Kommunen haben im Umsetzungsprozess der europäischen Dienstleistungsrichtlinie(DLR)eine besondere Rolle, denn allein auf kommunaler Ebene sind rund 12.300 Kommunen von mindestens einer Verpflichtung aus der DLR betroffen. Zahlreiche Kommunen sollen außerdem die Einrichtung und Funktion des Einheitlichen Ansprechpartners (EA) übernehmen, aber 40% von ihnen geben selbst ein Jahr vor Ablauf der Umsetzungsfrist an, kein Projektmanagement zur Umsetzung der Richtlinie zu betreiben.
Dies verdeutlicht, dass in den Kommunalverwaltungen nicht nur Hintergrund- und Kontextwissen über die Vorgaben der DLR gefragt ist, sondern auch Management- und Methodenwissen über das Vorgehen, wenn eine Verwaltung in diesem komplexen Gefüge selbst von Umsetzungspflichten betroffen ist.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es deshalb, diesen komplexen Prozess, der die Umsetzung europäischer Vorgaben zum Ziel hat, mithilfe der wissenschaftlichen Methoden der Projektmanagementlehre zu strukturieren. Auf Grundlage der bisherigen Umsetzungsschritte in Kommunen wird mit interdisziplinären Planungs- und Strukturierungsmethoden des Projektmanagements ein beispielhaftes Gesamtkonzept für die Einrichtung Einheitlicher Ansprechpartner entwickelt. Dieses Projektmanagementkonzept soll zum einen als Leitfaden und Vergleichsmöglichkeit für Kommunen dienen und zum anderen soll der Mehrwert erzeugt werden, Methodenwissen auch für ähnliche Umsetzungsvorhaben anwendbar zu machen.
Vor diesem Hintergrund richtet diese Masterarbeit sich zum einen speziell an die Umsetzungsverantwortlichen und Projektteams in Kommunen, die durch die Einrichtung der EA betroffen sind und zum anderen auch an interessierte Verwaltungsmitarbeiter, die mehr über die Zusammenhänge und Inhalte der DLR und die Anwendung des Projektmanagements erfahren möchten.
An diesem Umstand orientiert sich auch der Aufbau der Arbeit: In Kapitel A und B erhalten Praktiker, die kein oder wenig Hintergrundwissen über die Dienstleistungsrichtlinie und das Projektmanagement besitzen, die zum Verständnis der in Kapitel C erstellten Projektmanagementkonzeption notwendigen Informationen. Die Projektmitarbeiter, die bereits mit den Details der Umsetzung der DLR vertraut sind, erhalten in Kapitel C gezielte Informationen zur Projektplanung und -abwicklung.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung
1. Problemaufriss
2. Erkenntnisleitendes Interesse und Zielsetzung
3. Methodenwahl
3.1 Projektmanagement: Begriff und Inhalte
3.2 Aufbau der Arbeit
B. Das Großprojekt: Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie in Deutschland
1. Identifikation der Richtlinienumsetzung als Projekt
2. Teilprojekte der Richtlinie
2.1 Die Verwaltungsvereinfachung
2.1.1 Die Normenprüfung
2.1.2 Die Einrichtung Einheitlicher Ansprechpartner für Dienstleistungserbringer
2.1.3 Die Elektronische Verfahrensabwicklung
2.2 Der Aufbau eines Binnenmarktinformationssystems
2.3 Die Qualitätssicherung der Dienstleistungen
3. Ebenen des Projektmanagements in Deutschland
3.1 Ebenenübergreifende Gesamtkoordination der Umsetzung
3.2 Umsetzungspflichten auf Bundesebene
3.3 Bisherige Umsetzung auf Länderebene
3.4 Umsetzungsschritte auf Ebene der Kammern
3.5 Die kommunale Ebene im Umsetzungsprozess
C. Teilprojekt Einheitlicher Ansprechpartner: Entwicklung eines Projektmanagementkonzeptes
1. Datenerhebung: Kommunale Umsetzungsschritte
