Die Hausarbeit war eine Modulabschlussarbeit und beleuchtet verschiedene Aspekte christlicher Symbolik in Goethes Werther. Dabei werden verschiedene Beispiele aus dem Primärwerk herangezogen und durch Sekundärliteratur erläutert und interpretiert.
Die Nützlichkeit der vorliegenden Arbeit ist darin begründet, dass aufgezeigt wird, inwiefern der Briefroman überhaupt in einen christlichen Kontext zu bringen ist. Zunächst werden dafür Anzeichen aus der Einleitung des Romans genutzt und die allgemeine Rolle Werthers beleuchtet. Anschließend wird ein genauerer Blick auf die Funktion Lottes geworfen und abschließend wird der Suizid Werthers eingestuft. Abgesehen von der reinen Einordnung diverser Symbole werden innerhalb dieser Arbeit auch verschiedene Texte, die sich auch mit der Frage nach religiösen Zeichen innerhalb des Werthers beschäftigen, verwendet und auf ihre Sinnhaftigkeit geprüft.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Vorgehensweise
III. Die Rolle Werthers
IV. Die Bedeutung von Lotte
V. Werthers Suizid
VI. Fazit
VII. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die christlichen Symbole und religiösen Elemente in Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werther", um aufzuzeigen, inwieweit diese den Roman in einem christlich-theologischen Kontext verankern. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, welche biblischen Parallelen in Bezug auf die Hauptfiguren bestehen und wie diese die Interpretation der Handlung beeinflussen.
- Analyse der christlich-religiösen Symbolik bei Goethe
- Untersuchung von Werther als Jesus-Christus- bzw. Märtyrerfigur
- Deutung von Lotte als Marienfigur
- Symbolik des Suizids im Kontext biblischer Leidensgeschichte
Auszug aus dem Buch
III. Die Rolle Werthers
Schon vor dem Beginn der eigentlichen Handlung lässt sich in der Einleitung ein erster Baustein finden, der sich in einem religiös-symbolischen Kontext einordnen lässt. Hier wird, durch die Verwendung eines erzählerfiktionalen Texts, nahegelegt wie der Rezipient den nachfolgenden Roman einordnen soll und welche Lehren daraus zu ziehen sind:
„Ihr könnt seinem Geist und seinem Charakter eure Bewunderung und Liebe, und seinem Schicksale eure Tränen nicht versagen. Und du gute Seele, die du eben den Drang fühlst wie er, schöpfe Trost aus seinem Leiden, und lass das Büchlein deinen Freund sein, wenn du aus Geschick oder eigner Schuld keinen nähern finden kannst.“3
In dieser ersten Passage konstituiert sich bereits eine Interpretation, die sich im späteren Verlauf der Handlung noch genauer zeigt. Die Deutung von Werther als Jesus Christus. Diese Interpretation fußt darauf, dass Werthers Geschichte eine Darstellung eines Opfers ist, die im Nachgang als ein positiver Wegweiser dienen soll. Sein Opfertod ist es, der für den Rezipienten eine Hilfe darstellt und Werther somit, wie bei der Geschichte von Jesus selbst, in eine Märtyrerrolle bringt. Indem Werther leidet, muss der Leser nicht mehr leiden, da er die Leiden als Lehren verstehen kann und sie somit selbst nicht mehr erfahren muss. Obwohl Werther, im Gegensatz zu seinem biblischen Pendant, nicht implizit für die Leser des Romans stirbt, ist es dennoch so, dass sein Märtyrertod einen Nutzen bieten soll. Auch Jesus Christus ist nach der gängigen Interpretation als Opfer für die Sünden der Menschheit gestorben. Bei dieser Auslegung ist es nicht nur die Rolle des Geopferten, die sich bei Werther und Jesus Christus überschneidet, sondern auch die Rolle des, in dieser Passage direkt angesprochenen Publikums.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Spannungsfeld einer möglichen religiösen Deutung des Romans ein und stellt die theoretische Herausforderung dar, Goethes Werk trotz christlicher Symbolik nicht als religiösen Roman zu missverstehen.
II. Vorgehensweise: Das Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, religiöse Elemente und Symbole im Text zu identifizieren und diese unter Bezug auf das Christentum und Goethes positives Verhältnis zur Bibel zu kontextualisieren.
III. Die Rolle Werthers: Es wird die These entwickelt, dass Werther bereits in der Einleitung als eine Art Märtyrerfigur und Jesus-Analogie eingeführt wird, die dem Leser als moralische Leitfigur dienen soll.
IV. Die Bedeutung von Lotte: Dieses Kapitel analysiert Lottes Rolle als Marienfigur, wobei ihre unnahbare, mütterliche Symbolik und ihre überhöhte Position im Leben des Protagonisten im Zentrum stehen.
V. Werthers Suizid: Der Autor untersucht biblische Analogien im Ende des Romans, insbesondere den Bezug auf das letzte Abendmahl und die Parallelen in der Leidensdauer zwischen Werther und Jesus Christus.
VI. Fazit: Die Zusammenfassung bestätigt, dass zwar keine direkte religiöse Botschaft vorliegt, aber durch die Fülle an Symbolik eine sekundäre, christlich geprägte Deutungsebene des Romans sinnvoll und plausibel begründet werden kann.
VII. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Unterstützung der Argumentation.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, christliche Symbolik, Jesus Christus, Märtyrerrolle, Marienfigur, Suizid, Theologie, religiöse Interpretation, biblische Parallelen, Briefroman, Literaturanalyse, Symbolik, Abendmahl, Opferrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verwendung christlicher Symbole und Motive in Goethes Roman "Die Leiden des jungen Werther" und hinterfragt, ob eine theologisch geprägte Interpretation des Werkes zulässig ist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themenfelder sind die Analyse der religiösen Andeutungen des Romans, die Charakterisierung der Figuren Werther und Lotte durch biblische Analogien sowie die symbolische Bedeutung des Suizids.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass religiöse Zeichen im Roman mehr als bloße rhetorische Figuren sind und eine fundierte, wenn auch sekundäre, christliche Deutungsebene ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Textpassagen aus dem Roman mit traditionellen christlichen Symbolen und exegetischen Interpretationen der Forschungsliteratur vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Rolle Werthers als Märtyrerfigur, die Bedeutung Lottes als Marienfigur und die biblisch konnotierten Hintergründe des Suizids im Schlussteil detailliert analysiert.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Schlagworte wie christliche Symbolik, Jesus-Analogie, Marienfigur, Märtyrertod und literarische Kontextualisierung.
Wie deutet der Autor die Figur Werther im Kontext des Christentums?
Werther wird als eine Figur interpretiert, die durch ihr Leiden in eine Märtyrerrolle rückt, wobei sie einerseits Jesus als moralische Instanz bewundert, andererseits aber durch Untätigkeit diese Rolle nie vollständig ausfüllen kann.
Welche Bedeutung kommt der Figur Lotte in der Untersuchung zu?
Lotte wird durch ihre mütterliche Fürsorge und ihre unnahbare, heilige Aura als eine dem christlichen Marienbild entlehnte Symbolfigur gedeutet, was sie für Werther unerreichbar macht.
Gibt es eine Verbindung zwischen dem Suizid Werthers und der Kreuzigung Jesu?
Ja, der Autor verweist auf Ähnlichkeiten wie die Dauer des Leidens, die Verwendung biblischer Symbole wie Brot und Wein sowie das "Trinken des Kelchs" als Anspielungen auf das Leiden Christi.
- Arbeit zitieren
- Jonas Wolfsperger (Autor:in), 2019, Christliche Symbolik in "Die Leiden des jungen Werther", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1329606