Der trockene Himalaya - Der Nordwesten, Hindukusch und Karakorum


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

28 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

Der äußerste Nordwesten
Einleitung
Relief und Klima
Regionale Analyse
Profil Peshawar zum Tirich Mir
Die Südost Abdachung des Hindukusch
Zusammenfassung

Der Nordwesten
Relief und Klima
Regionale Analyse
Profil Punjab – Nanga Parbat – Karakorum
Der Nanga Parbat
Zusammenfassung

Literaturliste

Anhang

Legende

Der äußerste Nordwesten

Einleitung

In diesem Abschnitt werden die Vegetationsverhältnisse des äußersten Nordwesten erläutert.

Eingrenzen möchte ich das Gebiet im Norden durch die Hauptkette des Hindukusch, westlich bis etwa zum 69° östlicher Länge, südlich durch den Kabul Fluss und die Ebene des Punjab und östlich durch den Indus Kohistan.

Relief und Klima

Die Hauptkette des Hindukusch bildet das Rückgrat des äußersten Nordwesten. Die linken Nebenflüsse des Kabul, Kunar und Swat, sind hauptsächlich für die Entwässerung der Süd-Ost Abdachung des Hindukusch sowie der Berge im nördlichen Kohistan verantwortlich.

Das nordöstliche Klima von Afghanistan charakterisiert sich durch zwei unterschiedliche Niederschlagsperioden. Grundsätzlich unterliegt Afghanistan dem Einfluss des Mittelmeers. Man findet folglich trockenen Sommer und regen Niederschlag im Winter. Östlich von Kabul ab ist jedoch eine klimatische Veränderung deutlich spürbar.

Hier setzt in den Gebirgen von Nuristan ab Mitte Oktober ein strenger und langer Winter ein. Starke Niederschlagsereignisse sowie große Schneemengen prägen dieses Gebiet im Winter. Gründe hierfür sind die vorherrschenden West- und Nordwinde.

Das Frühjahr ist hingegen niederschlagsarm, und sorgt aufgrund der hohen Einstrahlung für ein schnelles Abschmelzen der Schneedecke.

Im Sommer, für dieses Gebiet etwa Juli bis September (SCHWEINFURTH), werden die gebirgigen, und somit höher liegenden Teile dieses Gebiet durch den Einfluss des indischen Monsuns bestimmt. Grund hierfür sind die Süd- und Südostwinde. Die Monsunwinde sind nach dem durchlaufen der niederen Teile des Hindukusch gezwungen, an dessen Hauptkette aufzusteigen. Folge sind starke Niederschläge und Gewitter (vor allem natürlich im Sommer).

So kommt es auch, dass sich der charakteristische Wolkengürtel oberhalb der Nadelwaldstufe bildet. Dieser ist ein wichtiger Faktor für die ausreichende Feuchtigkeitsversorgung der anstehenden Wälder.

Der Einfluss des Monsun ist nach Osten hin (Swat und Indus Kohistan) wesentlich stärker. Weniger einflussreich sind die winterlichen Niederschläge.

Im Tal des Kabul ist besonders das indische Klima spürbar. Milde Winter und ein heißer, schwüler Sommer zeichnen die Gebiete Jelalabad, die Täler des Alingar, Kunar sowie des Swat.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das ganze Gebiet unter dem Einfluss des Etesien-Klimas sowie der Ausläufer des Monsuns steht.

Die Niederschläge, die jedes von diesen beiden Ereignissen mit sich bringt, würde anscheinend nicht ausreichen, um Lebensbedingungen für einen feuchten Nadelwald, so wie er in einigen Teilen Afghanistans vorherrscht zu schaffen. Nur eine Summierung der „Kräfte“ schafft diese, für Afghanistan besondere, Situation. Für Afghanistan ist es das einzige Waldgebiet, für den Himalaya stellt es die Grenze feuchter Wälder gegen den westlichen Trockengürtel dar.

Regionale Analyse

Von Pesharwar bis Tirich Mir

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(aus SCHWEINFURTH, 1957, Karte 1) Farberläuterung siehe Anhang

Peshawar liegt zentral im nordwestlichen Punjab. Nach Norden geht es in das Flussgebiet des Swat und Panjkora, weiter über den Hindu Raj nach Chitral.

