Das Reichstagsgebäude in Berlin hat eine wechselvolle und langwierige Baugeschichte hinter sich, die nicht geprägt ist von einem Bemühen um Verdeutlichung der inneren Funktionen am Bau, um Repräsentativität, Monumentalität oder Akzeptanz durch die Wähler, sondern eher durch persönliche Mißgunst, politische Machtkämpfe, Herrschaftsansprüche und Kompetenzanmaßung. Nach langen Streitereien konnte 1894 endlich die Schlusssteinlegung gefeiert werden, trotzdem sorgt die Ausschmückung noch über 20 Jahre weiterhin für Konflikte.
Diese Arbeit behandelt vorwiegend den ursprünglichen Bau von Paul Wallot in seiner Gestalt und Geschichte. Aber auch das weitere Schicksal des Gebäudes, seine Zerstörung und der modernisierte Wiederaufbau, werden kurz behandelt. Ergänzt werden diese Themen durch Vergleiche zu anderen Architekturen gleicher Funktion und den Versuch einer stilistischen Einordnung.
Inhaltsverzeichnis
1. Baugeschichte
2. Kurzbiographie des Architekten Paul Wallot
3. Lage und Umfeld des Reichstagsgebäudes
4. Baubeschreibung
4.1 Außenbau
4.2 Grundriss
4.3 Innenbau
5. Kunstgeschichtliche Einordnung
5.1 Vergleich mit anderen Parlamentsgebäuden
5.2 Stilwahl und Vorbilder
5.3 Architecture parlante
6. Weitere Geschichte des Gebäudes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die architektonische Entstehung und kunstgeschichtliche Einordnung des Reichstagsgebäudes in Berlin unter der Leitung des Architekten Paul Wallot. Dabei steht die Analyse der Stilwahl, der baulichen Umsetzung sowie die symbolische Bedeutung des Bauwerks im Kontext der zeitgenössischen Architekturdebatten im Fokus.
- Historische Baugeschichte und Wettbewerbsverfahren
- Biographische Hintergründe zu Paul Wallot
- Detaillierte Analyse des Außen- und Innenbaus
- Vergleichende Stilbetrachtung mit europäischen Parlamentsbauten
- Einordnung in das Konzept der "Architecture parlante"
Auszug aus dem Buch
4.1 Außenbau
Das auf rechteckigem Grundriss errichtete Gebäude bildet seine Hauptfassade nach Westen aus. Ich möchte mit der Beschreibung bei dieser zum Königsplatz weisenden Fassade beginnen.
Die dreigeschossige Fassade wird durch drei risalitartig aus der Mauerflucht hervortretende Elemente mit Attikageschoss gegliedert: die Seiten begrenzen zwei massive Ecktürme, die das übrige Gebäude überragen, der Mittelrisalit und gleichzeitig der Haupteingang des Gebäudes wird durch einen Portikus mit davor liegender Treppenanlage betont, der von der hoch aufragenden, gläsernen Kuppel des Baus überhöht wird.
Das sockelartige unterste Geschoss ist rustiziert und wird durch oben leicht gerundete, jedoch nahezu rechteckige Fensteröffnungen mit akzentuierten Schlusssteinen aufgebrochen. In der Mitte der Fassade wird diese Gliederung zugunsten einer zweiläufigen, im unteren Bereich breiter werdenden, nach vorne herabführenden Treppe aufgegeben. Eine ausladende, geschwungene Rampenanlage fällt vom Portikus bis zu den Ecktürmen hin schräg ab und verdeckt so ebenfalls einen Teil des unteren Geschosses. Nach oben wird Letzteres durch ein schlichtes, glattes Gesims begrenzt. Auf diesem setzen an allen Bauteilen bis auf den Portikus schlichte, quaderförmige Sockel auf, die kolossale, also über zwei Geschosse reichende, Säulen in Kompositordnung tragen. Im Eingangsbereich stützen sich vier der sechs Sockel auf die Treppenstufen, die beiden Äußeren liegen auf niedrigen Mäuerchen auf, die das seitliche Geländer der Treppe bilden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Baugeschichte: Dieses Kapitel erläutert den langwierigen Prozess von den ersten Wettbewerben 1872 bis zur Fertigstellung unter Paul Wallot, geprägt von politischer Einflussnahme und Standortkonflikten.
2. Kurzbiographie des Architekten Paul Wallot: Es wird der Lebensweg des Architekten nachgezeichnet, von seiner Ausbildung und den Studienreisen bis hin zum Erfolg im Wettbewerb und seiner anschließenden akademischen Laufbahn.
3. Lage und Umfeld des Reichstagsgebäudes: Eine Beschreibung der topographischen Einbettung des Gebäudes am Königsplatz und seiner städtebaulichen Nachbarschaft zur Zeit der Errichtung.
4. Baubeschreibung: Eine detaillierte Analyse der baulichen Struktur, unterteilt in die äußere Fassadengestaltung, den inneren Grundriss und die Ausgestaltung der Innenräume.
5. Kunstgeschichtliche Einordnung: Hier erfolgt ein Vergleich mit anderen europäischen Parlamentsbauten, eine Diskussion der eklektizistischen Stilwahl Wallots sowie die Zuordnung zum Konzept der "Architecture parlante".
6. Weitere Geschichte des Gebäudes: Ein kurzer Abriss der Ereignisse nach der Fertigstellung, vom Reichstagsbrand über die Kriegszerstörungen bis hin zur Umgestaltung durch Norman Foster.
Schlüsselwörter
Paul Wallot, Reichstagsgebäude, Berlin, Architekturgeschichte, 19. Jahrhundert, Historismus, Architecture parlante, Kuppelbau, Parlamentsbau, Neubarock, Architekturwettbewerb, Bauplastik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Reichstagsgebäude in Berlin als kunstgeschichtliches Objekt unter der Federführung von Paul Wallot.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit umfasst die Baugeschichte, die architektonische Beschreibung, die Stilwahl im historischen Kontext sowie die symbolische Bedeutung des Bauwerks.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den architektonischen Entwurf des Reichstagsgebäudes zu dokumentieren und seine eklektische Stilistik einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunstgeschichtliche Analyse, die deskriptive Baubeschreibung mit vergleichender Stilanalyse kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der detaillierten Beschreibung der Fassaden, des Grundrisses und der Einordnung in Strömungen wie den Historismus und die "Architecture parlante".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Paul Wallot, Reichstagsgebäude, Historismus, Architekturgeschichte und Parlamentsbau.
Welche Rolle spielte der Kaiser bei der Bauplanung?
Der Kaiser nahm massiven Einfluss auf die Planung, die Genehmigung und die Revision der Pläne, was zu erheblichen Spannungen mit dem Architekten führte.
Warum wird das Gebäude als "Architecture parlante" bezeichnet?
Das Gebäude wird so kategorisiert, weil seine architektonischen Elemente – wie die monumentale Kuppel oder die barocken Verzierungen – gezielt Bedeutungen wie Herrschaft und nationale Identität vermitteln.
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- Sarah-Katrin Haskamp (Author), 2006, Das Reichstagsgebäude in Berlin von Paul Wallot, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132837