Das Akademische Kunstmuseum zählt zu den ältesten Museen in Bonn und fungiert als Antikensammlung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Rund 2400 Gipsabgüsse von Statuen, Reliefs und Kleinkunst sowie eine Originalsammlung von antiken Werken aus Marmor, Ton, Bronze und Glas befinden sich in dem seit 1818 bestehenden Museum.
Diese Untersuchung hat zum Ziel, die bisher zusammenhangslosen Fragmente der tarentinischen Grabbauten im Akademischen Kunstmuseum der Universität Bonn in einen Kontext einzubetten. Ikonographische Besonderheiten sollen dabei herausgearbeitet werden, indem ähnliche Darstellungsformen und Fragmente anderer Sammlungen zum Vergleich herangezogen werden. Außerdem werden die verschiedenen Einflüsse auf unteritalische Kunst und Grabdekoration betrachtet. Hierbei soll der Einfluss attischer Tragödien des 5. Jhs. v. Chr. auf die unteritalische Vasenmalerei und somit die Tradition der unteritalischen Darstellungsformen betrachtet werden. Im Anschluss daran wird eine Verbindung der griechischen Mythen zur Ikonographie der römischen Sarkophage des 2. Jhs. n. Chr. geprüft. Der darauffolgende Teil der Arbeit widmet sich der Einordnung der Objekte in einen Fundkontext. Der Fokus liegt hier auf den tarentinischen Grabbauten selbst, deren Forschungsgeschichte sowie deren historischer Kontext. Dabei werden die Verbreitung und eine mögliche Rekonstruktion herausgearbeitet. Zusätzlich wird ein Blick auf die unteritalischen Vasen geworfen, welche die Abbildungen verschiedener Naiskoi tragen. Es wird ebenfalls auf die Bedeutung der Naiskoi eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fragmente tarentinischer Grabbauten aus dem Akademischen Kunstmuseum der Universität Bonn
3. Untersuchung ausgewählter ikonographischer Aspekte
3.1. Ikonographisches Spektrum
3.1.1. Vergleiche zur Nereidenfigur
3.1.2. Mänadendarstellungen
3.1.3. Der Typus der Niobidenfigur
3.1.4. Vergleichbare Medeadarstellungen
3.1.5. Die Ikonographie des Pädagogen
3.2. Der Einfluss attischer Tragödien auf die unteritalische Vasenmalerei
3.2.1. Darstellungen der Medea auf unteritalischen Vasen
3.2.2. Pädagogen in der unteritalischen Vasenmalerei
3.3. Der Mythos der Medea auf römischen Sarkophagen
3.4. Zusammenfassung
4. Tarentinische Grabbauten
4.1. Topographie Tarents
4.2. Forschungsgeschichte zu Tarent und den Grabbauten
4.3. Historischer Kontext zur Nekropole von Tarent
4.4. Die Form der Naiskoi
4.4.1. Naiskoi auf Vasen
4.4.2. Bedeutung der Naiskoi
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, bisher isolierte Fragmente tarentinischer Grabbauten aus dem Akademischen Kunstmuseum der Universität Bonn in ihren historisch-kulturellen Kontext einzuordnen, ikonographische Besonderheiten zu analysieren und Bezüge zur unteritalischen Vasenmalerei sowie zu römischen Sarkophagen herzustellen.
- Ikonographische Spezifikationen und Typologie tarentinischer Grabreliefs.
- Einfluss attischer Tragödien auf die unteritalische Vasenmalerei.
- Mythologische Bildthemen als funerärer Grabschmuck und Trostexempel.
- Historischer Kontext der Nekropole von Tarent und die Funktion der Naiskoi.
- Vergleiche zwischen griechischen Grabmarkern und römischen Sarkophagen.
Auszug aus dem Buch
Kat. 5: Das Giebelfragment der Medea (Abb. 8, 9, 10)
Das Stück kam ursprünglich als Leihgabe aus dem Schweizer Kunsthandel in das Museum und wurde 1994 von Nikolaus Himmelmann zu seiner Emeritierung dem Museum als Geschenk übereignet. Es zeigt den Oberkörper einer Frau, die ein liegendes Kind trägt. Der rechte Arm ist nicht erhalten. Unter der phrygischen Mütze treten wellige nach hinten gestrichene Haare hervor. Die Laschen der Mütze kommen am Hals zum Vorschein. Die Frau trägt einen ärmellosen Chiton. Vor der Brust hält sie ein liegendes Kind, welches bis zu den Füßen in einen Mantel gehüllt ist. Der zurückfallende Kopf kennzeichnet es als tot. Ein Bruch teilt das Kind in zwei Hälften. Der rechte Arm der Figur scheint erhoben gewesen zu sein und der linke Arm hält das Kind. Von diesem linken Arm ist nur die linke Hand zu sehen ist, die unter dem Kind hervorkommt. Die untere Hälfte Medeas ist zwar nicht erhalten, doch an der Unterseite des Kindes gibt es keine Bruchstelle, die darauf hindeuten würde, dass Medea das Kind im Sitzen hielt. Hinter dem Kopf des Kindes befindet sich der Rest eines weiteren Objekts, welches wegen der Einkerbungen an der rechten Seite als Schlange gedeutet werden kann.
