Wissenschaftler und Akademiker werden immer wieder mit Infragestellungen der ihrer Arbeit zugrunde liegenden Theorien konfrontiert. Es stellt sich vor allem bezogen auf das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis die Frage, inwiefern und ob Theorien gerade in der Sozialen Arbeit überhaupt notwendig seien. Zugespitzt formuliert, wird hier auch zugleich die Existenzberechtigung der Sozialen Arbeit als Wissenschaft und Studiengang an Hochschulen angezweifelt. Wenn Theorien überhaupt nicht benötigt werden, wieso sollte dann Soziale Arbeit als Wissenschaft an Hochschulen vertreten sein?
In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich deshalb zunächst mit dem Theoriebegriff auseinandersetzen. Auch wenn eine allgemeine wissenschaftstheoretische Bestimmung des Theoriebegriffs aufgrund dessen Komplexität schwer möglich ist, soll hier versucht werden, zu einem ersten Verständnis des Theoriebegriffs zu gelangen. Hierauf basierend soll dann nach Kriterien oder Bestimmungen von Theorien der Sozialen Arbeit gefragt werden. Der zweite Teil dieser Arbeit soll sich dann exemplarisch mit einer Theorie bzw. einem Konzept im Rahmen der Sozialen Arbeit beschäftigen. Es stellt sich hier zunächst die Frage nach den Grundannahmen des Konzeptes der Lebensweltorientierung, nach dessen Traditionslinien und dessen Entwicklung. Daraufhin erfolgt einer Darstellung der im Rahmen des Konzeptes der Lebensweltorientierung vertretenen Dimensionen sowie der Struktur- und Handlungsmaximen, die einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit zugrunde gelegt werden. Abschließend soll vor einer kurzen Schlussbemerkung das zuvor erläuterte Konzept einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit am Beispiel der Sozialpädagogischen Familienhilfe konkretisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema
1.1 Einleitung
1.2 Versuche einer Begriffsbestimmung
1.2.1 Der Theoriebegriff
1.2.2 Theorien der Sozialen Arbeit
2. Das Konzept der Lebensweltorientierung
2.1 Grundannahmen
2.2 Traditionslinien
2.3 Entwicklung der Lebensweltorientierung
2.4 Fünf Zugänge
2.5 Dimensionen
2.6 Struktur und Handlungsmaxime einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
3. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in der Praxis am Beispiel der SPFH
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das theoretische Konzept der Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit. Dabei wird hinterfragt, welche Bedeutung theoretische Grundlagen für die praktische Arbeit haben, wie das spezifische Konzept der Lebensweltorientierung nach Thiersch definiert ist und wie sich dieses in der konkreten Praxis der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) umsetzen lässt.
- Grundlagen des Theoriebegriffs in der Sozialen Arbeit
- Historische und theoretische Herleitung der Lebensweltorientierung
- Die fünf Zugänge und sechs Dimensionen des Konzepts
- Struktur- und Handlungsmaximen der lebensweltorientierten Praxis
- Praktische Anwendung und Herausforderungen in der Familienhilfe
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Der Theoriebegriff
Beschäftigt man sich mit unterschiedlichen Theorien der Sozialen Arbeit und der Sozialpädagogik, so stellt sich sicherlich zunächst die Frage, was eigentlich genau unter „Theorien“ verstanden werden kann. Welche Kriterien müssen Theorien erfüllen? Welchem Zweck dienen sie? Braucht man Theorien überhaupt?
Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass vor allem innerhalb der Sozialen Arbeit bis heute die Konturen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Theorie und Forschung, Theorie und Wissenschaft, Theorie und Ideen oder auch zwischen Theorie und Praxis kaum geklärt sind und somit eine eindeutige Antwort auf die oben gestellten Fragen keineswegs möglich ist. Dennoch soll im Folgenden versucht werden, Gemeinsamkeiten in den Definitionen der Begriffe ‚Theorien’ und ‚Soziale Arbeit’ herauszuarbeiten um so einer Vorstellung dieser Begrifflichkeiten näher zu kommen.
Der Begriff der ‚Theorie’ stammt zunächst aus dem griechischen und bedeutet hier etwa ‚Anschauung’. Nell versteht Theorie in einer allgemeinen Definition als philosophischen, erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Begriff, der eine Summe von Annahmen und Aussagen bezeichnet, die unter den Ansprüchen innerer Stimmigkeit (Widerspruchsfreiheit), äußerer Abgegrenztheit (Klarheit, Distinktion) und Angemessenheit (Objektivität) sich darauf richten, einen bestimmten Arbeitsbereich, Wirklichkeitsausschnitt oder Handlungszusammenhang in seinen Grundlagen und in seinen Erscheinungsformen zu bestimmen, zu beschreiben bzw. auch zu erklären.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz theoretischer Fundierung in der Sozialen Arbeit und setzt sich grundlegend mit dem Theoriebegriff auseinander.
2. Das Konzept der Lebensweltorientierung: Hier werden die theoretischen Wurzeln, die Entwicklung, die verschiedenen Zugänge sowie die zentralen Dimensionen und Maximen des lebensweltorientierten Ansatzes detailliert dargestellt.
3. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in der Praxis am Beispiel der SPFH: Dieses Kapitel konkretisiert die theoretischen Ausführungen anhand der Arbeit in der Sozialpädagogischen Familienhilfe und diskutiert die praktische Umsetzung.
4. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen des Konzepts der Lebensweltorientierung in der aktuellen beruflichen Praxis.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Lebensweltorientierung, Theoriebildung, Soziale Praxis, Lebensbewältigung, Sozialpädagogische Familienhilfe, Handlungsmaximen, Integration, Partizipation, Alltagsnähe, Theorie-Praxis-Verhältnis, Ressourcenorientierung, Klientenzentrierung, Soziale Gerechtigkeit, Professionelles Handeln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der Sozialen Arbeit, wobei der Fokus explizit auf dem Konzept der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind der Theoriebegriff, die Herleitung und Systematik der Lebensweltorientierung sowie deren Anwendung in der pädagogischen Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Konzept der Lebensweltorientierung theoretisch einzuordnen und aufzuzeigen, wie dieses Modell in der Praxis der Familienhilfe zur Anwendung kommen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Diskurs- und Literaturanalyse bestehender Fachliteratur und theoretischer Konzepte der Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse des Konzepts der Lebensweltorientierung (Zugänge, Dimensionen, Maximen) und eine Fallkonkretisierung in der Familienhilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lebensweltorientierung, Soziale Arbeit, Theoriebildung, Lebensbewältigung und Praxisorientierung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Lebensweltorientierung von anderen Ansätzen?
Im Gegensatz zu traditionell defizitorientierten Ansätzen fokussiert die Lebensweltorientierung auf die Stärken und Bewältigungsstrategien der Adressaten in ihrem konkreten Alltag.
Welche Grenzen der Lebensweltorientierung werden diskutiert?
Die Autorin stellt fest, dass in der Praxis oft Zeitmangel für die notwendige Vertrauensbildung herrscht und das Modell bei akuten Krisen oder Gewalt an seine Grenzen stößt.
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- Daniela Hammerschmidt (Author), 2009, Theorien der Sozialen Arbeit. Das Konzept der Lebensweltorientierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132883