Für eine Hinführung zum Thema wird die emotionale und soziale Entwicklung im Kindes- und Jugendalter sowie deren Zusammenhang und die Entstehung von Störungen im emotional-sozialen Entwicklungsverlauf erläutert. Daran anschließend wird der für den schulischen Bereich verwendete Begriff des emotionalen und sozialen Förderbedarfs konkretisiert und damit auf die Beschulung dieses SchülerInnenklientel eingegangen.
Im zweiten Kapitel wird die Geschichte der Beschulung von "schwierigen" Kindern und Jugendlichen rekonstruiert, um ein historiografisches Bewusstsein für die Pädagogik bei Verhaltensstörungen und damit eine Vorstellung des Ursprungs gegenwärtiger Beschulungsmöglichkeiten zu erlangen. Daraus ergibt sich gegebenenfalls die Frage nach dem "Besonderen" in der Beschulung dieser SchülerInnen oder aber, warum für diese ein separierender Förderort als notwendig angesehen wird.
Die geschichtliche Rekonstruktion und heutigen Beschulungsmöglichkeiten führen zu den derzeit bestehenden Unterschieden in der Beschulung dieser SchülerInnen in den sechzehn deutschen Bundesländern. Dabei wird jeweils in einem rechtlichen Teil vorrangig auf die Schulgesetze und sonderpädagogischen Verordnungen sowie Angaben der Ministerien zum Feststellungsverfahren, dem Wahlrecht der Erziehungsberechtigten, der inklusiven oder separierenden Beschulung und auf Besonderheiten eingegangen. In einem weiteren, praktischen Teil, werden dann vergangene und aktuelle Zahlen zu den Beschulungsorten ausgewertet. Anhand dieser Auswertungen und der rechtlichen Gegebenheiten wird versucht, die Gründe für die jeweilige Entwicklung und die derzeitig hohen oder niedrigen Zahlen zu den SchülerInnen mit Förderbedarf in der emotional-sozialen Entwicklung an den allgemeinbildenden oder Förderschulen zu ermitteln. Außerdem wird mithilfe aktueller Vorausberechnungen der Kultusministerkonferenz eine Prognose der weiteren Entwicklungen in den Ländern abgebildet.
Im letzten Kapitel erfolgt eine knappe Zusammenfassung der im vorherigen Kapitel vorgestellten Unterschiede in der Beschulung von SchülerInnen mit emotional-sozialem Förderbedarf in den Bundesländern. Außerdem wird anhand der einzelnen Entwicklungsprognosen der Bundesländer eine voraussichtliche Exklusionsquote für Deutschland vorgestellt und eine abschließende Stellungnahme vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Kinder und Jugendliche mit Störungen in der emotional-sozialen Entwicklung
1.1 Emotional-soziale Entwicklung
1.2 Emotional-soziale Entwicklungsstörungen
1.3 Emotional-sozialer Förderbedarf
2. Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit emotional-sozialem Förderbedarf
2.1 Geschichtliche Entwicklung
2.2 Gegenwärtige Beschulungsmöglichkeiten
2.2.1 Inkludierende Beschulung
2.2.2 Integrierende Beschulung
2.2.3 Separierende Beschulung
2.3 Besonderer Bildungs- und Erziehungsauftrag
3. Unterschiede in der Beschulung von SchülerInnen mit emotional-sozialem Förderbedarf in den Bundesländern
3.1 Baden-Württemberg
3.1.1 Rechtliche Lage
3.1.2 Praktische Umsetzung
3.2 Bayern
3.2.1 Rechtliche Lage