Die Figurengruppe ist fast freistehend und ragt über den Reliefgrund hinaus, von dem an der linken Schulter der Figur ein Stück erhalten ist. Ein dünner Steg am Hinterkopf und Hals Medeas lässt zusätzlich erkennen, dass die Darstellung hauptsächlich rundplastisch gearbeitet war. Die Tatsache, dass das Fragment zum Großteil freigearbeitet ist, lässt vermuten, dass es eine Giebelgruppe und kein Friesfragment ist. Die erhaltenen Friesfragmente weisen stets einen durchlaufenden Reliefhintergrund auf. Himmelmann datiert das Stück in die zweite Hälfte des 4. Jhs. v. Chr. Scholl gibt eine genauere Datierung von 330-320 v. Chr. an. Von den wenigen Fragmenten, die von den Naiskoi erhalten sind, ist dieses Stück das einzige, welches Medea zeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Akademischen Kunstmuseums Bonn und Darlegung der Zielsetzung, die Fragmente tarentinischer Grabbauten ikonographisch und kontextuell einzuordnen.
2. Fragmente tarentinischer Grabbauten aus dem Akademischen Kunstmuseum der Universität Bonn: Katalogartige Beschreibung und kunsthistorische Analyse der sechs ausgewählten Objekte.
3. Untersuchung ausgewählter ikonographischer Aspekte: Detaillierte Analyse mythologischer Motive, Einflüsse des Theaters und Vergleiche mit Vasenmalerei und Sarkophagen.
4. Tarentinische Grabbauten: Erörterung der Topographie, der Forschungsgeschichte, des historischen Kontexts und der architektonischen Form der Naiskoi.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse zur Ikonographie und der Bedeutung der westgriechischen Kunst.
Schlüsselwörter
Tarent, Naiskoi, Grabdekoration, Unteritalische Vasenmalerei, Medea, Niobe, Ikonographie, Grabbauten, Attische Tragödie, Römische Sarkophage, Nekropole, Kalksteinrelief, Mythologie, Antikensammlung, Bestattungssitten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht tarentinische Grabbauten anhand von sechs Fragmenten, die sich in der Antikensammlung des Akademischen Kunstmuseums der Universität Bonn befinden, und bettet diese in den Kontext der antiken Grabkunst ein.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der Katalogisierung und ikonographischen Analyse der Stücke steht der Einfluss des attischen Theaters auf die Vasenmalerei sowie die symbolische Bedeutung mythologischer Darstellungen in der Grabkunst im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, die bisher als zusammenhangslos betrachteten Fragmente zu systematisieren und durch Vergleiche mit anderen Funden ihre Rolle in der tarentinischen Grabtradition zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende kunsthistorische Analyse, um Stilistik und Motive der Objekte einzuordnen, ergänzt durch die Auswertung archäologischer Forschungsberichte und der einschlägigen Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte ikonographische Untersuchung einzelner Motive, die Prüfung von Einflüssen der griechischen Tragödie und eine umfassende Darstellung der Grabarchitektur und des historischen Kontextes in Tarent.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Tarent, Naiskoi, Medeadarstellungen, Vasenmalerei, Grabdekoration und Ikonographie beschreiben.
Warum ist das Giebelfragment der Medea als besonders bedeutend einzustufen?
Es handelt sich um ein einzigartiges Fundstück, da Medea in der tarentinischen Grabkunst bisher in keinem anderen vergleichbaren Vorkommen als Giebelfigur nachgewiesen werden konnte.
Welche Rolle spielten die sogenannten Naiskoi für die Elite in Tarent?
Sie dienten als kostspielige Prestigebauten, die nicht nur der Erinnerung an den Verstorbenen dienten, sondern auch den sozialen Status der Familie innerhalb der Gesellschaft maßgeblich repräsentierten.
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- Melanie Schäffler (Author), 2020, Fragmente tarentinischer Grabbauten aus dem Akademischen Kunstmuseum der Universität Bonn, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1330087