Die Orthagoriden, Tyrannen von Sikyon


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

7 Seiten, Note: 0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Quellenlage

Die Orthagoriden vor Kleisthenes
Kleisthenes
Pellene

Krisaischer Krieg

Argosfeindschaft im Inneren

Wagensiege

Charakterisierung des Kleisthenes

Das Ende der Orthagoridenherrschaft

Quellen

Literatur

Die Orthagoriden, Tyrannen von Sikyon

Olympia in Elis; Hellas zelebriert die 52. Olympiade. Stolz tritt der Sieger des vierspännigen Wagenrennens vor die jubelnde Menge. Es ist Kleisthenes, der weithin berühmte Tyrann von Sikyon, der mit erhobenen Händen um Gehör bittet. Als Stille eingekehrt ist, verkünden seine Herolde: Wer sich unter den Hellenen für würdig halte, Schwiegersohn des Kleisthenes zu werden, solle binnen sechzig Tagen nach Sikyon kommen. Viele namhafte Männer werden dem Rufe des mannigfach erfolgreichen Herrschers und Kriegers folgen, in der Hoffnung, in die mächtige Familie der Orthagoriden einheiraten zu können.

Die Quellenlage

Immer sind es nur Randbemerkungen oder Exkurse, wenn die Alten auf die Tyrannen von Sikyon zu sprechen kommen. Diese fragmentarischen Berichte über eine hervorstechende Herrscherdynastie sind zahlreich, jedoch auch lückenhaft, weit verstreut, widersprüchlich und zu alledem vielfach nicht in deutscher Übersetzung zu erlangen. So verwundert es nicht, dass jene wenigen, die sich in neuer Zeit an das Thema heranwagten, selbst in den wesentlichsten Punkten selten einen gemeinsamen Konsens finden. Besondere Erwähnung verdient Loretana di Libero, die in ihrer Habilitationsschrift über die Archaische Tyrannis zuletzt und insgesamt recht schlüssig und detailliert auf die Orthagoriden eingeht.

Die Orthagoriden vor Kleisthenes

Wenn wir aus den Quellen über die Verwandtschaftsverhältnisse erfahren, so zumeist im Zusammenhang mit dem bekanntesten Vertreter der Dynastie, Kleisthenes.[1] Als Begründer der Tyrannis in Sikyon wird weitgehend einstimmig Orthagoras, Sohn des Andreas angesehen. Dass jener Vater als Koch aus dem einfachen Volke gestammt haben soll,[2] wird den Vorstellungen des 5. und 4. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung entsprungen sein. So erklärt zum Beispiel Aristoteles über die Volksnähe der Sikyonischen Tyrannen deren lange Herrschaftsdauer[3] - zwar weitgehend berechtigt, doch toposhaft. Es gehörte zu jener späteren Zeit zum allgemeinen Bild der Tyrannen, dass sie tüchtige Aufsteiger aus dem Volke gewesen seien.

Orthagoras war ein ehrgeiziger Aristokrat, der sich gegen die Nachbarstadt Pellene engagierte und über das Amt des Polemarchen vor Mitte des 7. Jahrhunderts v.u.Z. den Einstieg in eine Tyrannenherrschaft erlangte.[4]

Sein Nachfolger war offenbar Myron (I). Wenn Herodotos' Stammbaum des Kleisthenes[5] stimmt, muss er der Bruder des Orthagoras gewesen sein, da Orthagoras selbst dort nicht als direkter Vorfahr des Kleisthenes genannt wird. Myron errang einen Wagensieg während der 33. Olympiade (648 v.u.Z.), woraufhin er ein Schatzhaus mit zwei Schreinen stiftete.[6]

Ob ihm sein Sohn Aristonymos als Herrscher folgte, ist nicht eindeutig, da dieser nirgends als Tyrann benannt wird. Allerdings lässt der zur Verfügung stehende Zeitraum darauf schließen.

Wieder greifbarer ist dessen Sohn oder Neffe Myron (II), welcher hin und wieder mit seinem Großvater verwechselt wird. Er dürfte im letzten Jahrzehnt des 7. Jahrhunderts für sieben Jahre Tyrann gewesen sein. Das düstere Bild, welches von ihm gezeichnet wird, erscheint allzu typisch für das schlechte Ansehen von Tyrannenherrschaften im 4. Jahrhundert, für die es galt, abschreckende Beispiele zu nennen. Wäre er wirklich ein so sittenloser Herrscher gewesen, hätte er sich gewiss nicht so lange gegen seine Rivalen halten können.[7]

Dass Myron um 600 von seinem Bruder Isodemos[8] und dem Vetter oder dritten Bruder Kleisthenes gestürzt wurde, muss durchaus nicht auf einen Ehebruch des Myron mit Isodemos' Frau zurückzuführen sein, wie es Nikolaos von Damaskos ausmalt.[9] Bruderstreit und Brudermord waren in Tyrannenherrschaften nicht ungewöhnlich. Ebenso gibt es in den Peisistratiden von Athen wie den Aiakiden von Samos Beispiele für eine gemeinsame Herrschaft von Brüdern, die Isodemos und Kleisthenes nun für sehr kurze Zeit innehatten.