Als grundsätzlich natürliche Vegetation wird die Dornbuschsteppe angesehen.

Hauptvertreter dieser Steppe sind Acacia arabica, Acacia leucophloea,

Capparis aphylla, Calotropis procera, Salvadora oleoides und Prosopis spicigera Dies sind holzige Gewächse, die baumförmig oder auch als niedere Sträucher ohne besondere Differenzierung in Stockwerken auftauchen. Bei Regen lässt sich ebenfalls eine dünne Grasnabe vorfinden. Grundsätzlich lässt sich dieser Typ auf flachem Land finden – ebenso auf dem, von Erosion aufgerissenem, Gelände und auf den Vorhügeln.

In der Gegend von Malakand lassen sich auf den Hügeln dünne Vorkommen der Kiefer Pinus Roxburghii finden. STEWART (1863) fand allerdings auch Vorkommen dieser Kiefer weiter westlich bis nach Abazai. SCHWEINFURTH (1957) vermutet noch weiter westlich liegende Bestände, die sich südlich des Kabul im Safed Koh und im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Belutschistan befinden könnten. Im Norden herrschen noch Bestände auf den Höhen links der Panjkora.

Oberhalb Dir sind die ersten lichten Vorkommen von Quercus Ilex in der Artemisiensteppe bekannt. Allerdings erwähnt SCHWEINFURTH (1957) schon Nadelwälder auf den oberen Hängen beiderseits der Panjkora.

Dieser Nadelwald setzt ab ca. 1900m mit recht dünner Besiedlung von Cedrus Deodora ein.

Das Vorkommen ist recht lokal gebunden, doch lassen sich vermehrte Vorkommen auf den Hängen finden, auf denen die Süd-Exposition in eine Ost-Exposition übergeht.

Im Laufe des Profils wird der Hindu Raj mittels des Lawarei-Pass überwunden. Dieser liegt in etwa in der 3125m Höhe. Wenige Höhenmeter später lässt sich ein subalpiner Wald erkennen, der hier insbesondere durch Betula utilis vertreten ist.

Das Profil geht weiter mit einem Abstieg vom Lawarei-Pass auf der Nordseite. Es erscheint eine offensichtlich veränderte, üppigere Vegetation. Grund hierfür ist die anders ausgerichtete Exposition des Hangs. Der Nadelwald reicht bis an die Höhe des Passes heran, und auch in seiner Artenvielfalt ist er ausgeprägter als auf der Seite des Aufstiegs. Man erkennt

Abies Webbiana, Picea morinda, Pinus excelsa und in tieferen Lagen wieder

Cedrus Deodora.

Zwischen Ziarat und Ashret finden wir einen Übergang vom Nadelwald in einen Steppenwald mit Steineichen. Bei Mirkhani fügen sich noch Bestände von Pinus Geradiana hinzu.

Weiter geht es im Profil aufwärts durch das Kunar-Tal.

Hier ist die Artemisiensteppe weitläufig entwickelt, und auf den Hängen inselförmige Vorkommen von Steineichen, die ihren Rückzug in höhere Regionen vermuten lassen.

Juniperus und Wildmandel bilden ebenfalls verstreute Vorkommen. Über den Steineichen sind Ausbildungen von Nadelwald zu verzeichnen, der mit Zedernbeständen für eine Ablösung des Steppenwaldes in der Höhe sorgt.

Nähe Drosh mündet von Nordosten her das Sishi-Tal in das Kunar-Tal. Im Sishi-Tal ist kein vegetationsgeographischer Unterschied zum Haupttal zu erkennen. Artemisiensteppe mit Steppenwald von Quercus Ilex, der bei Madaglasht von Pinus Gerardiana abgelöst wird. Oberhalb davon der gemischte Nadelwald, der in der Nord-Exposition vornehmlich aus

Pinus excelsa und Cedrus Deodora besteht.

