Die Autorin hat eine sehr ansprechende Arbeit mit einem hochaktuellen Thema erstellt. Sie vergleicht die klassischen Versorgungsformen, die sich mit Einführung der Pflegeversicherung entwickelt haben, mit neuen Konzepten. Dabei unterscheidet sie angemessen die verschiedenen ambulanten Angebote und zeigt auch die traditionellen Versorgungsformen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen auf. Ein Blick auf die Angehörigen, das wichtige Thema der Autonomie der Pflegeempfänger sowie auf deren Lebensqualität runden das Bild ab. Im Teil B zeigt sie Einflussfaktoren auf, die maßgeblich auf eine Entscheidung zur Versorgungsform einwirken. Auch der Überblick über den Stand der neuen Versorgungsformen in den einzelnen Bundesländern gibt dem Leser nochmals einen sehr guten Überblick.
In dieser Bachelorarbeit beschränkt sich die Verfasserin ausschließlich auf selbstbestimmte und betreiberverantwortliche ambulante Wohn- und Versorgungsformen und vergleicht diese im Teil A mit der klassischen stationären Altenhilfe. Der Teil B nimmt konkreten Bezug auf aktuelle gesetzliche Änderungen der letzten Jahre, die Einfluss auf die ambulante und stationäre Altenhilfe haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Themeneingrenzung und Bezug zum Pflegemanagement
2.1 Themeneingrenzung dieser Bachelorarbeit
2.2 Bezug der Bachelorarbeit zum Pflegemanagement
3 Problemdarstellung, Zielsetzung und Fragestellung
3.1 Problemdarstellung
3.2 Zielsetzung
3.3 Fragestellung
Teil A: Vergleich ambulanter und stationärer Wohn- und Versorgungsformen im Rahmen einer Literaturrecherche
4 Methodisches Vorgehen
5 Darstellung der Ergebnisse
6 Ergebnisse aus der Literaturrecherche
6.1 Gesetzliche Regelungen
6.2 Marktentwicklung und Pflegebedarfe
6.3 Konzepte für Ambulante Wohn- und Versorgungsformen
6.3.1 Unterschiedliche Bezeichnungen für ambulant betreute Wohn- und Versorgungsformen
6.3.2 Selbstbestimmte Wohngemeinschaften
6.3.3 Anbieterinitiierte Wohngemeinschaften
6.4 Wohn- und Versorgungskonzepte in der stationären Altenhilfe
6.5 Öffentliche Meinung
6.6 Verteilung der Pflegegrade nach Leistungsart
6.7 Rolle der Angehörigen
6.8 Autonomie der Bewohner
6.9 Lebensqualität der Bewohner
6.9.1 Funktionaler Gesundheitsstatus
6.9.2 Subjektives Wohlbefinden
6.9.3 Verhaltenskompetenz
6.9.4 Objektive Umwelt
6.10 Versorgungsqualität
6.11 Personelle Besetzung und Mitarbeiterzufriedenheit
6.12 Finanzierung
6.12.1 Entwicklungstendenzen
6.12.2 Investitionsförderung
6.12.3 Refinanzierung
6.12.4 Betriebskosten
7 Methodenreflexion
Teil B: Gesetzliche Änderungen der letzten Jahre mit Einfluss auf die stationäre und ambulante Altenhilfe
8 Methodisches Vorgehen
9 Darstellung der Ergebnisse
10 Ergebnisse des Kostenvergleichs und der Normvorschriften-Recherche
10.1 Kostenbelastung der Bewohner eines Alten- und Pflegeheimes
10.1.1 Kostenänderung bei den Eigenanteilen in der stationären Altenhilfe
10.1.2 Reduzierung des Eigenanteils nach Aufenthaltsdauer
10.1.3 Auswirkung der Kostenänderung für den Bewohner
10.2 Neue Personalanhaltszahlen in der stationären Altenhilfe
10.2.1 Entstehung und Berechnung der neuen Personalanhaltszahlen
10.3 Öffentliche Fördermöglichkeiten für ambulant betreute Wohngemeinschaften sortiert nach Bundesländern in Deutschland
11 Resümee
12 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, das Modell der klassischen stationären Altenhilfe mit dem Konzept ambulanter betreuter Wohngemeinschaften zu vergleichen, um zu prüfen, ob letztere eine ernst zu nehmende Alternative für ältere Menschen mit Pflegebedarf darstellen, unter Berücksichtigung aktueller gesetzlicher Änderungen.
