Der Einfluss auf die Wirtschaft einer Kolonie durch eine Kolonialmacht

Togo unter der deutschen Kolonialherrschaft von 1884 – 1914


Skript, 2009

16 Seiten


Leseprobe

Einleitung

Die heutige Republik Togo unterscheidet sich in den gesellschaftlichen und wirtschaft-lichen Hauptproblemen kaum von anderen ehemaligen Kolonien[1]. Willkürlich von den Kolonialstaaten gezogene Grenzen, die Ethnien spalten und zu neuen staatlichen Einheiten zusammenfügen[2], vielseitige Bindungen an das kapitalistische Weltwirt-schaftssystem, etc. ... sind die Auswirkungen einer Erblast ehemaliger Kolonien, die jeder Bewohner dieser Länder noch heute im alltäglichen Leben zu spüren bekommt. Walter Rodney bringt zum Ausdruck, dass die Entwicklung der gegenwärtigen Verhältnisse und die nächste Zukunft nur verstanden werden kann, wenn man sich mit der Vergangenheit dieser Länder beschäftigt.[3] Die heutige Situation ist als Folge historischer Prozesse zu verstehen; die Wurzeln des gegenwärtigen gesellschaftlichen Status, in der Regel geprägt von einer kapitalistischen Orientierung und bürgerlichem Nationalismus, sind in einer Jahrhunderte währenden Entwicklung zu suchen.

Die Untersuchung der Geschichte Togos kann - repräsentativ für viele andere Staaten - zum Verständnis der gegenwärtigen Situation beitragen[4] ; Togo als ein örtlich begrenztes Gebiet und die zeitliche Begrenzung des deutschen Kolonialismus auf 30 Jahre lassen eine einschränkende Untersuchung zu. (1884 begann die erste staatliche Maßnahme durch den Abschluss eines Schutzvertrages; 1914 wird Togo wirtschaftlich von Deutschland abgeschnitten, da Frankreich und England Togo schon zu Beginn des 1. Weltkrieges besetzen). So ist dieses Land ein Beispiel, an dem besonders gut aufzuzeigen ist, welche spezifischen Einflüsse auf den deutschen Kolonialismus zurückzuführen sind.

Hier sollen die wirtschaftlichen Maßnahmen der deutschen Kolonialherren und deren Erfolg zwischen 1884 und 1914 dargestellt werden.

Die wirtschaftspolitische Struktur Togos

Togo zur Zeit der Jahrhundertwende erstreckte sich, zwischen dem Nullmeridian und dem 2. östlichen Längengrad gelegen, als schmales Handtuch in nördlicher Richtung vom 6. bis 11. nördlichen Breitengrad. Diese ungefähr 87.000 km2 große und somit kleinste deutsche Kolonie berührte mit einem schmalen Streifen auf einer Breite von etwa 50 Kilometern den atlantischen Ozean. Togo gehörte zum östlichen Teil jenes Küstenbereiches, der sich unter dem Namen Oberguinea in westöstlicher Richtung von der Pfefferküste über die Elfenbeinküste, die Goldküste bis zur Sklavenküste erstreckte[5].

Die Geschichte Togos ist sehr eng verbunden mit der Gesamtentwicklung dieser Region. Das Küstengebiet Oberguineas ist eine Zone tropischen Regenwaldes, an die sich im Landesinnern ein Savannengebiet anschließt. Die Menschen dieser Region mußten sich mit der landwirtschaftlichen Produktion den unterschiedlichen natürlichen Gegebenheiten anpassen. Großvieh vor Ackerbau bestimmte die Nahrungsgrundlage im Savannengebiet. Im weiteren Küstengebiet (ca. 200 - 250 km Breite) war Ackerbau dominierend, kombiniert mit Palmennutzung und Lagunenfischfang. Viehzucht fehlte hier gänzlich.

Die Landwirtschaft war eng verbunden mit handwerklicher Arbeit. Eine gesellschaftliche Arbeitsteilung gab es nicht; der Bauer war zugleich Handwerker und umgekehrt. Als handwerkliche Arbeiten in Togo wären hervorzuheben: Weberei, Korbmacherei, Flechtwerk, Töpferei, Schusterei, Eisenverarbeitung, Seifenfabrikation usw.[6]

