Hinführung zum Hockey nach der spielgemäßen Methode im Sportunterricht einer 4. Klasse


Examensarbeit, 2009

62 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Das Sportspiel Hockey
2.2 Sportspielvermittlungskonzepte
2.3 Sportmotorische und kognitive Anforderungen beim Hockeyspielen

3 Planung der Unterrichtseinheit
3.1 Situation der Klasse
3.2 Inhaltliche Lernvoraussetzungen
3.3 Didaktische Begründungen
3.4 Methodische Begründungen

4 Dokumentation der Unterrichtseinheit
4.1 Aufbau der Unterrichtseinheit
4.2 Erste Stunde
4.3 Zweite Stunde
4.4 Dritte Stunde
4.5 Vierte Stunde
4.6 Fünfte Stunde
4.7 Sechste Stunde
4.8 Siebte und achte Stunde

5 Gesamtreflexion

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang
7.1 Hallenpläne
7.2 Spielbeschreibungen
7.3 Plakate
7.4 Material

8. Rückmeldebogen

1 Einleitung

Das Sportspiel Hockey erfreut sich spätestens nachdem die Damenmannschaft 2004 in Athen und die Herren 2008 in Peking Olympiasieger geworden sind zunehmender Beliebtheit.

Es besitzt eine Fülle positiver Eigenschaften, die die zunehmende Popularisierung in Vereinen und Schulen ausmacht. Zum einen ist es die Dynamik, Technik und der koordinative Anspruch. Zum andern fasziniert an dem Sportspiel Hockey, dass Mädchen und Jungen gleichermaßen schnellen Zugang dazu finden und ihn als reizvoll empfinden. Deshalb ist es für den Schulsport eine Sportart, die insbesondere für gemischte Klassen geeignet ist.

Der Teamgeist ist ein wesentliches Merkmal jeden Mannschaftsspieles. Beim Hockey ist diese Eigenschaft besonders markant. Dies wirkt sich wiederum positiv auf das Klassenklima und somit auf die Gesamtentwicklung der Schülerinnen und Schüler aus.

Wer in der Schule das Hockeyspiel vermitteln und die Schülerinnen und Schüler für diesen Sport begeistern will, steht aber zunächst vor einem Problem. Zum einen entsprechen der motorische Entwicklungsstand und das taktische Denken der Kinder nicht den komplexen Anforderungen dieses Spiels. Zum andern besteht in einer Klasse häufig ein großes Leistungsgefälle hinsichtlich der Spielfähigkeit. Anfänger können bei diesem komplexen Spiel schnell die Motivation verlieren, da sie kaum Ballkontakt haben und mit den geforderten Techniken oft überfordert sind. Schülerinnen und Schüler mit Vorerfahrung können ebenfalls demotiviert werden, da sie aufgrund ihrer bereits vorhandenen Kenntnisse dazu tendieren, das Spiel zu bestimmen und dadurch kein ausgewogener Spielfluss zustande kommt.

Für die Vermittlung des Hockeyspiels im Schulsport in einer 4 –ten Klasse stellt sich daher die folgende Frage:

Wie lässt sich das technisch und taktisch anspruchsvolle Hockeyspiel in einer 4-ten Klasse so vermitteln, dass alle Schülerinnen und Schüler den Reiz dieses Spiels erfahren können?

Gleichzeitig sollen die Schülerinnen und Schüler die allgemeine und spezielle Spielfähigkeit erwerben, um sie zunehmend in ihrer außerschulischen Lebenswelt umsetzten zu können. Dies setzt auf der einen Seite voraus, dass die Kinder die Spielidee vom „Hockey“ erfassen. Auf der anderen Seite müssen sie die spielbezogenen Grundtechniken sowie Taktikelemente erlernen und im Spiel anwenden können.

Im Folgenden wird die Fragestellung nach der adäquaten Methode zur Vermittlung des Sportspiels Hockey für Anfänger betrachtet.

Auf der Basis einer vertiefenden Auseinandersetzung mit den technischen und taktischen Anforderungen dieses Spiels (Kapitel 2) werden verschiedene Konzepte der Sportspielvermittlung geprüft. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf dem „spielgemäßen Konzept“. Die sportmotorischen und kognitiven Anforderungen beim Hockeyspiel ergänzen die theoretischen Grundlagen.

