Der Glaube an die heilsame Kraft des freien Wettbewerbs prägte in den 80er Jahren das internationale Politikverständnis. Mit dem Abbau von Handels- und Wettbewerbsbeschränkungen nach außen, ging gleichzeitig eine Deregulierung und Privatisierung im Inneren der Staaten einher. Infolge dieser Entwicklungen gerieten vermehrt Bereiche der staatlichen Daseinsvorsorge in den Blickwinkel neoliberaler Politik. Auch der äußerst sensible Bereich der Wasserversorgung blieb von der Liberalisierungs- und Privatisierungswelle nicht verschont.
Im steigenden Maße wurde aus der lebensnotwendigen Ressource Wasser ein ökonomisches Gut. Profiteure dieser Entwicklung waren die privaten Wasserversorger. Getreu der Aussage „Gott hat das Wasser geliefert, aber nicht die Rohre“ (Gerard Mestrallet, Chef des internationalen Wasserkonzerns Suez/Ondeo), haben sich mit der Öffnung des Wassersektors lukrative Investitionsmöglichkeiten für die privaten Unternehmen ergeben.
Neben den privaten Wasserversorgungsunternehmen erkannten auch große Nahrungsmittelkonzerne, dass sich mit dem Verkauf von Wasser eine Menge Geld verdienen lässt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Struktur der Arbeit
- Das Naturelement Wasser - grundlegende Informationen
- Regionale Verteilung des Wassers
- Anthropogene Ursachen des Trinkwassermangels
- Die Ressource Wasser - Menschenrecht oder Handelsware?
- Die Ressource Wasser - ein Menschenrecht?
- UN-Rechtskommentar Nr. 15
- Verfügbarkeit, Qualität und Zugang
- Verpflichtungen für Vertragsstaaten
- Verpflichtungen für nicht-staatliche Akteure
- Die Ressource Wasser - ein ökonomisches Gut?
- Exkurs: Die Ressource Wasser - der Bulle auf den internationalen Finanzmärkten
- Anteile öffentlicher und privater Wasserversorgung
- Fazit
- Der Einfluss neoliberaler Überzeugungen auf die internationale Wasserpolitik
- Dublin Prinzipien
- Die Bedeutung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds im internationalen Wassersektor
- Weltbank
- IWF
- Fazit
- Die Bedeutung der Welthandelsorganisation und des GATS im internationalen Wassersektor
- Die Rolle des GATS bei der Liberalisierung von Wasserdienstleistungen
- Der Gatsvertrag
- Allgemeine und spezifische Verpflichtungen im GATS
- Die Rolle der EU in den GATS Verhandlungen
- EU Water Initiative & EU Water Fund
- Fazit
- Exkurs: Bilaterale und regionale Freihandels- und Investitionsabkommen
- Die Rolle der Lobbyisten
- Der World Water Council (WWC)
- Die Global Water Partnership (GWP)
- Weltwasserforum
- World Water Commision for the 21 Century
- Camdessus-Panel
- Gurria Task force
- UN Secretary General's Advisory Board on Water and Sanitation (UNSGAB)
- Fazit
- Die Kommerzialisierung der Ressource Wasser durch Multinationale Unternehmen
- Multinationale Unternehmen im Wassersektor
- Die führenden Multinationale Unternehmen im Wassersektor
- Beteiligungsformen für Unternehmen im Wassersektor
- Serviceverträge
- Managementverträge
- Verpachtung (engl.: lease)
- Build-operate-transfer contracts (BOT)
- Konzession
- Häufigkeit der vorkommenden Privatisierungsformen
- Die Marktdominanz der französischen Branchenriesen Suez und Veolia
- Suez
- Marktanteil und Umsatz
- Veolia Water - Marktanteil und Umsatz
- Die Entwicklung des französischen Branchenriesen Suez
- Die Entwicklung des französischen Branchenriesen Veolia
- Die Bedeutung des französischen Staates
- Besonderheiten des Wassersektors
- Multi Utility Unternehmen
- Multi Utility Beispiel: Suez Environment in China
- Auftauchende Probleme
- Rückzug der Unternehmen aus Entwicklungs- und Transformationsländern
- Risikominimierung der Unternehmen
- Fazit
- Las canillas cerradas - Die Folgen der Wasserprivatisierung in Uruguay
- Ausgangssituation
- Ablauf der Trinkwasserprivatisierung in der Provinz Maldonado
- Folgen der Privatisierung
- Preisentwicklungen
- Beeinträchtigung der Wasserqualität
- Versorgungsprobleme und Versorgungsgrad
- Umweltprobleme
- Vertragsbruch
- Wachsende Proteste in der Bevölkerung
- Uruguay-Letter of Intent
- Gründung der CNDAV
- Unterschriftensammlung für die Einreichung eines Referendums
- Widerstand gegen die Reform in der Vorlaufphase
- Inhalt des Referendums
- Tag der Entscheidung, 31. Oktober 2004
- Konsequenz
- Die Mühen der Umsetzung des Volksentscheids
- Ein Dekret für die privaten Unternehmen
- Kündigung der Konzession von Uragua
- Rückzug von Suez aus Uruguay
- Fazit
- Flaschenwasser – Der Superlativ des freien Marktes
- Das Produkt Flaschenwasser
- Wer trinkt Flaschenwasser?
- Wie kann der Flaschenwasserboom erklärt werden?