- Vergleich von Wohn- und Versorgungsformen im Alter
- Analyse der Lebens- und Versorgungsqualität
- Untersuchung von gesetzlichen Rahmenbedingungen und Kostenstrukturen
- Evaluierung öffentlicher Fördermöglichkeiten in deutschen Bundesländern
Auszug aus dem Buch
6.8 Autonomie der Bewohner
Menschen im höheren Alter neigen oftmals wegen zunehmender Gesundheitsprobleme dazu, ihren Aktionsradius zu minimieren und sich überwiegend in der eigenen Wohnung oder im Wohnumfeld aufzuhalten. Dieser Umstand bestimmt wesentlich, wie selbstbestimmt sie altern (Mahne et al., 2017, S. 288). Durchschnittlich verbringen die über 75-Jährigen vier Stunden täglich in ihren Privathaushalten und beschäftigen sich mit Haushalts- bzw. Alltagsaufgaben. Dies bildet die Grundlage für eine sinnvolle Beschäftigung in Form einer Tagesgestaltung (Steiner, 2015, S. 70). Die alltäglichen Handlungen und Abläufe, die das Leben in einem Wohnraum ausmachen, sind gleichzeitig wiederholende Abfolgen, wie z. B. kochen, einkaufen, duschen, aufräumen, waschen, schlafen, ausruhen, lesen etc. (Boschert, 2020, S. 35). Aus dem Zusammenhang zwischen der Selbstständigkeit im Alter und wachsender Pflege- und Hilfebedarfe resultiert dann auch der zunehmende Wunsch an selbstbestimmten Wohn- und Versorgungsformen (Steiner, 2015, S. 70). Die zuvor genannten Beschäftigungen sind Gewohnheiten, die von Bewohnern in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft ausgelebt werden können. Sie geben den Bewohnern Sicherheit und Geborgenheit und erzeugen eine zufriedenstellende Ruhe (Boschert, 2020, S. 35). Gegenüber Alten- und Pflegeheimen bieten ambulant betreute Wohngemeinschaften vor allem Normalität, Selbstbestimmtheit, Integration und eine höhere Betreuungsintensität (Kämmer, 2015, S. 61) sowie auch weiterhin Teilhabe am täglichen Leben. Gerade für demenziell erkrankte Menschen kann dieses Modell von besonderem Vorteil sein (Schmid, 2019, S. 219). Zudem haben in ambulant betreuten Wohngemeinschaften die Bewohner das Hausrecht. In einem Alten- und Pflegeheim steht dies dagegen dem Heimbetreiber zu (Kelle, 2015, S. 121). Bei ambulant betreuten Wohngemeinschaften handelt es sich um eine Wohn- und Versorgungsform, die zwischen privatem Haushalt und „institutionalisiertem“ Wohnen einzuordnen ist. Zudem verfügt sie über formale Elemente, die das Zusammenleben vereinbaren und die auch einer Organisation sehr nahekommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Pflege aufgrund demografischer Veränderungen und führt in den Vergleich zwischen stationärer Altenhilfe und alternativen Wohnformen ein.
2 Themeneingrenzung und Bezug zum Pflegemanagement: Dieses Kapitel definiert den Fokus auf ambulant betreute Wohngemeinschaften und ordnet die Arbeit in den pflegefachlichen Kontext ein.
