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Der Machtbegriff in der Kartografie. Eine historische und moderne Betrachtung

Titel: Der Machtbegriff in der Kartografie. Eine historische und moderne Betrachtung

Hausarbeit , 2022 , 16 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Manuel Walter Cichos (Autor:in)

Geowissenschaften / Geographie - Kartographie, Geodäsie, Geoinformationswissenschaften
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Es lässt vermuten, dass Karten einen viel höheren Stellenwert innerhalb unserer Gesellschaft haben, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Daher stellt sich die Frage: Welche Macht haben Karten über die Gesellschaft, die diese nutzt?
Um dieser Frage im Detail nachgehen zu können, bedarf es einer historischen Unterscheidung der Karten. Die Herstellung, Nutzung, als auch der Sinn von Karten hat sich im Laufe der Zeit verändert, daher ist eine differenzierende und vergleichende Annäherung notwendig. Weiterführend wird es notwendig sein, den Begriff der Macht auf gesellschaftlicher Ebene genauer zu erörtern, um aufzeigen zu können, an welchen Stellen Karten als Mittel zur Ausübung von Macht genutzt werden oder eventuell sogar eigene Macht ausüben.

Hierbei wird anhand einer soziologischen Heranführung der Begriff der Macht auf Grundlage von Max Webers Definition dekonstruiert, um darauf aufbauend einzelne Eigenschaften der Macht in den Funktionen und Wirkweisen der Karten aufzuzeigen. Abschließend wird dies anhand konkreter Beispiele aufgezeigt, um historische Machtausübung durch Karten darzulegen.

Vor nicht allzu langer Zeit war er in jedem Auto zu finden. Meist im Handschuhfach oder unter dem Beifahrersitz. Vielleicht war er nicht immer aktuell, aber das war in den meisten Fällen kein großes Problem. Die Rede ist von dem meisteins daumendicken Straßenatlas, der das Erreichen der angetrabten Destination in den meisten Fällen, oder wenigstens häufig, sichergestellt hat. Dieser Todfeind eines jeden Farbdruckers war das gängige Navigationsmittel vor dem externen Navigationsgerät. Dadurch, dass moderne Kraftfahrzeuge über integrierte Navigationssysteme verfügen oder über Schnittstellen mit Google Maps verbunden sind, werden externe Navigationssysteme häufig nur noch für besondere Zwecke produziert (Wohnwägen, Motorräder, etc.).

Bezüglich ihres Ansehens lässt sich jedoch generell feststellen, dass Karten einen Großteil ihres einstigen Ruhms verloren haben. Was modernen Karten an Prunk und Ruhm fehlt, machen diese jedoch mit Anwenderfreundlichkeit und Verfügbarkeit wett. Durch Google Maps bzw. Apple Maps, haben die meisten Smartphones unterschiedliche Ausführungen von Karten auf ihren Geräten. Mit nur wenigen Handgriffen, lässt sich diese von einer Autokarte, zu einer topografischen Karte, bis hin zu einem Satellitenbild transformieren. Hierbei muss man nicht einmal in der Lage sein, Karten lesen zu können. Solange man seinen Zielpunkt kennt, zeigen intelligente Online-Navigationssysteme den kürzesten Weg. Alle anschließend auftretenden Fragen werden durch Pop-Up-Nachrichten oder den Standortdaten gelöst. Was durch diese alltägliche Nutzung jedoch schnell verloren gehen kann, ist der kritische Blick auf das Medium der Karte.

