Der Schulunterricht muss den Schüler im Fokus der Betrachtung haben. Die Aufgabe der Lehrer besteht darin, die Schüler im demokratischen Sinne zu erziehen, ihnen Fachwissen zu vermitteln und ihnen alltagstaugliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, die sie auf die Berufs- und Lebenswelt vorbereiten. Nicht nur die PISA–Studien, sondern auch der alltägliche Blick auf Realitäten, die Resonanz der Wirtschaft und die Resonanz der Weiterbildenden Institutionen zeigt, dass dies derzeit nicht immer gelingt. Daher liegt in der Verbesserung der Unterrichtsqualität für Lehrer, aber insbesondere für die Schüler eine kontinuierliche Aufgabe vor. Neben der Umsetzung von Erkenntnissen der Forschung aus dem Bereich der Lernpsychologie, Soziologie, Lernbiologie, Neurodidaktik und Evaluationen zur Leistungsfähigkeit der Schüler, sollte die Selbstreflexion der Schüler ebenfalls in die Betrachtung mit einbezogen werden. Individuelle und gruppendynamische Lernprozesse gelingen in einem klientelbezogenen Umfeld besser, als wenn die Wünsche und Bedürfnisse derer, um die es geht, außen vor gelassen werden. Daher besteht die Frage im Kontext dieser Arbeit: Wie empfinden und wie stellen sich die Schüler guten und produktiven Unterricht vor? Im Rahmen dieser Arbeit wird geprüft, inwieweit eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Konzeption den Bedürfnissen der Schüler gerecht wird. Teil dieser wissenschaftlichen Erkenntnis ist, dass praktisches Lernen nachhaltiger ist als theoretisches Lernen. Die Schule bietet für theoretische Grundlagen und praxisnahes Lernen einen guten Lernort. Realitätsnähere und arbeitsrealistische Lernorte, besonders für die naturwissenschaftlichen Fächer, können Lernorte außerhalb der Schule sein, wie z.B. der Zoologische Garten. Eine Einbindung dieser Lernräume in den Schulalltag bildet den Hauptuntersuchungsgegenstand dieser Arbeit, mit einem praxisbezogenen Resümee. Daher besteht die Motivation des Verfassers für diese Arbeit darin, unter Einbeziehung der subjektiven Reflexion der Schüler zu prüfen, wie tauglich der Lernort Zoo im alltäglichen Unterricht ist und wie er Lernprozesse unterstützen kann.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
A THEORETISCHER TEIL
1. Lernorte außerhalb der Schule
1.1. Lernen
1.1.1. Allgemeines Verständnis
1.1.2. Neurobiologische Grundlagen des Lernens im Kontext des Unterrichtskonzepts
1.2. Außerschulische Lernorte
1.2.1. Allgemeines Verständnis
1.2.2. Didaktische Ziele und Möglichkeiten außerschulischer Lernorte
1.2.3. Der außerschulische Lernort im Schulalltag
1.3. Der Zoo als außerschulischer Lernort
1.3.1. Zoologische Gärten
1.3.2. Zoopädagogik
1.3.2.1. Allgemeines Verständnis
1.3.2.2. Entwicklungslinie
1.3.2.3. Ziele, Aufgaben und Methoden der Zoopädagogik für die Schule
1.3.3. Der Zoo Neuwied als Beispiel eines außerschulischen Lernortes
1.3.3.1. Chronik des Zoos Neuwied
1.3.3.2. Zoopädagogik im Zoo Neuwied
1.3.3.3. Artenvielfalt im Zoo Neuwied unter besonderer Berücksichtigung der Vögel
2. Wissenschaftliche Betrachtung des Unterrichtsinhaltes „Vögel“
2.1. Phylogenie und Systematik
2.2. Skelett und Muskulatur
2.3. Exkretion
2.4. Organsysteme
2.5. Feder
2.6. Schnabel und Ernährung
2.7. Fortbewegung
2.7.1. Fortbewegung in der Luft
2.7.2. Fortbewegung auf dem Land und im Wasser
2.8. Lebensraum und Lebensweise
2.9. Vogelschutz
3. Planerische Vorüberlegungen und Vorbereitungen
3.1. Rechtliche Grundlagen zum außerschulischen Lernort
3.2. Didaktische Analyse
3.2.1. Begründung der Unterrichtseinheit
3.2.2. Bildungsstandards und Lehrplanbezug
3.2.3. Allgemeine Lernzielformulierungen
3.2.4. Analyse der Lerngruppe
3.3. Methodische Analyse
3.4. Rahmenbedingungen und Darstellung der Unterrichtseinheit
B PRAKTISCHER TEIL
4. Ausführliche Darstellung der Unterrichtseinheit
4.1. Erwartungen der Schüler an den Unterricht und den außerschulischen Lernort
4.1.1. Ziel der Befragung
4.1.2. Durchführung und Material
4.1.3. Auswertung
4.2. Stunde 1 und 2: Einführungsstunde
4.2.1. Lernzielformulierung
4.2.2. Methodische und didaktische Analyse
4.2.3. Didaktische Reduktion
4.2.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.2.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.2.6. Reflexion der Klasse 6F
4.2.7. Reflexion der Klasse 6 E
4.2.8. Gesamtreflexion der Stunde beider Klassen
4.3. Stunde 3: Zooexkursion