- Flaschenwasser vs. Leitungswasser
- Internationale Qualitätsstandards von Flaschenwasser
- Wer die Wahl hat, hat die Qual - Sprudel trifft Nobelmarketing)
- Fitness, Gesundheit und Ernährung
- Wachsende Mobilität und Individualität
- Flaschenwasser - Luxus- und Statussymbol
- Unternehmen im Flaschenwassergeschäft
- Nestle und Danone
- Wachstumsprognosen für Flaschenwasser auf internationalen Märkten
- Wettbewerb - Expansionen
- Das Geschäft mit den Wasserspendern
- Kritik und Vorwürfe
- Gesamtfazit
- Anhang
- Abkürzungsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit „Agua, sangre de la tierra - Über die Kommerzialisierung der Ressource Wasser durch Multinationale Konzerne“ untersucht die zunehmende Kommerzialisierung der Ressource Wasser durch multinationale Unternehmen. Die Arbeit analysiert die Entwicklung des Wassersektors im Kontext der neoliberalen Politik und beleuchtet die Rolle internationaler Organisationen und Handelsabkommen bei der Liberalisierung und Privatisierung von Wasserdienstleistungen.
- Die ambivalente Betrachtung der Ressource Wasser als Menschenrecht und ökonomisches Gut
- Der Einfluss neoliberaler Überzeugungen auf die internationale Wasserpolitik
- Die Rolle multinationaler Unternehmen im Wassersektor
- Die Folgen der Wasserprivatisierung in Uruguay
- Der Boom des Flaschenwassermarktes
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Kommerzialisierung der Ressource Wasser durch multinationale Unternehmen ein und skizziert die Struktur der Arbeit. Kapitel 2 vermittelt grundlegende Informationen über die natürliche Ressource Wasser, einschließlich ihrer regionalen Verteilung und der anthropogenen Ursachen des Trinkwassermangels. Kapitel 3 beleuchtet die ambivalente Betrachtung der Ressource Wasser als Menschenrecht und ökonomisches Gut. Es werden die Argumente für und gegen die Kommerzialisierung von Wasser diskutiert, wobei die UN-Rechtskommentare und die ökonomischen Aspekte der Wasserversorgung im Vordergrund stehen.
Kapitel 4 analysiert den Einfluss neoliberaler Überzeugungen auf die internationale Wasserpolitik. Es werden die Dublin Prinzipien, die Rolle der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds sowie die Bedeutung der Welthandelsorganisation und des GATS im internationalen Wassersektor beleuchtet. Kapitel 5 befasst sich mit der Kommerzialisierung der Ressource Wasser durch multinationale Unternehmen. Es werden die führenden Unternehmen im Wassersektor vorgestellt, die verschiedenen Beteiligungsformen im Wassersektor erläutert und die Marktdominanz der französischen Branchenriesen Suez und Veolia analysiert.
Kapitel 6 untersucht die Folgen der Wasserprivatisierung in Uruguay. Es wird die Ausgangssituation, der Ablauf der Trinkwasserprivatisierung in der Provinz Maldonado und die Folgen der Privatisierung, einschließlich der Preisentwicklungen, der Beeinträchtigung der Wasserqualität, der Versorgungsprobleme und der Umweltprobleme, dargestellt. Kapitel 7 befasst sich mit dem Flaschenwassermarkt. Es werden das Produkt Flaschenwasser, die Konsumenten von Flaschenwasser, die Gründe für den Flaschenwasserboom und die Unternehmen im Flaschenwassergeschäft vorgestellt.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Kommerzialisierung der Ressource Wasser, die Wasserprivatisierung, multinationale Unternehmen, neoliberale Politik, internationale Wasserpolitik, Menschenrecht, ökonomisches Gut, Dublin Prinzipien, Weltbank, Internationaler Währungsfonds, Welthandelsorganisation, GATS, Suez, Veolia, Uruguay, Flaschenwasser, Wasserversorgung, Trinkwasser, Wasserqualität, Umweltprobleme, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Ist Wasser ein Menschenrecht oder eine Handelsware?
Dies ist ein zentraler Konflikt der internationalen Politik. Während UN-Rechtskommentare Wasser als Menschenrecht definieren, betrachten neoliberale Ansätze und Konzerne Wasser zunehmend als ökonomisches Gut.
Welche Rolle spielen Konzerne wie Suez und Veolia?
Suez und Veolia sind marktdominierende französische Unternehmen, die weltweit private Wasserversorgungssysteme betreiben und einen erheblichen Teil des Marktes kontrollieren.
Was geschah bei der Wasserprivatisierung in Uruguay?
Nach negativen Folgen wie Preiserhöhungen und Qualitätsmängeln kam es zu massiven Protesten, die 2004 in einem historischen Volksentscheid zur Verankerung der öffentlichen Wasserversorgung in der Verfassung führten.
Warum boomt der Markt für Flaschenwasser?
Der Boom wird durch geschicktes Marketing (Fitness, Gesundheit), wachsende Mobilität und das Image von Flaschenwasser als Luxussymbol vorangetrieben, oft zulasten des Vertrauens in Leitungswasser.
Welchen Einfluss haben Weltbank und IWF auf den Wassersektor?
Diese Organisationen haben in der Vergangenheit Kredite an Entwicklungsländer oft an die Bedingung geknüpft, den Wassersektor zu liberalisieren und zu privatisieren.
- Arbeit zitieren
- Magister Artium Guido Goldschmidt (Autor:in), 2008, Agua, sangre de la tierra – Über die Kommerzialisierung der Ressource Wasser durch Multinationale Konzerne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132770