Anschließend werden Überlegungen zur Planung der Unterrichtseinheit (Kapitel 3) beschrieben. Beginnend mit der Klassensituation und den individuellen Lernvoraussetzungen, gehe ich in die didaktisch- methodischen Begründungen über. An dieser Stelle wird insbesondere die Entscheidung für das der Unterrichtseinheit zugrunde liegende Konzept erläutert. Wichtige Aspekte zum Artikulationsschema der Stunden sowie zur Differenzierung und Vermittlung der Technik und Taktik werden beschrieben.

Im vierten Kapitel folgt die Dokumentation der Unterrichtseinheit mit drei ausführlichen und vier kurzen Stundenentwürfen. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen werden in einer Gesamtreflexion zusammengetragen.

Die Arbeit und die daraus resultierende Erkenntnisse werden durch aussagekräftige Fotografien belegt und unterstützt (Anhang).

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Das Sportspiel Hockey

Um die Wahl des Kleinfeldspiels als Unterrichtsgegenstand zu begründen, wird im Folgenden zunächst das Sportspiel Hockey mit den grundlegendsten Techniken und Taktiken vorgestellt. Danach erfolgt die Beschreibung der wichtigsten Regeln für den Schulsport.

2.1.1 Definition

Hockey ist ein mit Hockeyschlägern auszuführendes Torschussspiel. Es spielen zwei Mannschaften gegeneinander mit dem Ziel, durch technisch und taktisch geschicktes Verhalten den Ball in das gegnerische Tor zu schieben und gleichzeitig gegnerische Torerfolge zu verhindern.

2.1.2 Technik

Die spielbestimmten technischen Fertigkeiten sind: Ballführung, Ballabgabe, Ballannahme, Umspielen, Herausspielen und Bully[1].

Im Folgenden beschreibe ich zunächst die Grundstellung und Griffhaltung, danach die technischen Fertigkeiten im Einzelnen[2]:

Grundstellung und Griffhaltung

Für die korrekte Grundstellung sind die Beine hüftbreit und leicht angewinkelt. Die linke Hand greift dabei am oberen Stockende (Griffhand) zu, wobei der Handrücken nach vorne zeigt. Die rechte Hand, auch als Führhand bezeichnet, befindet sich ca. drei Handbreiten darunter.[3]

Ballführung

Das Vorhand – Rückhand – Dribbling

Der Spieler bewegt sich parallel zu Spielrichtung, der Ball befindet sich mittig vor dem Körper. Mit der linken Hand wird der Schläger von Vorhand auf Rückhand gedreht, die rechte Hand hält den Schläger locker am Schaft fest. Der Ball wird schräg nach vorne gespielt. Es wird abwechselnd mit Vor- und Rückhand gespielt, so dass der Ball eine „Zickzacklinie beschreibt.

Allerdings besteht ein Unterschied zur Ausführung der Ballführung, wenn ein Schulhockeyschläger benutzt wird. Da dieser keine Abrundung auf einer Seite enthält, ist es nicht notwendig den Schläger von Vorhand auf Rückhand zu drehen. Der Ball wird daher abwechselnd mit beiden Schlägerseiten geschlagen.

Ballabgabe

Eine Ballabgabe kann durch einen „seitlichen Vorhandschiebepass“ erfolgen.

Dabei steht der Spieler quer zur Spielrichtung und die linke Schulter zeigt in Passrichtung. Die Füße stehen etwa schulterbreit parallel zueinander, die Knie sind leicht gebeugt. Der zu spielende Ball liegt in der Mitte vor dem Körper. Durch ein schnelles und explosives Vordrücken mit der rechten Hand wird der Ball in die gewünschte Richtung geschoben. Die linke Hand übt während dessen einen leichten Druck auf das Schlägerende aus. Während des Passens erfolgt eine Gewichtsverlagerung vom rechten auf den linken Fuß, dabei ist die rechte Schulter tiefer als die linke. In Höhe des linken Fußes wird der Ball vom Schläger abgegeben. Es ist darauf zu achten, dass der Schläger geradlinig nachgeführt wird.

Ballannahme

Vorhand Ballannahme (seitlich)

Bei der seitlichen Ballannahme ist der Oberkörper nach vorne geneigt, die Knie sind dabei leicht gebeugt. Die linke Schulter zeigt in die Richtung des ankommenden Balles. Bei der Annahme erfolgt eine Gewichtsverlagerung vom linken auf das rechte Bein Der Ball wird dabei mit der Keule bis zum rechten Fuß begleitet und erst dann aktiv mit der rechten Hand „gestoppt“. Diese Ballannahme eignet sich besonders dann, wenn im Anschluss ein Schiebepass gespielt werden soll.

