Der Akt des Sehens ist ein hoch komplizierter Prozess, der an vielen Stellen gestört werden kann. Auf den folgenden Seiten wird auf den Aufbau und die Bestandteile des Auges sowie die physikalischen Grundlagen des Sehens eingegangen. Außerdem werden Fehlsichtigkeiten und deren Korrektur betrachtet. Abschließend werden zusätzlich räumliches Sehen und Farbensehen erläutert.
Das menschliche Auge nimmt unzählige Farben wahr, erkennt Gegenstände noch in mehreren Kilometern Entfernung und reagiert bereits auf ein einzelnes Photon (Lichtquant). Durch größte Reichweite und Adaptionsfähigkeit zeichnen die Augen sich unter den Sinnesorganen aus. Sie sind sogar durch einen eigenen Bewegungsapparat selbstbeweglich und zielgerichtet. Das menschliche Auge stellt, nicht nur physikalisch betrachtet, ein kompliziertes (optisches) System dar. Es wird sich zeigen, dass das Auge ein faszinierendes Beispiel dafür ist, wie die Natur die vorgegebenen physikalischen Bedingungen optimal ausnutzt.
Das Auge ist vielleicht sogar der wichtigste Informationskanal zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. (verändert nach „Physik für Mediziner, Biologen, Pharmazeuten“, 2000)
„Das Sehen ist der bedeutendste Sinn, über den wir verfügen.“ (www.auge-online.de) Mit keinem anderen Sinnesorgan kann der Mensch so viele Informationen in so kurzer Zeit aufnehmen. Man schätzt, dass 70% aller für den Menschen wichtigen Informationen durch das Sehsystem aufgenommen werden. Insbesondere in der heutigen visuell ausgerichteten Gesellschaft ist die Bedeutung eher noch höher anzusetzen. Ein Auge wiegt etwa 7,5 g und ist kugelförmig. Bei erwachsenen Menschen hat es einen mittleren Durchmesser von ca. 2,3 cm und ein Volumen von etwa 6,5 cm3. Die Iris, die wie eine Blende den Lichteinfall ins Auge regelt, und die Netzhaut müssen einen Helligkeitsunterschied von 1 zu einer Milliarde bewältigen können. So groß ist nämlich der Helligkeitsunterschied zwischen einer Neumondnacht und gleißendem Sonnenlicht. Im Bereich der etwa 1,5 mm großen Fovea (der Punkt des schärfsten Sehens in der Mitte der Netzhaut) besteht die maximale Sehschärfe des Auges. Hier befinden sich 147000 Zapfen (Photorezeptoren) pro mm2. Der ohne Augenbewegung sichtbare Bereich, das Gesichtsfeld, beträgt je nach Alter 174 bis 138 Grad. „Das optische System des Auges besteht im Wesentlichen aus der Hornhaut mit einer Brechkraft von 43 Dioptrien und der Linse mit einer variablen Brechkraft von 19-33 Dioptrien.“ (www.auge-online.de)...
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Physikalische Grundlagen der optischen Abbildung: Reflexion und Brechung
Abbildung mit Linsen
Abbildung durch brechende Flächen
Die Abbildungsgleichung für eine brechende Fläche
Die Abbildungsgleichung für eine Linse
Klassifizierung von Linsen
Die Abbildungsgleichung für ein System aus zwei Linsen
Konstruktion von Strahlengängen
Abbildungsfehler
Aufbau des menschlichen Auges
Der Vorgang des Sehens
Die Abbildungsfunktion im Auge
Akkomodation und der Pupillenreflex
Fehler im optischen Apparat/Fehlsichtigkeiten und deren Korrektur
Räumliches Sehen und Schielen
Farbensehen und Farbensinnstörungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das menschliche Auge als optisches System unter Berücksichtigung physikalischer Abbildungsgesetze, anatomischer Strukturen sowie physiologischer Prozesse bei der Wahrnehmung. Ziel ist es, die Funktionsweise des dioptrischen Apparats, die Mechanismen der Akkomodation und Tiefenwahrnehmung sowie die Entstehung und Korrektur von Fehlsichtigkeiten wissenschaftlich zu beleuchten.
