Epidemien und besonders die aktuelle Corona-Pandemie sind Zündstoff für Diskriminierung, Ausgrenzung, Hass und Fremdenfeindlichkeit. Gesellschaftliche Ausnahmesituationen setzen demnach Dynamiken frei, in denen Menschen Ängste schüren und auf der verzweifelten Suche nach „Sündenböcken“ Feindbilder aufbauen. Sandra L. Shullmann, Präsidentin der American Psychological Association wagt noch einen Schritt weiter: „We are living in a racism pandemic” – Wir leben in einer Rassismus-Pandemie. Rassismus sei eine Krise der öffentlichen Gesundheit, welche auch dementsprechend bekämpft werden müsse, um aggressives Verhalten und Ungerechtigkeiten gegen Minderheiten zu unterbinden. Die Präsidentin hält daran fest, dass nicht die Pandemie Auslöser von rassistischem Verhalten sei, sondern der Rassismus als solcher einer Pandemie gleiche.
Diese zunächst scheinbar völlig verschiedenen Begriffe sowie deren Hintergründe werden miteinander verknüpft, sodass ein Vergleich zwischen gesellschaftlich-politischen und weltgesundheitlichen Fragestellungen angestellt wird. Trägt eine solche Veranschaulichung dazu bei, einem möglichen Lösungsansatz von Rassismus näherzukommen oder ihn gar nachhaltig zu bekämpfen? Wenn dem so ist, muss die Symbolik genauer beleuchtet werden: Was ist das Virus bzw. die Krankheit von Rassismus, woher kommt diese Art der Pandemie? Wie zeigt sie sich auf globaler Ebene? Was könnte ein möglicher Impfstoff sein? Ein solches Wissen wäre von enormer Bedeutung für die Genesung des erkrankten Patienten, der Gesellschaft. Der mögliche Behandlungserfolg bemisst sich dabei unter anderem an terminologischen Differenzierungen, sodass mit einem Blick nach „rechts und links“ auch über Staatsgrenzen hinaus erkannt wird, dass Rassismus weltweit Fuß fasst.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Begriff „Rassismus“
III. Globale Perspektiven
1. Europa
a. Deutschland
aa. Zahlen und Fakten
bb. Geschichte
cc. Rechtsextremistische Gewalttaten
b. Dänemark
aa. Gesellschaft
bb. Politik und das „Ghetto-Gesetz“
c. Großbritannien
aa. Gesellschaft und Geschichte
bb. Das britische Königshaus
cc. Fußball
d. Norwegen
aa. Anschläge im Juli 2011
bb. Gesellschaft
e. Ungarn
aa. Gesellschaft
bb. Gyöngyöspata
cc. Gesetze gegen LGBTQ
2. Amerika
a. USA
aa. Geschichte des Rassismus
bb. „Black Lives Matter“
cc. Zahlen und Fakten
b. Brasilien
aa. Geschichte
bb. Gesellschaft und Politik
cc. Fußball
3. Asien
a. Indien
aa. Kastensystem
bb. Aufhellende Hautcreme
cc. Die Beziehung zwischen Afrika und Indien
b. Myanmar
aa. Rohingya
bb. Zur Geschichte der Rohingya
cc. Verfolgung
dd. Eskalation des Konflikts
c. China
aa. Inhaftierung der Uiguren
bb. Uiguren außerhalb Chinas
4. Ozeanien
a. Australien
aa. „Aborigines“ und „Creamies“
bb. Gesellschaft und Politik
b. Neuseeland
aa. „Dawn Raids“
bb. Attentat in Christchurch
IV. Der Begriff „Pandemie“
a. Definition – Pandemie
b. Definition – Virus
c. Übertragung und Ausbreitung
d. Auswirkungen
e. Pandemieprävention
V. Symbolik der Rassismus-Pandemie
1. Pandemien, Varianten und Mutationen
2. Entstehung bzw. Ursprung
3. Ansteckung
4. Verbreitung
5. Präventionsmaßnahmen
a. Sprache als Mittel gegen Rassismus?
b. Über „Social Distance“ und „Lockdown“
c. Prävention durch Impfung
d. Der Einzelne: Selbstwahrnehmung und Reflektion
e. Die Gesellschaft: Wissensvermittlung und Belehrung
f. Demokratie, Grundgesetz und Strafrecht
6. Stellungnahme
VI. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Rassismus als ein globales, strukturerhaltendes Phänomen zu analysieren, indem sie Parallelen zur Dynamik von Pandemien zieht. Die Forschungsfrage untersucht dabei, ob und wie Rassismus im Zusammenspiel von Individuen und staatlichen Strukturen pandemieähnliche Ausmaße annimmt und welche präventiven „Impfstoffe“ in Form von Bildung, Zivilcourage und politischem Handeln dagegen wirken können.
- Analyse von Rassismus als systemisches, globales Phänomen in verschiedenen Kontinenten.
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Krisen und der Radikalisierung von Feindbildern.
- Darstellung von rassistischen Diskriminierungspraktiken, insbesondere gegenüber indigenen Minderheiten und Migranten.
- Kritische Reflexion über die Rolle von Sprache, Medien und staatlichen Institutionen bei der Normalisierung von Rassismus.
- Diskussion von Präventionsansätzen und demokratischen Gegenstrategien zur Bekämpfung rassistischer Ideologien.