Karten sind mehr als ein Gitternetz mit Höhenlinien und einer Ansammlung aus Straßen und Wegen. Karten vermitteln Inhalte, konturieren Realität, zeigen ihrem Betrachter eine Wirklichkeit. Die zeigt sich beispielsweise an der Darstellung der Krim Grenze zwischen Russland und der Ukraine auf Google Maps. Je nachdem über welchen Server die Google Maps Karte abgerufen wird, zeigt sich entweder eine prorussische Darstellung – auf der eine Grenze zwischen der Krim und Ukraine besteht – oder eine ukrainische Darstellung, auf der besagte Grenze nicht gezogen ist. An dieser Stelle wird aus dem praktischen Navigationssystem aus der Hosentasche, eine handfeste politische Diskussion.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Karten Heute, Karten Früher

3. Aber was ist denn jetzt Macht? Und wie kommt sie in die Karten?

3.1 Macht in der modernen Gesellschaft

3.2 Macht und Karten

4. Wie wirken Karten

5. Vertrauen in Karten

6. Karten in der Moderne

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Kartografie und Macht und analysiert, inwiefern Karten als soziale Konstrukte die Wahrnehmung von Realität steuern. Ausgehend von soziologischen Begriffsdefinitionen der Macht wird hinterfragt, welche Einflussmöglichkeiten Karten in historischen und modernen Kontexten auf gesellschaftliche Strukturen ausüben.

  • Historische Entwicklung kartografischer Darstellungen und deren Intentionen
  • Soziologische Dekonstruktion des Machtbegriffs nach Max Weber
  • Die Karte als visuelles Kommunikationsmittel und soziales Konstrukt
  • Vertrauen in Karten und das Phänomen des "Silence of Maps"
  • Moderne Kartografie, Geoinformationssysteme (GIS) und digitale Werbeplattformen

Auszug aus dem Buch

3. Aber was ist denn jetzt Macht? Und wie kommt sie in die Karten?

Wie sich bereits angedeutet hat, handelt es sich bei Karten nicht um rein objektive Darstellungen der Wirklichkeit. Durch das, was die Karte darstellt, die Art der Darstellung, die Farbgebung, das Material oder oftmals gerade das, was sie nicht zeigt, beeinflusst sie ihren Betrachter (vgl. Rottland 2003, S.27). Daher liegt die Vermutung nahe, dass Karten eine gewisse Macht gegenüber der betrachtenden Person haben.

Hierbei stellt sich die Frage, wie ein Gegenstand Macht auf einen Menschen auswirken soll. Die umgangssprachliche Macht wird Menschen zugeschrieben, die meist über besonders viel Geld oder Einfluss verfügen. Personen wie Präsident*innen, König*innen, Diktator*innen gelten umgangssprachlich als mächtig. Macht ist jedoch kein Gegenstand oder eine Eigenschaft, die jemand haben oder besitzen kann (vgl. Elias 2014 S.85). Die Gesellschaftswissenschaften verorten die Macht grundlegend in den sozialen Beziehungen zwischen Individuen.

Einen einheitlichen Begriff der Macht wird man jedoch nicht finden. Dieser unterscheidet sich auf Grundlage der Autoren. So könnte man den Begriff der Macht nach Luhmann nicht mit der Definition von Elias gleichsetzen. Einen gemeinsamen Nenner bildet jedoch die Definition von Max Weber (vgl. vgl. Inhetveen, S.253).

„Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ (Weber 1972, S.28).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des Stellenwerts von Karten durch moderne Technik wie Google Maps und wirft die zentrale Forschungsfrage nach der Macht von Karten auf.

2. Karten Heute, Karten Früher: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von der steinernen Karte bis zur modernen computergestützten Kartografie nach und zeigt die politische Instrumentalisierung von Karten auf.

3. Aber was ist denn jetzt Macht? Und wie kommt sie in die Karten?: Hier werden soziologische Machtbegriffe, insbesondere nach Max Weber, theoretisch fundiert und auf das Medium der Karte übertragen.

3.1 Macht in der modernen Gesellschaft: Dieser Unterpunkt differenziert den umgangssprachlichen Machtbegriff von dem sozialen, relationalen Verständnis von Macht als Teil menschlicher Interaktion.

