Unternehmen müssen alles unternehmen, damit MitarbeiterInnen sich am Arbeitsplatz wohlfühlen und gesund sind, gesund bleiben bzw. auch wieder gesund werden. Nur wenn dies der Fall ist, können sie die maximal mögliche Arbeitsleistung erbringen, sind sie motiviert und gelingt die Arbeit bestmöglich. Sind dagegen ArbeitnehmerInnen übermäßig stark belastet, erhöht sich über kurz oder lang der Krankenstand. Dies bedeutet für Unternehmen hohe Kosten aufgrund der Erkrankung eines großen Teiles der Belegschaft. Außerdem kommt es zu Fehlentwicklungen wie der Zunahme von Absentismus (Fernbleiben von der Arbeit, ohne tatsächlich krank zu sein) und Präsentismus (Anwesenheit bei der Arbeit trotz Krankheit), die beim Unternehmen ebenfalls immense Kosten auslösen können. Dies sind die Ausgangsüberlegungen, die für die Etablierung der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) und des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) führen.
Die heutige Arbeitswelt ist seit vielen Jahren durch die zwei Megatrends Digitalisierung und Globalisierung gekennzeichnet. Das hat zu einer Wettbewerbsverschärfung weltweit geführt und auch den Druck in den Unternehmen erhöht. Das Umfeld, in dem sich Unternehmen und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewegen müssen, wird dadurch immer komplexer und belastender. Arbeit muss in immer kürzerer Zeit erledigt werden. Wollen Unternehmen am Markt bestehen, müssen Sie mit den sich ändernden Rahmenbedingungen nicht nur leben, sondern sich auch aktiv an sie anpassen und sie bewältigen.
Weitere Aspekte erhöhen die Belastungssituation: der demographischer Wandel mit immer älteren Arbeitnehmern und immer weniger Nachwuchskräften der jüngeren Generation (Fachkräftemangel) sowie die ansteigende Lebensarbeitszeit und die Arbeitsmarktsituation, insbesondere in Zeiten der Krise (Corona-Pandemie und russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine). Hinzukommen die Angst um den Bestand des Unternehmens bzw. um den eigenen Arbeitsplatz. Alle diese Faktoren zusammengenommen führen zu starken psychischen und physischen Belastungen des Personals.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problembeschreibung
2. Methodik
3. Ergebnisse
4. Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Praxis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Implementierung von betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) und betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) auf die Arbeitsmotivation, die Fehlzeiten sowie die öffentliche Gesundheit in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen den modernen Arbeitsbelastungen und der Notwendigkeit präventiver Maßnahmen aufzuzeigen, um die Arbeitgeberattraktivität zu steigern und langfristigen Unternehmenserfolg sicherzustellen.
- Bedeutung der BGF und des BGM für die psychische und physische Gesundheit der Arbeitnehmer
- Einfluss von Arbeitsmotivation und Bindung an das Unternehmen auf den Unternehmenserfolg
- Herausforderungen der Implementierung von Gesundheitsmaßnahmen in mittelständischen Betrieben
- Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastung, Fehlzeiten und den Auswirkungen der Corona-Pandemie
- Empfehlungen für die Praxis und staatliche Unterstützungsmöglichkeiten für KMU
Auszug aus dem Buch
Methodik
Auf der Basis der in Kapitel 1 aufgeführten Forschungsfragen wurden folgende Hypothesen aufgestellt: H1: Die Unzufriedenheit von ArbeitnehmerInnen führt zu einer erhöhten Belastung am Arbeitsplatz. Gegenhypothese: Die Unzufriedenheit führt nicht zu einer erhöhten Belastung am Arbeitsplatz. H2: Erhöhte Belastung am Arbeitsplatz (oder Unzufriedenheit) führen zu erhöhten Fehlzeiten. Gegenhypothese: Die erhöhte Belastung am Arbeitsplatz bzw. die Unzufriedenheit ist nicht ursächlich für eine Erhöhung der Fehlzeiten. H3: Durch systematisch eingesetztes (bzw. eingeführtes) BGM kann die Zufriedenheit von MitarbeiterInnen gesteigert werden, wodurch sich auch gesundheitsbezogene Aspekte verbessern.
