Piet Cornelis Mondriaan wird am 7. März 1872 in Amersfoort als Sohn einer streng calvinistischen Familie geboren. Sein Vater Piet Cornelis Mondriaan, der selbst als exzellenter Zeichner gilt und als Zeichenlehrer und Schulvorsteher tätig ist, stammt aus einer alteingesessenen Handwerkerfamilie in Den Haag. Frits Mondriaan, Bruder des Vaters und Schüler von Willem Maris, Landschaftsmaler der Haager Schule, erteilt dem jungen Piet Mondrian ersten Malunterricht. Dieser äußert schon früh den Wunsch, Maler zu werden. Die vorliegende Arbeit zeichnet die künstlerische Entwicklung des Malers Piet Mondrian bis zu seinem Tod nach. Die einzelnen Kapitel beziehen sich dabei jeweils auf charakteristische Werke des jeweiligen Lebensabschnitts.
Inhaltsverzeichnis
1 FAMILIÄRER KONTEXT UND KÜNSTLERISCHE AUSBILDUNG
1.1 Selbstporträt
2 DER BAUM ALS LEITMOTIV
2.1 Wald bei Oele
3 EIGENE WEGE IN DIE ABSTRAKTION
3.1 Der rote Baum (Abend)
3.2 Der graue Baum
3.3 Blühender Apfelbaum
3.4 Tableau No. 4 (Composition No. VIII, Compositie 3)
3.5 Die See
3.6 Pier und Ozean (Komposition Nr. 10)
4 DIE KRIEGSJAHRE 1914-1918
4.1 Komposition in Farbe A
5 DIE JAHRE IN PARIS
5.1 Komposition A
5.2 Explodet bow plan
5.3 Raute in Rot, Gelb und Blau
5.4 Komposition mit Gelb und Blau
6 ÜBERSIEDLUNG NACH ENGLAND
6.1 Komposition London (1. Zustand)
7 LETZTE JAHRE IN NEW YORK
7.1 New York 1941 (Boogie-Woogie)
7.2 Broadway Boogie Woogie
7.3 Victory Boogie Woogie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die künstlerische Entwicklung von Piet Mondrian, beginnend bei seiner frühen Ausbildung bis hin zu seinem Spätwerk in New York, und untersucht dabei die tiefgreifende Korrelation zwischen seiner Malerei, seiner theoretischen Auseinandersetzung mit der Abstraktion und seinen spirituellen sowie calvinistisch geprägten Weltanschauungen.
- Die Evolution des Baummotivs als abstrahierendes Element.
- Einfluss der Theosophie auf Mondrians dualistisches Weltbild.
- Die Gründung und programmatische Ausrichtung der Künstlergruppe „De Stijl“.
- Die Transformation der Bildsprache durch Neoplastizismus und Raumgestaltung.
- Die Wirkung der New Yorker Metropole und der Jazz-Musik auf das Spätwerk.
Auszug aus dem Buch
3.3 Blühender Apfelbaum
Ein Baum? Dem Betrachter präsentiert sich ein Netz aus geraden und geschwungenen, horizontal und vertikal verlaufenden Linien, die sich teilweise rechtwinklig schneiden. Jegliche naturalistische Anmutung ist verschwunden, selbst eine Standfläche ist nicht mehr wahrnehmbar, das Liniensystem erstreckt sich scheinbar beliebig über die Bildfläche.
Die Zerlegung der Form und die aus hellem Grau, Blau und Braun bestehende Farbpalette erinnern an den analytischen Kubismus, mit dem sich Mondrian in seiner Pariser Zeit vor dem Ersten Weltkrieg intensiv auseinander setzt. Auf den zweiten Blick werden die Unterschiede zu diesem deutlich: Die Farben sind wärmer, das Liniensystem offener. Während die Kubisten ihren Gegenstand in Kuben zergliedern bzw. ihn daraus entstehen lassen und so die Bildstruktur erarbeiten, will Mondrian die dem Gegenstand innewohnende Ordnung sichtbar machen. Die Ordnung, das Ganze, ist immer da, es muss nicht zusammen gesetzt werden, jedes Partikel ist eingebettet in das Ganze, dies gilt es zu erkennen.