3.2.2 Praktische Umsetzung
3.3 Berlin
3.3.1 Rechtliche Lage
3.3.2 Praktische Umsetzung
3.4 Brandenburg
3.4.1 Rechtliche Lage
3.4.2 Praktische Umsetzung
3.5 Bremen
3.5.1 Rechtliche Lage
3.5.2 Praktische Umsetzung
3.6 Hamburg
3.6.1 Rechtliche Lage
3.6.2 Praktische Umsetzung
3.7 Hessen
3.7.1 Rechtliche Lage
3.7.2 Praktische Umsetzung
3.8 Mecklenburg-Vorpommern
3.8.1 Rechtliche Lage
3.8.2 Praktische Umsetzung
3.9 Niedersachsen
3.9.1 Rechtliche Lage
3.9.2 Praktische Umsetzung
3.10 Nordrhein-Westfalen
3.10.1 Rechtliche Lage
3.10.2 Praktische Umsetzung
3.11 Rheinland-Pfalz
3.11.1 Rechtliche Lage
3.11.2 Praktische Umsetzung
3.12 Saarland
3.12.1 Rechtliche Lage
3.12.2 Praktische Umsetzung
3.13 Sachsen
3.13.1 Rechtliche Lage
3.13.2 Praktische Umsetzung
3.14 Sachsen-Anhalt
3.14.1 Rechtliche Lage
3.14.2 Praktische Umsetzung
3.15 Schleswig-Holstein
3.15.1 Rechtliche Lage
3.15.2 Praktische Umsetzung
3.16 Thüringen
3.16.1 Rechtliche Lage
3.16.2 Praktische Umsetzung
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Voraussetzungen und praktischen Ausgestaltungen der Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit emotional-sozialem Förderbedarf in den sechzehn deutschen Bundesländern. Unter Berücksichtigung der föderalen Strukturen und der rechtlichen Rahmenbedingungen wird analysiert, wie Inklusion in den jeweiligen Ländern umgesetzt wird und welche Rolle Sonderschulen dabei weiterhin einnehmen.
- Historische Entwicklung der Pädagogik bei Verhaltensstörungen
- Aktuelle rechtliche Grundlagen in den Bundesländern
- Vergleich der inklusiven Beschulungsmodelle
- Analyse der Statistiken zur Förderschulbesuchsquote
- Prognosen zur zukünftigen Entwicklung der Inklusion
Auszug aus dem Buch
2.1 Geschichtliche Entwicklung
Die Geschichte verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher beginnt nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt: „Kinder und Jugendliche, deren Verhaltensweisen die Umwelt als unerwünscht und störend empfindet und die sich selbst in ihrer Lebensgestaltung und Entwicklung beeinträchtigen, hat es in allen Kulturen und zu allen Zeiten gegeben“ (MYSCHKER/STEIN 2018, 19). Die Geschichte zur Beschulung solcher Kinder und Jugendlichen hingegen beginnt zu einem bestimmten Zeitpunkt, nur lässt sich dieser kaum rekonstruieren, da einerseits der Zugang zu geeignetem Quellenmaterial (Heimarchive, kirchliche Archive etc.) erschwert ist (SCHMIDT 1996, 4). Andererseits die Beschulung verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher eher beiläufig „[…] in übergeordneten Institutionen, wie z.B. den Waisen- und Rettungshäusern, den Erziehungsheimen etc. [begann]. Eigenständige Schulen für Erziehungsschwierige entstehen erst nach dem 2. Weltkrieg“ (ebd., 21).
MYSCHKER und STEIN nennen in ihrem historischen Überblick über Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Verhaltensstörungen zwar schon eine Fürsorge um verwaiste und verwahrloste Heranwachsende durch christliche Ordensleute während der abendländischen Kultur und Mitte des 16. Jahrhunderts auch in Waisenhäusern, aber ohne spezifische Ausrichtung (2018, 20f.).