Bully

Zu Beginn des Spiels stehen sich zwei Spieler frontal gegenüber. Dabei zeigen ihre linken Schultern und die flachen Schlägerseiten zur gegnerischen Spielseite. In der Mitte der beiden Keulen befindet sich der Ball. Zunächst muss mit dem eigenen Schläger der Boden rechts neben dem zu spielenden Ball berührt werden, danach den Schläger vom Gegenspieler über dem Ball und erst dann den Ball selbst. Es ist darauf zu achten, dass alle anderen Spieler drei Meter Abstand halten.

2.1.3 Taktik

Hockey gehört zu den Sportarten, in denen das taktische Verhalten von außerordentlich großer Bedeutung ist. Es wird zwischen dem Verhalten in der Offensive und dem Verhalten in der Defensive unterschieden und in drei Taktikbereiche unterteilt: Individualtaktik, Gruppentaktik und Teamtaktik[4]. Weiterhin muss sich eine Mannschaft zwischen einer „Mann – Mann Verteidigung“ oder einer „Raum – Deckung“ entscheiden. Bei der „Mann- Mann Verteidigung“ hat jeder Verteidiger einen direkten Gegenspieler. Bei der „Raum – Verteidigung“ deckt jeder Verteidiger einen bestimmten Raum.

Das Freilaufen

Das Freilaufen ist dem individualtaktischem Prinzip zuzuordnen, die Grundlage jedes Kombinationsspiels und für die angreifende Mannschaft von großer Bedeutung. Der Angreifer im Ballbesitz hat die Aufgabe schnell und gezielt abzuspielen. Der Angreifer „ohne Ball“ muss sich einem Mitspieler zum Zuspiel anbieten[5], indem er den Spielraum optimal nutzt und sich durch Tempo- und Richtungswechsel „freiläuft“.

2.1.4 Spielregeln speziell für den Schulwettbewerb

Das Spielfeld hat die Größe eines Hallenhandballfeldes mit den offiziellen Maßen von 20 mal 40 Metern. Es werden die Handballtore mit den Schutzräumen benutzt. Dabei besteht jede Mannschaft aus 5 Spielern. Es wird allerdings ohne Torwart gespielt. Die Spieldauer ist variabel, bei Turnieren kann die Spielzeit auf 10 – 15 Minuten festgelegt werden. Bei Spielbeginn müssen sich alle Spieler in ihrer Spielfeldhälfte befinden und der Ball wird durch einen Anstoß von der Spielfeldmitte ins Spiel gebracht. Ein Tor kann nur innerhalb des Torschusskreises erzielt werden.

Bei Regelverstößen erfolgen verschiedene Sanktionen:

Erfolgt ein Verstoß innerhalb des Schusskreises und wurde er absichtlich verübt, wird ein 7 Meter Strafstoß entschieden. Bei einem unabsichtlichen Regelverstoß, aber auch innerhalb des Schusskreises, erfolgt ein 9 Meter Strafstoß. „Wird der Ball beim Strafstoß über die Torauslinie gespielt, erfolgt der Abschlag.“[6]

Ein Freischlag wird bei einem Regelverstoß außerhalb des Schusskreises angewendet.[7]

2.1.5 Material

Das Spielmaterial besteht aus einem Ball und einem Schläger.

Der Schläger selbst hat eine abgerundete Keule mit einer runden und einer flachen Seite und weist einen Schaft auf. Der typische Hockeyball besteht aus Kunststoff und hat Löcher.

2.2 Sportspielvermittlungskonzepte

Zur Vermittlung von einem Sportspiel in der Schule existiert in der Sportspiel - Literatur eine Vielzahl an Konzepten und methodischen Vorgehensweisen. Alle haben zum Ziel, ein Sportspiel adressatengerecht und sinnvoll zu unterrichten.

Kuhlmann[8] unterscheidet in seinem Beitrag sechs Vermittlungsansätze. Im weiteren Verlauf werden von mir die drei gängigen Ansätze mit ihren wichtigsten Grundzügen sowie Vor- und Nachteilen beschrieben[9]. Anschließend gehe ich auf die konkrete Zielsetzung bei der Sportspielvermittlung in der Schule ein. Diese besteht in der Entwicklung der Spielfähigkeit.

