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Reisen in autoritären Systemen

Authentizität und Interaktion im kubanischen Tourismus

Title: Reisen in autoritären Systemen

Diploma Thesis , 2009 , 80 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Heinrich (Author)

Sociology - Culture, Technology, Nations
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Summary Excerpt Details

Sollte die – meist aus ökonomischen Gründen notwendige – Öffnung
unfreier Systeme für den internationalen Tourismus völlig ohne positive Effekte auf die Menschenrechtssituation vor Ort bleiben und den Touristen in den ihnen zugeteilten „Reservaten“, dem Club-Hotel, der Golfanlage oder dem Freilichtmuseum eine heile Welt vorgaukeln?

Ziel der Arbeit ist es, der Antwort auf diese Frage ein Stück näher zu kommen. Dafür soll untersucht werden, welche Effekte Reisen in autoritär regierte Länder aus mikrosoziologischer Perspektive sowohl auf Reisende als auch auf „Bereiste“ haben können. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Authentizitätsbegriff zu.

Dem amerikanischen Soziologen Erving Goffman zufolge suchen
viele Menschen auch an touristischen Schauplätzen nach dem
„Echten“, dem Authentischen hinter dem vordergründig Sichtbaren.

Dies könnte in einem Land mit einer Regierung, die darauf bedacht ist, die eigene Bevölkerung von „antisozialen“ Einflüssen der Außenwelt abzuschirmen, indem touristische Sphäre und Alltagswelt möglichst getrennt gehalten werden, helfen, in Interaktion mit Einheimischen zu treten und ein begrenztes Maß von kulturellem und politischem Austausch zu ermöglichen, das es ohne jeglichen Tourismus nicht gäbe.

Politische Rechte wie Informations- und Meinungsfreiheit könnten auf diese Weise gefördert, Bilder vom „Anderen“ korrigiert, Stereotypen und Klischees aufgeweicht werden. Dies gilt für Gäste und Gastgeber gleichermaßen.

In einem ersten – theoretischen – Schritt erfolgt die
Identifikation und Ausarbeitung der wichtigsten Reisetypen nach dem israelischen Soziologen Erik Cohen. Besonderes Augenmerk
liegt dabei auf der Reisemotivation und dem damit einhergehenden
Authentizitätsbedürfnis.

Der zweite Schritt besteht in der empirischen Untersuchung vor Ort. Durch leitfragengestützte Interviews mit Reisenden wird analysiert, welcher der Reisetypen auf welche Weise mit örtlicher
Bevölkerung interagiert und ob diese Interaktion für beide Seiten
„einen Unterschied machen“ kann.

Als Ort der Untersuchung bietet sich Kuba an, laut Amnesty International das „zweitgrößte Gefängnis für Journalisten weltweit (nach China)“. Gleichzeitig ist die Insel eine der bedeutendsten touristischen Ziele in der Karibik.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Authentizität

