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Die Bedeutung der Heimat in Uwe Johnsons Romanen „Ingrid Babendererde“ und „Mutmassungen über Jakob“

Title: Die Bedeutung der Heimat in Uwe Johnsons Romanen „Ingrid Babendererde“ und „Mutmassungen über Jakob“

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 28 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sonja Borzutzky (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Herr Mavromati hat sicherlich nicht Unrecht, wenn er behauptet, dass sich Uwe Johnsons Herkunft in seinen Werken wieder findet. Besonders die idyllische Landschaft Mecklenburgs, in der Uwe Johnson aufwuchs, scheint im Roman „Ingrid Babendererde“ auf seine Herkunft hinzudeuten. Doch Uwe Johnson scheint meiner Ansicht nach nicht nur seine Herkunft in das Zentrum seines Romans gestellt zu haben, sondern auch die damit eng verbundene Frage nach einer Heimat und dessen Bedeutung für den Menschen.
Uwe Johnson ist in Pommern geboren und in Mecklenburg aufgewachsen. Diese Region verließ er, da er als Schriftsteller auf die Großstadt angewiesen war. 1969 hoffte er, dass Berlin seine Heimat werden könnte, entschied sich dann aber nach New York zu gehen und schließlich in eine Kleinstadt an der Themsemündung zu ziehen. Es versuchte durchaus in Distanz zur Geburts- und Herkunftsregion und bei „fortbestehender politische[r] Heimatlosigkeit“ eine persönliche Heimat zu finden. Für sich selbst erklärte er, nicht ein „gesellschaftliches System“, nur ein „privater Bereich könne Heimat heißen: „das sind Personen, das ist eine Landschaft, dazu kann man sich bekennen.
Auch unabhängig von Johnsons Biographie soll in dieser Arbeit untersucht werden, was der Heimat in seinen Romanen für eine Bedeutung beigemessen wird. Was trägt die Literatur Uwe Johnsons dazu bei, zu klären, wie viel und welche Art von Heimat wir brauchen? Das Heimat-Motiv ist nicht nur in seinem Frühwerk, sondern auch in seinem Hauptwerk „Jahrestage“ präsent. Diese Arbeit soll eine motivgeschichtliche Untersuchung der beiden Frühwerke „Ingrid Babendererde“ und „Mutmassungen über Jakob“ umfassen. Die Protagonisten seiner Romane sehen sich im Laufe der Zeit mit den Fragen konfrontiert, was für sie ihre Heimat darstellt und ob sie ihnen zugänglich bleibt. Bevor die einzelnen Werke analysiert werden, soll eine Definition des Heimatbegriffs vorangestellt werden. Nach einer topographischen Analyse der Romane, soll dargestellt werden, wie die Protagonisten über ihre Heimat denken. Bei der Sichtung der Forschungsliteratur sind einige Aufsätze über die Bedeutung der Heimat in Uwe Johnsons Werk zu nennen. Zur Untersuchung dieses Themas hat insbesondere Norbert Mecklenburg beigetragen, aber auch die Untersuchungen zur literarischen Landschaft waren für diese Arbeit zu betrachten. Ein wichtiges Werk stellt dafür die Monografie „Literarische Kartografie“ von Nicola Westphal dar.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Heimat

3. Ingrid Babendererde

3.1 Die topographische Ausstattung des Romans

3.2 Die Verortung der literarischen Landschaft in Mecklenburg

3.3 Die Ahistorizität der Landschaftsbeschreibung und weitere topographische Aspekte

3.4 Die Funktion des Niederdeutschen im Roman „Ingrid Babendererde“

3.5 Zeitroman oder Heimatroman?

3.6 Die Bedeutung der Heimat für die Protagonisten

4. Mutmassungen über Jakob

4.1 Topographie des Romans „Mutmassungen über Jakob“

4.2 Die Verortung von Jerichow in Mecklenburg

4.3 Topologie oder Konzeptualisierung von Heimat und Glück in den „Mutmassungen über Jakob“

4.3.1 Jakob

4.3.2 Jonas

4.3.3 Gesine

4.3.4 Rohlfs

4.4 Die Funktion des Niederdeutschen im Roman „Mutmassungen über Jakob“

5. Vergleich der Darstellung der Heimat in den beiden Romanen

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht motivgeschichtlich die Bedeutung des Heimatbegriffs in Uwe Johnsons Frühwerken „Ingrid Babendererde“ und „Mutmassungen über Jakob“. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die literarische Gestaltung der Topographie und die Verwendung niederdeutscher Sprache die Identität sowie das Zugehörigkeitsempfinden der Protagonisten vor dem Hintergrund gesellschaftlich-politischer Konflikte prägen.

  • Analyse des Heimatbegriffs in seiner historischen und juristischen Variabilität.
  • Untersuchung der topographischen Darstellung der fiktiven mecklenburgischen Landschaften und Städte.
  • Evaluation der Funktion niederdeutscher Sprache als Identitätsstifterin und Distanzierungsmittel.
  • Kontrastierung der Lebensentwürfe und Heimatkonzepte der zentralen Romanfiguren.
  • Reflexion über die Vereinbarkeit von privater Heimatverbundenheit und staatlichen Anforderungen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die topographische Ausstattung des Romans

