Im Rahmen der seit Anfang 2020 weltweit grassierenden Corona-Pandemie wurde von verschiedenen Ländern gefordert, das Patentrecht auf Impfstoffe gegen Covid-19 außer Kraft zu setzen.
Ein zentrales Argument der Befürworter einer solchen Maßnahme war, dass nur mittels der Aussetzung des Patentrechtes eine ausreichende Versorgung der Allgemeinheit mit Impfdosen zu gewährleisten sei. Gegner dieser Idee widersprachen unter anderem mit dem Argument, dass das Aussetzen des Patentrechts wichtige Grundprinzipien der freien Marktwirtschaft aufheben würde und sahen dabei insbesondere einen zu starken Einfluss auf die Investitionen in zukünftige Innovationen.
Für die Verfasserin dieser Arbeit war diese Diskussion Anreiz, sich mit dem allgemeinen Einfluss von Patenten auf die volkswirtschaftliche Wohlfahrt zu beschäftigen. Dem folgend wird in Kapitel 2 zunächst erläutert, wie sich die volkswirtschaftliche Wohlfahrt definiert und welche grundsätzlichen Zusammenhänge zwischen dem Nutzen der Allgemeinheit und den zugrundeliegenden Marktbedingungen bestehen. Im Vordergrund der Untersuchungen stehen dabei die allgemeinen Mechanismen des Marktes sowie die wechselseitig wirkenden Einflussgrößen verschiedener Marktformen. Von besonderem Interesse ist dabei ein Vergleich der Marktformen „Polypol“ und "Monopol". Ziel der Betrachtungen soll dabei sein, aufzuzeigen, welche Marktform zu einer möglichst großen volkswirtschaftlichen Wohlfahrt führt. Das Kapitel 2 endet mit einer kurzen Erörterung über die zusätzliche Rolle der Weiterentwicklung von Produkten im Kontext des technischen Fortschritts.
In Kapitel 3 wird anschließend aufgezeigt, inwieweit sich das Patentwesen in die gewonnene Erkenntnisse einordnen lässt und ob Patente sich tendenziell wohlfahrtsfördernd oder eher wohlfahrtsschädlich auswirken. Die Untersuchung wird dabei sowohl hinsichtlich der Einordnung in die Marktformen, als auch in der Auswirkung auf die Förderung des technischen Fortschritts vorgenommen. Abgeschlossen wird das Kapitel mit einer Betrachtung, inwieweit das Patentwesen möglichst nutzenmaximierend ausgestaltet werden kann. Die zentrale Frage diesbezüglich ist, welchen Einfluss die Zeitdauer des Patentschutzes ausübt. Hierbei wird in einem ersten Schritt zunächst untersucht, wie diese ausgestaltet sein muss, damit Unternehmen überhaupt Investitionen vornehmen. In einem zweiten Schritt wird sich damit beschäftigt, ob diese darüber hinaus auch wohlfahrtsmaximierend ausgestaltet werden kann.
Im Kapitel 4 erfolgt die zusammenfassende Diskussion sowie das abschließende Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Volkswirtschaftliche Wohlfahrt
2.1 Der Einfluss der Marktform auf die volkswirtschaftliche Wohlfahrt
2.1.1 Das Marktverhalten im Polypol
2.1.2 Das Marktverhalten im Monopol
2.1.3 Die Bewertung der Marktformen aus Sicht der Wohlfahrtsökonomie
2.2 Der Einfluss von technischem Fortschritt auf die volkswirtschaftliche Wohlfahrt
3 Patente
3.1 Der Einfluss von Patenten auf die volkswirtschaftliche Wohlfahrt
3.1.1 Patente als zeitliche begrenzte Monopole
3.1.2 Trittbrettfahrerproblem: Patente als Voraussetzung für technischen Fortschritt
3.1.3 Die Bewertung von Patenten aus Sicht der Wohlfahrtsökonomie
3.1.4 Die Wohlfahrtsoptimierte Ausgestaltung von Patenten
4 Diskussion und Fazit
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den allgemeinen Einfluss von Patenten auf die volkswirtschaftliche Wohlfahrt und analysiert, wie diese unter Berücksichtigung von Marktformen und technischem Fortschritt wohlfahrtsfördernd optimal ausgestaltet werden können.
