Fußballverein). In dieser Stunde wollte ich mit den Kindern ein Spiel spielen, bei dem ich ganz viele Bälle aus dem Bällebad brauchte. Normalerweise sortiere ich immer die Bälle zu, doch als ein Junge ganz eifrig fragte, ob er mir helfen könne, kam ich auf die Idee, die Kinder die Bälle sortieren zu lassen. Die Mädchen sollten 50 rote Bälle in einen umgedrehten kleinen Kasten legen und die Jungen 50 grüne Bälle in einen anderen Kasten. Und es kam wie es kommen musste: die Jungs schnappten sich die Bälle, warfen sie in den Kasten und rannten wieder los. Am Ende wusste natürlich keiner mehr, wie viel Bälle nun tatsächlich im Kasten waren. Sie verzählten sich und fingen an, sich mit den Bällen zu bewerfen. Auf mein Rufen hin, dies sofort sein zu lassen, taten sie dies auch kurz, doch sobald ich wieder meine Aufmerksamkeit den Mädels zuwandte, ging es wieder los. Und diesmal warf fast jeder Junge, und die Bälle flogen durch die Gegend. Auf mein abermaliges Zurufen reagierte kaum einer und sie bewarfen sich lustig weiter. In dem Augenblick sah ich als einzige Möglichkeit, um meine Autorität und auch Glaubwürdigkeit zu bewahren, die Sportstunde abzubrechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin begründet die Relevanz des Themas für Lehramtsstudierende und stellt den Aufbau der Arbeit sowie die eigene Motivation vor.
2. Begriffserklärungen: Es werden grundlegende Definitionen, insbesondere nach Rainer Winkel, vorgestellt, um den Begriff der Unterrichtsstörung theoretisch einzugrenzen.
3. Formen der Unterrichtsstörungen: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Erscheinungsformen von „lauten“ und „leisen“ Störungen und deren Wandel über die Zeit.
4. Ursachen von Unterrichtsstörungen: Eine detaillierte Analyse der sechs Einflussfaktoren, die von der Lehrkraft und den Lernenden bis hin zu gesellschaftlichen Rahmenbedingungen reicht.
5. Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Unterrichtsstörungen: Das Kapitel bietet einen Überblick über verschiedene Reaktionsmöglichkeiten, von direkten Maßnahmen bis hin zu didaktischen Anpassungen.
6. Exkurs: Hier wird der spezifische Einfluss des Sportunterrichts auf das Störungsverhalten anhand einer Langzeitstudie beleuchtet.
7. Unterrichtsstörungen anhand eines praktischen Beispiels: Die Autorin analysiert eine eigene Praxiserfahrung, reflektiert die Ursachen und erarbeitet alternative Lösungsansätze.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit der zentralen Forderung, Schüler ernst zu nehmen und die eigene pädagogische Rolle sowie den Unterrichtsstil stetig zu hinterfragen.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Lehrkraft, Schüler, Sportunterricht, Handlungskompetenz, Erziehung, Beziehungsarbeit, Unterrichtsplanung, Verhaltensauffälligkeit, pädagogische Reflexion, Schulalltag, Lernmotivation, Didaktik, Klassenführung, Praxisbezug.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Unterrichtsstörungen im schulischen Kontext, wobei ein besonderer Fokus auf dem Sportunterricht und der Reflexion eigener Lehrerfahrungen liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die theoretische Definition von Störungen, deren vielfältige Ursachen, unterschiedliche Interventionsmöglichkeiten und die Analyse von konkreten Fallbeispielen aus der Schulpraxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehramtsstudierenden ein Verständnis für die Dynamik von Unterrichtsstörungen zu vermitteln und Wege aufzuzeigen, wie durch eine wertschätzende Haltung und gute Planung proaktiv auf schwierige Situationen reagiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, ergänzt durch eine fallbezogene Reflexion, in der die Autorin eigene Unterrichtserfahrungen in den theoretischen Rahmen einbettet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Ursachenforschung, die Darstellung von Handlungsmöglichkeiten (direkt und didaktisch-methodisch) sowie die Auswertung eines Praxisfalls im Sportunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Unterrichtsstörungen, Beziehungsarbeit, Reflexion, Sportunterricht, didaktische Maßnahmen und schülerorientierter Unterricht.
Warum spielt der Sportunterricht in dieser Arbeit eine besondere Rolle?
Die Autorin hebt hervor, dass der Sportunterricht aufgrund der physischen Aktivität, der sozialen Gruppendynamik und der Unmittelbarkeit des Geschehens ein spezifisches Umfeld darstellt, das besondere Anforderungen an die Lehrkraft stellt.
Was schlägt die Autorin als Konsequenz aus ihrem Fallbeispiel vor?
Die Autorin betont die Notwendigkeit, Störungen durch präzise Spielaufbauten und individuelle Beziehungsarbeit vorzubeugen, anstatt erst in eskalierten Situationen mit einem Abbruch reagieren zu müssen.
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- Pia Grimsel (Author), 2008, Unterrichtsstörungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132692