1799 stirbt Kurfürst Karl Theodor von Bayern kinderlos, damit endet die bayrische Linie des Hauses Wittelsbach; Erbe und Nachfolger wird Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken. Nach der Vertreibung der Franzosen wird Kronprinz Ludwig zur treibenden Kraft im Königreich; unter seiner Ägide wandelt sich die Residenzstadt München in eine "königswürdige Kapitale". Ludwig orientiert sich dabei für die Maxvorstadt konzeptionell an den Plänen des Hofarchitekten Carl von Fischer und des Hofgartenintendanten Friedrich Ludwig von Sckell. Er lehnt jedoch ihre vom französischen Klassizismus geprägten Einzelentwürfe ab, er will eine authentischere griechische Architektur in Anlehnung an das von Johann Jakob Winckelmann geprägte Bild der Antike.
Seit 1805 bereist Ludwig jährlich Italien, er hält sich bevorzugt in Rom auf. Systematisch sammelt er antike Skulpturen, wichtigstes Kriterium ist ihm deren historische Authentizität, ganz im Sinne seiner Begeisterung für die griechische Antike. Die Sammlung wächst stetig und Ludwig wünscht sich einen angemessenen Ort, um sie aufzustellen und zu präsentieren.
Seine städtebaulichen Wünsche und Vorstellungen bündelt der Thronfolger 1813 in der Ausschreibung zu einem von ihm initiierten Architekturwettbewerb zur Gestaltung des Königsplatzes, der den glanzvollen Endpunkt der über den Karolinenplatz hinausführenden Briennerstraße bilden soll. Offiziell wird der Wettbewerb von der Königlich-Baierischen Akademie der Künste ausgelobt, die auch das Preisgericht stellt. Allerdings setzt sich Ludwig über die Entscheidung der Jury hinweg, als er nach Monaten den Entwurf Leo Klenzes zur Ausführung bestimmt.Im Frühjahr 1816 erfolgt die Grundsteinlegung für die Glyptothek, ihre Fertigstellung ist für 1823 geplant, erfolgt jedoch erst 1830. Die vorliegende Arbeit erläutert sowohl die Konzeption des Bau als auch die Baugeschichte der Glyptothek einschließlich ihres Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg.
Inhaltsverzeichnis
1 ENTWURF UND BAU DER GLYPTOTHEK (1816-1834)
1.1 Zur Vorgeschichte
1.2 Die Ausführung der Bauarbeiten
1.3 Die Eröffnung der Glyptothek
1.4 Der Assyrische Annex
2 ZERSTÖRUNG UND WIEDERAUFBAU NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG
2.1 Die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges
2.2 Die Rekonstruktion bis 1964
2.3 Die Aegineten und ihre Bedeutung
2.4 Die Rekonstruktion unter Wiedemann
3 DIE GLYPTOTHEK – BAUBESCHREIBUNG (AKTUELLER ZUSTAND)
3.1 Südfassade
3.2 Ost- und Westfassade
3.3 Nordfassade
3.4 Innenhof
3.5 Die ursprüngliche Ausgestaltung der Innenräume
3.6 Äußerer Skulpturenschmuck
4 DER KÖNIGSPLATZ
4.1 Die Münchner Stadtentwicklung
4.2 Das Ensemble am Königsplatz
5 WÜRDIGUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Baugeschichte, die architektonische Gestaltung und den städtebaulichen Kontext der Münchener Glyptothek unter besonderer Berücksichtigung der Rekonstruktionsphasen nach dem Zweiten Weltkrieg und der museologischen Konzepte von Leo von Klenze und Josef Wiedemann.