2. Vorgehensprinzipien im Projektmanagement
3. Konzeptionsphase
3.1 Ausgangsanalyse als erster Schritt im Projektverlauf
3.2 Zieldefinition für eine Gesamtstrategie
3.3 Erstellung des Anforderungskatalogs
3.3.1 Analyse der Anforderungen
3.3.2 Katalogisierung der Anforderungen
3.4 Risikoanalyse zum größtmöglichen Gefahrenausschluss
4. Definitionsphase
4.1 Projektstrukturplan zur Komplexitätsreduzierung
4.2 Terminplan mit Ressourcenschätzung
4.2.1 Grobplanung des Projektverlaufs und Bestimmung der Meilensteine
4.2.2 Bestimmung der Tätigkeiten innerhalb der Arbeitspakete
4.2.3 Qualifikationsprofile und Personalaufwand
4.2.4 Berechnung der Termine für die Arbeitspakete
4.3 Grafische Darstellung des Ablaufplans
4.4 Projektvereinbarung und -vertrag als Verpflichtungskorsett
5. Durchführungsphase
5.1 Projektcontrolling als Projektsteuerung
5.2 Kommunikationsstrategie als unabdingbarer Erfolgsfaktor
5.3 Offizieller Projektstart als Signalwirkung
6. Abschlussphase
6.1 Abschlusssitzung zur Evaluation der Projektarbeit
6.2 Abschlussbericht: Voraussetzung für die Projektabnahme
D. Fazit und Ausblick
1. Projektmanagement zur Einrichtung des Einheitlichen Ansprechpartners: Nutzen und Potentiale
2. Das Ende der Umsetzungsfrist: Perspektiven und offene Fragen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den komplexen Prozess der Umsetzung europäischer Vorgaben – insbesondere der Dienstleistungsrichtlinie – in Kommunen durch die Anwendung wissenschaftlicher Methoden der Projektmanagementlehre zu strukturieren und in ein beispielhaftes Gesamtkonzept für die Einrichtung eines Einheitlichen Ansprechpartners zu überführen, um als Leitfaden für Kommunen zu dienen und Methodenwissen allgemein verfügbar zu machen.
- Grundlagen der europäischen Dienstleistungsrichtlinie und deren Umsetzung in Deutschland.
- Analyse und Anwendung von Projektmanagementmethoden im Kontext kommunaler Verwaltungsstrukturen.
- Entwicklung eines strukturierten Projektmanagementkonzepts für Einheitliche Ansprechpartner.
- Risikoanalyse, Terminplanung und Kommunikationsstrategien zur effizienten Projektdurchführung.
- Evaluation und Nutzenbewertung von Projektmanagement zur Steigerung der kommunalen Verwaltungseffizienz.
Auszug aus dem Buch
3.1 Projektmanagement: Begriff und Inhalte
Das Verständnis des Begriffs „Projektmanagement“ hat sich im Laufe der Zeit gewandelt von der reinen Nutzung von Werkzeugen zur Projektplanung und -steuerung hin zu einem ganzheitlichen Verständnis strategisch geplanten und organisierten Handelns. Zur erfolgreichen Projektabwicklung gehören jetzt nicht nur operative Werkzeuge, sondern auch die Betonung des strategischen Managementaspektes, d. h. der Einsatz von Führungsmethoden und Organisationsmodellen.
Dabei wird deutlich, dass der Begriff Management bzw. Projektmangement unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Man unterscheidet (1) Management als Institution, d.h. die Personen auf den hierarchischen Managementebenen, (2) das Managementhandeln, d.h. die Entwicklung und Umsetzung von Strategien zur Erreichung der Management- bzw. Unternehmensziele durch zielgerichtete Führung von Personen und den Einsatz von Sachmitteln mithilfe von Managementtechniken und (3) Management als Sachfunktion, d. h. jede Aufgabe wird als Arbeitsprozess in einzelnen Arbeitsschritten, -stufen und -phasen erledigt.
