Ein Unternehmen ist heute mehr denn je darauf angewiesen, sich den Herausforderungen seiner Umsysteme zu stellen, um langfristig am Markt bestehen zu können. Dabei definieren Kubicek und Thom Umsysteme im betrieblichen Kontext als „diejenigen Systeme, von denen der Input bezogen und an die der Output abgegeben wird (…)“ (Kubicek & Thom 1976). Konkret wird dabei die Unternehmung als offenes System betrachtet, welches zur Erfüllung ihrer Ziele Informationen, Energie und Materie von anderen Unternehmen als Input einholt, diesen Input einem Transformationsprozess unterzieht und dadurch einen informationellen oder materiellen Output erzeugt, der wieder an andere Systeme abgegeben wird. Dabei existiert stets die Notwendigkeit einer Harmonisation zwischen dem Unternehmen und den Anforderungen der Umsysteme, was als eine Hauptaufgabe jeder Führungstätigkeit gesehen werden sollte.
Die Notwendigkeit einer Harmonisation der Unternehmung mit den Umsystemen ergibt sich zum einen aus der zunehmenden Komplexität und Dynamik bzw. Veränderungsgeschwindigkeit in den Umsystemen. Dies hat in den letzten Jahren zu kürzeren Produktlebens- und Innovationszyklen, steigenden Entwicklungskosten und zunehmender Internationalisierung geführt. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Notwendigkeit für das Marketing-Controlling, insbesondere Informationen über externe Gegebenheiten und Veränderungen bereitzustellen, sodass ein Unternehmen rechtzeitig Anpassungen vornehmen und wettbewerbsfähig bleiben kann.
Ziel dieser Arbeit ist es, anhand ausgewählter Instrumente zu zeigen, wie ein Unternehmen seine Umsysteme analysieren kann, um so Informationsdefizite zu bewältigen und anhand der Prognose künftiger Ereignisse in der Lage ist, sich besser und schneller ändernden Anforderungen anpassen zu können.
Zunächst werden im zweiten Abschnitt das globale und das aufgabenspezifische Umsystem mit seinen Komponenten vorgestellt. Anschließend wird ein Überblick zu ausgewählten Instrumenten zur Analyse der Umsysteme gegeben, um schließlich die Szenario-Analyse und die Qualifikationsbedarfsanalyse exemplarisch in ihrer Konzeption sowie mit ihren Vor- und Nachteilen vorzustellen. Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung der wichtigsten Aussagen ab.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 UMSYSTEME IM KONTEXT DER UNTERNEHMUNG
3 AUSGEWÄHLTE INSTRUMENTE ZUR ANALYSE DER UMSYSTEME
3.1 ÜBERBLICK AUSGEWÄHLTER INSTRUMENTE
3.2 DIE SZENARIO-ANALYSE ALS INSTRUMENT ZUR ANALYSE DES GLOBALEN UMSYSTEMS
3.3 DIE QUALIFIKATIONSBEDARFSANALYSE ALS INSTRUMENT ZUR ANALYSE DES AUFGABENSPEZIFISCHEN UMSYSTEMS
4 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen durch den Einsatz ausgewählter Instrumente ihre Umsysteme analysieren können, um Informationsdefizite abzubauen und sich durch die Prognose zukünftiger Ereignisse präziser an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.
- Grundlagen und Klassifikation von globalen und aufgabenspezifischen Umsystemen
- Überblick über diverse Instrumente der strategischen Umweltanalyse
- Methodische Konzeption, Vor- und Nachteile der Szenario-Analyse (SZA)
- Konzeptionelle Darstellung und Prozess der Qualifikationsbedarfsanalyse (QBA)
- Bedeutung der strategischen Früherkennung für die Wettbewerbsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Szenario-Analyse als Instrument zur Analyse des globalen Umsystems
Bei der SZA – oder auch Szenario-Technik – handelt es sich um eine Prognosemethode innerhalb der strategischen Früherkennung, welche der Abbildung alternativer Umwelten als eine theoretisch mögliche Abfolge von Ereignissen dient. Die Grundidee dieser Technik ist das Entwickeln mehrerer zukünftiger Szenarien bzw. Zukunftsbilder, denen unterschiedliche Voraussetzungen in der Unternehmensumwelt zugrunde liegen. Dabei versteht man unter Szenarien „(...) systematische und nachvollziehbare, aus der gegenwärtigen Situation heraus entwickelte, mögliche Zukunftsbilder.“ Der Unterschied zu traditionellen Prognosemodellen besteht hierbei darin, dass die SZA keine zukünftigen Entwicklungen beschreibt, sondern alternative Entwicklungspfade aufzeigt, die auf einer Abfolge von Umweltveränderungen sowie Aktionen und Reaktionen des Unternehmens basieren. Dabei können sowohl quantitative als auch qualitative Informationen für die Bildung von Szenarien Anwendung finden.