4.3.1. Lernzielformulierung
4.3.2. Methodische und didaktische Analyse
4.3.3. Didaktische Reduktion
4.3.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.3.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.3.6. Reflexion der Zooexkursion
4.4. Stunde 4: Nachbesprechung der Zooexkursion
4.4.1. Lernzielformulierung
4.4.2. Methodische und didaktische Analyse
4.4.3. Didaktische Reduktion
4.4.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.4.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.4.6. Reflexion der Klasse 6 F
4.4.7. Reflexion der Klasse 6 E
4.4.8. Gesamtreflexion beider Klassen
4.5. Stunde 5: Das Skelett des Vogels
4.5.1. Lernzielformulierung
4.5.2. Methodische und didaktische Analyse
4.5.3. Didaktische Reduktion
4.5.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.5.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.5.6. Reflexion Klasse 6 F
4.5.7. Reflexion Klasse 6 E
4.5.8. Gesamtreflexion beider Klassen
4.6. Stunde 6 und 7: Doppelstunde - Fliegen und Ernährung
4.6.1. Lernzielformulierung
4.6.2. Methodische und didaktische Analyse
4.6.3. Didaktische Reduktion
4.6.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.6.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.6.6. Reflexion Klasse 6 F
4.6.7. Reflexion Klasse 6 E
4.6.8. Gesamtreflexion beider Klassen
4.7. Stunde 8: Anpassungen an den Lebensraum
4.7.1. Lernzielformulierung
4.7.2. Methodische und didaktische Analyse
4.7.3. Didaktische Reduktion
4.7.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.7.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.7.6. Reflexion Klasse 6 F
4.7.7. Reflexion Klasse 6 E
4.7.8. Gesamtreflexion beider Klassen
5. Gesamtreflexion der Unterrichtseinheit
6. Ausblick
7. Zusammenfassung
8. Stichwortverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Eignung des außerschulischen Lernortes Zoo für den Biologieunterricht der Sekundarstufe I, speziell unter Berücksichtigung neurobiologischer Erkenntnisse zum Lernen. Ziel ist es, eine didaktische Konzeption zur Unterrichtseinheit „Vögel“ zu entwickeln und zu evaluieren, die durch praktische, multisensorische Erfahrungen am realen Objekt die Lernmotivation und den Lernerfolg der Schüler steigert.
- Neurobiologische Grundlagen des Lernens in der Schule
- Didaktik außerschulischer Lernorte und deren Integration in den Schulalltag
- Zoopädagogische Konzepte und Praxis am Beispiel des Zoo Neuwied
- Wissenschaftliche Betrachtung von Morphologie, Anatomie und Verhalten bei Vögeln
- Planung, Durchführung und Reflexion einer unterrichtsbegleitenden Exkursion
Auszug aus dem Buch
1.1.2. Neurobiologische Grundlagen des Lernens im Kontext des Unterrichtskonzepts
Kleinste Einheit der menschlichen Wahrnehmungs-, Denk- und Lernleistung bilden die Neuronen, die mittels Nervenfasern miteinander verknüpft sind. Ein Neuron kann millionenfache Verknüpfungen mit anderen Neuronen des Gehirns aufweisen. Die Informationsübertragung zwischen Neuronen verläuft nach digitalem Prinzip, durch Aktivierung oder Hemmung. Die Informationsverarbeitung und mentale Repräsentation verläuft aber nicht nach Zuordnungsregeln oder Rechenvorschriften, sondern hängt von dem Grad der interneuralen Verknüpfungen und der Häufigkeit synaptischer Verbindungen ab.
Für das Lernen neuer Inhalte spielt der Hippocampus eine zentrale Rolle. In Tierversuchen lässt sich beweisen, dass dieser Bereich für die Ortsorientierung zuständig ist. Die Orientierung an neuen Orten wird durch eine neue Repräsentation dieser Orte im Hippocampus sichtbar. Für Menschen lässt sich nachweisen, dass z.B. das Lernen von neuen Vokabeln und Begriffen, von „der Entstehung von Repräsentationen im Hippocampus abhängt“ (Spitzer 2002). Über die neuronale Aktivität im Hippocampus kann man Vorhersagen treffen, ob eine neue Vokabel gelernt wurde oder nicht. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass dieses Hirnareal für das Lernen neuer und evidenter Informationen zuständig ist. Zudem werden dort unvollständige Informationen ergänzt und mit gespeicherten Informationen verknüpft.
Beim Menschen lassen sich diese Hirnaktivitäten mittels Positronenemmissionstomographie (PET) und der Magnetresonanztomographie (MRT) bildlich darstellen. Zur Auswertung werden Bilder, die aus dem Ruhezustand resultieren, mit Bildern unter geistiger Aktivität verglichen.