Die DIN 69901 definiert Projektmanagement als „Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken, und -mitteln für die Abwicklung eines Projektes.“ Daneben wird auch der verwandte Begriff Projektwirtschaft definiert als „Gesamtheit aller Maßnahmen, die dazu dienen, das Projekt zu realisieren.“
Da die Projektdefinition des Deutschen Instituts für Normung in der Praxis jedoch noch umstritten ist, gibt es zahlreiche weitere, konkretisierende und ergänzende Definitionen. Projektmanagement wird folglich auch bezeichnet als „Gesamthafte, fachgebietsübergreifende, projektaufgabenbezogene Koordination der Planung (Projektvorbereitung) und Koordination der Durchführung (Projektsteuerung) von Projekten zur Erreichung der Projektziele Leistung, Termin, Kosten und Qualität.“ Eine weitere Definition bezeichnet Projektmanagement als „die Anwendung von Wissen, Fähigkeiten, Methoden und Techniken der Steuerung eines Projektes zum Erreichen der Projektziele.“
Abschließend kann nur festgestellt werden, dass dem Begriff Projektmanagement mehrere Bedeutungen zukommen können. Folgende Definition wird der weiteren Arbeit zugrundegelegt:
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung: Das Kapitel erläutert die Herausforderungen der Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie in Deutschland und führt in die Notwendigkeit von Projektmanagementmethoden für betroffene Kommunen ein.
B. Das Großprojekt: Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie in Deutschland: Hier wird die Richtlinienumsetzung als komplexes Großprojekt mit verschiedenen Teilprojekten analysiert und das Mehrebenen-Managementkonzept in der Bundesrepublik beschrieben.
C. Teilprojekt Einheitlicher Ansprechpartner: Entwicklung eines Projektmanagementkonzeptes: Dies ist der Hauptteil, der Schritt für Schritt die Phasen der Konzeption, Definition und Durchführung eines Projektmanagementkonzepts für Einheitliche Ansprechpartner in der Kommune darlegt.
D. Fazit und Ausblick: Das Kapitel bewertet den Nutzen der Projektkonzeption und bietet eine abschließende Einschätzung der Perspektiven für die Zeit nach Ablauf der Umsetzungsfrist.
Schlüsselwörter
Dienstleistungsrichtlinie, Projektmanagement, Kommunalverwaltung, Einheitlicher Ansprechpartner, Verwaltungsmodernisierung, Normenprüfung, Projektstrukturplan, Risikoanalyse, Terminplanung, Kommunikationsstrategie, E-Government, IT-Infrastruktur, Prozessoptimierung, Projektsteuerung, Effizienzsteigerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die systematische Umsetzung der europäischen Dienstleistungsrichtlinie in deutschen Kommunen mittels moderner Projektmanagementmethoden, mit einem speziellen Fokus auf die Einrichtung Einheitlicher Ansprechpartner.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen Projektmanagement in der öffentlichen Verwaltung, die organisatorische und technische Bewältigung der EU-Vorgaben, Risikomanagement, Kommunikationsstrategien sowie die Verwaltungsmodernisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Erstellung eines beispielhaften, auf wissenschaftlichen Methoden basierenden Gesamtkonzepts, das Kommunen als Leitfaden bei der Einrichtung eines Einheitlichen Ansprechpartners dienen soll.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt Methoden der Projektmanagementlehre, darunter Kreativitäts-, Planungs- und Strukturierungstechniken, ergänzt durch die Analyse empirischer Daten zur aktuellen Situation in den Kommunen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen Konzeption (Analyse, Zieldefinition, Anforderungskatalog, Risikoanalyse), Definition (Projektstrukturplan, Terminplan, Ablaufplan, Projektvertrag) und Durchführung (Controlling, Kommunikation, Projektstart).
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Dienstleistungsrichtlinie, Projektmanagement, Kommunalverwaltung, Einheitlicher Ansprechpartner und Verwaltungsmodernisierung.
Warum fällt vielen Kommunen die Umsetzung der Richtlinie schwer?
Viele Kommunen berichten von unzureichendem Vorwissen zum Projektmanagement, hoher Komplexität der Anforderungen, interdisziplinärem Koordinationsaufwand und Unsicherheiten bei der Verortung des Ansprechpartners.
Welche Rolle spielt die Risikoanalyse in diesem Projekt?
Die Risikoanalyse ist entscheidend, um den hohen Anforderungen der EU fristgerecht zu entsprechen, unnötige Kosten durch Projektabbrüche zu vermeiden und Gegensteuerungsmaßnahmen gegen Widerstände oder Verzögerungen frühzeitig zu planen.
- Quote paper
- Sandra Schott (Author), 2009, Die Umsetzung der europäischen Dienstleistungsrichtlinie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133137