Die vorliegende Arbeit befasst sich mit diesen zwei unterschiedlichen motivischen Zielsetzungen von Pro forma-Berichterstattung, welche durch eine gezielte Auswahl und Zusammensetzung der jeweils spezifischen Kennzahlen hervorgerufen werden kann. Ziel dieser Arbeit ist es, unter Erarbeitung der konzeptionellen und rechtlichen Grundlagen von Pro forma-Kennzahlen im Rahmen der Pro forma-Berichterstattung, Erkenntnisse über die motivische Zielsetzung ebendieser Berichterstattung durch die Unternehmen zu erlangen und im Anschluss an diese Analyse praktische Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Berichterstattung zu geben. Daraus ergibt sich die Kernfrage: Ist Pro forma-Berichterstattung ein Instrument, um die Transparenz zu erhöhen oder ist es ein Hilfsmittel, um die Bilanzleser advers zu beeinflussen?
Die Rechnungslegungsregeln kapitalmarktorientierter Konzerne stellen die Informationsorientierung fortwährend stärker in den Vordergrund. Dennoch veröffentlichen die Unternehmen zusätzliche, an den national geltenden Rechnungslegungsvorschriften ermittelten Jahresergebnissen angelehnte oder davon abgeleitete, Pro forma-Kennzahlen. Im Rahmen der Pro forma-Berichterstattung werden diese Pro forma-Kennzahlen, die im englischen Sprachraum auch als pro forma-earnings, alternative performance measures, non-Generally Accepted Accounting Principles (GAAP) earnings oder street earnings bezeichnet werden, verwendet. Diese in der Regel freiwilligen und an die reguläre Jahresabschlussgröße anknüpfenden sowie modifizierenden Kennzahlen sind von unterschiedlichen Unternehmenszielsetzungen geprägt. Kernmotiv kann zum einen die Transparenzerhöhung sein und zum anderen die bilanzpolitisch motivierte adverse Beeinflussung des Bilanzlesers durch Pro forma-Berichterstattung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bilanzpolitik
2.1 Definition & Abgrenzung
2.2 Ziele
2.2.1 Finanzpolitische Ziele
2.2.2 Informationspolitische Ziele
2.3 Instrumente
2.3.1 Sachverhaltsgestaltung
2.3.2 Sachverhaltsabbildung
3 Pro forma-Berichterstattung
3.1 Definition & Abgrenzung
3.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.2.1 EU-Leitlinien
3.2.2 US-Vorschriften
3.3 Sender und Empfänger
4 Zielsetzungen von Pro forma-Berichterstattung
4.1 Untersuchungsabgrenzung
4.2 Motive
4.2.1 Transparenzerhöhung
4.2.2 Anlegerbeeinflussung
4.3 Schlussfolgerungen zum Gesamtrahmen
5 Regulative Handlungsempfehlungen
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die Pro forma-Berichterstattung als Instrument zur Transparenzerhöhung dient oder zur adversen Beeinflussung von Bilanzlesern genutzt wird, wobei der Fokus auf US-amerikanischen empirischen Studien liegt.
- Grundlagen der Bilanzpolitik und ihre Instrumente
- Konzeptionelle und rechtliche Rahmenbedingungen der Pro forma-Berichterstattung
- Analyse der motivischen Zielsetzungen bei der Veröffentlichung von Pro forma-Kennzahlen
- Untersuchung der Informationswirkung auf verschiedene Anlegergruppen (Kleinanleger vs. professionelle Investoren)
- Regulative Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Berichterstattung
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition & Abgrenzung
Der wirtschaftswissenschaftliche Begriff von „pro forma“ wird übersetzt mit „zum Schein“, „um eine Vorschrift zu genügen“ oder „der Form wegen“. Im Ursprung wurden Pro forma-Gewinne verwendet, um die Vergleichbarkeit von Finanzinformationen, die sich bei strukturellen Änderungen in einem Unternehmen durch bspw. einen Unternehmenskauf- oder verkauf ergeben haben, wiederherzustellen.