2.1. Soziale Interaktion bei Goffman

2.1.1. Selbstdarstellung

2.1.2. Vorderbühne vs. Hinterbühne

2.2. Entwicklung des Authentizitätsbegriffes in der Tourismusforschung

2.2.1. Der Tourist als Vergnügungssuchender

2.2.2. Der Tourist als moderner Pilger

2.2.3. „Der“ Tourist als unzulässige Generalisierung

3. Bedeutung von Authentizität bei verschiedenen Touristentypen

3.1. Modi touristischer Erfahrung

3.1.1. Recreational

3.1.2. Diversionary

3.1.3. Experiential

3.1.4. Experimental

3.1.5. Existential

3.2. Einschränkungen

4. Kuba als autoritäres System

4.1. Bürgerrechte

4.1.1. Freie Meinungsäußerung

4.1.2. Mitgliedschafts- und Organisationsfreiheit

4.2. Politische Rechte

4.2.1. Wahlen

4.2.2. Parteien

5. Kuba als touristische Destination

5.1. Geschichte des Tourismus auf Kuba

5.2. Tourismus auf Kuba heute

6. Empirische Forschung auf Kuba

6.1. Zusammensetzung der Touristen

6.2. Kuba als Bühne

6.3. Die authentische Insel

7. Zusammenfassung und Hypothese

8. Forschungsdesign: Vergleichsstudie

8.1. Problemzentriertes Interview

8.1.1. Eignung der Methode

8.1.2. Instrumente

8.2. Fallauswahl

8.3. Zugang zum Feld

8.4. Vergleichsdimensionen

8.5. Auswertung

8.5.1. Unvollständige Methodik bei Witzel

8.5.2 Technik des Experteninterviews als Alternative

9. Ergebnisse

9.1. Vergleichsgruppenbildung

9.1.2. Recreational Mode

9.1.3. Experiential-Experimental Mode

9.1.4. Existential Mode

9.2. Soziologische Konzeptualisierung

9.2.1. Reisevorbereitung

9.2.2. Reisemotivation

9.2.3. Reiseart

9.2.4. Kubabild

9.2.5. Politisches Interesse

9.2.6. Authentizitätsbedürfnis

9.2.7. Interaktion

10. Resümee

11. Metaebene

11.1. Forschung auf Kuba

11.2. Interviews mit Touristen

11.3. Gespräche mit Einheimischen

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung mikrosoziologischer Effekte von Reisen in autoritär regierte Länder, insbesondere auf Kuba, mit einem Fokus auf der Interaktion zwischen Touristen und der lokalen Bevölkerung. Die Forschungsfrage untersucht, inwiefern das Authentizitätsbedürfnis der verschiedenen Touristentypen die Intensität und Qualität ihrer Interaktionen beeinflusst und ob diese Interaktionen bestehende Freiheitsbeschränkungen kompensieren können.

  • Analyse des Authentizitätsbegriffs in der Tourismusforschung
  • Anwendung der Touristentypologie nach Erik Cohen auf Kuba
  • Untersuchung der politischen Rahmenbedingungen in Kuba (autoritäres System)
  • Vergleichende empirische Analyse des Interaktionsverhaltens verschiedener Reisetypen

Auszug aus dem Buch

2.1.2. Vorderbühne vs. Hinterbühne

Fruchtbarster Teil der Theateranalogie für die Darstellung des Authentizitätsbegriffes ist Goffmans Unterteilung der Bühne in eine Vorderbühne/Vorderregion und eine Hinterbühne/Hinterregion. Auf der Vorderbühne findet die oben beschriebene Inszenierung der Rolle statt, sie ist der Ort, an dem die Zuschreibung eines Selbst durch das Publikum geschehen soll. Die Hinterbühne dagegen ist das Rückzugsgebiet der Darsteller, hier wird die Darstellung der Rolle vorbereitet und werden diejenigen Motive ausgelebt, die dem idealisierten Rollenbild, welches das Publikum vom Ensemble hat, entgegenstehen: „Die Hinterbühne kann definiert werden als der zu einer Vorstellung gehörige Ort, an dem der durch die Darstellung hervorgerufene Eindruck bewußt und selbstverständlich widerlegt wird“.

Um den Schein der Inszenierung nicht zu erschüttern, muss das Ensemble die Grenze zwischen Vorderbühne und Hinterbühne überwachen und dem Publikum den Zutritt zu den nicht öffentlichen Bereichen verwehren.

Goffman illustriert die verschiedenen Bereiche der Theaterbühne mit Beispielen aus dem Alltagsleben, so z. B. mit der Trennung von Wohnungen in einen öffentlich-repräsentativen Teil, dem Salon, und einen privaten Bereich, der Küche und Badezimmer einschließt und den Bewohnern selbst vorbehalten ist. Nur an einer Stelle wird eine Veranschaulichung aus dem touristischen Bereich gebraucht. In der bereits erwähnten empirischen Studie auf den Shetland-Inseln berichtet Goffman von der Trennung zwischen Speisesaal und Küche in einem Hotel, welche die Besitzer durch eine stets geschlossene Tür durchzusetzen versuchten, obwohl das Servieren dadurch erschwert wurde. Diese Scheidelinie war nötig, um den Gästen den Blick hinter die Kulissen zu verwehren, welcher die Wiederverwendung alter Speisen und schmutziges Geschirr offenbart hätte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Tourismus in Diktaturen ein und formuliert das Ziel der Arbeit, die mikrosoziologischen Auswirkungen von Interaktionen zwischen Reisenden und Bereisten zu untersuchen.

2. Authentizität: Dieses Kapitel erläutert das Konzept der Authentizität durch Goffmans Modell der Selbstdarstellung und skizziert die Entwicklung des Authentizitätsbegriffs in der Tourismusforschung.

3. Bedeutung von Authentizität bei verschiedenen Touristentypen: Hier wird Cohens Typologie touristischer Erfahrungen vorgestellt und als theoretische Grundlage für die Analyse der Reisemotivation und Authentizitätsbedürfnisse etabliert.

4. Kuba als autoritäres System: Dieses Kapitel beschreibt die politische Situation auf Kuba, einschließlich der Einschränkungen von Bürgerrechten und politischer Rechte, um das Untersuchungsumfeld zu kontextualisieren.