2.2.1 Die Konfrontationsmethode

Wie der Begriff schon andeutet, werden die Schüler mit der „Rohform des Zielspiels“[10] konfrontiert. Das Motto dieses Konzeptes lautet: „Spielen lernt man am besten durch Spielen!“

Dabei lassen sich drei Varianten unterscheiden:

1. Die „reine Konfrontationsmethode“, bei der die Schüler von Anfang an mit dem Spiel konfrontiert werden.
2. Die „aufbereitete Konfrontationsmethode“ versucht das Spiel durch Veränderungen der Rahmenbedingungen zu vereinfachen und somit überschaubar zu machen. Mit zunehmender Beherrschung der Fertigkeiten werden die Vereinfachungen zurückgenommen, bis schließlich das Zielspiel erreicht wird[11].
3. Die „indirekte Konfrontationsmethode“ folgt dem Grundsatz „mit kleinen Spielen zum großen Spiel[12] “, wo das Zielspiel mit einer Reihe kleiner Spiele aufbereitet wird.

Der Vorteil bei dieser Methode ist, dass es den Wünschen der Schülerinnen und Schüler entspricht, denn man spielt von Anfang an „richtig“. Die leistungsstarken Schüler profitieren von dieser Methode, denn sie können sich die Handlungsabläufe schnell aneignen. Das ist auch zugleich der Nachteil dieser Methode, leistungsschwache Kinder sind schnell überfordert.

2.2.2 Die Zergliederungsmethode

Bei der Zergliederungsmethode werden zunächst die grundlegenden Fertigkeiten im technischen und taktischen Bereich erlernt, bevor sie im Spiel um- und eingesetzt werden[13]. Dabei wird der Komplexitätsgrad durch Hinzunahme spieltaktischer Handlungen kontinuierlich gesteigert, bis das „Zielspiel“ erreicht ist.

Der Vorteil bei dieser Methode ist, dass die Schülerinnen und Schüler die technischen Anforderungen perfekt beherrschen.

Der Nachteil liegt darin, dass erst sehr spät gespielt wird. Die Spielfähigkeit erwirbt man aber nur durch Spielen.

2.2.3 Das spielgemäße Konzept

Das spielgemäße Konzept lässt sich als Synthese aus den beiden bislang dargestellten Methoden bezeichnen.[14] “ Der Ausgangspunkt ist hierbei die Grundform des Sportspiels, die einen ganzheitlichen Eindruck des Zielspiels beinhalten soll. Dieses Konzept hat als wichtigste methodische Maßnahme die Spielreihe, die eine Sammlung von diversen Spielformen mit der gleichen Grundidee darstellt. Dagegen dienen ausgegliederte Übungsreihen, „um wichtige Techniken und taktische Handlungsmuster des Spiels situativ einzufügen und zu erlernen.“[15]

Innerhalb dieses Konzepts wird versucht, die Nachteile der zuvor genannten Methoden zu reduzieren und gleichzeitig alle Vorteile in einem einzigen Konzept zusammenzufassen.

2.2.4 Resümee

Kuhlmann (1999, 119) betont in seinem Beitrag, dass die „Differenzen der Ansätze untereinander in der Unterrichtspraxis deutlich geringer ausfallen dürften als in ihrer theoretischer Darstellung.“ Dieses Fazit findet sich auch bei Söll (2005, 243) wieder. In allen Methoden lässt sich auch der Grundgedanke erkennen, dass ohne die Beherrschung der Grundfertigkeiten das Gelingen des Spiels ausgeschlossen ist. Bei allen Konzepten geht es mehr um die Anteile von Spielen und Üben. Daher muss die Lehrperson bei der Auswahl eines Vermittlungsansatzes stets die Lerngruppe sowie die gesetzte Zielvorstellung im Blick behalten.

2.2.5 Spielfähigkeit

Die Spielfähigkeit lässt sich als wesentliche Zielsetzung bei der Sportspielvermittlung in der Schule beschreiben. Denn die Schülerinnen und Schüler „sollen durch vielfältige Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote dazu angeleitet werden, auch außerhalb der Schule sinnvoll (ihren) Sport zu treiben.[16] Durch die Vermittlung der Sportspiele in der Schule sollen die Kinder grundlegende Erfahrungen sammeln und dadurch Handlungsfähigkeit erwerben.