Die Täler des Bumboret und Rumpur vereinigen sich zum Ayun-Tal, welches im Westen in das Kunar-Tal einmündet. Bis Kunisht und Brumotul steigen Artemisiensteppe und Steineichenwald. Oberhalb liegt ein gemischter Nadelwald mit Cedrus Deodara,

Pinus excelsa, Abbies Webbiana und Picea morinda. Im Bereich des Kunar-Tals sind dies wohl die letzten Funde des feuchteren Waldtyps.

Im Haupttal nimmt die Trockenheit nordwärts zu. Von Chitral aufwärts findet sich in der Talsohle Wüstensteppe. Diese halbwüstenartige Vegetation lässt sich bis weit in das Mastuj-Tal herauf vorfinden. Es herrscht ein fast vollkommener Rückgang der Vegetation, nur ab und zu springen Vorkommen von Capparis aphylla ins Auge.

Langsam führt das Profil Richtung Tirich Mir, und damit auch raus aus der Wüstensteppe der unteren Talstufe.

Artemisiensteppe, mit Juniperus macropoda (ab ca. 3500m), zieht sich mit langer vertikaler Erstreckung durch das Profil. Die Lebensbedingungen haben sich hier nun deutlich verändert. Sie scheinen zu ungünstig für die Steppenwälder, so dass sich keine Vorkommen mehr finden lassen. Ebenso ergeht es dem feuchten Nadelwald, der auch hier in der Höhe keinen Lebensraum mehr findet.

Im Laufe des Profils folgt nun allmählich der Bereich des ewigen Schnees. Die Artemisiensteppe geht in eine feuchte alpine stufe über. Am Owir An finden sich in ca. 4300m Höhe große Flächen von Cousinea sp., die sich mit saftigen Gras- und Krautfluren abwechseln.

Der Barum Gletscher reicht am Shokor Shal bis etwa 3500m herab. Folge ist eine dementsprechende Verschiebung der alpinen Stufe.

Im eigentlichen Trockengürtel ist folglich nur dort eine feuchte Vegetation anzutreffen, wo genügend Schmelzwasser zur Verfügung steht, um für eine ausreichende Versorgung der Pflanzen zu sorgen. Es ergibt sich daraus weiter eine vielfältige standörtliche Differenzierung.

Ab ca. 5100-5200m erreicht man die Schneegrenze, und somit verlässt man den vegetativen Raum.

Die Südost Abdachung des Hindukusch

Das vorangegangene Profil versuchte die Vegetation des äußersten Nordwesten zu erläutern. Im nun folgenden Abschnitt wird die Vegetationsverteilung der Südost Abdachung betrachtet. Sie nimmt Verlauf vom Tirich Mir Richtung Süden.

In der Ebene um Peshawar (ebenso auch in westlicher Richtung) findet sich hier der selbe Dornbusch, der schon im ersten Abschnitt näher betrachtet wurde.

Es folgt der Anstieg zum Khyber-Pass. Dodonaea viscosa fällt auf, und auf der Passhöhe kommen noch Reptonia buxifolia, Olea europaea und Chamaerops Ritchieana hinzu. GRIFFITH (1847) führte seine näheren Betrachtungen des Gebiets von der Passhöhe aus fort. Im Tal des Kabul deutete alles auf einen Übergang der Dornbuschvorkommen des Punjab in Wüstensteppe hin.

Weiterhin erkannte er von der Passhöhe keine Wälder, bis auf einige geringe Vorkommen in der Nähe von Wasserläufen. Hier gab es dann Euonymus, Adhatoda vasica, Pistacia und Syringa zu entdecken.

Grundsätzlich ist das Land sehr bescheiden bewachsen, und die erwähnten Sträucher stehen in relativ großem Abstand zueinander entfernt. GRIFFITH (1847) erwähnt sogar die menschlichen Siedlungen, die im Bild der Landschaft wie Oasen wirken.

Am Khyber-Pass selbst ist die Dichte des Bewuchses kaum verändert. Hier geht jedoch die Wüstensteppe in die Artemisiensteppe über. Man fand Arten wie Quercus Ilex, Sophora Griffithii und Daphne angustifolia. Aber auch diese Arten waren, wie erwähnt, sehr verstreut.