Im Verlauf der Zeit ergab sich eine Begriffswandlung von den zuvor unternehmenseigenen Gewinngrößen hin zu Pro forma-Gewinnen im Sinne von regulierten Gewinngrößen, welche um Sondereinflüsse eliminiert worden sind. Die Pro forma-Berichterstattung umfasst als Element der Unternehmenspublizität die von dem Unternehmen kommunizierten Pro forma-Informationen. Der Inhalt dieser Information erfolgt durch die häufige undifferenzierte und parallele Verwendung der folgenden Begriffe:
Pro forma-Abschluss
Pro forma-Angabe
Pro forma-Kennzahl
Pro forma-Abschlüsse können im Rahmen eines Börsengangs erstellt werden, wenn das börsengehende Unternehmen noch keine drei Jahre in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft bestanden hat oder werden von einer Unternehmensgruppe erstellt, die erstmalig einen Konzernabschluss anfertigt und diesen für einen intertemporalen Vergleichszweck den vergangenen Geschäftsjahren gegenüber stellen will.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problematik sowie der Kernfrage, ob Pro forma-Berichterstattung zur Transparenz beiträgt oder zur adversen Beeinflussung genutzt wird.
2 Bilanzpolitik: Definition und Abgrenzung der Bilanzpolitik sowie Erläuterung der finanz- und informationspolitischen Ziele und Instrumente.
3 Pro forma-Berichterstattung: Einordnung der Pro forma-Berichterstattung, ihrer legalen Rahmenbedingungen in der EU und den USA sowie Betrachtung der Rollen von Sendern und Empfängern.
4 Zielsetzungen von Pro forma-Berichterstattung: Empirische Analyse der Motive Transparenzerhöhung und Anlegerbeeinflussung auf Basis internationaler Studien.
5 Regulative Handlungsempfehlungen: Ableitung von Empfehlungen für eine transparente Berichterstattung orientiert an den Standards der DVFA und der ESMA.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Pro forma-Berichterstattung, Bilanzpolitik, Transparenzerhöhung, Anlegerbeeinflussung, Pro forma-Kennzahlen, Kapitalmarktkommunikation, ESMA, US-GAAP, IFRS, Earnings, Street Earnings, Non-GAAP, Finanzanalyse, Investorenschutz, Performancedarstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die Analyse der motivischen Zielsetzung von Pro forma-Berichterstattung: Dient sie der Transparenzerhöhung für Investoren oder der bewussten, manipulativen Beeinflussung durch Unternehmen?
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Instrumente der Bilanzpolitik, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Pro forma-Kennzahlen in den USA und Europa sowie die empirisch nachweisbaren Motive hinter solchen Veröffentlichungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Pro forma-Berichterstattung ein Instrument für mehr Transparenz ist oder als Hilfsmittel zur adversen Beeinflussung von Bilanzlesern fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Literaturanalyse auf Basis US-amerikanischer empirischer Studien durchgeführt, da bisher keine vergleichbaren europäischen Daten in diesem Umfang vorliegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen der Bilanzpolitik wird die Einordnung und Regulierung von Pro forma-Angaben analysiert. Zudem werden empirische Studien zum Informationsgehalt und den Motiven der Unternehmen ausgewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Pro forma-Berichterstattung, Bilanzpolitik, Transparenzerhöhung, Anlegerbeeinflussung und Kapitalmarktkommunikation.
Wie unterscheiden sich Sender ersten und zweiten Grades?
Sender ersten Grades sind die publizierenden Unternehmen selbst, während Sender zweiten Grades Institutionen wie Analysten oder Informationsdienstleister sind, die Daten verarbeiten und eigene Kennzahlen entwerfen.
Warum sind Kleinanleger besonders gefährdet?
Kleinanleger neigen stärker dazu, Pro forma-Ergebnisse unzutreffend zu beurteilen, da sie diese im Vergleich zu professionellen Investoren möglicherweise überbewerten und weniger tiefgreifend verarbeiten können.
- Quote paper
- Carsten Wolter (Author), 2019, Pro forma-Berichterstattung. Bilanzpolitik durch gezielte Auswahl und Zusammensetzung der Kennzahlen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1331100