Dabei lässt sich zwischen einer allgemeinen und speziellen Spielfähigkeit unterscheiden[17].

Allgemeine Spielfähigkeit

Die allgemeine Spielfähigkeit ist die Grundlage für alle Sportspiele und nicht an ein bestimmtes Sportspiel und sein Anforderungsprofil gebunden. Kinder sollen in der Lage sein, eigene Spiele zu entwickeln, ein Spiel in Gang zu setzten, es in seinem Verlauf zu sichern und bei Störungen wiederherzustellen[18].

Spezielle Spielfähigkeit

Die spezielle Spielfähigkeit bezieht sich auf kognitive, konditionelle, koordinative und technisch – taktische Fähigkeiten. Sie ist für ein bestimmtes Sportspiel (Fußball, Volleyball, Hockey) notwendig, wenn Fertigkeiten im Umgang mit dem Spielgerät, Kenntnisse über Spielidee und Spielregeln und taktische Erfahrungen in wichtigen Spielsituationen vorhanden sein müssen[19].

2.3 Sportmotorische und kognitive Anforderungen beim Hockeyspielen

2.3.1 Sportmotorische Anforderungen

Beim Hockeyspielen werden die koordinativen Fähigkeiten[20] im besonderen Maße gefördert. Vor allem die kinästhetische Differenzierungsfähigkeit, die räumliche Orientierungsfähigkeit und die komplexe Reaktionsfähigkeit[21] tragen zum erfolgreichen und befriedigenden Spielerlebnis bei.

Kinästhetische Differenzierungsfähigkeit

Unter der kinästetischen Differenzierungsfähigkeit wird nach Schnabel und Meinel (2005, 221) „die Fähigkeit zum Erreichen einer hohen Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen, die in großer Bewegungsgenauigkeit und Bewegungsökonomie zum Ausdruck kommt “, verstanden.

Die Differenzierungsfähigkeit wird vor allem beim genauen Ausführen des Vorhandschiebepasses benötigt, da dieser im Spiel zielgerichtet und korrekt ausgeführt werden muss. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Bewegungsausführung mit dem Schläger in unterschiedlichen Körperpositionen genau und ökonomisch erfolgt. Es besteht eine enge Verbindung zur Orientierungsfähigkeit.

Orientierungsfähigkeit

Unter der räumlichen Orientierungsfähigkeit wird nach Meinel und Schnabel (2005, 225) „die Fähigkeit zur Bestimmung und zieladäquaten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers in Raum und Zeit, bezogen auf ein definiertes Aktionsfeld und/oder ein sich bewegendes Objekt verstanden.

In dem Sportspiel „Hockey“ müssen die Schülerinnen und Schüler ihre Position und Positionsveränderung in einem Spielfeld mit sehr vielen Orientierungspunkten, wie Gegner, Spieler und Schläger realisieren. Zur Bewältigung dieser Bewegungsanforderung ist die Orientierungsfähigkeit bedeutsam.

Neben der engen Beziehung zur kinästhetischen Differenzierungsfähigkeit ist für die Reaktionsfähigkeit die räumliche Orientierungsfähigkeit Vorraussetzung.

Reaktionsfähigkeit

Unter der Reaktionsfähigkeit wird nach Meinel und Schnabel (2007, 223) „die Fähigkeit zur schnellen Einleitung und Ausführung zweckmäßiger motorischer Aktionen auf mehr oder weniger komplizierte Signale verstanden.“

Die Schülerinnen und Schüler müssen in der Lage sein, schnell und adäquat auf Gegner und Pässe zu reagieren und ihre Handlung dementsprechend auszurichten.

2.3.2 Kognitive Anforderungen

Zum „Mitspielen – Können“ reicht es nicht aus, die Grundtechniken zu beherrschen. Vielmehr müssen die Schülerinnen und Schüler das Sportspiel selbst verstehen. Erst dann sind sie in der Lage eine bestimmte Spielaufgabe mit den Techniken und Taktiken zu lösen. Dies kann nur über eine aktive Auseinandersetzung mit der Struktur des Spiels geschehen. „Dazu müssen sie einerseits eigene Taktiken entwickeln und andererseits die Strategien der gegnerischen Mannschaft aufdecken und ihnen angemessene Handlungspläne entgegensetzen können.“[22] Dabei spielen die Wahrnehmung- und Handlungskompetenzen eine zentrale Rolle. Bewegung und Wahrnehmung[23] sind dabei „eng verzahnte Prozesse.“[24]

Ein Spieler muss in einer konkreten Situation zunächst sich selbst vor eine Aufgabe gestellt sehen, bevor er versucht diese mit einer bestimmten Bewegung zu lösen.

