Der linguistische Strukturalismus


Hausarbeit, 2004

13 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Entstehung des Strukturalismus

3. Grundprinzipien

4. Die Schulen des Strukturalismus
4.1 Die Prager Schule
4.1.1 Die Fonologie Trubetzkoys
4.1.2. Die Theorie der binären Opposition
4.2. Die Schule von Kopenhagen
4.2.1. Der Funktionsbegriff
4.3.1. Bloomfield
4.3.2. Das Meaning-Problem
4.3.3 Der Distributionalismus von Harris

5. Verdienste der strukturellen Linguistik

6. Strukturalistische Methoden

7. Weiterführende Literatur

1. Einführung

Der Strukturalismus ist eine Forschungs-Methode der Geisteswissenschaft, besonders der Linguistik, der Literaturwissenschaft, der Psychologie und der Anthropologie. (Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

Der Strukturalismus ist ein grober, undifferenzierter Begriff für mannigfaltige Konzeptionen. Zum klassischen Strukturalismus gehören drei große Schulen:

1. die Prager funktionale Linguistik
2. die Kopenhagener Glossematik
3. die amerikanischen Deskriptivisten.

(Innerhalb dieser Schulen gibt es natürlich weitere Differenzierungen – vor allem in den USA.)

2. Die Entstehung des Strukturalismus

Der Strukturalismus geht auf den Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure zurück, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Vorlesungen über allgemeine Sprachwissenschaft hielt (Cours de linguistique générale), in denen er die Grundlage für eine neue Methode schuf. Seine Vorlesungen wurden erst posthum 1916 veröffentlicht, gelten aber wegen ihres neuartigen Ansatzes, naturwissenschaftliche Prinzipien auf einen vermeintlich geisteswissenschaftlichen Bereich wie den der Sprachwissenschaft anzuwenden, als wahrlich revolutionär und bis heute maßgebend für alle möglichen sprachwissenschaftlichen Teildisziplinen. Es sei angemerkt, dass der Strukturalismus - oder besser gesagt: die strukturalistische Methode - in Disziplinen wie etwa der Linguistik oder auch der Anthropologie durchaus fruchtbare Ergebnisse zeitigt, wobei die (im 20. Jh.) vollzogene Überstülpung sämtlicher geisteswissenschaftlicher Teilbereiche durch strukturalistische Ansätze eher von Übel war (und oft auch noch ist). Als ambitioniertes Beispiel für die Zweckmäßigkeit der strukturalistischen Methode sei hier die Erarbeitung des Lautschriftsystems der IPA/API (International Phonetic Association/Association phonétique internationale) genannt; davon ausgehend, dass sämtliche menschlichen Sprachäußerungen sich einem System unterordnen lassen, in dem eine feststellbare Anzahl von Konsonanten (gegliedert nach Artikulationsart und -ort) und Vokalen (gegliedert nach Stellung der Sprechwerkzeuge und dem sich gleichzeitig ergebenden Atemausstoß) - wobei in manchen Fällen die Grenze zwischen Konsonant und Vokal fließend ist und der Terminus des "Halbvokals" eingeführt werden muss - besteht, wurden sämtliche denkbaren Sprachlaute in verschiedene Schemata eingefügt (mit den dazugehörigen, unabdingbaren diakritischen Zeichen - denn kein Mensch spricht einen Laut zweimal auf dieselbe Weise aus), deren Grundlage aber stets die Kleinbuchstaben gängiger lateinischer Schriftsätze sind und die nur nach Ausnutzung dieses Buchstabenmaterials dann auch auf bspw. griechische Lettern, Ligaturen oder auf dem Kopf stehende lateinische Buchstaben etc. zurückgreifen. So lässt sich die Struktur der Sprache deutlich machen, so wird ersichtlich, dass die Sprache beschreibbar ist, dass sie strukturierbar ist; dass sie letztlich aus der Natur erwachsen ist und insofern auch (das ist jetzt sehr gewagt) eher naturwissenschaftlich betrachtet werden kann als die Mathematik (die ja eigentlich ein reines Gedankengebilde ist).