3.2 Macht und Karten: Das Kapitel arbeitet heraus, dass Karten als Form der Kommunikation fungieren, bei der Interaktion zwischen Kartograf und Betrachter Machtverhältnisse entstehen.

4. Wie wirken Karten: Es wird analysiert, wie "Karten im Kopf" das Individuum orientieren und wie durch diese subjektiven Konstrukte Realität modelliert wird.

5. Vertrauen in Karten: Hier wird der kritische Umgang mit der Autoritätsgläubigkeit gegenüber Karten sowie das Phänomen des "Silence of Maps" untersucht.

6. Karten in der Moderne: Das Kapitel betrachtet aktuelle digitale Kartografie im Kontext von Wirtschaftsinteressen und die anhaltende Subjektivität moderner Kartendienste.

7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Karten keine eigene Macht besitzen, aber als Werkzeug in sozialen Beziehungen zur Konstruktion von Realität instrumentalisiert werden.

8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen für die wissenschaftliche Arbeit.

Schlüsselwörter

Kartografie, Machtbegriff, Max Weber, Soziologie, soziale Konstruktion, GIS, Objektivität, Kommunikation, Mediengeographie, digitale Karten, Wirkmacht, Weltbilder, Wahrnehmung, Orientierung, Google Maps

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Karten als machtvolle Instrumente zur Konstruktion von Realität und analysiert ihre Rolle in gesellschaftlichen Machtstrukturen.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Kartografie, der soziologischen Fundierung des Machtbegriffs und der Analyse moderner digitaler Navigationssysteme.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Autorin stellt die Frage, welche Macht Karten über eine Gesellschaft ausüben, die sie als Navigations- und Orientierungswerkzeuge nutzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre theoretische Herleitung, primär gestützt auf Begriffe aus der Soziologie (Max Weber, Norbert Elias) zur Dekonstruktion der Wirkmacht von Karten.

Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?

Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung von Macht innerhalb sozialer Interaktionen und überträgt dies auf die Kommunikationsebene zwischen Nutzer und Kartenmedium.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Kartografie, Machtverhältnis, soziale Konstrukte, subjektive Realitätswahrnehmung und digitale Wirkmacht sind für das Verständnis zentral.

Warum wird im Dokument oft von "Karten im Kopf" gesprochen?

Dieser Begriff verweist darauf, dass Menschen kognitive Landkarten zur Orientierung nutzen, die jedoch subjektiv sind und nicht zwangsläufig der realen Geografie entsprechen.

Welche Rolle spielen moderne Kartendienste wie Google Maps in der Analyse?

Google Maps wird hier kritisch als eine Werbeplattform betrachtet, die trotz ihres Anscheins von Objektivität spezifische wirtschaftliche und politische Interessen verfolgt.

Was bedeutet der Begriff "Silence of Maps"?

Damit ist das Phänomen gemeint, dass Informationen, die auf einer Karte fehlen, vom Betrachter oft als unwichtig eingestuft werden, was sozioökonomische Entscheidungen massiv beeinflussen kann.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Macht in dieser Arbeit vom Alltagsverständnis?

Im Gegensatz zum Alltagsverständnis, das Macht als Eigenschaft (wie Geld oder Einfluss) versteht, betrachtet die Arbeit Macht als eine relationale Kraft, die erst in sozialen Beziehungen entsteht.

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Details

Titel
Der Machtbegriff in der Kartografie. Eine historische und moderne Betrachtung
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich 05)
Veranstaltung
Die Geschichte und Geschichten des Kartographierens
Note
1,7
Autor
Manuel Walter Cichos (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
16
Katalognummer
V1328072
ISBN (PDF)
9783346817167
ISBN (Buch)
9783346817174
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Macht Karte GIS sozial Kartografie Kartographie Machtbegriff
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Manuel Walter Cichos (Autor:in), 2022, Der Machtbegriff in der Kartografie. Eine historische und moderne Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1328072
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Leseprobe aus  16  Seiten
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