3 Planung der Unterrichtseinheit

3.1 Situation der Klasse

Die Klasse 4 wird von mir seit August 2008 eigenverantwortlich mit zwei Stunden in der Woche unterrichtet.

Von Anfang an ist es mir gelungen ein offenes und von Vertrauen geprägtes Verhältnis zu den Schülern aufzubauen. Die Klassengemeinschaft ist bezüglich ihrer Team- und Kooperationsfähigkeit als relativ wechselhaft zu beschreiben. Immer wieder kommt es zu rivalisierenden „Grüppchenbildungen“, die eine gute sowie konfliktfreie Zusammenarbeit behindern. Hinzu kommt die Tatsache, dass Paul und Jeremy erst in diesem Schuljahr dazu gezogen sind und noch nicht vollständig in die Klassengemeinschaft integriert sind. Die Einführung von Regeln und Ritualen im Sportunterricht sowie die Unterrichtseinheit zur Akrobatik haben sich jedoch positiv auf die gemeinsame Arbeit ausgewirkt, so dass sich mittlerweile kooperative Sozialformen fast problemlos durchführen lassen.

Die Lerngruppe setzt sich aus leistungsbereiten und motivierten Schülerinnen und Schülern zusammen. Sie zeichnen sich insgesamt durch eine gute motorische Leistungsfähigkeit aus. Zu den leistungsstarken Schülerinnen und Schülern zählen Elena und Johanna. Sie besitzen sowohl im motorischen als auch im sozialen Bereich besondere Fähigkeiten und bringen den Unterricht durch ihre gute allgemeine Spielfähigkeit voran.

Zu den leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern zählen Ann – Kathrin, Tim, Paul und Jeremy. Ann – Kathrin, Tim und Paul weisen große Defizite im motorischen Bereich auf. Obwohl sie sehr bemüht und motiviert sind, fällt es ihnen schwer Unterrichtsinhalte mit koordinativen und konditionellen Schwerpunkten auszuführen. Dennoch versuchen sie, sich soweit es geht im Unterricht einzubringen. Jeremy ist in Hinblick auf das Sozialverhalten ein ausgesprochen schwieriger Schüler.

Er hat große Probleme, sich an die allgemeinen Regeln zu halten sowie Lehreranweisungen zu folgen. Da Jeremy häufig ohne Vorwarnung „ausrastet“, muss ich jederzeit mit einer eskalierenden Situation rechnen. In solch einem Fall versuche ich zunächst mit Gestik und Mimik den Störungen zu begegnen. Sollte dies nicht genügen, erteile ich die „gelbe Karte“, bei der nächsten Störung folgt die „rote Karte“, die eine „Auszeit“ zur Konsequenz hat.

3.2 Inhaltliche Lernvoraussetzungen

Die Klasse 4b hat im bisherigen Sportunterricht noch keine Erfahrungen mit dem Mannschaftsspiel „Hockey“ gesammelt. Durch das Einführen des Mannschaftsspiels „Inselball“ konnten die Schülerinnen und Schüler jedoch erste Einsichten in das taktische Handeln bekommen. Sie haben zum einen gelernt günstige Anspielpositionen zu erkennen und zum anderen in günstige Anspielpositionen zu gelangen. Einige Schülerinnen und Schüler zeigten dabei bereits, dass sie über eine gut entwickelte Spielfähigkeit verfügen. Andere Schüler, wie Marie, Ann - Kathrin und Hannah hatten Schwierigkeiten, die Spielidee umzusetzen und das eigene Handeln im Spiel möglichst klug zu gestalten. Zusätzlich fällt es einigen Kindern schwer sich an vereinbarte Regeln und Techniken zu halten. Daher muss in dieser Einheit meinerseits eine klare Lenkung der Spiele vorgenommen sowie auf die Einhaltung von Spielregeln geachtet werden. Im Allgemeinen ist die Lerngruppe stets motiviert dabei, wenn Inhalte aus dem Erfahrungs- -und Lernfeld „Spielen“ behandelt werden.

