Im deutschen Finanzsystem findet seit einigen Jahren ein Umbruch statt. Finanzierten sich insbesondere mittelständische Unternehmen lange Zeit ausschließlich über intern generierte Mittel und Bankkredite, so wurden sie als Folge des Finanzmarktwandels in den letzten Jahren verstärkt dazu gezwungen, alternative Finanzierungsquellen zu erschließen. Der wohl wichtigste Grund dafür ist, dass die Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens durch die flächendeckende Anwendung von Ratingverfahren der Banken und Sparkassen bei der Kreditvergabe eine immer wichtigere Rolle für Kreditzugang und Kreditkonditionen spielt1 (Vgl. KFW- Bankengruppe 2006, S. 1).
So gewannen Leasing und Factoring als Alternativen zum Bankkredit eine immer grö-ßere Bedeutung in der Finanzierung von Kleinen und Mittelständischen Unternehmen (KMU).
Nach einer Abgrenzung der Begriffe Factoring und Leasing (Kapitel 2) ist es Ziel dieses Referates zu untersuchen, inwiefern diese beiden Alternativen zur Finanzierung
von Unternehmen als Finanzinstrumente für Firmenkunden einsetzt werden können (Kapitel 3). Dabei werden auch aktuelle Zahlen zu den Finanzierungsformen genannt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
3 Factoring
3.1 Arten des Factoring
3.2 Kosten des Factoring
4 Leasing
4.1 Arten des Leasing
4.2 Kosten des Leasing
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Factoring und Leasing als alternative Finanzierungsinstrumente für Firmenkunden im deutschen Finanzsystem, analysiert deren aktuelle Marktentwicklung sowie Kostenstrukturen und bewertet den Einsatz als Ergänzung zum klassischen Bankkredit.
- Strukturelle Veränderungen im deutschen Finanzierungsumfeld
- Funktionsweise und Kosten von Factoring im Firmenkundengeschäft
- Klassifizierung und Einsatzgebiete verschiedener Leasingformen
- Marktvolumen und Trends von Leasing und Factoring in Deutschland
- Vergleich zur traditionellen Bankkreditfinanzierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Arten des Factoring
Übernimmt der Factor alles drei Funktionen (Finanzierungs-, Dienstleistungs- und insbesondere die Delkrederefunktion) so liegt echtes Factoring vor. Verbleibt jedoch die Delkrederefunktion beim Klienten handelt es sich um sogenanntes unechtes Factoring (Vgl. Wöhe/ Bilstein 2002, S. 303).
Eine weitere Unterscheidung kann in das offene und das verdeckte Factoring vorgenommen werden. Beim offenen (oder auch notifizierten) Factoring enthalten die Rechnungen des Vertragspartners den Hinweis, dass die Forderungen im Rahmen eines Factoring- Vertrages abgetreten werden und dass folglich mit befreiender Wirkung nur unmittelbar an das Factoring- Institut zu zahlen ist. Beim verdeckten (oder auch nichtnotifizierten) Factoring zahlen die Kunden weiter an ihren Lieferanten, da ihnen die Factoring- Beziehung nicht bekannt ist Der Factoring- Klient muss dann die eingegangenen Zahlungen an den Factor weiterleiten. Eine Zwischenstellung nimmt das halboffene Verfahren ein. Dabei zeigt der Klient durch einen Zahlungsvermerk auf den Rechnungen zuvor die Zusammenarbeit mit dem Factor an, verzichtet jedoch auf eine ausdrückliche Abtretungserklärung5 (Vgl. Wöhe/ Bilstein 2002, S. 303).
In Deutschland wird i. d. R. echtes Factoring, also die Übernahme der Finanzierungs-, Delkredere- und der Dienstleistungsfunktion, meist in der offenen Form betrieben (Standard- Factoring). Verbleibt die Forderungsverwaltung (Rechnungsversand, Debitorenbuchhaltung, Mahn- und Inkassowesen) beim Klienten wird vom Inhouse- Factoring gesprochen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Umbruch im deutschen Finanzsystem, der Unternehmen zunehmend dazu zwingt, alternative Finanzierungsquellen abseits des klassischen Bankkredits zu erschließen.
