Das Trauma des Bürgerkrieges und seine Bedeutung für die spanische transición


Hausarbeit, 2005

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Bürgerkrieg
2.1 Verlauf des Bürgerkrieges
2.2 Die Bedeutung des Bürgerkrieges während der Franco-Diktatur

3 Der Übergang von der Diktatur zur Demokratie
3.1 Spanien vor der Transition
3.2 Der Übergang von der Diktatur zur Demokratie

4 Die Bedeutung des Bürgerkrieges
4.1 Die Schwierigkeiten während des Demokratisierungsprozesses
4.2 Einfluss des Bürgerkrieges auf die Strategien der politischen Akteure und Parteien
4.3 Der Bürgerkrieg als Mittel zum Konsens im verfassungsgebenden Prozess

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der transición, also mit dem einzigartigen Prozess, der Spanien auf friedlichem Wege und innerhalb der Gesetze des Franco-Regimes zu einer parlamentarischen Monarchie machte. Dieser radikale Wandel vom autoritären zum demokratischen System wurde allein durch Reformen erreicht, und erforderte von den politischen Parteien ein dementsprechend hohes Maß an Kompromissbereitschaft. Welche Rolle dabei der Bürgerkrieg spielte, der 40 Jahre zuvor das Land gespalten hatte, möchte ich im Folgenden untersuchen. War die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der spanischen Geschichte auch Jahrzehnte später noch so präsent, dass sie das Bewusstsein der Bevölkerung sowie der politischen Akteure nachhaltig beeinflussen konnte? Und wäre ein gewaltfreier Demokratisierungsprozess ohne diese schmerzhafte Erfahrung überhaupt möglich gewesen?

Um diese Zusammenhänge zutreffend darzustellen, muss man sich zunächst mit Bürgerkrieg und transición im Einzelnen beschäftigen. Das erste Kapitel beschreibt daher Ursprünge, Verlauf und historische Bedeutung des Bürgerkrieges sowie seine Funktion in den folgenden Jahren der Diktatur, denn nur so kann man einschätzen wie präsent die Erinnerung zur Zeit des Überganges noch war. Danach folgt eine Darstellung der transición und der Umstände, die zum Ende des Franco-Regimes geführt haben. Im Hauptteil meiner Arbeit möchte ich dann zunächst die Herausforderung schildern, der sich Spanien mit dem friedlichen Übergang gestellt hat. Danach möchte ich klären warum die Parteien alle der schrittweisen Demokratisierung des Systems zugestimmt haben und wie der Bürgerkrieg die Politiker im Vorfeld der Wahlen sowie bei den Verhandlungen zur neuen Verfassung beeinflusst hat.

Bei meiner Arbeit habe ich auf eine Vielzahl von Werken über Bürgerkrieg und transición zurückgreifen können, die sich allerdings eher mit allgemeinen Darstellungen zu diesem Thema befassen. Die Rolle des Bürgerkrieges in diesem Prozess wird fast überall angesprochen, umfassende Analysen dazu wurden jedoch kaum erstellt. Für meine Analyse lag mir allerdings keines dieser Werke vor, weshalb für mich der wichtigste Anhaltspunkt die Arbeit von Julia Macher war.

2 Der Bürgerkrieg

2.1 Verlauf des Bürgerkrieges

Der spanische Bürgerkrieg war das „Ergebnis unbewältigter innerspanischer Probleme politischen, ideologischen und vor allem sozialen Inhalts“[1] während der Zweiten Republik. Besonders seitdem die konservative Regierung unter Alejandro Lerroux 1933 angetreten war und die in vorherigen Jahren beschlossenen Reformen wieder rückgängig gemacht hatte, war das Krisenpotential gestiegen. Die spanische Linke reagierte 1934 mit der Ausrufung des Generalstreiks, der sich in Asturien bald zur sozialen Revolte ausweitete. Der so genannte Spanische Oktober wurde aber von rechten Kräften brutal niedergeschlagen, was zu einer zusätzlichen Polarisierung der Bevölkerung beitrug. Auch nachdem die linke Volksfront die Wahlen 1936 gewonnen hatte, gingen die Unruhen im Land weiter, und gipfelten am 13.Juli 1936 in der Ermordung des monarchistischen Abgeordneten José Calvo Sotelo. Dieses Attentat wurde schließlich von der Gegenseite zum Anlass genommen, einen schon länger geplanten Militärputsch durchzuführen. Dieser löste dann am 17./18. 7. 1936 den Bürgerkrieg aus.