Die Schülerinnen und Schüler sind sowohl in frontalen als auch in offenen Unterrichtsphasen sehr motiviert und leistungsbereit. Daher erwarte ich, dass sie sowohl in der Phase der Einzel- und Partnerarbeit als auch im Plenum engagiert arbeiten werden.

Zusätzlich verfügen sie bereits über die Fähigkeit, sich in Reflexionsphasen über einen Sachverhalt gezielt auszutauschen und eine geeignete Lösung zu finden.

Der organisierte Auf- und Abbau mit Hilfe eines Hallenplans ist den Kindern ebenso bekannt.

Im Hinblick auf die geplante Einheit spielen daher die didaktisch - methodische Wahl sowie der Einsatz unterschiedlicher Differenzierungsformen eine entscheidende Rolle.

3.3 Didaktische Begründungen

Laut dem Niedersächsischen Kerncurriculum „Sport“ ist das Mannschaftsspiel „Hockey“ dem inhaltsbezogenen Gegenstandsbereich „Spielen“ zuzuordnen[25]. Die Schülerinnen und Schüler sollen auf große Sportspiele vorbereitet werden und am Ende der 4-ten Klasse „eine Rolle im Spiel mannschaftsdienlich ausfüllen“[26]. Der Stundeninhalt findet sich auch in dem schulinternen Lehrplan wieder, laut dem die Schüler eine „spezielle Spielfähigkeit anhand von einem großen Sportspiel“ erreichen sollen[27].

Die Auswahl des Sportspiels begründet sich durch die Tatsache, dass die gesamte Lerngruppe bis jetzt keine Erfahrungen in diesem Sportspiel gesammelt hat. Außerdem ist der Inhalt der gesamten Einheit für alle Schüler gleichermaßen neu, wodurch der Tatsache vorgebeugt wird, dass einige besonders sportbegabte Kinder von Anfang an herausstechen, weil sie die Sportart bereits beherrschen. Dies ist ein nicht zu vernachlässigendes Argument im Hinblick auf das Klassenklima. Zum anderen können allen Schülern relativ schnell positive Erfolgserlebnisse vermittelt werden. Die grundlegenden Bewegungsabläufe sind relativ einfach zu erlernen und ermöglichen erste interessante Spielzüge. Im Rahmen dieser Einheit muss trotzdem eine didaktische Reduktion im Hinblick auf das Sportspiel „Hockey“ vorgenommen werden. Es wird nicht möglich sein in dieser kurzen Zeit mit den Kindern das „Großfeldhockeyspiel“ zu erarbeiten. Durch die inhaltlichen Lernvoraussetzungen[28] ist das Zielspiel in dieser Einheit die Kleinfeldspielform, bei der die Ballkontakte der einzelnen Spieler erhöht und der taktische Anspruch verringert wird.

Die dazu notwendigen motorischen, vor allem koordinativen Fähigkeiten verfügen die Schülerinnen und Schüler.[29]

Nach Meinel und Schnabel[30] befindet sich die Lerngruppe in der motorischen Entwicklung auf der Schwelle zwischen dem mittleren und dem späten Kindesalter. Diese Phase zeichnet sich vor allem durch „die schnelle Zunahme der motorischen Leistungsfähigkeit“[31] aus, die besonders im neunten und zehnten Lebensjahr deutlich wird. Vor allem der hohe Anstieg koordinativer und konditioneller Fähigkeiten ist in diesem Lebensalter zu verzeichnen. Dabei lernen laut Meinel und Schnabel (2007, 296) die Kinder besonders „auf der Grundlage entsprechender Demonstrationen und sprachlicher Hinweise“, was Konsequenzen bei der methodischen Wahl erforderlich macht. Bemerkenswert ist die Fähigkeit bei bereits längerfristig trainierten Kindern, die schon über eine „erfolgreiche Informationsverarbeitung“ verfügen und denen auch schon „kompliziertere sporttechnische Fertigkeiten“[32] gelingen.

Laut Piaget befinden sich die Kinder dieses Alters in ihrer kognitiven Entwicklung auf der Stufe der konkreten Denkoperationen.[33] Den Kindern ist es möglich, vorauszudenken und das eigene Handeln reflektierend zu steuern. Insbesondere ist die Fähigkeit, logische Schlussfolgerungen über konkrete Situationen zu treffen, zu beachten. Somit ist eine gezielte technische Schulung in Verbindung mit taktischem Denken durchaus angebracht.