Die topographische Ausstattung des Romans „Ingrid Babendererde“ ist gekennzeichnet von der mecklenburgischen „freundliche[n], weitgeschwungene[n] Landschaft“8. Den Mittelpunkt der Landschaft stellt der große See dar, der in einen Oberen und einen Unteren See unterteilt ist. Die Schilderung eines Schleusenvorgangs, während dem ein Polizeiboot die Schleuse passiert, verweist auf das durch die Seen geprägte Landschaftsbild. Die Wiesen, das Schilf, die bewaldeten Hügel und die Bäume bilden den Rahmen für die idyllische Landschaft, die zum Teil sehr detailliert beschrieben wird: „Knicks sind Buschecken, die eigentlich den Zaun ersetzen sollen.“9 Dennoch bleiben die Landschaftsbeschreibungen wage genug, so dass sie nicht zwingend dem Land Mecklenburg zugewiesen werden müssen. Weiterhin charakteristisch für die Topographie des Romans ist die Verbindung der Naturdarstellung mit „menschlichen Eigenschaften, Gefühlen und Handlungen“, indem der Landschaft grammatikalisch „durch aktive Formen Selbstständigkeit zugewiesen wird.“10 Dieses anthropomorphisierendes Element findet sich sowohl bei der Landschaftsbeschreibung als auch bei der Schilderung der Kleinstadt. Die Protagonisten des Romans zeigen nicht nur beim Segeln einen vertrauten Umgang mit den geographischen Gegebenheiten, so dass deutlich wird, dass sie sich in dieser Region heimisch fühlen. Natur symbolisiert für sie Freiheit und Lebensfreude.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zum Thema Heimat im Werk Uwe Johnsons und Definition des Untersuchungsgegenstandes sowie der Vorgehensweise.

2. Der Begriff der Heimat: Historische und inhaltliche Herleitung des Heimatbegriffs unter Berücksichtigung juristischer, regionaler und ideologischer Aspekte.

3. Ingrid Babendererde: Analyse der räumlichen Gestaltung, der Rolle der Sprache und der Bedeutung des Heimatverlusts für die Charaktere im ersten Roman des Autors.

4. Mutmassungen über Jakob: Detaillierte Untersuchung der Stadt Jerichow, der Figurenkonstellation und der spezifischen Heimatkonzepte innerhalb dieses zweiten Frühwerks.

5. Vergleich der Darstellung der Heimat in den beiden Romanen: Synthese der Forschungsergebnisse zur Auseinandersetzung des Individuums mit gesellschaftlichen Zwängen und dem resultierenden Heimatverlust.

6. Fazit: Zusammenfassende Reflexion zur bleibenden Relevanz von Johnsons Werk für das Verständnis von Herkunft und Heimatverlust.

Schlüsselwörter

Uwe Johnson, Heimat, Heimatroman, Zeitroman, Ingrid Babendererde, Mutmassungen über Jakob, Mecklenburg, Topographie, Niederdeutsch, Identität, DDR, Sozialismus, Heimatverlust, Literaturwissenschaft, Literaturkartografie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Motiv der Heimat in den beiden frühen Romanen von Uwe Johnson, „Ingrid Babendererde“ und „Mutmassungen über Jakob“, und analysiert, wie die Protagonisten ihr Verhältnis zu dieser Herkunftsregion definieren.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, der Einfluss von Politik auf die persönliche Identität sowie die literarische Gestaltung von Landschaften und Städten als Heimatorte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die Heimat für die Protagonisten ein Wunschraum bleibt oder durch staatliche Repressionen und persönliche Überzeugungen unzugänglich wird.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin wählt eine motivgeschichtliche und topographische Analyse der Romantexte unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur zur literarischen Kartografie und zur Funktion des Niederdeutschen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden beide Romane einzeln hinsichtlich ihrer Topographie und der Bedeutung der Heimat für die jeweiligen Hauptfiguren (wie Jakob, Gesine, Jonas und Rohlfs) untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Heimat, Regionalismus, Identität, Sozialismus, Sprachgebrauch (Niederdeutsch), sowie die spezifische literarische Landschaft Mecklenburgs im Kontext der DDR-Zeit.

Warum spielt das Niederdeutsche eine so wichtige Rolle in der Analyse?

Das Niederdeutsche dient in den Werken als Mittel der Distanzierung von politisch-gesellschaftlichen Forderungen und als sprachliches Band, das die Charaktere mit ihrer mecklenburgischen Heimat verbindet.

Wie unterscheidet sich die Heimatdarstellung von Gesine in den beiden Romanen?

Gesine repräsentiert eine Figur, die trotz ihrer Emigration in den Westen stark in ihrer Heimat verwurzelt bleibt, jedoch im Zuge des Sprachwechsels und ihrer Erfahrungen in der DDR eine fortschreitende Entfremdung erfährt.

Inwiefern beeinflusst der Begriff des „Zeitromans“ das Verständnis der Arbeit?

Die Arbeit diskutiert die Einordnung der Texte zwischen Heimat- und Zeitroman und zeigt auf, dass Johnson politische Zeitgeschichte mit einer tiefen, regionalen Verbundenheit verwebt.

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Details

Title
Die Bedeutung der Heimat in Uwe Johnsons Romanen „Ingrid Babendererde“ und „Mutmassungen über Jakob“
College
University of Rostock  (Institut für Germanistik)
Course
Hs: Uwe Johnson Dichter der beiden Deutschland
Grade
1,3
Author
Sonja Borzutzky (Author)
Publication Year
2009
Pages
28
Catalog Number
V133036
ISBN (eBook)
9783640395316
ISBN (Book)
9783640395149
Language
German
Tags
Uwe Johnson Ingrid Babendererde Mutmassungen über Jakob Heimatroman Heimat
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sonja Borzutzky (Author), 2009, Die Bedeutung der Heimat in Uwe Johnsons Romanen „Ingrid Babendererde“ und „Mutmassungen über Jakob“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133036
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