Der Bürgerkrieg selbst wird von Walther L. Bernecker in vier Phasen eingeteilt[2]:

In der Anfangsphase, die bis zum Frühjahr 1937 reicht, brachten die Aufständischen bereits ca. die Hälfte des Landes unter ihre Kontrolle. Zunächst eroberten sie den Nordwesten Spaniens, mit Ausnahme von Asturien und dem Baskenland, und fielen später mit Hilfe deutscher Flugzeuge im äußersten Süden des Landes ein. Von dort aus nahmen die nationalistischen Truppen bald Andalusien sowie Extremadura ein und beherrschten damit den gesamten Westen Spaniens. Zahlreiche Versuche, Madrid einzunehmen, scheiterten, weshalb die Aufständischen in der zweiten Phase (Frühjahr 1937-Frühjahr 1938) auch dazu übergingen, die Nordprovinzen zu erobern. Nach und nach brachten sie den wirtschaftlich wichtigen Norden unter ihre Kontrolle, wobei besonders erwähnenswert die Bombardierung Guernicas durch die deutsche und italienische Luftwaffe am 26.04.1937 war. In der dritten Phase (bis Dezember 1938) gelang es den Nationalisten, bis in den äußersten Osten Spaniens vorzustoßen, und so Katalonien vom Rest des republikanischen Gebietes abzuschneiden. Ein letzter Sieg der Republikaner am Ebro verzögerte den endgültigen Sieg der Aufständischen zwar, das schlecht organisierte Heer konnte dem nationalistischen Druck aber nicht lange standhalten. Im Dezember 1938, zu Beginn der vierten Phase, begann die Eroberung Kataloniens, bald darauf folgte die Einnahme Madrids und damit der Zusammenbruch der Republik. Am 1. April 1939 erklärte Franco - der nach dem Tod José Sanjurjos im Oktober 1936 Führer des Aufstandes geworden war - das Ende des Krieges.

Dieser eher nüchternen Darstellung des Kriegsverlaufes sei noch hin zuzufügen, dass der Bürgerkrieg der „grausamste Krieg in der spanischen Geschichte wurde“[3]. Erstmals in der spanischen Geschichte wurden so viele Zivilisten getötet, unter anderem durch Massenexekutionen oder Bombardierungen. Die Bombardierung Guernicas beispielsweise hatte keinerlei strategische Relevanz, und war somit der erste Luftwaffenangriff auf ein ausschließlich ziviles Ziel in der Geschichte der Kriegsführung[4].

2.2 Die Bedeutung des Bürgerkrieges während der Franco-Diktatur

Der Bürgerkrieg, der auf beiden Seiten große Opfer gefordert hatte, hat auch nach seinem offiziellen Ende im Jahre 1939 weiterhin große Bedeutung gehabt. So leitete Franco, der sich selbst zum Caudillo erklärt hatte, die Legitimität für seine Herrschaft zunächst ausschließlich aus dem gewonnenen Bürgerkrieg ab. Das gesamte Regime basierte auf dieser Tatsache, und war deshalb stets bestrebt, die Erinnerung an den Bürgerkrieg aufrecht zu erhalten.

Wichtigster Bestandteil dieser Politik waren die beispiellosen Repressionsmaßnahmen gegen politische Gegner. Obwohl die Schätzungen verschiedener Historiker auf diesem Gebiet weit auseinander gehen, ist man sich einig, dass die die Menschenverluste, die sich aufgrund politischer Säuberungen an den Krieg anschlossen die Zahl der Opfer während des Krieges weit überschritten[5]. Dazu kommen noch mehrere Hunderttausende, die während der Diktatur aus politischen Gründen das Land verlassen mussten. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Bürgerkrieg und die daraus entstandene Spaltung Spaniens weiterhin das Bewusstsein der Bevölkerung dominierten.

Auch die Symbolik unter Franco trug dazu bei, das Andenken an den Bürgerkrieg in Francos Sinne zu bewahren. Das Mausoleum Valle de los caídos erinnerte an die Gefallenen auf Seiten der Aufständischen, während die Opfer der Republikaner im öffentlichen Diskurs in Vergessenheit gerieten. Der erste April, Jahrestag der Beendigung des Krieges, wurde mit großen Aufmärschen gefeiert, wobei diese in erster Linie als Siegesfeiern begangen wurden und nicht etwa als Friedensfeiern. Solche Feierlichkeiten manifestierten also die „Zweiteilung des Landes in Sieger und Besiegte“[6] sowie die Unversöhnlichkeit des Regimes.

[...]


[1] Bernecker/Fuchs 1990: S. 228

[2] Vgl. u.a. Bernecker 2003: S. 93

[3] Bernecker 1991: S. 29

[4] Vgl. Desfor 1998: S. 48

[5] Für genaue Zahlen, vgl. Bernecker 1991: S. 211f.

[6] Bernecker 1991: S. 214

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Trauma des Bürgerkrieges und seine Bedeutung für die spanische transición
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V132722
ISBN (eBook)
9783640391158
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trauma, Bürgerkrieges, Bedeutung
Arbeit zitieren
Elena Kramer (Autor), 2005, Das Trauma des Bürgerkrieges und seine Bedeutung für die spanische transición, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132722

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