Auszug aus dem Buch
I. Einleitung
Während sich zwischen 1348 und 1353 die Pest in Europa ausbreitete, wurden Juden beschuldigt, sie hätten eben diese durch Brunnenvergiftungen ausgelöst.¹ Es folgten Pogrome in unzähligen jüdischen Vierteln, sodass vor allem in Südfrankreich und im Heiligen Römischen Reich ein Großteil der Gemeinden vernichtet wurden. Juden seien die Verkörperung des Schlechten, die Anti-Christen, Teufelsgenossen und Satansbrut.²
In den Vereinten Staaten wurden im 19. Jahrhundert irische und italienische Einwanderer beschuldigt, sie würden Cholera und Polio verbreiten.³
Cholera betraf in Deutschland vor allem Hamburg, sodass die im heutigen Sprachgebrauch als „Hotspot“ zu deklarierende Hansestadt mehr als 8.500 Todesfälle vermeldete.⁴ Die Herkunft des Virus sei auf russische Jüdinnen und Juden zurückzuführen, da die ersten Ausbrüche in Russland stattfanden. Die Folgen waren unter anderem hygienische Grenzkontrollen und im Allgemeinen ein sanitärer Diskurs, sodass Vorstellungen von Volksgesundheit radikal aufgeladen wurden.⁵
Allerdings hat keine andere Krankheit in kürzester Zeit so viele Todesopfer gefordert wie die Spanische Grippe im Ersten Weltkrieg. Spanien selbst hatte mit dem Ausbruch der Pandemie wenig zu tun: Die ersten Fälle traten im März 1918 in einem US-Militärcamp in Kansas auf, woraufhin weltweit rund 50 Millionen Menschen starben.⁶ Diese geografische Kennzeichnung erscheint mehr als paradox, wenn zu beobachten ist, dass das Virus in Brasilien „Deutsche Grippe“, in Senegal „Brasilianische Grippe“ und in Polen als „Bolschewikenkrankheit“ betitelt wurde.⁷
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung zieht historische Parallelen zwischen dem Ausbruch von Epidemien und der Schuldzuweisung an marginalisierte Bevölkerungsgruppen, um Rassismus als ein ähnlich destruktives gesellschaftliches Phänomen einzuführen.
II. Der Begriff „Rassismus“: Dieses Kapitel erörtert die Komplexität und die fehlende allgemeingültige Definition von Rassismus, wobei es diesen als ein „wirkmächtiges Gefüge von Diskursen und Praktiken“ zur Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Ungleichheiten beschreibt.
III. Globale Perspektiven: In diesem Hauptteil werden anhand verschiedener Kontinente (u.a. Europa, Amerika, Asien, Ozeanien) spezifische rassistische Diskriminierungsfälle untersucht, um die Vielschichtigkeit und die regionale Variabilität des Phänomens aufzuzeigen.
IV. Der Begriff „Pandemie“: Das Kapitel definiert den Begriff der Pandemie naturwissenschaftlich und erläutert Ausbreitungswege sowie Auswirkungen von Infektionskrankheiten, um das theoretische Fundament für den späteren Vergleich zum Rassismus zu legen.
V. Symbolik der Rassismus-Pandemie: Dieser Abschnitt verknüpft die zuvor analysierten Phänomene miteinander, stellt Rassismus als „Virus R“ dar und diskutiert diverse Präventionsmaßnahmen wie Sprache, gesellschaftliche Aufklärung und die Rolle demokratischer Institutionen.
VI. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion, die betont, dass Rassismus äußerst anpassungsfähig ist und ein fortwährendes, globales Vorgehen auf allen gesellschaftlichen Ebenen erfordert.
Schlüsselwörter
Rassismus, Pandemie, Diskriminierung, gesellschaftliche Ungleichheit, Ausgrenzung, Kolonialismus, Menschenrechte, Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Marginalisierung, Prävention, Diversität, Intersektionalität, strukturelle Gewalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Rassismus als ein komplexes, globales Wirkgefüge und zieht dabei eine symbolische Parallele zur Dynamik einer Pandemie, um Mechanismen der Diskriminierung und Ausgrenzung offenzulegen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die historische und strukturelle Verankerung von Rassismus, seine unterschiedlichen Erscheinungsformen in diversen Weltregionen sowie der Umgang mit rassistisch motivierten Straftaten im historischen und aktuellen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, durch den Vergleich mit einer Pandemie das Verständnis für die Mechanismen, die Verbreitung und die notwendigen (präventiven) Gegenmaßnahmen gegen rassistische Ideologien zu schärfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Seminarhausarbeit, die durch eine umfangreiche Recherche und Analyse politischer, gesellschaftlicher und historischer Daten sowie Literaturquellen eine systematische Untersuchung vornimmt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung globaler Perspektiven (Europa, Amerika, Asien, Ozeanien) sowie eine theoretische Fundierung der Begriffe „Pandemie“ und „Rassismus“, um deren Verknüpfung methodisch herzuleiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rassismus, Pandemie, Diskriminierung, Kolonialismus, strukturelle Gewalt und gesellschaftliche Präventionsstrategien charakterisiert.
Wie wird das Beispiel der „Spanischen Grippe“ im Kontext der Arbeit genutzt?
Die Autorin nutzt das Beispiel, um zu zeigen, wie geografische Fehlbezeichnungen und damit verbundene Schuldzuweisungen in Pandemiezeiten bereits historisch als Vehikel für rassistische Ausgrenzung und Stigmatisierung fungierten.
Warum ist die Analyse der „Ghetto-Gesetze“ in Dänemark oder des Kastensystems in Indien relevant für diese Arbeit?
Diese spezifischen Fallbeispiele dienen dazu, die globale Verbreitung und die unterschiedlichen kulturellen sowie rechtlichen Ausprägungen systematischer Diskriminierung präzise zu belegen und zu verdeutlichen, dass Rassismus nicht auf eine Nation beschränkt ist.
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- Michelle Meyer (Author), 2021, Rassismus als Problemfeld aus strafrechtlicher und interdisziplinärer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1327777