- Analyse und Vergleich der Marktformen Polypol und Monopol
- Einfluss des technischen Fortschritts auf die volkswirtschaftliche Wohlfahrt
- Bewertung von Patenten als zeitlich begrenzte Monopole
- Lösung des Trittbrettfahrerproblems durch Patentschutz
- Ermittlung einer wohlfahrtsoptimierten Patentdauer
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Trittbrettfahrerproblem: Patente als Voraussetzung für technischen Fortschritt
Das aus Sicht der Wohlfahrtsökonomie die Gewährung von Patenten trotzdem sinnstiftend und nutzenerhöhend sein kann, liegt an der essenziellen Bedeutung des Patentwesens für die Erzielung von technischem Fortschritt. Voraussetzung für die Erzielung von technischem Fortschritt ist, dass Unternehmen bereit sind in Forschung und Entwicklung zu investieren. In einer unregulierten Wirtschaftswelt würde es aufgrund des Trittbrettfahrerproblems allerdings nur zu unzureichenden Investitionen kommen. Von einem Trittbrettfahrerproblem spricht man dann, wenn Wirtschaftssubjekte den Nutzen eines Gutes ohne Gegenleistung erlangen können. Im Ergebnis würde dies dazu führen, dass das investierende Unternehmen nicht den alleinigen Nutzen aus seiner Investition ziehen kann und die entsprechende Investition unter Umständen von vornherein unterbleibt. Aus diesem Blickwinkel heraus sind Patente insoweit eine notwendige Voraussetzung für der Schaffung technischen Fortschritts und damit eine Treiber für die Erhöhung der volkswirtschaftlichen Wohlfahrt. (Ostrom. E, 1990)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Debatte um die Aussetzung von Patenten während der Corona-Pandemie und leitet daraus die Forschungsfrage zum generellen Einfluss von Patenten auf die volkswirtschaftliche Wohlfahrt ab.
2 Volkswirtschaftliche Wohlfahrt: Das Kapitel definiert den Begriff der volkswirtschaftlichen Wohlfahrt, untersucht das Marktverhalten im Polypol und Monopol und betrachtet die Bedeutung des technischen Fortschritts für den Nutzen der Gesellschaft.
3 Patente: Hier wird der Charakter von Patenten als zeitlich begrenzte Monopole analysiert, ihre Rolle bei der Lösung des Trittbrettfahrerproblems diskutiert und die optimale Patentlaufzeit zur Erreichung eines wohlfahrtsökonomischen Optimums hergeleitet.
4 Diskussion und Fazit: Die abschließende Diskussion fasst die ambivalenten Effekte von Patenten zusammen und resümiert, dass diese bei optimaler Ausgestaltung eine wesentliche Voraussetzung für Innovation und Wohlfahrtssteigerung sind.
5 Literaturverzeichnis: Auflistung der im Text verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literaturhinweise.
Schlüsselwörter
Patente, volkswirtschaftliche Wohlfahrt, Monopol, Polypol, technischer Fortschritt, Marktformen, Trittbrettfahrerproblem, Patentschutz, Patentdauer, Wohlfahrtsökonomie, Wettbewerb, Innovation, Markttransparenz, Markteintrittsbarrieren, Nutzenmaximierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Analyse des Einflusses von Patenten auf die volkswirtschaftliche Wohlfahrt unter Berücksichtigung verschiedener Marktformen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die wohlfahrtsökonomische Bewertung von Marktstrukturen, die Auswirkung von technischem Fortschritt auf den Wohlstand und die ökonomische Rechtfertigung sowie optimale Ausgestaltung von Patentschutz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Patente trotz ihrer monopolartigen Wirkung so gestaltet werden können, dass sie Investitionen in Innovationen sichern und gleichzeitig die volkswirtschaftliche Wohlfahrt maximieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Arbeit nutzt theoretische Konzepte der Wohlfahrtsökonomie, vergleicht Marktformen mittels grafischer Analysen der Preis- und Mengenentscheidungen und leitet daraus die ökonomischen Wirkungen von Patenten ab.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung der Wohlfahrt, den Vergleich von Polypol und Monopol, die Einordnung von Patenten als zeitlich begrenzte Monopole sowie die Bestimmung einer minimalen und maximalen Patentlaufzeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird maßgeblich durch Begriffe wie Patentrecht, Monopol, technischer Fortschritt, Wohlfahrtsgewinn und Patentlaufzeit geprägt.
Warum betrachten die Autoren Patente als zeitlich begrenzte Monopole?
Patente schaffen staatlich legitimierte Markteintrittsbarrieren, die dem Patentinhaber exklusive Rechte an der Nutzung und Vermarktung seiner Erfindung verleihen, was faktisch einer Monopolstellung auf Zeit entspricht.
Was besagt die optimale Patentdauer, die in der Arbeit diskutiert wird?
Die optimale Patentdauer liegt in einem Bereich, der einerseits Investitionen in Forschung und Entwicklung durch Mindesteinnahmen absichert, andererseits aber die Wohlfahrtsverluste, die durch die Monopolstellung entstehen, begrenzt.
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- Merit Banz (Author), 2022, Patente und die volkswirtschaftliche Wohlfahrt. Patente als zeitlich begrenzte Monopole, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1328059