Die Bedeutung der sozialen Herkunft ist in vielen Bereichen wichtig geworden und wird immer weiter erforscht. Sie beeinflusst unser Sozialverhalten, unsere Bildungschancen sowie unsere Entscheidungen, die wir täglich treffen. Besonders interessant sind die Bildungsaufsteiger*innen, da diese es geschafft haben vom Arbeiterkind zum Akademiker zu werden. Aber auch Hochschulen betreffen die Ungleichheiten der sozialen Herkunft in den Bildungschancen. Wie hängt also der Bildungserfolg mit der sozialen Herkunft zusammen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Soziale Ungleichheiten der Bildungschancen
2.1 Primärer Herkunftseffekt
2.2 Sekundärer Herkunftseffekt
3 Vom Arbeiterkind zum Akademiker
4 Zugehörigkeit durch sozialen Raum
5 Bildungsaufsteiger*innen an Hochschulen
6 Ansätze zur Reduzierung der Ungleichheiten
6.1 Ungleichheitsausgleich durch Quotenregulierungen
6.2 Spezielle Angebote für benachteiligte Gruppen
6.3 Ungleichheitssensible Lehre
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg, mit einem besonderen Fokus auf die Erfahrungen und Herausforderungen von sogenannten Bildungsaufsteiger*innen im deutschen Hochschulsystem.
- Analyse primärer und sekundärer Herkunftseffekte nach Boudon.
- Untersuchung des Habitus-Konzepts und der sozialen Raumtheorie von Bourdieu.
- Evaluierung der Lebenswirklichkeit und Hürden von Bildungsaufsteiger*innen.
- Kritische Beleuchtung von Maßnahmen zur Ungleichheitsreduzierung (Quoten, Beratung, Lehre).
Auszug aus dem Buch
3 Vom Arbeiterkind zum Akademiker
Die Frage, die sich nun stellt, ist: Wie schafft es ein Arbeiterkind zum Akademiker zu werden? Dazu muss geklärt werden was soziale Benachteiligungen sind. Die Berufspädagogik definiert die soziale Benachteiligung häufig als kognitive oder physische Beeinträchtigung, Brüche in der Schulbiografie oder erschwerte Arbeitsmarktzugänge, während die Soziologie zwei Modelle von Chancenungleichheiten aufweist.
Zum einen ist eine Benachteiligung vorhanden, wenn die Verteilung von gesellschaftlichen relevanten Ressourcen (Abschlüsse, Einkommen, Berufsposition, etc.) nicht proportional zwischen verschiedenen Gruppen verteilt ist (hierbei besonders nach Merkmalen wie Geschlecht, ethnische und soziale Herkunft, Region) und zum anderen wenn die gesellschaftlicher Verteilung nicht durch individuelle Kompetenzen und Leistungen rechtmäßig anerkannt werden. Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass eine entsprechende Benachteiligung also eine nicht reale Chancengleichheit aufweist. Diese soziologischen Modelle basieren auf philosophischen Gerechtigkeitsbegriffen, aber auch auf gesellschaftlichen Formen der rechtmäßigen Anerkennung von Ungleichheit (vgl. El-Mafaalani, 2014, S.14-15).
„Wer viel leistet, soll mehr haben“ sowie „Die Herkunft und das Geschlecht dürfen keinen strukturellen Unterschied machen“ (El-Mafaalani, 2014, S. 15).
Vom Arbeiterkind ausgehend sind die typischen Denk- und Handlungsmuster durch einen Habitus der Notwendigkeit geprägt. Die Notwendigkeit steht also bei der Wahrnehmung unterschiedlicher Situationen im Vordergrund. Der Grund hierfür ist, dass die unteren Schichten durch Knappheit an ökonomischem Kapital (Geld, Besitz) und kulturellem Kapital (Wissen, Bildung) sowie sozialem Kapital (soziale Netzwerke, Anerkennung) gekennzeichnet sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der sozialen Herkunft für Bildungschancen ein und skizziert das Forschungsinteresse der Autorin, die selbst den Weg vom Arbeiterkind zur Studentin beschritten hat.
2 Soziale Ungleichheiten der Bildungschancen: Es wird der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg theoretisch fundiert, unterteilt in primäre und sekundäre Herkunftseffekte.
