Die vorliegende Arbeit setzt sich aus mehreren Teilen zusammen. Im einleitenden Teil geht es um die Textsicherung, in welcher die sprachlichen und inhaltlichen Merkmale die Perikope nach vorne und hinten abgrenzen. Zudem erfolgt ein Vergleich verschiedener Übersetzungen der Textstelle des Turmbaus von Babel, um diese auf Bedeutungsunterschiede hin zu untersuchen. Im zweiten Teil der historisch-kritischen Exegese erfolgt eine synchrone literarische Analyse des sozialgeschichtlichen Kontextes und der sprachlichen Gestaltung. Alle Themen und Inhalte der ausgewählten Perikope entstammen einer uns fremden Zeit. In der literarischen Analyse geht es deshalb darum, alles dahingehend zu analysieren, wie diese inhaltlichen Begriffe heute auf uns wirken, was aus heutiger Sicht auffällt, verwirrt und für das Textverständnis geklärt werden muss. Dahingegen geht es in der nachfolgenden diachronen historisch-kritischen Analyse um die Erfassung des Textes in seiner Ursprungssituation. Hierbei werden bestimmte Methoden historischer Kritik angewendet, um die Entstehungsbedingungen des Textes zu klären. Hierzu zählt die Untersuchung der Traditionsgeschichte, eine Analyse der literarischen Einheitlichkeit, die Zuordnung zu einer bestimmten Gattung und Herkunftssituation sowie die Frage nach Redaktionsgeschichte und Redaktor. In einem weiteren Teil der Exegese wird der Ertrag dieser beiden vorangegangen Analysemethoden (literarisch und historisch-kritisch) zu einer Gesamtinterpretation zusammengefasst. Nach diesem theoretischen Teil der Exegese erfolgt eine Begründung, die es erlaubt, den ausgewählten Bibeltext für den Unterricht zu legitimieren.
Inhaltsübersicht
I. Einleitung
1. Persönlicher Zugang zum Text
2. Textsicherung
2.1 Abgrenzung der Perikope
2.2 Übersetzungsvergleich
II. Literarische Analyse
1. Sozialgeschichtliche Kontexte und Realien
2. Sprachliche Analyse
2.1 Leitbegriffe und Wortfelder
2.2 Sprachliche Gestaltung
2.3 Figuren und ihre Beziehungen
2.4 Erzählperspektive
2.5 Handlungsverlauf und Spannungsbogen
2.6 Gliederung in Sinnabschnitte
2.7 Kohärenz des Textes
III. Historisch-kritische Analyse
1. Traditionsgeschichte
2. Literarkritik
3. Formkritik
4. Redaktionskritik
4.1 Redaktionsgeschichtliche Perspektive
4.2 Kompositionskritische Perspektive
IV. Ertrag von literarischer Analyse und historisch-kritischer Exegese
1. Zusammenfassende Interpretation
2. Reflexion des Textverständnisses
V. Der Text im Unterricht
1. Lernmöglichkeiten
2. Unterrichtsaufbau
VI. Schluss: Reflexion
VII. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel (Genesis 11,1-9) mittels historisch-kritischer und literaturwissenschaftlicher Methodik fundiert zu exegisieren und ihre didaktische Relevanz für den Religionsunterricht in einer Förderschule zu prüfen.
- Literarische Untersuchung der Erzählstruktur, Sprache und Erzählperspektive.
- Historisch-kritische Analyse hinsichtlich Traditionsgeschichte, Literarkritik und Redaktionsgeschichte.
- Erforschung des Tun-Ergehen-Zusammenhangs und dessen Bedeutung für das Gottesbild.
- Entwicklung eines didaktischen Konzepts zur Vermittlung biblischer Texte in Förderklassen.
- Reflexion über die Aktualität der Erzählung im Kontext zeitgenössischer Leistungsgesellschaften.
