Die Kirche Santa Susanna liegt an der Piazza di S. Bernardo in Rom, unweit der Diokletiansthermen, des Quirinale und des Palazzo Barberini. Sie gehört nicht zu den großen römischen Pilgerkirchen, dient aber seit einer Widmung durch Papst Pius XI. im Jahre 1922 als Nationalkirche der Katholiken der Vereinigten Staaten.
Der jetzige Bau stammt aus karolingischer Zeit, er diente als Pfarrkirche des um¬gebenden Viertels und – bis heute – als Klosterkirche eines Konvents der Zisterzienserinnen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche entscheidend umgestaltet. Dies betraf sowohl die Ausgestaltung des Innenraums als auch die Neugestaltung der Fassade nach den Entwürfen des Architekten Carlo Maderno. Er schuf an dieser kleinen, eher unbedeutenden Kirche die erste voll ausgebildete frühbarocke Kirchenfassade.
Inhaltsverzeichnis
1 Lage und Geschichte der Kirche
2 Der Architekt Carlo Maderno
3 Beschreibung der Fassade
3.1 Sockel
3.1.1 Sockel im Kirchenbau
3.2 Säulenordnung im ersten Geschoss
3.2.1 Ausgestaltung der Wandfelder
3.2.2 Portalzone
3.2.3 Hauptgebälk
3.3 Schichtung der Fassade
3.4 Übergang zum zweiten Geschoss
3.5 Säulenordnung im zweiten Geschoss
3.5.1 Gestaltung der Wandfelder
3.5.2 Portalädikula und Scheinportal
3.5.3 Abschluss des zweiten Geschosses
3.6 Seitenansicht der Fassade
3.7 Girlandenschmuck an sakralen Gebäuden
3.8 Gesamtwirkung der Fassade
4 Historischer Hintergrund
4.1 Die „Instructiones“ des Carlo Borromeo
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die architektonische Bedeutung der Kirche Santa Susanna in Rom als frühes Beispiel der barocken Kirchenfassade und analysiert deren formale Gestaltung unter Berücksichtigung des historischen und theologischen Kontextes der Gegenreformation.
- Biografische Einordnung des Architekten Carlo Maderno
- Detaillierte formale Analyse der Fassadenarchitektur
- Schichtung und räumliche Wirkung als Gestaltungselemente
- Einfluss der „Instructiones“ von Carlo Borromeo auf den Kirchenbau
Auszug aus dem Buch
3.8 Gesamtwirkung der Fassade
Im Falle von S. Susanna erstreckt sich die Fassade über die gesamte Breite des Kirchenschiffes; seine Ausdehnung wird in der Fassade durch Eckpilaster deutlich gemacht. Gleichzeitig verweist die Schauseite mit zwei unterschiedlichen Geschossbreiten auf den vermeintlich basilikalen Charakter – erhöhtes Mittelschiff, zwei niedrigere Seitenschiffe – des dahinter liegenden Kirchenraums. Dieser äußerlich suggerierte Querschnitt des Langhauses entspricht im Falle von S. Susanna aber nicht der baulichen Realität. Hinter den niedrigeren Randfeldern ihrer Fassade schließen sich nicht die Seitenschiffe an, sondern anderweitig genutzte Nebenräume der Kirche, die nicht zum Mittelschiff hin geöffnet sind. Damit verbirgt sich bei S. Susanna hinter der basilikalen Fassade eine Hallenkirche.
Die Fassadengestaltung erweist sich als wohl durchdachte Komposition, die die gewählten architektonischen Elemente zu einer rhythmisch bewegten Einheit zusammen fügt, deren Dynamik sich zur Gebäudemitte hin steigert. Diese Steigerung wird schon bei der Anordnung der Travées deutlich, von schmalen, eher reliefartig gestalteten Wandfeldern über Figurenädikulen mit großen Nischenöffnungen bis hin zur Portalzone mit einer durchgehenden Öffnung, die ins Kircheninnere leitet. Die Schichtung der Fassade in drei Ebenen bringt zusätzliche Bewegung in die Gestaltung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Lage und Geschichte der Kirche: Einführung in die geografische Verortung der Kirche in Rom sowie ein Überblick über ihre historische Entwicklung und den Kontext ihrer Neugestaltung.
2 Der Architekt Carlo Maderno: Betrachtung des Lebenswegs und der beruflichen Entwicklung von Carlo Maderno, insbesondere seiner Transformation zum wegweisenden Architekten des Barock.
3 Beschreibung der Fassade: Eine detaillierte Untersuchung der architektonischen Komponenten, von der Sockelzone über die Säulenordnungen bis hin zu den dekorativen Elementen und der Gesamtwirkung.
4 Historischer Hintergrund: Einordnung der architektonischen Veränderungen in den Kontext der Gegenreformation und der theologischen Richtlinien, insbesondere der „Instructiones“ von Carlo Borromeo.
Schlüsselwörter
Santa Susanna, Rom, Carlo Maderno, Frühbarock, Kirchenfassade, Gegenreformation, Architektur, Säulenordnung, Carlo Borromeo, Instructiones, Fassadengestaltung, Sakralbau, Historismus, Pilaster, Ädikula
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Fassade der Kirche Santa Susanna in Rom als Paradebeispiel für die Entwicklung der frühbarocken Kirchenbaukunst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die formale architektonische Analyse, der historische Kontext der Gegenreformation und die Anwendung architektonischer Regeln nach den Vorgaben der Kirche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Maderno durch eine durchdachte Komposition und Schichtung eine dynamische Fassade schuf, die den sakralen Charakter betont.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die formale Baubeschreibungen mit historischen Quellen und architekturtheoretischen Texten verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte technische Beschreibung der Fassade, von der Sockelgestaltung bis zum Abschluss des zweiten Geschosses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Santa Susanna, Carlo Maderno, Frühbarock, Architektur, Gegenreformation und Fassadengestaltung.
Warum war die Fassade für Maderno so bedeutsam?
Die Fassade fungierte als "Schauseite", da die Kirche städtebaulich in eine Häuserzeile eingebunden war und sich nur über diese Seite nach außen hin präsentieren konnte.
Was besagen die „Instructiones“ von Borromeo?
Sie enthalten detaillierte Richtlinien für den Kirchenbau, welche unter anderem die Erhabenheit des Gebäudes und die Trennung der Kompetenzen zwischen Bauherren und Architekten festlegten.
Gibt es einen Widerspruch zwischen Fassade und Innenraum bei S. Susanna?
Ja, die Fassade suggeriert eine basilikale Struktur (Mittelschiff und Seitenschiffe), während es sich im Inneren tatsächlich um eine Hallenkirche handelt.
Welche Rolle spielen die Heiligenfiguren in der Fassade?
Sie dienen sowohl der ikonographischen Verehrung als auch der gestalterischen Lenkung des Blickes des Betrachters hin zum zentralen Kirchenportal.
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- Magister Artium Sigrid Weyers (Author), 2005, Carlo Maderno: Santa Susanna, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132693