5. Kuba als touristische Destination: Ein geschichtlicher Überblick des Tourismus auf Kuba und eine Darstellung der aktuellen Trends, welche die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors unterstreicht.

6. Empirische Forschung auf Kuba: Dieses Kapitel reflektiert die Rahmenbedingungen der empirischen Forschung, einschließlich der heterogenen Reisegruppen und der metaphorischen "Bühne Kuba".

7. Zusammenfassung und Hypothese: Aufbauend auf den vorangegangenen Kapiteln wird hier die Hypothese formuliert, dass ein höheres Authentizitätsbedürfnis mit einer höheren Interaktionsintensität korreliert.

8. Forschungsdesign: Vergleichsstudie: Hier wird das methodische Vorgehen erläutert, das auf problemzentrierten Interviews und einer Vergleichsstudie zwischen den Touristentypen basiert.

9. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Erkenntnisse aus den durchgeführten Interviews und analysiert die verschiedenen Dimensionen der Reise, von der Vorbereitung bis hin zur Interaktion mit Einheimischen.

10. Resümee: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung im Hinblick auf die aufgestellte Hypothese und diskutiert die soziologische Relevanz des Austauschs.

11. Metaebene: Dieses Kapitel reflektiert die Umstände der Feldforschung auf Kuba, inklusive praktischer Schwierigkeiten und Erlebnisse während der Datenerhebung.

Schlüsselwörter

Tourismus, Autoritäre Systeme, Authentizität, Kuba, Soziale Interaktion, Erving Goffman, Erik Cohen, Reisemotivation, Hinterbühne, Interaktionsintensität, Feldforschung, qualitative Sozialforschung, politische Rechte, Menschenrechte, Kulturkontakt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht die mikrosoziologischen Auswirkungen von Reisen in autoritär regierte Länder, wobei Kuba als konkretes Fallbeispiel dient, um die Interaktionen zwischen Touristen und der lokalen Bevölkerung zu analysieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Begriff der Authentizität in der Tourismusforschung, die Soziologie der sozialen Interaktion (nach Goffman), die Touristentypologie (nach Cohen) sowie die politische und gesellschaftliche Situation auf Kuba.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, herauszufinden, ob ein höheres Authentizitätsbedürfnis bei Touristen zu einer intensiveren Interaktion mit der lokalen Bevölkerung führt und ob diese Interaktionen helfen können, Informations- und Meinungsfreiheitsbeschränkungen in autoritären Systemen zu kompensieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine qualitative Vergleichsstudie, basierend auf leitfadengestützten, problemzentrierten Interviews mit 13 Touristen sowie informellen Gesprächen mit Einheimischen vor Ort auf Kuba.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Authentizität und Typologie), die Analyse des politischen Systems Kubas, die Darstellung des Forschungsdesigns sowie die Präsentation und soziologische Auswertung der empirischen Ergebnisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Tourismus, Autoritäre Systeme, Authentizität, Kuba, Soziale Interaktion und Interaktionsintensität.

Warum ist das System der "Casas Particulares" für diese Arbeit von Bedeutung?

Das System fungiert als "Hinterbühne", da es den Touristen einen direkteren Kontakt zur kubanischen Realität und einen weniger kontrollierten Austausch mit Einheimischen ermöglicht als staatliche Hotels.

Hat sich die Ausgangshypothese bestätigt?

Ja, die Hypothese, dass eine höhere Stufe des touristischen Erfahrungsmodus und damit ein höheres Authentizitätsbedürfnis mit einer höheren Intensität der Interaktion mit Einheimischen einhergeht, wurde durch die erhobenen Daten bestätigt.

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Details

Title
Reisen in autoritären Systemen
Subtitle
Authentizität und Interaktion im kubanischen Tourismus
College
Free University of Berlin  (Institut für Soziologie)
Grade
1,3
Author
Sebastian Heinrich (Author)
Publication Year
2009
Pages
80
Catalog Number
V133025
ISBN (eBook)
9783640394012
ISBN (Book)
9783640394555
Language
German
Tags
Autoritarismus Kuba Tourismus Authentizität Interaktion Reisemotivation Touristentypen Vergleichsstudie Empirie Experteninterviews Bürgerrechte Politische Rechte Vorderbühne Hinterbühne Pilger Selbstdarstellung Leitfaden Interview Reisevorbereitung Reiseart Regime Zensur Feld Tourismussoziologie Menschenrechte Reisen Diktatur Typologie Erik Cohen Erving Goffman authentisch autoritär Stereotype Vorurteile Sozialismus Fidel Castro Raul Castro
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Heinrich (Author), 2009, Reisen in autoritären Systemen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133025
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