Westafrika wurde durch diese naturbestimmten Räume in zwei historisch-geographische Zonen geteilt: Die bäuerliche Bevölkerung fand ein günstiges Siedlungsgebiet im Küstenbereich Togos, wo der Boden durch Lagunen und Flüsse bewässert wurde. Die Siedlungen konzentrierten sich an den Ufern der Lagunen, die als Wasserstraße, Fischfanggründe und Verbindungswege über lange Distanz dienten. Die kaum zu überwindende Ozeanbrandung empfand die Bevölkerung als eine klare Grenzlinie; Seeschifffahrt, Fischfang zur See, ... fehlten somit. Diese Abgeschlossenheit zum Ozean hin wurde noch verstärkt durch die von der Brandung aufgeworfene Sandbank zwischen Lagune und Ozean, die zu dem noch mit undurchdringlichem, dichtem Buschwerk bewachsen war.[7]

Somit blieben die Siedlungen dem küstennahen Bereich fern. Erst als der transatlantische Handel mit den Europäern einsetzte, änderte sich diese Situation. Eine genaue Aussage über die Ethnien in Togo zur vorkolonialen Zeit kann nicht gemacht werden. Die heutigen Siedlungsgebiete der Ethnien sind ein Ergebnis der an der Togoküste im 16. Jahrhundert beginnenden Kolonialperiode.[8]

Der südliche Raum Westafrikas unterliegt seit dem 15. Jahrhundert dem kolonialen Einfluss der Epoche des Aufschwungs der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in den ausländischen Metropolen. Diese Region bekam die unterschiedlichen Stadien der gesamtkapitalistischen Entwicklung im Verlauf der Jahrhunderte zu spüren. Seit 1482 war die portugiesische Kolonialmacht permanent in Westafrika vertreten.[9] (1482 errichteten die Portugiesen das Fort Sao Jorge da Mina, Elmina - Goldküste) Eine militärische oder gesellschaftstrukturelle Überlegenheit der Portugiesen war nur auf den vorgelagerten Inseln gegeben. Eine Einflussnahme auf dem Kontinent war nur durch indirekten Export-Import-Handel möglich, der aber den Afrikanern keine neue Produktionsweise aufzwingen konnte. Waren (wie z. B. Gold, ...) wurden nicht speziell für den Export nach Europa produziert.[10]

[...]


[1] Vgl. Gatter, Frank Thomas: Deutsch und Musterhaft, in: Entwicklungspolitische Korrespondenz, 4/84, November, 15. Jg., S.5.

[2] Bening, R. Bagulo: The Ghana-Togo Boundary, 1914 - 1982, in: Afrika Spektrum, Hrsg.: Institut für Afrika-Kunde Hamburg, 83/2, 18. Jahrgang, S. 191 - 209

[3] Vgl. Rodney, Walter: Afrika, Berlin 1975, S. 7.

[4] Vgl. Aduayon, A.: Pr„koloniale togolesische Gesellschaftsstrukturen, in: Togo seit der Berliner Konferenz 1884 - 1914, Hrsg.: Deutsche Afrika Stiftung, Bonn 1984, S. 10.

[5] Vgl. Graudenz/ Schindler: Die Deutschen Kolonien, München 1982; Zech, J. v.: Togo, in: Deutsches Koloniallexikon, Hrsg. Heinrich Schnee, Bd. III, Leipzig 1920, S. 498.

[6] Vgl. Ausführungen zu: "Produktions- und Arbeitsorganisation", Aduayon, A.: Präkoloniale togolesische Gesellschaftsstrukturen, in: Togo seit der Berliner Konferenz 1884 - 1914, Hrsg.: Deutsche Afrika Stiftung, Bonn 1984, S. 12 ff.

[7] Vgl. Volz, Berthold: Unsere Kolonien: Land und Leute, Leipzig 1891, S. 122 ff.

[8] Vgl. Calvert, Albert F.: Togoland, London 1918, S. 9 ff; ausführliche Informationen auch bei: Aduayon, A.: Präkoloniale togolesische Gesellschaftsstrukturen, in: Togo seit der Berliner Konferenz 1884 - 1914, Hrsg.: Deutsche Afrika Stiftung, Bonn 1984, S. 10 ff.

[9] Vgl. Wright, H.G.T.: German Methods of Development, in: Journal of the African Society, Band 1, 1901-02, S. 23.

[10] Vgl. Diehn, Otto: Kaufmannschaft und Eingeborenenpolitik in Togo und Kamerun, Hamburg 1956, S. 37.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss auf die Wirtschaft einer Kolonie durch eine Kolonialmacht
Untertitel
Togo unter der deutschen Kolonialherrschaft von 1884 – 1914
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V132841
ISBN (eBook)
9783640395910
ISBN (Buch)
9783640395477
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss, Wirtschaft, Kolonie, Kolonialmacht, Togo, Kolonialherrschaft
Arbeit zitieren
Otto Stammermann (Autor), 2009, Der Einfluss auf die Wirtschaft einer Kolonie durch eine Kolonialmacht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132841

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