3 Problemdarstellung, Zielsetzung und Fragestellung: Hier wird die Forschungslücke identifiziert, das primäre Ziel der Arbeit formuliert und die Forschungsfrage abgeleitet.
4 Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt das methodische Design der Literaturrecherche im Teil A der Arbeit.
5 Darstellung der Ergebnisse: Hier werden die Ergebnisse der Literaturrecherche gesichtet und die Auswahl der relevanten Fachpublikationen erläutert.
6 Ergebnisse aus der Literaturrecherche: Dieses umfangreiche Kapitel präsentiert die inhaltlichen Resultate zu Gesetzeslagen, Konzepten, Versorgungsqualität und Finanzierung der unterschiedlichen Wohnformen.
7 Methodenreflexion: Eine kritische Auseinandersetzung mit der gewählten Forschungsmethodik und deren Grenzen.
8 Methodisches Vorgehen: Erläutert das Vorgehen für den Teil B, inklusive Kostenberechnungen und der Normvorschriften-Recherche.
9 Darstellung der Ergebnisse: Beschreibt die methodische Vorgehensweise bei der Auswertung der Kostenvergleiche und Förderprogramme für den Teil B.
10 Ergebnisse des Kostenvergleichs und der Normvorschriften-Recherche: Analysiert die finanzielle Belastung durch Eigenanteile in Heimen und stellt föderale Unterschiede bei Förderprogrammen dar.
11 Resümee: Führt die Teilaspekte der Arbeit zusammen und beantwortet reflektiert die Forschungsfrage.
12 Ausblick: Thematisiert künftige Herausforderungen der Altenhilfe vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und demografischer Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Pflegemanagement, Stationäre Altenhilfe, Ambulant betreute Wohngemeinschaften, SGB XI, Pflegebedürftigkeit, Lebensqualität, Autonomie, Eigenanteile, Finanzierung, Pflegereform, Demografischer Wandel, Pflegequalität, Wohnformen, Personalschlüssel, Förderprogramme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Vergleich zwischen der stationären Altenhilfe und ambulant betreuten Wohngemeinschaften, um herauszufinden, ob diese eine ernstzunehmende Alternative darstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Versorgungs- und Lebensqualität der Bewohner, der Einfluss auf die Autonomie, die Finanzierungsstrukturen sowie die rechtlichen und baulichen Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist ein fundierter Vergleich der verschiedenen Wohn- und Versorgungsmodelle unter Einbeziehung aktueller Gesetzesänderungen, um eine begründete Einschätzung ihrer Zukunftsfähigkeit abzugeben.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturrecherche zu verschiedenen Aspekten der Altenhilfe sowie einer detaillierten Normvorschriften-Recherche zur Analyse von Förderprogrammen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen literaturanalytischen Teil A zur qualitativen Gegenüberstellung der Wohnformen und einen Teil B, der gesetzliche Neuerungen und finanzielle Aspekte quantitativ untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind neben den Wohnformen vor allem Pflegemanagement, Pflegequalität, Autonomie, SGB XI-Finanzierung und der demografische Wandel.
Wie wirkt sich die neue Kostenänderung (§ 43c SGB XI) konkret auf Bewohner aus?
Die Änderung führt zu einem staatlichen Leistungszuschlag, der sich prozentual nach der Aufenthaltsdauer des Bewohners im Heim richtet und den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil reduziert.
Gibt es bundesweit einheitliche Förderungen für Wohngemeinschaften?
Nein, die Untersuchung zeigt, dass die Förderprogramme sehr individuell durch die jeweiligen Bundesländer gestaltet sind und es keine einheitliche bundesweite Lösung gibt.
- Citation du texte
- Anja Luther (Auteur), 2022, Versorgung von pflegebedürftigen Menschen in Deutschland. Welche Alternativen gibt es zu den klassischen Alten- und Pflegeheimen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1328757