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"Gastarbeiter" in BRD und DDR

Wohn- und Arbeitsbedingungen im Vergleich

Title: "Gastarbeiter" in BRD und DDR

Term Paper , 2005 , 16 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sebastian Heinrich (Author)

Sociology - Habitation and Urban Sociology
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Die Umstände, unter denen Arbeitsmigranten in der Deutschen Demokratischen Republik und in der Bundesrepublik Deutschland lebten und arbeiteten, werden von der Öffentlichkeit oft als sehr verschieden wahrgenommen. Auf der einen Seite steht ein totalitäres System, dass den Migranten nur einen kurzen aber arbeitsintensiven Aufenthalt unter dem ideologischen Deckmantel des „sozialistischen Aufbaus“ gewährte und sie nach getaner Arbeit bedingungslos in ihre Heimat zurückschickte. Auf der anderen Seite die freie BRD, Traumland für viele Arbeitsmigranten. Hier wurden Arbeitskräfte gebraucht, es wurde „ordentlich“ bezahlt, es existierten schon Netzwerke von ausländischen Arbeitern und von der Anreise über den Wohnheimplatz bis zur eigentlichen Arbeitsstelle war alles geregelt. Wer dann ersteinmal den Fuß in der Tür hatte, konnte sich vom Ersparten eine eigene Existenz aufbauen und die Familie nachholen. Wie ich in der vorliegenden Arbeit zeigen möchte, waren aber trotz der eminenten Systemdifferenzen zwischen DDR und BRD weder die Gründe für die Anwerbung von Arbeitsmigranten, noch die Bedingungen unter denen sie im „Gastland“ lebten völlig unterschiedlich. Genauer eingehen möchte ich dabei – nach einem historischen Abriss der Migrationsgeschichte in den beiden Staaten – auf Arbeitsbedingungen und Wohnsituation der Migranten. Es soll vergleichend dargestellt werden, wie sich die Lebens- und Arbeitsumstände gestalteten und welche Rolle das jeweilige politische und wirtschaftliche System dabei spielte. Ich beziehe mich bei der Gegenüberstellung vornehmlich auf den Zeitraum der aktiven Anwerbung von Arbeitsmigranten, der in der BRD von 1955 bis 1973 und in der DDR von 1957 bis 1989 anzusetzen ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen und Ziele der Arbeitskräftewanderung

2.1. Deckung von Spitzenbedarf – „Gastarbeiter“ in der BRD

2.2. Hilfe beim Aufbau des Sozialismus – Arbeitsmigranten in der DDR

2.3. Fazit

3. Arbeitsbedingungen

3.1. Hohes Risiko und wenig Chancen – Migranten in Westdeutschland

3.2. Schichtarbeit als Freundschaftsdienst für die DDR

3.3. Fazit

4. Unterbringung

4.1. BRD – Kasernierung und Profit

4.2. DDR – Segregation in Werkswohnungen

4.3. Fazit

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert vergleichend die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitsmigranten in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Ziel ist es aufzuzeigen, dass trotz der unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systeme in beiden Staaten sehr ähnliche Mechanismen der Steuerung, Segregation und Ausbeutung angewendet wurden.

  • Historischer Abriss der Migrationsgeschichte in BRD und DDR
  • Ursachen und Ziele der Arbeitskräftewanderung (Push- und Pull-Faktoren)
  • Vergleich der Arbeitsbedingungen und der Segmentierung des Arbeitsmarktes
  • Analyse der Wohnsituation und der Bedeutung der kollektiven Unterbringung
  • Untersuchung der Rolle politischer und wirtschaftlicher Systeme bei der Integration

Auszug aus dem Buch

4.1. BRD – Kasernierung und Profit

Seit Beginn der Anwerbung stellte sich in der BRD die Unterbringung der Migranten wegen der herrschenden Wohnungsnot als Problem dar. Auch aus politischen Gründen – eine bessere Wohnungsversorgung hätte Familiennachzug gefördert und die Flexibilität der „Arbeitsreserve Gastarbeiter“ in Frage gestellt – wurde ein staatlich subventionierter Wohnungsbau für Migranten immer wieder hinausgeschoben. So erfolgte die Unterbringung für ca. 70% der „Gastarbeiter“ vorerst in Barackenlagern auf dem Gelände ihres jeweiligen Betriebes, der vertraglich zur Unterbringung im ersten Jahr verpflichtet war. Diese Lager waren meist umzäunt und für Besucher kaum zugänglich, selbst die Bewohner konnten ihr Zuhause nur zu bestimmten Zeiten betreten und verlassen. Der Zustand und die Anzahl sanitärer Anlagen waren üblicherweise mangelhaft, Privatsphäre auf den Zimmern durch Überbelegung und unangekündigte Inspektionen durch die Werksleitung nicht vorhanden. Die Richtlinien für die Quartiere waren im Gesetz über die Unterkunft bei Bauten (1934) geregelt, dass sich auf die „notwendigsten Voraussetzungen bei Baubuden, Notunterkünften und Baracken“ bezog.