Eine solche lässt sich erstmals in dem 1596 in Amsterdam gegründeten Zuchthaus erkennen. Vorerst als reines Zuchthaus für erwachsene Bettler, Landstreicher und Diebe, wurden aus einer Notwendigkeit heraus Abteilungen für Jungen und Mädchen angegliedert, deren Erziehungsberechtigte sie zur „korrektiven Erziehung“ dort abgaben (SCHMIDT 1990, 39). Erziehungsmittel waren neben harter Arbeit und strenger Zucht auch Seelsorge und Unterricht (MYSCHKER/STEIN 2018, 24) vor allem im Lesen, Schreiben und im Katechismus (SCHMIDT 1990, 41). Von Amsterdam aus „[…] breitet[e] sich diese Form der Behandlung gesellschaftlich abweichender Menschen rasch aus“ (ebd., 35) und fand durch damalige hansestädtische Verbindungen Einzug in Bremen, Lübeck, Hamburg, Danzig, und von dort aus in ganz Deutschland.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kinder und Jugendliche mit Störungen in der emotional-sozialen Entwicklung: Erläutert die Grundlagen der emotional-sozialen Entwicklung sowie die Entstehung und Definition von Entwicklungsstörungen.
2. Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit emotional-sozialem Förderbedarf: Rekonstruiert die geschichtliche Entwicklung der Beschulung und stellt aktuelle inklusive sowie separierende Fördermodelle vor.
3. Unterschiede in der Beschulung von SchülerInnen mit emotional-sozialem Förderbedarf in den Bundesländern: Analysiert detailliert die rechtlichen Rahmenbedingungen und die praktische Umsetzung der Inklusion in jedem der sechzehn Bundesländer.
4. Fazit und Ausblick: Fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet den Stand der inklusiven Transformation sowie Prognosen für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Emotional-sozialer Förderbedarf, Inklusion, Förderschule, Beschulung, Verhaltensstörungen, Sonderpädagogik, Schulrecht, Bundesländer, Bildungslandschaft, Regelschule, Pädagogik bei Verhaltensstörungen, Bildungswegekonferenz, Inklusionsquote, sonderpädagogische Förderung, KMK-Prognose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Schülerinnen und Schülern mit einem festgestellten emotional-sozialen Förderbedarf und untersucht die unterschiedlichen Wege, wie die deutschen Bundesländer diese Kinder beschulen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung der Sonderpädagogik in diesem Bereich, die rechtlichen Voraussetzungen in den einzelnen Bundesländern sowie der Vergleich zwischen inklusiver und separierender Beschulung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die sehr heterogenen föderalen Regelungen zu geben und aufzuzeigen, wie sich die Inklusion für Schülerinnen und Schüler mit emotional-sozialem Förderbedarf in Deutschland aktuell gestaltet.
Welche methodische Herangehensweise wurde gewählt?
Die Autorin stützt sich bei ihrer Analyse primär auf die Auswertung von Schulgesetzen, ministeriellen Verordnungen, aktuellen Statistiken des Statistischen Bundesamtes sowie Vorausberechnungen der Kultusministerkonferenz.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert betrachtet?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einleitung und eine umfangreiche Länderanalyse, bei der für jedes Bundesland sowohl die rechtliche Lage als auch die praktische Umsetzung durch Zahlen und Fakten beleuchtet wird.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wesentlichen Begriffe sind Inklusion, emotional-sozialer Förderbedarf, föderale Schulstruktur, Sonderpädagogik und Exklusionsquote.
Wie unterscheidet sich die Inklusion zwischen den Stadtstaaten und dem ländlichen Raum?
Die Arbeit zeigt, dass Stadtstaaten wie Bremen oder Hamburg durch spezialisierte Zentren (wie etwa das ZuP in Bremen) weitreichendere Ansätze zur flächendeckenden Inklusion verfolgen als viele Flächenländer, die oft an restriktiven Bündelungsmodellen festhalten.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zur Inklusionsentwicklung bis 2030?
Basierend auf den Daten der KMK schließt die Autorin, dass bei der aktuellen Entwicklung bis 2030 kaum mit einem weiteren signifikanten Fortschritt in der Inklusion zu rechnen ist, da in vielen Bundesländern die Exklusionsquoten stagnieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Unterschiede in der Beschulung von SchülerInnen mit emotional-sozialem Förderbedarf in den Bundesländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1331389