3. Grundprinzipien

Der Strukturalismus beruht auf der Grundannahme, dass Phänomene nicht isoliert auftreten, sondern in Verbindung mit anderen Phänomenen stehen. Diese Verbindungen gilt es aufzudecken; genauer gesagt bilden die Phänomene einen strukturierten (strukturierbaren) Zusammenhang. Dabei wird die Struktur jedoch durch den Beobachter in einem Modell konstruiert. Die Struktur existiert also nicht auf der Ebene der Wirklichkeit, sondern nur auf der Ebene des Modells.

Ein Strukturalist geht in der Regel wie folgt vor:

1. Der Bereich des Beobachtbaren wird eingeteilt in strukturell beschreibbare und strukturell nicht beschreibbare Phänomene; nur erstere sind Gegenstand strukturalistischer Analysen.
2. Die beschreibbaren Phänomene werden segmentiert.
3. Zwischen den Segmenten wird ein Zusammenhang (re-) konstruiert. Dabei ist unter Umständen eine den Segmenten zugrunde liegende weitere (abstraktere) Beschreibungsebene anzusetzen, auf der wieder eine Segmentierung ihrer Entitäten möglich ist.

4. Die Schulen des Strukturalismus

„Gemeinsam ist den verschiedenen Richtungen der strukturellen Linguistik die Auffassung der Sprache als Beziehungssystem und als immanente Struktur, eine Auffassung, wie sie bei de Saussure vorgebildet war durch seine Thesen, dass die Sprache ein Netz von synchronischen Beziehungen, dass sie keine Substanz, sondern eine Form sei.“[1]

Alle Richtungen erforschen auch die Strukturen zunächst in Fonologie und Grammatik. Die Fonologie und Grammatik bilden die Hauptgegenstände der neuen strukturellen Linguistik, die sich mit der von de Saussure betonte Beziehung zwischen dem Bezeichnenden und dem Bezeichneten befasst. Diese Ausrichtung auf Strukturen in Fonologie und Grammatik lehnt die jung grammatische Methodik, den Atomismus, die Physiologisierung und die Psychologisierung ab.

Trotz aller Verschiedenheiten schließen sich die einzelnen Schulen der strukturellen Linguistik nicht nur aus, sondern ergänzen auch einander.

4.1 Die Prager Schule

Der „Cercle Linguistique de Prague" wurde im Oktober 1926 auf Anregung von Mathesius gegründet, zu seinen aktiven Mitglieder zählten Havránek, Trnka, Skalička u.a. Als Ausländer gesellten sich die Russen N. S . Trubetzkoy und R. Jakobson.

Auf dem I. Internationalen Linguistenkongress in Den Haag trat die Gruppe 1928 zum ersten Mal in die Öffentlichkeit; seit 1929 erschien ihr Publikationsorgan unter dem Namen „ Tavaux de Cercle Linguistique de Prag “. Später wurde auch eine Zeitschrift „ Slovo a slovesnost “ (d.h. Wort und Literatur) ausgegeben. Das Programm des Prager Zirkels fand seinen ersten Ausdruck in den „ Thèses “, die Trnka u.a. 1929 veröffentlicht hat.

Die Prager Schule geht von der Beobachtung des konkreten Sprachmaterials aus, trennt die Synchronie nicht streng von der Diachronie und sieht die Sprache immer als Korrelat der außersprachlichen Wirklichkeit an. In diesem Sinne ist diese Schule nicht nur strukturalistisch, sondern auch funktionalistisch orientiert.

Sie ist eng an die Tradition sowie die Betonung der Funktion und der Funktionalität gebunden; eben deshalb sprechen ihre Vertreter von einer „funktionalstrukturellen" Linguistik. Nach dem Funktionsbegriff der Prager Schule muss die Bedeutung jedoch in linguistischen Unterscheidungen festgehalten werden und linguistische Unterscheidungen ihrerseits bedeuten semantische Werte. Unter Funktion versteht sie die Aufgaben, die die sprachlichen Mittel erfüllen.

[...]


[1] Gerard Helbig: Geschichte der neueren Sprachwissenschaft. In Leipzig, 1973. S. 46.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der linguistische Strukturalismus
Hochschule
Pannon Egyetem, Veszprém
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V133016
ISBN (eBook)
9783640392964
ISBN (Buch)
9783640393268
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Strukturalismus
Arbeit zitieren
Noémi Wágenhoffer (Autor), 2004, Der linguistische Strukturalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133016

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