Die Analyse der in der empirischen Untersuchung nachfolgend behandelten Fragestellungen sollte dazu dienen, die Voraussetzungen für ein gelingendes BGM zu evaluieren, etwaige Vorteile und Schwachstellen zu diskutieren und Verbesserungsvorschläge zu entwickeln. Sie sollte außerdem dazu beitragen, die allgemeinhin geltenden Anforderungen an die Implementierung des BGM kritisch zu reflektieren. Dieses Ziel konnte die Studie nur dadurch erreichen, dass sie sich möglichst offen an das Untersuchungsfeld herantastete. Darüber hinaus sollten bestimmte weitere Thematiken, wie z. B. die generelle Akzeptanz des BGM, aufgegriffen und diskutiert werden. Insgesamt handelte es sich um ein methodengeleitetes Verfahren, in dem leitfadengestützte Experteninterviews mit auf dem Gebiet des BGM fachlich spezialisierten Unternehmensmitarbeitern geführt wurden, deren Ziel eine umfassende Bestandsaufnahme und Analyse der aktuellen Situation des BGM in Deutschland ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problembeschreibung: Analysiert die aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt, wie Digitalisierung und demografischen Wandel, und leitet daraus die Notwendigkeit von BGF und BGM für KMU ab.
2. Methodik: Beschreibt das methodische Vorgehen mittels leitfadengestützter Experteninterviews und definiert die untersuchten Hypothesen zur Wirkung von Gesundheitsmaßnahmen.
3. Ergebnisse: Präsentiert die Validierung der aufgestellten Hypothesen auf Basis der Expertenbefragungen und zeigt den Kausalzusammenhang zwischen BGM und Unternehmensgesundheit auf.
4. Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Praxis: Leitet aus den Erkenntnissen konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Forderungen nach staatlicher Unterstützung ab.
Schlüsselwörter
Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGM, Betriebliche Gesundheitsförderung, BGF, kleine und mittlere Unternehmen, KMU, Arbeitsmotivation, Fehlzeiten, Arbeitsbelastung, Arbeitgeberattraktivität, öffentliche Gesundheit, Public Health, Experteninterview, qualitatives Verfahren, Corona-Pandemie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Relevanz und Implementierung von gesundheitsfördernden Maßnahmen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) vor dem Hintergrund veränderter Arbeitswelten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Aspekte sind der Zusammenhang zwischen BGF/BGM, der Arbeitsmotivation, der Bindung von Personal an das Unternehmen sowie die betriebsökonomischen Auswirkungen der Mitarbeitergesundheit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, welchen Einfluss die Implementierung von BGM und BGF in KMU auf Arbeitsmotivation, Fehlzeiten und die öffentliche Gesundheit hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einem qualitativen Forschungsansatz, bei dem acht leitfadengestützte Experteninterviews mit Personalverantwortlichen ausgewertet wurden.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Problembeschreibung, die methodische Herleitung der Hypothesen sowie die empirische Ergebnisdarstellung inklusive der Diskussion der Hypothesenprüfungen.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), KMU, Arbeitsmotivation, Public Health und Arbeitgeberattraktivität definieren.
Warum wird speziell auf die Situation von kleinen und mittleren Unternehmen fokussiert?
KMU sind häufig durch begrenzte Ressourcen stärker von Fehlzeiten und Fachkräftemangel betroffen, weshalb der Mehrwert von BGM hier besonders kritisch und zielführend zu betrachten ist.
Wie unterscheidet sich der Ansatz der Arbeit nach der Corona-Pandemie?
Die Arbeit thematisiert, dass die Pandemie zwar die Belastungssituation verschärft hat, aber klassische BGM-Maßnahmen vor Ort aufgrund von Kontaktbeschränkungen nur eingeschränkt wirksam waren.
Welche Rolle spielt die Führungskraft im untersuchten BGM-Konzept?
Die Führungskraft wird als zentraler Einflussfaktor identifiziert, um die Akzeptanz und Umsetzung von BGF- und BGM-Maßnahmen in der Belegschaft zu fördern.
Welche Konsequenz leiten die Autoren für die öffentliche Politik ab?
Aufgrund des gesamtwirtschaftlichen Nutzens für die öffentliche Gesundheit fordern die Autoren, dass staatliche Stellen KMU bei der Implementierung von Gesundheitsmanagement finanziell unterstützen sollten.
- Arbeit zitieren
- Gerhard Schön (Autor:in), Dr. Fabian Renger (Autor:in), 2023, Betriebliche Gesundheitsförderung durch betriebliches Gesundheitsmanagement in mittelständischen Unternehmen. Projektarbeit zur Dissertation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1330878