Auszug aus dem Buch
1. Sozialgeschichtliche Kontexte und Realien
Im Alten Testament wird die Bezeichnung Zunge (hebr.: לשׁוֹןָ lāšôn) nicht nur für das einfache menschliche Organ eingesetzt. Häufig wird die Bezeichnung Zunge auch dann verwendet, wenn es um den Akt des Sprechens geht und der damit verbundenen Intention hinter den Äußerungen. So sind falsche Zungen lügende Worte oder böse Zungen schlechte Charaktere (vgl. WiBiLex, Zunge (AT), 2013). Im Kontext der Turmbauerzählung wird von einerlei Zunge berichtet, womit dieselben Worte oder dieselbe Sprache gemeint sein kann oder aber dieselbe Absicht hinter den Worten, nämlich eine Stadt und einen Turm zu bauen, um sich einen Namen zu machen. Da in der Zürcher und Elberfelder Übersetzung statt Zunge die Begriffe Wörter / Worte eingesetzt werden, wird wahrscheinlich nicht die Intention, sondern ein und dieselbe Sprache gemeint sein. In Gen 11,2 wird erzählt, dass die Menschen nach Schinar zogen. Dieser Ortsname ist ein im Alten Testament erwähnter geografischer Begriff, der heute keinerlei Existenz mehr aufweist. In Gen 14,1-9 wird ein Mann Namens Amrafel als König von Schinar bezeichnet. „Sein Königtum Schinar, wird in Gen 10,10 sowie in Gen 11,1-9 mit Babel in Verbindung gebracht, sodass „Schinar” in Gen 14 wahrscheinlich die archaisierende Bezeichnung für Babylonien ist“ (WiBiLex, Amrafel, 2008). Im Anhang des Neuen Testaments ist eine Landkarte abgedruckt, welche den Ortsnamen Schinar in der Landschaft Babyloniens Nähe des Zweistromlandes verortet. Für den Bau der Stadt und den Turm brauchten die Menschen Stein und Mörtel. Mauern wurden zur damaligen Zeit vorwiegend aus luftgetrockneten Ziegeln gebaut. Diese bestanden aus vermengtem Lehm, Wasser und Stroh. Die Masse wurde anschließend in eine Form gepresst und in der Sonne getrocknet. Da diese Arbeit sehr schwer war, wurden hierfür oft Sklaven eingesetzt „[…] insbesondere Kriegsgefangene, die zwangsweise handwerkliche Arbeiten verrichten mussten“ (WiBiLex, Handwerk / Handwerker (AT), 2007). Mit den fertig getrockneten Ziegeln, konnten nun Mauern errichtet werden. Für die Befestigung der Ziegeln brauchten die Menschen Mörtel, welchen sie aus gesammeltem Erdharz herstellten (vgl. WiBiLex, Asphalt, 2015).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Vorstellung des gewählten Bibeltexts sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise und Zielsetzung der Exegese.
II. Literarische Analyse: Untersuchung der sprachlichen und strukturellen Merkmale der Perikope, einschließlich der Motivik und Erzählperspektive.
III. Historisch-kritische Analyse: Diachrone Untersuchung zur Entstehung des Textes anhand von Traditionsgeschichte, Literar-, Form- und Redaktionskritik.
IV. Ertrag von literarischer Analyse und historisch-kritischer Exegese: Zusammenführung der Ergebnisse zu einer Gesamtinterpretation und Reflexion des gewonnenen Textverständnisses.
V. Der Text im Unterricht: Didaktische Aufarbeitung der Erzählung für eine 5. Klasse einer Förderschule mit konkreten Unterrichtsvorschlägen.
VI. Schluss: Reflexion: Persönliche Auswertung der Arbeit hinsichtlich des Erkenntnisgewinns und der methodischen Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Turmbau zu Babel, Genesis 11, Exegese, Historisch-kritische Analyse, Religionsunterricht, Tun-Ergehen-Zusammenhang, Sprachverwirrung, Schinar, Zikkurat, Didaktik, Biblische Urgeschichte, Hermeneutik, Gottesbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit widmet sich einer exegetischen Untersuchung der Erzählung vom Turmbau zu Babel (Gen 11,1-9) und verknüpft diese mit einer fachdidaktischen Planung für den evangelischen Religionsunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Neben der philologischen und literarischen Textanalyse stehen die historisch-kritische Frage nach Ursprung und Redaktion des Textes sowie die Übertragung der theologischen Lehraussagen in den pädagogischen Kontext einer Förderschule im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der wissenschaftlichen Analyse?
Das Ziel ist es, den Text durch wissenschaftliche Methoden von einer oberflächlichen Lesart zu lösen, tieferliegende theologisch-anthropologische Sinnzusammenhänge aufzudecken und für Schülerinnen und Schüler didaktisch nutzbar zu machen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es werden synchrone Methoden (literarische Analyse) mit diachronen Methoden (Traditions-, Literatur-, Form- und Redaktionskritik) kombiniert, um den Text umfassend zu erschließen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der sprachlichen Gestalt des Textes, die historischen Entstehungsbedingungen und die Bedeutung der Erzählung im theologischen Kontext des Alten Testaments.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Konzepte wie den Tun-Ergehen-Zusammenhang, die ätiologische Erzählform, die Problematik der Sprachverwirrung und die bewusste didaktische Reduktion für Schüler mit Förderbedarf charakterisiert.
Welchen Stellenwert nimmt die Didaktik in dieser Arbeit ein?
Die Arbeit betrachtet die biblische Erzählung nicht rein akademisch, sondern evaluiert deren Potenzial, moderne Themen wie Leistungsdruck, Gier und Anerkennung in einer Förderschulklasse zu bearbeiten.
Wie bewertet der Autor die Relevanz der historisch-kritischen Methode für die Praxis?
Obwohl die Exegese für das Verständnis der biblischen Texte als unabdingbar angesehen wird, reflektiert der Autor kritisch, dass der enorme zeitliche Aufwand dieser Methode im Alltag der Unterrichtsvorbereitung oft ausgeschöpft sein kann.
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- Anonym (Author), 2019, Historisch-kritische Exegese des Turmbaus zu Babel (11, 1-9), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1331438