Schon bald aber gelang es dem Kleisthenes, seinen Mitregenten aus der Stadt zu bekommen. Als ein Argument wird aufgeführt, Isodemos sei wegen des Brudermordes nicht mehr als Tyrann tragbar gewesen. Kleisthenes habe ihm geraten, für ein Jahr ins Exil gehen. Dass dem Tyrannen jedoch sakrale Aufgaben zufielen, für die Isodemos sich erst wieder hätte läutern müssen, darf bezweifelt werden.[10] Wahrscheinlicher ist, dass Kleisthenes es besser als Isodemos verstand, die Interessen des Adels hinter sich zu vereinigen, woraufhin Isodemos nach Korinthos emigrieren musste.

Kleisthenes

Als nun alleiniger Machthaber mag Kleisthenes ganz bewusst die Aufmerksamkeit der Sikyonier von seiner Familie weg auf äußere Feinde hin gelenkt haben. Die Rechnung wird aufgegangen sein, da wir nichts über innere Streitigkeiten oder Oppositionen aus seiner Zeit erfahren, was die Tyrannis des Kleisthenes von vielen anderen unterscheidet.

Im Folgenden wird der Versuch unternommen, die einzelnen Aktivitäten dieses uns bekanntesten Vertreters der Orthagoriden in die wahrscheinlichste chronologische Reihenfolge zu bringen. Letztendlich aber bleibt die Chronologie Spekulation.

Pellene

Sicherlich erster äußerer Feind war das im Westen benachbarte Pellene, mit dem die Stadt schon seit Orthagoras in ständiger Auseinandersetzung stand. Tatsächlich gelang es Kleisthenes, Pellene zu besiegen und den Zwist zu beenden.[11]

Krisaischer Krieg

Etwa um 590 rief die Kultgenossenschaft um Delphi zu einem Krieg gegen Krisa auf. In der Forschung werden sehr unterschiedliche Motivationen der Teilnehmer diskutiert, ebenso die Frage, ob Delphi befreit oder politisch umbesetzt werden sollte.[12] Letztlich erscheint eine Mischung aus allen Argumenten das plausibelste Bild abzugeben, nämlich dass es sowohl politische wie wirtschaftliche Gründe gab und jedes Kontingent eigene Motive für eine Teilnahme hatte. Der Umstand der lückenhaften und widersprüchlichen Überlieferung - Herodotos berichtet trotz prominenter Teilnehmer überhaupt nicht davon - sowie das Anzweifeln der Historizität des Krieges schon im 4. Jahrhundert v.u.Z. scheint darauf hinzuweisen, wie wenig bedeutend der Krieg und die Zerstörung Krisas gewesen sein mögen. Eine entscheidende Veränderung in Delphi ist also kaum anzunehmen.

[...]


[1] Hinweise zur Genealogie in den Quellen: Hdt. 6,126, Paus. 2,8,1, NikDam. 90 F 61, Pap. oxy. 11,1365, Diod. 8,24; vgl. Stammbäume in der Literatur: de Libero 181, Berve 758, Schachermeyr 1431/2, Beloch 285, Ehrenberg 1116/8, Rudolph 79

[2] Diod. 8,24

[3] Aristot. 1315b

[4] Pap. oxy. 11,1365

[5] Hdt. 6,126

[6] Paus. 6,19,1-4

[7] vgl. de Libero 186/7

[8] Trotz der sonst allgemein üblichen Umschreibung des "ä" gesprochenen eta als e wird in der Literatur auffällig häufig, nämlich zu etwa zwei Dritteln von Isodamos geschrieben.

[9] NikDam. 90 F 61

[10] vgl. de Libero 187

[11] Anaxandridas 404 F 1; vgl. de Libero 194/5

[12] Paus. 10,37,6; vgl. Tausend

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Details

Titel
Die Orthagoriden, Tyrannen von Sikyon
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Geschichte und Kunstgeschichte)
Note
0
Autor
Jahr
2002
Seiten
7
Katalognummer
V132868
ISBN (eBook)
9783640391189
ISBN (Buch)
9783640390960
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tyrannis, Orthagoras, Kleisthenes von Sikyon, Hellas
Arbeit zitieren
M.A. / Dipl.Kfm.(FH) Oliver H. Herde (Autor), 2002, Die Orthagoriden, Tyrannen von Sikyon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132868

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