Die Rahmenbedingungen für den modernen Fremdsprachenunterricht haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Mit der kommunikativen Wende stoßen viele Fremdsprachenforscher auf die Frage, ob ein ungesteuerter Spracherwerb wie bei Kindern auch im Fremdsprachenunterricht (FSU) für Erwachsene in Bezug auf Grammatik stattfinden kann. Mit anderen Worten, ist es möglich, Grammatik ohne Regeln, also unbewusst, zu vermitteln?
Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es, nach näherer Analyse von verschiedenen Studien zum Thema "Implizite und explizite Grammatikvermittlung" herauszufinden, welche Möglichkeiten es für die Grammatikvermittlung im Rahmen des DaF-Unterrichts für Erwachsene ohne explizite Instruktionen gibt. Um eine Antwort auf diese Frage geben zu können, werden zunächst explizites und implizites Wissen und dessen Rolle in der Grammatikvermittlung definiert und der Zusammenhang zwischen deklarativem und prozeduralem, sowie explizitem und implizitem Wissen geklärt. Im dritten Kapitel wird aufgezeigt, in welcher Beziehung explizites und implizites Wissen im Rahmen des Grammatikerwerbs stehen und anschließend wird auf mögliche Methoden des Grammatikerwerbs eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen der verschiedenen Arten des Wissens
2.1. L1- und L2-Spracherwerb
2.2. „Lernen“ vs. „erwerben“
2.3. Definition von explizitem und implizitem Wissen
3. Relation von explizitem und implizitem Grammatikwissen
3.1. Non-Interface Position
3.2. Starke-Interface Position
3.3. Interface Position
4. Grammatikvermittlung im FSU
4.1. Definitionen von explizitem/implizitem Lernen
4.2. Deduktives und induktives Verfahren der Grammatikvermittlung
4.3. Definition von expliziter und impliziter Grammatikvermittlung
5. Implizite Grammatikvermittlung im DaF-Unterricht für Erwachsene
5.1. Theoretische Betrachtungen
5.2. Möglichkeiten der impliziten Grammatikvermittlung
5.2.1. Lehrwerksbeispiele
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Möglichkeiten der Grammatikvermittlung es im Rahmen des DaF-Unterrichts für Erwachsene ohne explizite Instruktionen gibt und inwieweit diese den Aufbau von implizitem, prozeduralem Wissen fördern können.
- Unterscheidung und Definition von explizitem und implizitem Wissen sowie Lernen
- Analyse der theoretischen Positionen zum Verhältnis von explizitem zu implizitem Grammatikwissen
- Methoden der Grammatikvermittlung (induktiv vs. deduktiv) im DaF-Unterricht
- Die Rolle von "Chunks" und Automatisierungsprozessen beim Spracherwerb
Auszug aus dem Buch
3.1. Non-Interface Position
Die Annahme, dass es eine absolute Trennung von impliziten und expliziten Sprachkenntnissen im Gedächtnis gibt, wird Non-Interface Position genannt. Diese Ansicht ist am häufigsten mit Stephen Krashen und seiner Input-Hypothese verbunden. Krashen zweifelt an der Wirksamkeit des Regel-Lernens und betont, dass jede spontane Verwendung einer Regel das Ergebnis eines völlig unabhängigen, impliziten Erwerbsprozesses sei. So scheint es auf der Grundlage seiner Ansichten unmöglich zu sein, einen Lernenden durch Grammatikunterricht zu flüssiger Sprachproduktion zu leiten.
Da der Prozess des kindlichen Spracherwerbs in einer natürlichen Sequenz vonstattengeht, kann er durch formelle Instruktionen nicht beeinflusst werden. Allerdings kann der Unterricht, der comprehensive Input bietet, den Spracherwerb beschleunigen. (Ellis, 1986:240). Nach Krashen ist comprehensive (verständlicher) Input eine Informationseingabe, die etwas über die aktuelle Kompetenz des L2-Lerners hinausgeht, also i + 1. Die Lerner können also nur dann implizites Wissen erwerben, wenn sie durch verständlichen Input gefordert werden, so Krashen (vgl. Ellis, 1986:240).
