Mittelständische Unternehmen haben eine große Bedeutung für den Standort Deutschland, was sich schon daran ablesen lässt, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) davon ausgeht, dass ca. 41 Prozent der steuerpflichtigen Umsätze von Mittelständlern erzielt werden, diese knapp 71 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland stellen, 99,7 Prozent der Unternehmen ausmachen und damit „die deutsche Wirtschaft [...] vor allem durch rd. 3,4 Millionen kleine und mittlere Unternehmen und Selbständigen in Handwerk, industriellem Gewerbe, Handel, Tourismus, Dienstleistungen und Freien Berufen geprägt“ (BMWi 2008) wird.
Die deutsche Bundesregierung hat 2006 eine „Mittelstandsinitiative“ ins Leben gerufen, die u. a. dazu dienen soll, diese Unternehmen besser auf ihre internationale Geschäftstätigkeit vorzubereiten. Dies wirft die Frage auf, ob theoretische Ansätze und Modelle das Internationalisierungsverhalten mittelständischer Unternehmen erklären können.
Zur Beantwortung der Frage ist es notwendig zu erläutern, was unter Internationalisierung und Internationalisierungstheorien zu verstehen ist. Ferner sind mittelständische Unternehmen zu definieren, ihre Stärken und Schwächen darzustellen und die sich daraus ergebenden Folgen für die Internationalisierung aufzuzeigen (vgl. 2. Kapitel).
Die Betrachtung des Vorgehens deutscher mittelständischer Unternehmen bei der Ländermarkterschließung im Ausland erfolgt im dritten Kapitel und bildet die Ausgangsbasis für die spätere Überprüfung der theoretischen Erklärungsansätze. Dazu werden einerseits die Motive für die Internationalisierung sowie die Erfolgsfaktoren erörtert und andererseits die Hemmnisse und der Druck, der mittelständische Unternehmen zur einer Geschäftstätigkeit außerhalb Deutschlands antreibt, analysiert.
Die Gründe für die Auswahl der betrachteten Internationalisierungstheorien werden zu Beginn des vierten Kapitels dargelegt, bevor diese Ansätze auf ihre Eignung, das Internationalisierungsverhalten deutscher mittelständischer Unternehmen zu erklären, geprüft werden und die Arbeit mit einer zusammenfassenden Betrachtung und Schlussfolgerungen abschließt.
Über den Autor:
Udo Rauber hat seine Ausbildung zum Bankkaufmann als Landesbester beendet und ist derzeit im Inhouse Consulting einer deutschen Großbank tätig. Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre schloss er an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken als Diplom-Kaufmann mit Prädikat ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen
2.1. Internationalisierung
2.2. Internationalisierungstheorien
2.3. Mittelständische Unternehmen
2.3.1. Vorbemerkung
2.3.2. Quantitative Merkmale
2.3.3. Qualitative Merkmale
2.3.4. Stärken und Schwächen und ihre Folgen für die Internationalisierung
3. Das Internationalisierungsverhalten deutscher mittelständischer Unternehmen
3.1. Die wirtschaftliche Bedeutung mittelständischer Unternehmen
3.2. Internationalisierungsdruck und Motive für die Internationalisierung
3.3. Das Vorgehen deutscher KMUs bei der Auslandsmarkterschließung
3.4. Erfolgsfaktoren und Hemmnisse für die Internationalisierung
4. Theoretische Erklärungsansätze zur Internationalisierung von deutschen mittelständischen Unternehmen
4.1. Auswahl der zu betrachtenden Internationalisierungstheorien
4.2. Phasenmodelle der Internationalisierung
4.2.1. Vorbemerkung
4.2.2. Das Uppsala-Modell
4.2.2.1. Charakteristika und zentrale Komponenten
4.2.2.2. Internationalisierungsmuster der Uppsala-Schule
4.2.2.3. Internationalisierungsmodell der Uppsala-Schule
4.2.3. Eignung als Erklärungsansatz
4.3. Das eklektische Paradigma
4.3.1. Charakteristika und zentrale Komponenten
4.3.2. Eignung als Erklärungsansatz
4.4. Netzwerkansätze und Netzwerktheorien
4.4.1. Vorbemerkung
4.4.2. Der Netzwerkansatz der Internationalisierung - Charakteristika und zentrale Komponenten
4.4.3. Eignung als Erklärungsansatz
4.5. Theorien der frühen bzw. sprunghaften Internationalisierung
4.5.1. Vorbemerkung
4.5.2. Die Theorie der International New Ventures – Charakteristika und zentrale Komponenten
4.5.3. Eignung als Erklärungsansatz
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Internationalisierungsverhalten deutscher mittelständischer Unternehmen, um zu verstehen, wie und warum diese Firmen internationale Aktivitäten aufbauen. Im Zentrum steht die Analyse, ob bestehende wissenschaftliche Theorien und Modelle, wie das Uppsala-Modell oder das eklektische Paradigma, das spezifische Verhalten des deutschen Mittelstands unter Berücksichtigung von Ressourcenknappheit und Netzwerken erklären können.
- Bedeutung und Charakteristika mittelständischer Unternehmen in Deutschland
- Motive, Erfolgsfaktoren und Hemmnisse für die Internationalisierung
- Analyse und Anwendung klassischer Internationalisierungstheorien auf den Mittelstand
- Evaluation neuerer Ansätze zur Erklärung sprunghafter Internationalisierung (Born Globals)
Auszug aus dem Buch
2.3.4. Stärken und Schwächen und ihre Folgen für die Internationalisierung
Eine Analyse der Charakteristika ist nicht nur für die Definition von mittelständischen Unternehmen hilfreich, sondern auch für die Betrachtung des Internationalisierungsverhaltens relevant, da sich aus den quantitativen und qualitativen Merkmalen Stärken und Schwächen ergeben, die sich fördernd bzw. hemmend auf die Internationalisierung auswirken (Mischensky 1998, S. 61). Tabelle 4 stellt überblicksartig die typischen Stärken und Schwächen mittelständischer Unternehmen dar.