- Physikalische Grundlagen der Lichtbrechung und Linsenoptik
- Anatomischer Aufbau und optische Abbildungsfunktion des Auges
- Mechanismen der Akkomodation und Pupillenregulation
- Refraktionsanomalien und deren optische Korrekturmöglichkeiten
- Binokulare Tiefenwahrnehmung und Farbensehen
Auszug aus dem Buch
Aufbau des menschlichen Auges
Die Augenhöhle enthält das Auge, den Sehnerv und die Muskeln, die das Auge bewegen. Muskeln setzen am Auge an, ziehen nach hinten in die Augenhöhle und bewegen das Auge. „Sind sie oder ihre Steuerung (Nerven, Gehirn) nicht in Ordnung kommt es zum Schielen.“ (www.auge-online.de) Der Sehnerv (Nervus opticus) beginnt hinten am Auge. Er zieht zum Sehzentrum im Gehirn und gibt die Sehinformationen aus der Netzhaut weiter. Wird der N. opticus beschädigt, kommt es zu teilweiser oder völliger Blindheit. Die Lider schützen das Auge vor Verletzungen. Verschiedene Drüsen im Lidbereich bilden Tränenflüssigkeit, die Nähr- und Abwehrstoffe transportiert. Die Tränen spülen Fremdkörper von der Augenoberfläche und fließen über die Tränengänge in die Nase ab. Der dünne Flüssigkeitsfilm schützt außerdem die Cornea vor dem Austrocknen. (verändert nach Klinke/Silbernagl, 2001) Die Bindehaut ist eine Schleimhaut, die den Augapfel und die Lidinnenseite überzieht. Sie ermöglicht ein gutes Gleiten der Lider und ist für die Immunabwehr zuständig. Die Hornhaut (Cornea) ist ein „klares Fenster zum Auge“ (www.auge-online.de), d.h. sie lässt Licht ins Auge hinein. Die feste weiße Hülle des Auges nennt man Lederhaut (Sklera). Die Pupille ist die Öffnung in der Iris (auch Regenbogenhaut genannt). Durch sie kann Licht in das Innere des Auges gelangen. „Die Iris ist somit eine farbige Blende für das Auge. Sie zieht sich bei Helligkeit zusammen (Pupille wird enger) und dämpft den Lichteinfall.“ (www.auge-online.de)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der optischen Abbildungsprozesse und die Bedeutung des Sehvermögens für den Menschen.
Physikalische Grundlagen der optischen Abbildung: Reflexion und Brechung: Erläuterung der physikalischen Gesetze der Lichtausbreitung und Brechung an Grenzflächen.
Abbildung mit Linsen: Darstellung der Bildentstehung durch Linsen unter Einbeziehung von Strahlengängen und Abbildungsgleichungen.
Aufbau des menschlichen Auges: Detaillierte Beschreibung der anatomischen Bestandteile des Auges und deren Schutzvorrichtungen.
Der Vorgang des Sehens: Erläuterung des Prozesses der Photorezeption und der neuronalen Informationsverarbeitung.
Die Abbildungsfunktion im Auge: Analyse des Auges als dioptrisches Gesamtsystem zur scharfen Abbildung auf der Netzhaut.
Akkomodation und der Pupillenreflex: Untersuchung der Mechanismen zur Scharfeinstellung bei variierenden Distanzen und zur Helligkeitsregulierung.
Fehler im optischen Apparat/Fehlsichtigkeiten und deren Korrektur: Analyse optischer Abbildungsfehler sowie Möglichkeiten der Korrektur durch optische Hilfsmittel.
Räumliches Sehen und Schielen: Behandlung der monokularen und binokularen Tiefenwahrnehmung sowie klinischer Aspekte von Fehlstellungen der Augenachsen.
Farbensehen und Farbensinnstörungen: Darstellung der physiologischen Grundlagen des Farbsehens sowie genetisch bedingter Farbsinnstörungen.
Schlüsselwörter
Menschliches Auge, Optik, Lichtbrechung, Linsen, Akkomodation, Netzhaut, Refraktionsanomalien, Dioptrien, Pupillenreflex, Tiefenwahrnehmung, Farbsinn, Photorezeptoren, Myopie, Hypermetropie, Astigmatismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das menschliche Auge als optisches System und analysiert die physikalischen sowie physiologischen Bedingungen, die das Sehen ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die Optik (Linsen, Brechung), die Anatomie des Auges, physiologische Prozesse (Akkomodation, Farbensehen) und medizinisch-optische Korrekturmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein umfassendes Verständnis darüber, wie die Natur physikalische Gesetze optimal nutzt, um visuelle Informationen durch ein komplexes optisches System aufzunehmen und zu verarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse physikalischer Abbildungsgesetze, ergänzt durch anatomische und physiologische Beschreibungen basierend auf medizinischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die mathematische Beschreibung von Linsensystemen, die Funktionsweise des dioptrischen Apparates und detaillierte Erläuterungen zu Sehstörungen und Wahrnehmungsleistungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Optische Abbildung, Akkomodation, Refraktionsanomalien, physiologische Optik und anatomischer Aufbau.
Wie funktioniert die Akkomodation im Auge physikalisch?
Die Akkomodation erfolgt durch die Verformung der Linse, wodurch deren Brechkraft verändert wird, um Gegenstände in unterschiedlichen Entfernungen scharf auf der Netzhaut abzubilden.
Was unterscheidet das Farbensehen von einem physikalischen Messsystem?
Das Farbensehen ist kein direktes Messsystem für Wellenlängen, sondern das Resultat einer neuronalen Verarbeitung der Lichtreize im Gehirn, basierend auf der Erregung verschiedener Zapfentypen.
Warum treten bei Kurzsichtigkeit Bildfehler auf?
Kurzsichtigkeit entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Bulbuslänge und der Brechkraft des dioptrischen Apparates, wodurch die Bildebene vor der Netzhaut liegt.
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- Dipl.-Biol. Wiebke Gelder (Author), 2005, Das Auge und die optische Abbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132991