Zur Veranschaulichung der SZA soll nachstehende Abbildung 3 dienen, welche den Szenario-Trichter visualisiert. Die Spitze des Trichters stellt die Gegenwart dar, d. h. die derzeitige Umweltsituation, in der sich das Unternehmen bewegt. Die Gegenwart ist geprägt durch vorhandene Normen, Strukturen oder Verhaltensmuster, die sich kurzfristig nicht verändern lassen. Dabei ist die Entwicklung des Unternehmens in der nahen Zukunft durch die Strukturen der Gegenwart größtenteils festgelegt. Versucht man nun Prognosen über die fernere Zukunft anzustellen, so nimmt der Einfluss der heutigen Gegebenheiten ab und das Unsicherheitsspektrum nimmt zu. Dadurch wächst das Möglichkeitenspektrum und der Trichter öffnet sich zunehmend im Zeitablauf.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Es wird die Notwendigkeit erläutert, ein Unternehmen als offenes System zu betrachten, das zur Sicherung seiner Wettbewerbsfähigkeit eine kontinuierliche Harmonisierung mit seinen Umsystemen anstreben muss.
2 UMSYSTEME IM KONTEXT DER UNTERNEHMUNG: Dieses Kapitel differenziert zwischen dem globalen Umsystem als generellem Rahmen und dem aufgabenspezifischen Umsystem, welches Akteure umfasst, mit denen das Unternehmen direkt interagiert.
3 AUSGEWÄHLTE INSTRUMENTE ZUR ANALYSE DER UMSYSTEME: Nach einem allgemeinen Überblick werden die Szenario-Analyse zur globalen Analyse und die Qualifikationsbedarfsanalyse zur spezifischen Personal-Analyse detailliert hinsichtlich ihrer Konzeption sowie ihrer Vor- und Nachteile vorgestellt.
4 SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine systematische Analyse der Umsysteme essenziell für die strategische Früherkennung ist, auch wenn eine exakte Vorhersage der Zukunft grundsätzlich nicht möglich bleibt.
Schlüsselwörter
Marketing-Controlling, Umsysteme, Strategische Planung, Umweltanalyse, Szenario-Analyse, Qualifikationsbedarfsanalyse, Früherkennungssysteme, Wettbewerbsfähigkeit, Unternehmensumwelt, Personalentwicklung, Stakeholder, Prognosemethode, Strategische Führung, Bildungscontrolling, Systemverständnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Unternehmens-Umsystemen als einer zentralen Aufgabe des strategischen Marketing-Controllings, um langfristig die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systemtheorie der Unternehmung, die Einteilung in globale und aufgabenspezifische Umsysteme sowie die Anwendung spezifischer Instrumente zur strategischen Analyse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Nutzen ausgewählter Analyseinstrumente aufzuzeigen, damit Unternehmen Informationsdefizite reduzieren und flexibler auf Veränderungen reagieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und den Vergleich theoretischer Konzepte, ergänzt durch die grafische Visualisierung von Prozessen wie dem "Szenario-Trichter" und dem "QBA-Ablauf".
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Komponenten der Umsysteme erläutert und anschließend zwei spezifische Instrumente – die Szenario-Analyse und die Qualifikationsbedarfsanalyse – tiefgehend analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Umweltanalyse, Strategische Früherkennung, Umsysteme, sowie die spezifischen Analysetechniken SZA und QBA.
Warum wird zwischen globalem und aufgabenspezifischem Umsystem unterschieden?
Die Unterscheidung hilft dem Unternehmen, allgemeine Rahmenbedingungen (wie ökologische oder technologische Faktoren) von direkten Interaktionspartnern (wie Kunden, Lieferanten oder Kapitalgebern) analytisch zu trennen.
Welchen Vorteil bietet die Szenario-Analyse für das Management?
Sie ermöglicht es, Unsicherheitsfaktoren offenzulegen und das strategische Denken in verschiedenen Zukunftsszenarien zu trainieren, statt sich nur auf eine Einzelprognose zu verlassen.
Warum ist die Qualifikationsbedarfsanalyse ein Instrument des Controllings?
Weil sie hilft, das Bildungsdefizit von Mitarbeitern systematisch zu erfassen und sicherzustellen, dass die Qualifikationen der Humanressourcen zielgerichtet auf die zukünftigen Anforderungen ausgerichtet sind.
- Arbeit zitieren
- Nadine Meier (Autor:in), 2009, Ausgewählte Instrumente zur Analyse der Umsysteme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132965