Der Mensch ist in der Lage einen sehr hohen oder auch einen niedrigen Wissensstand zu haben. Das Grundprinzip dieses Könnens hängt von der Geschwindigkeit ab, auf eine Wahrnehmung (Input) eine abstrakte Reaktion (Output) folgen zu lassen. Dies wird durch das synaptische Netzwerk gewährleistet. Das menschliche Lernen und damit einhergehend die Überlebensfähigkeit in der Umwelt, hängt nicht davon ab, jede Einzelheit abzuspeichern. Sie hängt davon ab, Einzelheiten in ein Regelsystem einzuordnen, das es ermöglicht die Einzelheit zu abstrahieren und in ein verallgemeinerndes Verständnis einzuordnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lernorte außerhalb der Schule: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen des Lernens und die didaktische Bedeutung von außerschulischen Lernorten im Schulalltag, mit einem speziellen Fokus auf zoologische Gärten als Lernumgebung.
2. Wissenschaftliche Betrachtung des Unterrichtsinhaltes „Vögel“: Hier werden die biologischen Grundlagen der Vögel, einschließlich Phylogenie, Anatomie, Physiologie, Fortbewegung und Verhalten, auf wissenschaftlichem Niveau zusammengefasst, um das notwendige Fachwissen für die Unterrichtseinheit bereitzustellen.
3. Planerische Vorüberlegungen und Vorbereitungen: Dieser Abschnitt behandelt die rechtlichen Rahmenbedingungen und didaktisch-methodischen Überlegungen, die zur strukturierten Planung einer Exkursion an einen außerschulischen Lernort im schulischen Kontext notwendig sind.
4. Ausführliche Darstellung der Unterrichtseinheit: Das Hauptkapitel bietet eine detaillierte Dokumentation der Unterrichtseinheit, bestehend aus der Analyse der Schülererwartungen, der detaillierten Verlaufsplanung für die verschiedenen Stunden und der Reflexion der Ergebnisse durch Lehrkraft und Schüler.
5. Gesamtreflexion der Unterrichtseinheit: Dieses Kapitel zieht ein Fazit über die Effektivität des Konzepts, indem es die methodische Vielfalt und den Erfolg durch multisensorische Erfahrungen anhand der erhobenen Daten bewertet.
6. Ausblick: Der Ausblick zeigt weitere Möglichkeiten auf, wie das Thema Vögel über die vorliegende Unterrichtseinheit hinaus vertieft und im Schulunterricht behandelt werden kann.
Schlüsselwörter
Außerschulischer Lernort, Zoopädagogik, Neurodidaktik, Biologieunterricht, Lernbiologie, Vögel, Flugfähigkeit, Unterrichtsplanung, Schülerexkursion, Multisensorisches Lernen, Lernmotivation, Artenschutz, Anatomie der Vögel, Didaktische Reduktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit konzipiert und evaluiert eine Unterrichtseinheit zum Thema „Vögel“ für die Sekundarstufe I, bei der der Zoo Neuwied als außerschulischer Lernort zur Wissensvermittlung und Motivation genutzt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die neurobiologischen Grundlagen des Lernens, die Didaktik außerschulischer Lernorte, die zoologische Fachbiologie der Vögel sowie die praktische methodische Umsetzung im Biologieunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu prüfen, wie tauglich der Lernort Zoo im alltäglichen Biologieunterricht ist und wie eine entsprechende Unterrichtseinheit gestaltet sein muss, um Lernprozesse nachhaltig zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf didaktische Analysen, verknüpft diese mit neurobiologischen Grundlagen und evaluiert das Unterrichtskonzept empirisch durch Schülerfeedbackbögen sowie Wissenstests in zwei sechsten Klassen.
Was wird im praktischen Teil der Arbeit behandelt?
Der praktische Teil umfasst die konkrete Unterrichtsplanung in acht Stunden, inklusive der Durchführung der Zooexkursion, der Vor- und Nachbereitung sowie der detaillierten Auswertung der erhobenen Daten zur Wirksamkeit des Unterrichts.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Außerschulischer Lernort, Zoopädagogik, Neurodidaktik, Biologieunterricht, Multisensorisches Lernen und Didaktische Reduktion.
Welche Rolle spielt der Zoo Neuwied in dieser Konzeption?
Der Zoo Neuwied dient als realer Forschungsraum, in dem Schüler durch eigene Beobachtungen und Vergleiche an lebenden Tieren theoretische Inhalte des Lehrplans praktisch und handlungsorientiert vertiefen können.
Wie bewerten die Schüler den Zoobesuch?
Die Schüler bewerten den Zoobesuch als lehrreich und positiv; insbesondere die Möglichkeit zur freien Arbeit und die praktische Begegnung mit den Tieren im Gegensatz zum reinen Textunterricht wurde sehr geschätzt.
Wird die Unterrichtseinheit durch die Ergebnisse der Arbeit bestätigt?
Ja, die Evaluation zeigt einen messbaren Lernzuwachs in den Wissenstests und eine hohe Lernmotivation der Schüler, womit sich das Konzept als erfolgreich für die Zielgruppe erweist.
- Quote paper
- Holger Schmidt (Author), 2008, Der außerschulische Lernort Zoo – Eine fachdidaktische Konzeption für die Sekundarstufe 1, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132814