Krashens Ansichten wurden von anderen Zweitsprachenerwerbsforschern wegen ihren Mangel an Falsifizierbarkeit kritisiert (s. z.B. Ellis, 1986:233).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Unterschiede zwischen natürlichem kindlichem Mutterspracherwerb und dem Fremdsprachenerwerb bei Erwachsenen und formuliert die Forschungsfrage zur impliziten Grammatikvermittlung.
2. Definitionen der verschiedenen Arten des Wissens: Dieses Kapitel definiert und differenziert die zentralen Begriffe Spracherwerb, Lernen, explizites Wissen (deklarativ) und implizites Wissen (prozedural).
3. Relation von explizitem und implizitem Grammatikwissen: Hier werden die theoretischen Modelle Non-Interface, Starke-Interface und Interface Position gegenübergestellt, um das Verhältnis der Wissensarten zu erörtern.
4. Grammatikvermittlung im FSU: Das Kapitel erläutert die verschiedenen Lernformen und unterscheidet zwischen induktiven und deduktiven Vermittlungsverfahren sowie deren Auswirkungen auf den Wissensaufbau.
5. Implizite Grammatikvermittlung im DaF-Unterricht für Erwachsene: Dieses Kapitel diskutiert die Anwendbarkeit impliziter Verfahren im Unterricht und zeigt anhand von Lehrwerksbeispielen, wie Chunks zur Automatisierung beitragen.
Schlüsselwörter
Grammatikvermittlung, DaF-Unterricht, explizites Wissen, implizites Wissen, Fremdsprachenerwerb, Spracherwerb, Metalinguistisches Bewusstsein, Input-Hypothese, Deklaratives Wissen, Prozedurales Wissen, Chunks, Automatisierung, Sprachgefühl, Induktives Verfahren, Deduktives Verfahren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Möglichkeiten der Grammatikvermittlung im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht (DaF) für Erwachsene, speziell im Hinblick auf den Verzicht auf explizite Instruktionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Differenzierung zwischen explizitem und implizitem Wissen, der theoretische Diskurs über deren Interaktion sowie die praktische Umsetzung durch induktive Methoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, welche Möglichkeiten der Grammatikvermittlung ohne explizite Belehrung für Erwachsene im DaF-Kontext existieren und wie diese den Aufbau von implizitem Wissen unterstützen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse und Synthese relevanter Fachliteratur sowie verschiedener Studien zum Thema Fremdsprachenerwerb.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert theoretische Definitionen, die Beziehung zwischen verschiedenen Wissensarten sowie didaktische Verfahren der Grammatikvermittlung inklusive Praxisbeispielen aus Lehrwerken.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Implizite Grammatikvermittlung", "Prozeduralisierung", "Chunks", "Input-Hypothese" und "DaF-Unterricht" geprägt.
Warum ist der Erwerb von "prozeduralem Wissen" für Lernende vorteilhaft?
Prozedurales Wissen ist schneller abrufbar, da es als eine „fertige Einheit“ gespeichert ist und somit die Basis für sicheres, unbewusstes Sprachkönnen bildet.
Welche Rolle spielen "Chunks" im Lernprozess laut der Arbeit?
Chunks sind vorgefertigte sprachliche Sequenzen, deren wiederholte Verwendung dazu führt, dass sie automatisiert gespeichert werden und so den Übergang von deklarativem zu prozeduralem Wissen erleichtern.
Führt expliziter Grammatikunterricht laut dieser Arbeit zwangsläufig zu implizitem Sprachwissen?
Die Arbeit macht deutlich, dass dieser direkte Transfer umstritten ist; es herrscht keine Einigkeit darüber, ob explizit gelerntes Wissen automatisch in implizites Wissen umgewandelt werden kann.
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- Anonym (Autor), 2018, Implizite Grammatikvermittlung im DaF-Unterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1331386