Problematisch für die Internationalisierung mittelständischer Unternehmen gestaltet sich v. a. „die begrenzte Verfügbarkeit von Ressourcen und Fähigkeiten“ (Weber/Kabst 2000, S. 9). Müller/Kornmeier (2000, S. 62) sehen Kapital, Personal, Know-how, Managementzeit und die Persönlichkeitsmerkmale des Entscheidungsträgers als „kritische Ressourcen“ an.
Eine angemessene Kapitalausstattung ist insbesondere zur Finanzierung von Expansionsaktivitäten entscheidend. Mittelständische Unternehmen verfügen i. d. R. über eine eher dünne Eigenkapitalbasis und „zugleich ist ihnen der Zugang zum Kapitalmarkt erschwert“ (Lubritz 1998, S. 20). Deshalb spielt die Fremdkapitalbeschaffung über die Hausbank für die Ausweitung internationaler Aktivitäten eine entscheidende Rolle und erhöht parallel dazu die Abhängigkeit der mittelständischen Unternehmen von Banken.
„Aufgrund nur begrenzter Aufstiegschancen und geringerer Verdienstmöglichkeiten“ (Haas/Neumair 2006, S. 673) gestaltet sich die Rekrutierung von qualifiziertem Personal, das über Marktkenntnisse bzw. internationale Erfahrung verfügt, schwieriger als bei Großunternehmen. Hilzenbecher (2006, S. 91) weist außerdem darauf hin, dass „KMUs [...] ein eher nur geringes Renommee“ im Vergleich zu Konzernen haben.
Das für internationale Aktivitäten relevante Spezialwissen ist bei mittelständischen Unternehmen „nur selten verfügbar“ (Lubritz 1998, S. 20). Defizite finden sich auch beim Auslandsmarkt-Know-how, was sich daran zeigt, dass diese „durch rein operatives Herangehen bearbeitet [werden] und nicht aus einer echten Marketingperspektive heraus“ (Hilzenbecher 2006, S. 90).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung des deutschen Mittelstands ein und skizziert die Fragestellung nach der Anwendbarkeit theoretischer Modelle auf deren Internationalisierung.
2. Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen: In diesem Kapitel werden zentrale Begriffe wie Internationalisierung definiert sowie mittelständische Unternehmen anhand quantitativer und qualitativer Kriterien von Großunternehmen abgegrenzt.
3. Das Internationalisierungsverhalten deutscher mittelständischer Unternehmen: Das Kapitel beleuchtet die wirtschaftliche Rolle, Motive, Erfolgsfaktoren sowie Hindernisse für deutsche KMUs im internationalen Geschäft.
4. Theoretische Erklärungsansätze zur Internationalisierung von deutschen mittelständischen Unternehmen: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Theorien, von Phasenmodellen wie dem Uppsala-Modell bis hin zu netzwerkbasierten Ansätzen und der Theorie der International New Ventures.
5. Fazit: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Eignung der untersuchten Theorien für die Praxis des deutschen Mittelstands.
Schlüsselwörter
Internationalisierung, Mittelstand, KMU, Internationalisierungstheorien, Uppsala-Modell, Eklektisches Paradigma, Netzwerkansatz, International New Ventures, Born Globals, Erfolgsfaktoren, Markterschließung, Außenhandel, Direktinvestitionen, Globalisierung, Ressourcenknappheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation befasst sich mit dem Internationalisierungsverhalten deutscher mittelständischer Unternehmen und prüft, ob gängige theoretische Erklärungsmodelle dieses Verhalten adäquat abbilden können.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Definition des Mittelstands, die Motive und Hemmnisse für den Sprung ins Ausland sowie die systematische Analyse verschiedener theoretischer Ansätze zur Internationalisierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Internationalisierungsprozesse deutscher KMUs zu entwickeln und die Erklärungsbeiträge klassischer sowie neuerer Theorien kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturanalyse und der Auswertung empirischer Studien, um die theoretischen Ansätze (Phasenmodelle, OLI-Ansatz, Netzwerkmodelle) mit der Realität mittelständischer Unternehmen in Einklang zu bringen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die wirtschaftliche Bedeutung des Mittelstands, die Treiber für eine Internationalisierung (Push-/Pull-Faktoren) und unterzieht eine Vielzahl an Theorien – wie das Modell der Uppsala-Schule, den OLI-Ansatz nach Dunning und Netzwerktheorien – einer detaillierten Eignungsprüfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Internationalisierungsgrad, KMU, Ressourcenknappheit, Markteintrittsstrategien und die Unterscheidung zwischen graduellem und sprunghaftem Internationalisierungsverhalten charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der Mittelstand in der Internationalisierung von Großunternehmen?
Mittelständische Unternehmen verfügen häufig über geringere finanzielle und personelle Ressourcen, sind stärker auf individuelle Inhaberentscheidungen angewiesen und haben oft kein so hohes internationales Renommee wie große Konzerne.
Warum ist das Uppsala-Modell laut Autor für KMUs kritisch zu betrachten?
Das Modell geht von einem starren, graduellen Prozess aus, während viele KMUs auch sprunghafte Entwicklungen durchlaufen oder durch Zufälle und Netzwerkbeziehungen beeinflusst werden, was das Modell in seiner rein deterministischen Form nicht vollständig erfasst.
- Arbeit zitieren
- Udo Rauber (Autor:in), 2008, Erklärungsbeitrag der Internationalisierungstheorien zum Internationalisierungsverhalten deutscher mittelständischer Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133140