Die geplante Einheit schult die Orientierungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit sowie die Differenzierungsfähigkeit.

Mit der Einheit wird auch die spezielle Spielfähigkeit gefördert, die „beim motorischen Können vorzugsweise im Umgang mit dem Spielgerät sowie im regelkonformen Verhalten zum Gegenspieler ansetzt und den Erfahrungszuwachs in den wesentlichen Spielsituationen bzw. der Übernahme von Spielpositionen mit einschließt“.[34]

[...]


[1] vgl. Vukov 2005, 5 - 18

[2] In dieser Arbeit werden lediglich die Techniken näher beschrieben, die für die Einheit einen wichtigen Bestandteil bilden und schon erste interessante Spielzüge ermöglichen. Es muss darauf hingewiesen werden, dass zu jeder Technik verschiedene Bewegungsausführungen möglich sind. Aus der Vielzahl der Möglichkeiten beschränke ich mich auf eine einzige Bewegung innerhalb einer Technik – Fertigkeit. Auf das Umspielen und Herausspielen eines Gegners wird nicht näher eingegangen.

[3] vgl. Vukov 2005, 5

[4] vgl. Beutler und Wolf 2004, 100

[5] vgl. ebd, 50

[6] Vukov 2005, 67

[7] vgl. ebd., 65 - 68

[8] Kuhlmann 1999, 116 - 119

[9] Die von mir erörterten Konzepte gehören momentan zu den populärsten in der Sportpädagogik. Andere Konzeptionen, wie der integrative und der sportspielübergreifende Ansatz, werden bei Kuhlmann 1999, auf den Seiten 116- 119 näher dargestellt.

[10] Kuhlmann 1999., 116

[11] vgl. Söll 2005, 241

[12] Söll, 2005, 241

[13] vgl. Kuhlmann 1999, 117

[14] Kuhlmann 1999, 117

[15] vgl. ebd. 117

[16] Kuhlmann, 1999, 113

[17] vgl. ebd.

[18] vgl. König 1997, 477

[19] vgl. ebd.

[20] Unter den koordinativen Fähigkeiten definieren Schnabel und Meinel (2007, 213) die „Klasse motorischer Fähigkeiten, die vorrangig durch die Prozesse der Bewegungsregulation bedingt sind und relativ verfestigte und generalisierte Verlaufsqualitäten dieser Prozesse darstellen.“

[21] Schnabel und Meinel (2007, 220) nennen noch zwei weitere koordinative Fähigkeiten, die für den Schulsport bedeutsam sind, die Gleichgewichtsfähigkeit und die Rhythmusfähigkeit. Da sie für das Hockeyspiel nicht von besonders großer Bedeutung sind, werden sie in dieser Arbeit nicht näher erläutert.

[22] Sinning 2008, 6

[23] Unter Wahrnehmung versteht Loibl (2001, 37) einen „kontinuierlicher Prozess der Erkundung und der Informationsaufnahme“

[24] Loibl, 2001, 38

[25] vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 2006,

[26] vgl. ebd.

[27] vgl. schulinterner Lehrplan „Sport“

[28] vgl. Punkt 3.2, Inhaltliche Lernvorausetzungen

[29] vgl. auch inhaltliche Lernvoraussetzungen und Klassensituation

[30] vgl. Meinel/Schnabel 2007, 285 - 308

[31] ebd. 296

[32] ebd. 296

[33] vgl. Zimbardo/Gerrig 1999, 465-466

[34] vgl. Kuhlmann 1999, 113 - 114

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Hinführung zum Hockey nach der spielgemäßen Methode im Sportunterricht einer 4. Klasse
Hochschule
Studienseminar Hameln für das Lehramt an Gymnasien
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
62
Katalognummer
V133030
ISBN (eBook)
9783640393565
ISBN (Buch)
9783640393756
Dateigröße
1418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hinführung, Hockey, Methode, Sportunterricht, Klasse
Arbeit zitieren
Elena Peters (Autor), 2009, Hinführung zum Hockey nach der spielgemäßen Methode im Sportunterricht einer 4. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133030

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Hinführung zum Hockey nach der spielgemäßen Methode im Sportunterricht einer 4. Klasse



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden