Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage, in welchem Maß sich der Klimawandel auf die Emotionen junger Erwachsener auswirkt.
Schmelzende Polarkappen, das Absterben der Korallenriffe, Ökosysteme, die kollabieren und Menschen, die ihre Heimat und Lebensgrundlagen verlieren, das ist eine Terminologie, die seit geraumer Zeit unter der Thematik des Klimawandels miteinander in Verbindung gebracht werden. Angesichts der Klimakrise sorgen sich immer mehr Menschen um die Zukunft.
Das zeigen auch die Daten von Suchmaschinen im Internet. Im Jahr 2018 verzeichnete Google mehr als 5 Millionen Einträge zum Stichwort „Klimawandel“ und der englische Begriff „climate change“ wurde über 100 Millionen Mal aufgerufen. Die Popularität der Begriffe ist seit 2004 steigend, wie der „Google Trends Grafik“ entnommen werden kann. Insbesondere Länder, die bereits die Auswirkungen des Klimawandels verstärkt wahrnehmen, wie zum Beispiel die Fidschis, Äthiopien oder die Philippinen, haben den Begriff vergleichsweise häufig gegoogelt. Bei dem Suchbegriff „Klimaangst“ dokumentiert Google, im Vergleich zu den Vorjahren, einen Anstieg von 565 Prozent zwischen den Jahren 2020 und 2021.
Doch der Klimawandel und der damit verbundene Klimaschutz ist kein neues Phänomen, sondern hat eine jahrzehntelange Geschichte. Schon Anfang der 70er Jahre vereinten sich Aktivisten und gründeten NGOs, wie z.B. 1971 Greenpeace in Kanada. Bereits 1980 wurde Greenpeace Deutschland gegründet und startete den ersten Protest anlässlich der Verklappung von Dünnsäure durch die Bayer AG in die Nordsee. Die Verseuchung von Luft, Wasser und Böden durch hochgiftige Chemikalien der Chemiekonzerne, weckte vor allem die jüngere deutsche Bevölkerung auf und es formten sich politische Bewegungen mit ökologischen Orientierungen, wie beispielsweise die Alternative Liste, gegründet im Jahr 1978 in West-Berlin. Der Entwicklungsprozess von einer kleinen alternativen Wahllistenpartei, zu einer Regierungspartei, ist maßgeblich für die Bedeutsamkeit des Klimaschutzes, auch auf politischer Ebene.
Die gesundheitlichen, wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Auswirkungen des Klimawandels sind unumstritten. Umso wichtiger ist es, den Fokus auch auf die psychische Gesundheit zu legen. Die Fokussierung auf diesen Aspekt ist insofern von Relevanz, da die Auswirkungen und Folgen des Klimawandels auf unterschiedlichste Weise im Wechselspiel mit unserer menschlichen Psyche stehen. Aus den Folgen des Klimawandels können Arbeitslosigkeit, Existenzängste, der Verlust der Heimat oder von Familienangehörigen resultieren, die eine Belastung darstellen und die für die Psyche, auch auf klinischer Ebene, gravierende Konsequenzen trägt. Ein Beispiel ist der „Hurricane Katrina“, der 2005 Teile der südöstlichen Staaten der USA zerstörte und besonders die Stadt New Orleans traf. Jeder zweite, der direkt durch den Sturm betroffen war, entwickelte in den Monaten danach eine nachweisbare Depression, Panik- oder Angststörung. Bei jeder sechsten Person trat eine posttraumatische Belastungsstörung auf. Erschwerende psychologische Reaktionen auf den Klimawandel sind Konfliktvermeidung, Fatalismus, Angst, Hilflosigkeit und Resignation.
Nicht nur direkt Betroffene leiden psychisch unter den Auswirkungen des Klimawandels, sondern auch Jugendliche erleben eine starke seelische Betroffenheit aus Sorge um die Zukunft. Dies kann ein entscheidender Katalysator für die mögliche Entwicklung von Angststörungen und Depressionen sein, wie eine Studie der „Bath University“ aus dem Jahr 2021 ergab, in der 10 000 Schüler aus 10 Ländern befragt wurden. Aus einer Verzweiflung, Sorge, und Enttäuschung gegenüber der Politik entstand 2018 die FFF (Fridays for Future Bewegung), organisiert von Schülern und Studenten. Mittlerweile haben sich regionale, nationale und Weltweile Unterstützungsorganisationen gebildet, z.B. Scientists For Future und Psychologists For Future.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Aktueller Forschungsstand
3. Der Klimawandel
3.1 Das Klimasystem
3.2 Der natürliche Treibhauseffekt
3.3 Der anthropogene Treibhauseffekt
3.4 Besonders betroffene Regionen - „klimatologische Hotspots“
3.5 Tipping Points
3.6 Die Auswirkungen des Klimawandels
4.Angst
4.1 Definition
4.2 Angst im ICD-10
4.3 Epidemiologie
4.4 Symptome
4.5 Neurobiologische Entstehung der Angst
5.Klimaangst
5.1Definiton
5.2 Solastalgie
5.2.1 Entstehung des Begriffs
5.2.2 Definiton
5.3 Symptome
5.4 Das „6-Phasenmodell“
6. Empirischer Teil
6.1 Forschungsmethoden
6.2 Gütekriterien
6.3 Beschreibung des Datenerhungsinstruments
6.4 Stichprobenbeschreibung
6.5 Pretest
6.6 Durchführung der empirischen Untersuchung
7. Ergebnisse
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die emotionalen Auswirkungen des Klimawandels auf Schüler. Im Mittelpunkt steht die Forschungsfrage, in welchen Dimensionen sich der Klimawandel auf die Emotionen junger Erwachsener auswirkt und welche Rolle dabei Faktoren wie Angst, Sorge um die Zukunft und psychische Belastungen spielen.
- Psychologische und klinische Auswirkungen des Klimawandels auf die Psyche
- Konzepte wie Klimaangst (Eco Anxiety) und Solastalgie
- Empirische quantitative Befragung unter Berliner Berufsschülern
- Zusammenhang zwischen politischer Inaktivität und psychischer Betroffenheit bei Jugendlichen
Auszug aus dem Buch
5.4 Das „6 Phasen Modell“
Das „6 Phasen“-Modell wurde als Rahmen entwickelt, um Psychologen eine ganzheitliche Konzeption beziehungsweise einen Leitfaden zu bieten, um die verschiedenen Stadien der Klimaangst (Eco-Anxiety) zu erkennen. Dr. Sahrah Edwards und Linda Buzzell (2009) haben dieses Modell konzipiert und als „Waking-Up-Syndrom“ bezeichnet.
1.Phase: Leugnung Nach der erstmaligen Bewusstwerdung der schädlichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Biosphäre und die Menschheit, reagieren die Patienten, obwohl verunsichert bzw. eingeschüchtert, mit Verleugnung. Sie erleben eine Art Minderwertigkeitsgefühl und als Reaktion darauf entwickeln sie eine Fiktion, welche unterstützend wirken soll, um die innere Unsicherheit zu umgehen.
2.Phase: Halbbewusst Aufgrund zunehmender Sensibilisierung des Themas vollzieht sich ein Wandel von Verleugnung zur halbbewussten Anerkennung. Es treten erste Ängste bzw. Gefühle psychischer Belastung auf. Menschen in dieser Phase reagieren oft gereizt nach dem Erfahren von Umweltkatastrophen.
3.Phase: Das Erwachen Diese Phase wird als besonders schmerzhaft von den Erfindern des Modells (Edwards und Buzzell 2009) bewertet. Die Beweise der Umweltzerstörung werden jetzt bewusst wahrgenommen und die Phase der Verleugnung als überflüssig betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Einführung in die Thematik der psychischen Auswirkungen des Klimawandels und Darlegung der Aktualität der Sorge um die Zukunft.
2.Aktueller Forschungsstand: Überblick über bisherige Studien zu psychischen und toxischen Wirkungen von Umweltbelastungen und Klimaangst.
3. Der Klimawandel: Theoretische Erläuterung des Klimasystems, der Treibhauseffekte sowie der globalen und menschlichen Auswirkungen.
4.Angst: Klinische Betrachtung von Angststörungen, ihrer Entstehung und neurobiologischen Grundlagen.
5.Klimaangst: Definition und Einordnung von Klimaangst und Solastalgie als emotionale Reaktion auf Umweltveränderungen.
6. Empirischer Teil: Darstellung der methodischen Vorgehensweise, des Fragebogens und der Durchführung der Studie an einer Berliner Berufsschule.
7. Ergebnisse: Deskriptive und inferenzstatistische Auswertung der gesammelten Daten mittels Häufigkeitstabellen und Korrelationsanalysen.
8. Fazit: Zusammenfassende Verknüpfung der theoretischen Einsichten mit den empirischen Resultaten der Untersuchung.
Schlüsselwörter
Klimaangst, Klimawandel, Eco Anxiety, Solastalgie, Psychische Gesundheit, Angststörungen, Quantitative Befragung, Jugendliche, Umweltbelastung, Klimaschutz, Emotionale Belastung, Forschungsarbeit, Berufsschule
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die psychischen Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere die emotionale Betroffenheit und das Entstehen von Klimaangst bei jungen Erwachsenen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die klinische Psychologie im Kontext von Umweltveränderungen, der Klimawandel als Stressfaktor für die menschliche Psyche und die empirische Forschung unter Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, in welchem Maße sich der Klimawandel auf die Psyche von Schülern auswirkt und ob ein Zusammenhang zwischen Umweltbesorgnis und psychischen Belastungen besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein deduktiver, quantitativer Forschungsansatz gewählt, der auf einer schriftlichen Befragung mittels eines standardisierten Fragebogens basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und klinischen Angststörungen sowie eine empirische Untersuchung an einer Berliner Berufsfachschule.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind Klimaangst, Eco Anxiety, Solastalgie, psychische Gesundheit und empirische Sozialforschung.
Welche Rolle spielt das "6-Phasenmodell" in der Arbeit?
Es dient als theoretischer Leitfaden, um die Stadien der Klimaangst bei Patienten besser zu identifizieren und psychologisch einzuordnen.
Wie unterscheidet sich Solastalgie von der klassischen Angst?
Im Gegensatz zu allgemeiner Angst beschreibt Solastalgie ein spezifisches Verlustgefühl und Trostlosigkeit gegenüber der fortschreitenden Zerstörung der vertrauten Heimat oder des Lebensraums.
Welche Filterfrage wurde im Fragebogen genutzt?
Item 4 ("Unser Erdklima verändert sich derzeit bedenklich, es macht mir Sorgen") diente dazu, Klimawandelleugner gezielt aus der Auswertung auszuschließen.
Zu welchem Schluss kommt die empirische Auswertung?
Die Studie konnte keinen direkten Zusammenhang zwischen einer bewussten Auseinandersetzung mit der Thematik und der unmittelbaren Zunahme von Angst nachweisen, was neue Fragen zur Untersuchungsmethodik aufwirft.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Klimawandel und Angst. Auswirkungen des Klimawandels auf Emotionen von Schülern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1328062