2 Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Finanzinstrumente Factoring als Finanzierungsgeschäft und Leasing als Überlassung von Wirtschaftsgütern gegen Entgelt.
3 Factoring: Der Abschnitt erläutert die wirtschaftliche Bedeutung, die Funktionsweise sowie die verschiedenen Formen und Kostenstrukturen des Factorings.
3.1 Arten des Factoring: Hier werden Unterscheidungskriterien wie die Übernahme des Delkredererisikos (echtes/unechtes Factoring) sowie die Notifizierung (offenes/verdecktes Factoring) detailliert dargestellt.
3.2 Kosten des Factoring: Dieses Kapitel beschreibt die Zusammensetzung der Factoring-Kosten aus Gebühren, Zinsen und sonstigen Aufwendungen unter Berücksichtigung verschiedener Einflussgrößen.
4 Leasing: Das Kapitel behandelt Leasing als Investitionsalternative, klassifiziert die Marktsegmente und analysiert das aktuelle Neugeschäftsvolumen in Deutschland.
4.1 Arten des Leasing: Hier erfolgt eine Differenzierung nach dem Gegenstand sowie nach dem Verpflichtungscharakter in Operate- und Finance-Leasing-Verträge.
4.2 Kosten des Leasing: Dieser Teil beschreibt die Aufteilung der Leasingraten in Zins-, Kosten- und Tilgungsanteile sowie die steuerliche Absetzbarkeit.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Factoring und Leasing wichtige liquiditätsschonende Alternativen darstellen, wenngleich Bankkredite auf absehbare Zeit dominierend bleiben.
Schlüsselwörter
Factoring, Leasing, Unternehmensfinanzierung, Firmenkunden, Bankkredit, Delkrederefunktion, Finanzierungsinstrumente, Liquiditätsschonung, Investitionsgüter, Finanzmarkt, Eigenkapitalentlastung, Mobilienleasing, Finanzierungsfunktion, Betriebsausgabe, Forderungsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einsatz von Factoring und Leasing als alternative Finanzierungsmöglichkeiten für Firmenkunden im Kontext eines sich wandelnden deutschen Finanzmarktes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Funktionsweise, der Klassifizierung der Varianten sowie den Kostenstrukturen von Factoring und Leasing.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit Factoring und Leasing als Finanzinstrumente für Firmenkunden genutzt werden können und wie sich die entsprechenden Märkte aktuell darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Analyse aktueller Fachliteratur sowie statistischer Daten von Verbänden zur Einordnung der Finanzierungsformen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Funktionsweise und Kosten von Factoring (Kapitel 3) und Leasing (Kapitel 4), inklusive ihrer jeweiligen Unterarten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Unternehmensfinanzierung, alternative Finanzierung, Factoring, Leasing, Liquiditätsschonung und Investitionsgüter charakterisieren.
Was unterscheidet echtes von unechtem Factoring?
Beim echten Factoring übernimmt der Factor zusätzlich zur Finanzierungs- und Dienstleistungsfunktion auch das Delkredererisiko (Forderungsausfallrisiko), welches beim unechten Factoring beim Klienten verbleibt.
Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Operate- und Finance-Leasing?
Operate-Leasing ähnelt einem kurzfristig kündbaren Mietvertrag ohne Vollamortisation, während Finance-Leasing-Verträge für einen bestimmten Zeitraum unkündbar sind und die Kosten des Leasinggebers voll abdecken.
Warum spielt die Eigenkapitalausstattung für die Finanzierung eine Rolle?
Durch Ratingverfahren der Banken und Sparkassen hat die Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens direkten Einfluss auf die Kreditkonditionen und die Verfügbarkeit von Bankkrediten.
- Quote paper
- Michael Mehnert (Author), 2009, Inwiefern können Factoring und Leasing als Finanzierungsinstrumente für Firmenkunden eingesetzt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132704