Die „Kasernierung“ verstärkte die Abhängigkeit vom und die Kontrolle durch den Arbeitgeber. Dieser nutzte seine Macht auch, um politische oder gewerkschaftliche Aktivitäten der „Gastarbeiter“ zu verhindern. Günter Wallraff berichtet von der Furcht vor „der bedenklichen ideologischen Beeinflussung im Sinne des kommunistischen Klassenkampfes“, die dazu führte, das Arbeiter systematisch vom Betrieb bespitzelt wurden. Schon das Anbringen eines nicht genehmigten Plakates auf dem Zimmer konnte zur Ausweisung aus dem Wohnheim und Verlust des Arbeitsplatzes sowie Ausweisung führen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Unterschiede in der öffentlichen Wahrnehmung der Arbeitsmigration zwischen BRD und DDR gegenüber und definiert den Untersuchungszeitraum sowie die Zielsetzung der vergleichenden Analyse.

2. Ursachen und Ziele der Arbeitskräftewanderung: Das Kapitel erörtert die ökonomischen Beweggründe für die Anwerbung von Arbeitskräften in beiden Systemen, wobei sowohl die spezifischen Anwerbeabkommen als auch allgemeine Pull-Faktoren beleuchtet werden.

3. Arbeitsbedingungen: Hier werden die Arbeitsverhältnisse im West- und Ostdeutschland untersucht, wobei der Fokus auf der sektoralen Konzentration und der theoretischen Einordnung mittels des "Split Labor Market" liegt.

4. Unterbringung: Dieses Kapitel vergleicht die Wohnverhältnisse der Migranten, von der Kasernierung in der BRD bis zur kollektiven Unterbringung in Werkswohnungen in der DDR, als Mittel der Kontrolle.

5. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass ungeachtet systemischer Unterschiede beide Staaten ausländische Arbeiter primär als instrumentelle "Reservearmee" zur Sicherung der eigenen wirtschaftlichen Ziele nutzten.

Schlüsselwörter

Arbeitsmigration, Gastarbeiter, BRD, DDR, Arbeitsbedingungen, Wohnsituation, Arbeitskräftewanderung, Cultural Division of Labor, Rotationsprinzip, Diskriminierung, Segregation, Wirtschaftswunder, Sozialistischer Aufbau, Fremdarbeiter, Arbeitsmarkt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht und vergleicht die Lebens- und Arbeitsbedingungen ausländischer Arbeitskräfte in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR während der Zeit der aktiven Anwerbung.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Zentral sind die Motive der Anwerbung (Push- und Pull-Faktoren), die tatsächlichen Arbeitsbedingungen sowie die verschiedenen Formen der Unterbringung der Migranten in beiden deutschen Staaten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Mythos der grundlegend verschiedenen Behandlung von Migranten in den beiden Systemen zu hinterfragen und aufzuzeigen, wie beide Staaten die Arbeitsmigranten als wirtschaftlich nutzbare, aber diskriminierte Ressource einsetzten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, um historische Hintergründe und soziologische Aspekte (wie die Theorie des Split Labor Market) auf die Migrationspolitik beider Staaten anzuwenden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Arbeitsbedingungen, der verschiedenen Unterbringungsmodelle wie Barackenlager oder Werkswohnungen und die daraus resultierende soziale Kontrolle.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?

Wichtige Begriffe sind unter anderem die "Cultural Division of Labor", das "Rotationsprinzip", die "Kasernierung" und die "Segregation".

Wie unterscheidet sich die Anwerbung in der BRD von der in der DDR?

Während in der BRD ein stetiger Bedarf des "Wirtschaftswunders" sowie Anwerbeverträge mit westlichen Partnerländern dominierten, war die DDR-Anwerbung primär durch bilaterale Abkommen mit sozialistischen Bruderstaaten und ein strengeres Rotationsprinzip geprägt.

Welche Rolle spielten die Unterkünfte für die Kontrolle der Arbeiter?

Die Unterbringung in isolierten Barackenlagern oder Werkswohnungen ermöglichte es den Betrieben und den Regierungen, die Bewegungsfreiheit der Migranten einzuschränken, Kontakte zur einheimischen Bevölkerung zu unterbinden und die Arbeiter politisch zu kontrollieren.

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Details

Title
"Gastarbeiter" in BRD und DDR
Subtitle
Wohn- und Arbeitsbedingungen im Vergleich
College
Free University of Berlin
Grade
2,0
Author
Sebastian Heinrich (Author)
Publication Year
2005
Pages
16
Catalog Number
V133022
ISBN (eBook)
9783640393534
ISBN (Book)
9783640393725
Language
German
Tags
Gastarbeiter Wohn- Arbeitsbedingungen Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Heinrich (Author), 2005, "Gastarbeiter" in BRD und DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133022
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