Eine Konzeption der Lehre von gutem und schlechtem Handeln oder genauer gesagt eine Konzeption der Ethik, erfolgt in zweifacher Form in dieser Facharbeit. Die erste Konzeption erfolgt dabei aus der Analyse und Synthese der Handlungen im Film "Der Schacht" zu einem moralischen Regelkanon, die dann mit einer zweiten Ethikkonzeption verglichen wird. Diese zweite Konzeption ist dabei vielmehr eine Darstellung gängiger Moraltheorien als eine Neukonzeption, wie sie im ersten Teil dieser Arbeit vorgenommen wird und dient als Gegenstück der "Schachtethik", sodass ein Vergleich der beiden letztendlich eine Aussage darüber erlaubt, ob es sich bei dem Film "Der Schacht" unter ethischen Gesichtspunkten um ein Abbild der Gesellschaft handelt oder nicht.
Um dieser Fragestellung verständlich nachgehen zu können, ist es erforderlich, den beiden Ethikkonzeptionen eine detailreiche Beschreibung der Handlung des Films "Der Schacht" voranzustellen. Schließlich handelt es sich bei der Konzeption eines allgemeinen Regelkanons um eine Abstraktion, die genaueste Kenntnisse der Grundlagen – hier der filmischen Handlung – erfordert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Schacht – Die Handlung
3 Die „Schachtethik“
3.1 Grundlagen
3.2 Folgerungen aus den Grundlagen
3.3 Synthese
4 „Allgemeine“ Ethik
4.1 Grundlagen
4.2 Schlussfolgerungen
4.3 Synthese
5 Abschließende Betrachtung
5.1 Vergleich der Ethikkonzeptionen
5.2 Reflexion über das Wesen der Schachtethik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Film „Der Schacht“ unter ethischen Gesichtspunkten, um zu ergründen, ob das dort dargestellte System als valides Abbild der gesellschaftlichen Realität oder als kritische Allegorie verstanden werden kann. Im Zentrum steht die Analyse des moralischen Handelns der Bewohner im Vergleich zu konventionellen ethischen Leitsystemen.
- Analyse moralischer Regelkanons innerhalb dystopischer Strukturen
- Gegenüberstellung von Schachtethik und allgemeiner Ethik (Utilitarismus vs. Pflichtethik)
- Untersuchung der Triebfeder des menschlichen Handelns unter Ressourcenknappheit
- Die Rolle von Egoismus versus Solidarität im Kontext des Überlebenskampfes
- Kritische Reflexion über Ethik als geistiges Konstrukt vs. notwendiges Handlungssystem
Auszug aus dem Buch
Die „Schachtethik“
Um die Grundlagen der Schachtethik analysieren zu können, ist es zuerst einmal notwendig festzulegen, was genau mit „Grundlagen“ gemeint ist. Am besten lässt sich dies anhand anderer Ethikkonzeptionen zeigen. Als Beispiel sollen hier der Utilitarismus nach Jeremy Bentham und Kants Pflichtethik dienen. Beide Ethik-Konzeptionen sind „Regelwerke“ für richtiges Handeln, unterscheiden sich jedoch in ihren Grundannahmen und ihrer Argumentationsstruktur.
Bentham baut seine Ethik (den Utilitarismus) auf der Annahme auf, dass alles menschliche Handeln „unter die Herrschaft zweier souveräner Gebieter – Leid und Freude – gestellt […] ist. Gemeint ist damit, dass alle Menschen ihr Handeln danach ausrichten, möglichst viel Freude zu erfahren und möglichst viel Leid zu vermeiden. Daraus schlussfolgert er, dass alle Handlungen, die Freude erzeugen und Leid vermindern, moralisch richtig und somit „gut“ sind, während alle Handlungen, die Freude vermindern und Leid erzeugen, moralisch falsch und somit „schlecht“ sind.
Kant hingegen gründet seine Pflichtethik auf einer übergeordneten Stellung der Vernunft. Vernünftiges Handeln sei nämlich per se gutes Handeln, denn eine gute Handlung sei einer schlechten Handlung, eben weil sie gut sei, immer vorzuziehen, folglich sei es vernünftig die gute Handlung auszuführen. Handelt man vernünftig, handelt man also automatisch gut. Da Menschen jedoch keine reinen Vernunftwesen seien, sondern meist affektgeleitet handeln würden, stellt Kant ein aus der Vernunft abgeleitetes Gesetz auf, anhand dessen man jede Handlung auf ihren moralischen Wert hin untersuchen kann, - den kategorischen Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die ethische Fragestellung ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Film mittels moralphilosophischer Analysen zu bewerten.
2 Der Schacht – Die Handlung: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Zusammenfassung der inhaltlichen Geschehnisse und Rahmenbedingungen des Films.
3 Die „Schachtethik“: Es werden die theoretischen Grundlagen der Schachtethik erarbeitet, indem diese mit utilitaristischen und pflichtethischen Ansätzen verglichen werden.
4 „Allgemeine“ Ethik: Das Kapitel überträgt die Analyse auf gesellschaftlich konventionelle Moralvorstellungen und definiert deren Grundlagen und Schlussfolgerungen.
5 Abschließende Betrachtung: Die Arbeit schließt mit einem Vergleich der Ethikkonzeptionen und einer Reflexion über das Wesen der Schachtethik als Allegorie ab.
Schlüsselwörter
Der Schacht, Ethik, Schachtethik, Utilitarismus, Pflichtethik, kategorischer Imperativ, Moral, Überlebenskampf, Egoismus, Solidarität, gesellschaftliche Normen, hedonistisches Kalkül, Menschenrechte, dystopisch, Handlungsmaxime
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert den dystopischen Film „Der Schacht“ hinsichtlich der moralischen Prinzipien, nach denen die Bewohner agieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der ethischen Bewertung von Handlungen, dem Konflikt zwischen Egoismus und Solidarität sowie dem Vergleich zwischen dem internen Regelwerk des Films und allgemeinen moralischen Grundsätzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob „Der Schacht“ ein ethisches Abbild unserer realen Gesellschaft darstellt oder als kritische Allegorie fungiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Der Autor nutzt die Analyse und Synthese filmischer Handlungen sowie deren Abgleich mit etablierten moralphilosophischen Theorien, namentlich dem Utilitarismus nach Bentham und der Pflichtethik nach Kant.
Was ist der Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der sogenannten „Schachtethik“ und einer „Allgemeinen Ethik“, wobei für beide jeweils Grundlagen, Schlussfolgerungen und eine Synthese erarbeitet werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Schachtethik, kategorischer Imperativ, Hedonistisches Kalkül, Moral und Überlebensethik.
Wie unterscheidet sich die Schachtethik von konventionellen Ethiken?
Die Schachtethik stellt das Überleben des Individuums als oberstes Prinzip in den Fokus, während traditionelle Ethikkonzepte häufig auf das Allgemeinwohl oder eine übergeordnete Instanz der Vernunft zielen.
Warum wird der Film als „Antiethik“ diskutiert?
Der Film wird teilweise als Antiethik interpretiert, da er ein negatives Gegenbild zur klassischen Ethik zeichnet, in dem moralische Normen zugunsten egoistischer Triebabfuhr außer Kraft gesetzt scheinen.
- Quote paper
- Jonas Sommer (Author), 2021, Der Film "Der Schacht". Ein Abbild der Gesellschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1330983