Hinter allem steht die von Gott gegebene Ordnung, eine göttliche inspirierte Harmonie, diese herauszuarbeiten ist die Aufgabe des Künstlers. Damit steht Mondrian ganz in der calvinistischen Glaubenstradition.
Zusammenfassung der Kapitel
1 FAMILIÄRER KONTEXT UND KÜNSTLERISCHE AUSBILDUNG: Beleuchtet Mondrians Herkunft, seine familiäre Prägung durch den Calvinismus und seine frühe künstlerische Ausbildung sowie die ersten Gehversuche als Maler.
2 DER BAUM ALS LEITMOTIV: Beschreibt Mondrians intensive Auseinandersetzung mit einzelnen Baumdarstellungen ab 1907 als Übergang von der naturalistischen zur abstrahierenden Malweise.
3 EIGENE WEGE IN DIE ABSTRAKTION: Analysiert den sukzessiven Abstraktionsprozess des Künstlers anhand markanter Werke und erläutert seinen Weg zur Autonomie des Kunstwerks.
4 DIE KRIEGSJAHRE 1914-1918: Behandelt die Rückkehr in die Niederlande und die maßgebliche theoretische und praktische Entwicklung hin zur „Neuen Gestaltung“ sowie die Gründung von „De Stijl“.
5 DIE JAHRE IN PARIS: Dokumentiert Mondrians Rückkehr nach Paris, die Gestaltung seines Ateliers als Gesamtkunstwerk und die formale Perfektionierung des Neoplastizismus.
6 ÜBERSIEDLUNG NACH ENGLAND: Beschreibt die Flucht vor dem Nationalsozialismus nach London und den Einfluss dieses Aufenthalts auf seine Bildstruktur.
7 LETZTE JAHRE IN NEW YORK: Untersucht Mondrians Begeisterung für die New Yorker Dynamik, den Einfluss der Jazz-Musik auf seine Kompositionen und das Streben nach einer neuen Bildsprache bis zu seinem Tod.
Schlüsselwörter
Piet Mondrian, Abstraktion, Neoplastizismus, De Stijl, Calvinismus, Theosophie, Malerei, Moderne Kunst, Bildsprache, Komposition, Geometrie, Dynamik, Raumgestaltung, Paris, New York
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die künstlerische Biographie von Piet Mondrian und zeigt die Entwicklung von seinen frühen, noch naturalistischen Werken bis hin zur reinen Abstraktion auf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Abstraktion des Naturbildes, die theoretischen Grundlagen des Neoplastizismus, die spirituelle Dimension seines Schaffens sowie der Einfluss der Großstadtkultur auf seine Spätwerke.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Analyse?
Das Ziel ist es, den logischen Entwicklungsweg Mondrians darzustellen, bei dem er philosophische und religiöse Weltanschauungen in ein autonomes, geometrisches Liniensystem auf der Leinwand übersetzte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine kunsthistorische Analyse der Bildwerke, unterfüttert durch die Einordnung in biografische Kontexte, zeitgenössische Kunsttheorien und philosophische Lehren wie die Theosophie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch und thematisch in die verschiedenen Schaffensperioden Mondrians, wobei wichtige Schlüsselwerke in eigenen Unterkapiteln detailliert besprochen werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist am besten durch Begriffe wie „Neoplastizismus“, „Abstraktion“, „De Stijl“ und „göttliche Weltordnung“ charakterisiert.
Wie beeinflusste der Calvinismus Mondrians künstlerisches Selbstverständnis?
Der Calvinismus prägte seinen Wunsch, eine göttliche, harmonische Ordnung hinter der sichtbaren Welt aufzudecken, was den Ausgangspunkt für seine Suche nach der reinen Gestaltung bildete.
Inwiefern veränderte die New Yorker Zeit den künstlerischen Stil Mondrians?
Die Dynamik der Stadt, insbesondere die Wolkenkratzer und der Jazz, führten zu einer Rhythmisierung seiner Bildflächen und zur Integration farbiger Linien anstelle reiner schwarzer Strukturen.
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- Magister Artium Sigrid Weyers (Author), 2005, Piet Mondrian, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132740