Die ersten, und wahrscheinlich auch einzigen Waldvorkommen findet man bei Jugdulluk, auf der Höhe zwischen Surkhab und Kabul. Sie stellen somit eine Verbindungslinie zwischen den Wäldern im Safed Koh und dem westlichen Nuristan dar.

Das Vorkommen von Bäumen wird immer geringer, ja schwindet sogar gänzlich, sobald man den Kabul-Fluss weiter Richtung der Hauptstadt Kabul verfolgt.

Kabul selber befindet sich mitten im Trockengürtel, so dass es nicht verwunderlich ist, hier nur eine „kräuterreiche Wüstensteppe“ (KERSTAN, 1937) vorzufinden. Sie ähnelt, allerdings in anderer Zusammensetzung, der Artemisiensteppe.

Nächster Anstieg ist das Alingar-Tal. Hier wird nicht nur die untere Waldgrenze (ca. 900m) von Quercus Baloot (Steineiche) gebildet, sondern auch die Obere (ca. 2250-2400m) bei Puschol im oberen Ramgel-Tal. Als Unterwuchs findet man überall Artemisiensteppe.

Oberhalb der Baumgrenze sind aber noch einige Vorkommen von Juniperus polycarpos (Wacholder) zu erkennen (Tschitur und am Pirdum-Pass). In der Regel bildet die Waldgrenze eine Art Trockengrenze, so dass man Juniperus polycarpos eine größere Trockenresistenz als Quercus Baloot zuordnen kann.

Das alleinige Vorkommen der Steineiche lässt immer deutlicher werden, dass je weiter man Richtung Westen gehen würde, die Grenze des Baumwuchses (69° Ost) immer näher kommt.

Weiter östlich hingegen, in den drei Tälern der Flüsse Nilau, Kulam und Shuk, die sich im Tal des Kulam vereinigen, tritt neben Quercus Baloot nun auch Pinus Gerardiana auf. Diese tritt in reinen Beständen auf den Nordwest Hängen bei Shuk, und in regen Beständen in Kulam auf, wo sie die obere Waldgrenze bei ca. 2500m bildet.

In den oberen Lagen des Kulam und Shuk-Tales finden sich die ersten Bestände eines feuchten Nadelwaldes, der über den Donda-Pass bis in diese Region reicht. Pinus excelsa und Cedrus Deodara bilden diese Zunge. Pinus excelsa bildet teilweise sogar die obere Waldgrenze (ca. 2600m).

Im oberen Shuk-Tal lässt sich ebenfalls eine üppige Kraut- und Strauchvegetation feststellen.

Weiter fällt der Blick ins Kunar-Tal. Hier lässt sich talaufwärts Wüstensteppe mit darüber liegender Artemisiensteppe und anschließendem Steineichenwald vorfinden. Im Tal zwischen Pashut und Tschaghan Serai gibt es vereinzelte Vorkommen von Dodonaea, Olea und Acacia.

Oberhalb Tschaghan Serai´s beginnt in etwa 900m der Steineichenwald, der an der afghanisch-pakistanischen Grenze noch in der Talsohle liegt, sich aber ab Mirkhani in die höheren Hanglagen zurückzieht. Zusammen mit den Steineichen treten Vergesellschaftungen von Sophora Griffithii, Fraxinus, Prunus und Berberis auf.

Auf den südlicheren Bergen gab es gegensätzlich zu denen im Norden keine offensichtlichen Vorkommen von Steineichenwald.

Bei Tschaghan Serai mündet das Tal des Petsch in das des Kunar.

Auch hier prägt das gewohnte Bild von Artemisiensteppe mit überliegendem Steineichenwald das Bild der Nebenhänge.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Der trockene Himalaya - Der Nordwesten, Hindukusch und Karakorum
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Vegetationsgürtel der Hochgebirge der Erde (Oberseminar)
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
28
Katalognummer
V13312
ISBN (eBook)
9783638190008
Dateigröße
834 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Himalaya, Nordwesten, Hindukusch, Karakorum, Vegetationsgürtel, Hochgebirge, Erde
Arbeit zitieren
Marc Altena (Autor), 2002, Der trockene Himalaya - Der Nordwesten, Hindukusch und Karakorum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13312

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