3 Vom Arbeiterkind zum Akademiker: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der sozialen Benachteiligung aus soziologischer Perspektive und analysiert, wie ein von Notwendigkeit geprägter Habitus Bildungsverläufe beeinflusst.
4 Zugehörigkeit durch sozialen Raum: Hier wird Pierre Bourdieus Theorie des sozialen Raums eingeführt, um zu erklären, wie Lebensstile und soziale Positionen unabhängig von klassischen Klassenstrukturen zusammenhängen.
5 Bildungsaufsteiger*innen an Hochschulen: Das Kapitel beleuchtet die spezifische Situation von Studierenden aus nicht-akademischen Elternhäusern und die damit verbundenen Herausforderungen wie "Selbsteliminierung".
6 Ansätze zur Reduzierung der Ungleichheiten: Es werden verschiedene Strategien wie Quotenregulierungen, Unterstützungsangebote und ungleichheitssensible Lehre vorgestellt und kritisch diskutiert.
7 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Reflexion, dass soziale Ungleichheiten in der Bildung nicht vollständig vermeidbar sind, aber durch einen bewussteren Umgang und mehr Habitussensibilität abgemildert werden können.
Schlüsselwörter
Soziale Herkunft, Bildungschancen, Bildungsaufsteiger, Soziale Ungleichheit, Habitus, Bourdieu, Primärer Herkunftseffekt, Sekundärer Herkunftseffekt, Bildungssoziologie, Arbeiterkind, Chancengleichheit, Soziale Mechanismen, Habitussensibilität, Bildungssystem, Akademisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der sozialen Herkunft auf individuelle Bildungschancen und beleuchtet die Barrieren, die das Bildungssystem für Kinder aus nicht-akademischen Familien bereithält.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Zentrale Themen sind die soziologische Erklärungsmodelle von Bildungsungleichheit, der Habitusbegriff, die besonderen Erfahrungen von Aufsteigern an Hochschulen sowie Ansätze zur Förderung von Bildungsgerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Ziel ist es zu verstehen, wie und warum soziale Herkunft den Bildungsweg prägt und welche Mechanismen – sowohl im Individuum als auch in der Institution – zu Bildungsungleichheiten führen oder diese reproduzieren.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden genutzt?
Die Arbeit stützt sich primär auf bildungssoziologische Ansätze, insbesondere auf die Theorien von Pierre Bourdieu sowie empirische Arbeiten von Becker, El-Mafaalani und Spiegler.
Was wird im Hauptteil detailliert erörtert?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung (primäre/sekundäre Effekte, sozialer Raum), die Diskussion der Lebensrealität von Bildungsaufsteigern und eine kritische Auseinandersetzung mit politischen und institutionellen Fördermaßnahmen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?
Die wichtigsten Schlagworte sind Soziale Herkunft, Habitus, Bildungsaufsteiger und Ungleichheitsprozesse im deutschen Bildungssystem.
Was bedeuten primäre und sekundäre Herkunftseffekte?
Der primäre Effekt bezieht sich auf leistungsschichtspezifische Unterschiede im Kompetenzerwerb bereits während der Sozialisation, während der sekundäre Effekt die bewusste Entscheidung für einen Bildungsweg basierend auf Kosten-Nutzen-Abwägungen der Familie beschreibt.
Welches Problem identifiziert die Autorin bei Mentorenprogrammen wie arbeiterkind.de?
Die Autorin argumentiert, dass solche Programme zwar eine wichtige Hilfe sind, aber gleichzeitig die Differenz und das vermeintliche "Defizit" der Studierenden erst markieren, anstatt die Strukturen der Bildungsinstitution selbst zu ändern.
Wie kann eine "Habitussensibilität" in der Lehre helfen?
Sie soll Lehrende dazu befähigen, ihre eigenen Klassifikationsmuster zu hinterfragen und die unterschiedlichen Hintergründe und Deutungsmuster der Studierenden besser zu verstehen, anstatt nur nach einem normativen Standard zu bewerten.
- Arbeit zitieren
- Marie Josefine Grabner (Autor:in), 2020, Bedeutung der sozialen Herkunft im Bezug auf Chancengleichheit im Bildungssystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1331234