- Historische Genese und Entwurfskonzeption der Glyptothek im 19. Jahrhundert
- Architektonische Analyse der Baubeschreibung und Fassadengestaltung
- Umgang mit Zerstörung und Wiederaufbau in der Nachkriegszeit
- Städtebauliche Bedeutung der Glyptothek innerhalb des Ensembles am Königsplatz
Auszug aus dem Buch
2.4 Die Rekonstruktion unter Wiedemann
Die Rekonstruktion steht im Spannungsfeld der beiden Funktionen der Glyptothek als Gebäude einerseits und als Sammlung andererseits. Wiedemann entscheidet sich für ein Konzept, dass den Baukörper in seiner alten Form wiederherstellt, auf die Innengestaltung mit Stuckaturen und Ausmalungen jedoch verzichtet. Er begründet dies aus der Aufgabe des Gebäudes, die Sammlung in angemessener Weise zu präsentieren: "Ruhige Wände, durch einen Ziegelverband gegliedert und eine dünne Schlämme geschlossen, ließen den Statuen in Stein wohl am ehesten das ihnen eigene Leben." Heute zeigt sich das Gebäude äußerlich in seiner alten Form, während der Bau in seinem Inneren zu Gunsten einer zeitgemäßen Präsentation der Exponate zurücktritt. So nimmt Wiedemann im Inneren neben dem Verzicht auf dekorative Elemente an Wänden und Gewölben gezielt weitere Veränderungen vor. Den von Klenze in farbigem Fliesendekor ausgelegten Boden ersetzt er durch einen Belag aus Muschelkalkplatten.
Besondere Aufmerksamkeit widmet er der Beleuchtung in den Ausstellungsräumen. Die von Klenze zur Hofseite hin eingefügten Lünetten will er beibehalten, muss aber feststellen, dass diese trotz Ergänzung durch ein Beleuchtungssystem modernen Ansprüchen nicht genügen. Er entschließt sich, die Lichtsituation durch Wanddurchbrüche unterhalb der Lünetten zu verbessern, so öffnen sich heute die Räume über nahezu raumhohe Fensteröffnungen zur Hofseite hin. Die Wanddurchbrüche sind schmaler als die Basis der Lünetten, die so als eigenständiges Element sichtbar bleiben, ebenso wie die Wandflächen von den Öffnungen nicht dominiert werden. Die Gesimse an den Basen der Lünetten werden für die Fenster durchschnitten, die Fassung der neuen Fensterflächen nimmt als metallener Kämpfer deren Linie auf und schließt sie optisch.
Zusammenfassung der Kapitel
1 ENTWURF UND BAU DER GLYPTOTHEK (1816-1834): Behandelt die historische Entstehung unter Ludwig I. und die architektonischen Herausforderungen der Planung durch Leo von Klenze.
2 ZERSTÖRUNG UND WIEDERAUFBAU NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG: Dokumentiert die Kriegsschäden sowie die kontroversen Debatten und Konzepte zur Wiederherstellung des Museums bis 1964.
3 DIE GLYPTOTHEK – BAUBESCHREIBUNG (AKTUELLER ZUSTAND): Bietet eine detaillierte architektonische Analyse der Fassaden, des Innenhofs und der Raumkonzeptionen.
4 DER KÖNIGSPLATZ: Analysiert den städtebaulichen Werdegang Münchens und die Einbettung des Museums in das Ensemble am Königsplatz.
5 WÜRDIGUNG: Fasst die architektonische Bedeutung und die erfolgreiche Synthese aus historischem Baukörper und moderner Museumspraxis zusammen.
Schlüsselwörter
Glyptothek, München, Leo von Klenze, Josef Wiedemann, Königsplatz, Architekturgeschichte, Aegineten, Museumsbau, Klassizismus, Wiederaufbau, Denkmalpflege, Museumsarchitektur, antike Skulpturen, Kunststadt, Baugeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Geschichte, Architektur und städtebauliche Integration der Münchener Glyptothek von ihrer Gründung bis in die moderne Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem ursprünglichen Entwurf von Leo von Klenze, dem Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und der musealen Präsentation antiker Bildhauerkunst.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Gebäude trotz wechselhafter Geschichte und unterschiedlicher Rekonstruktionsansätze seine Funktion als bedeutendes Museum antiker Kunst erfüllen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Quellen- und Literaturanalyse, der Auswertung historischer Architekturpläne sowie der kritischen Betrachtung baugeschichtlicher Dokumentationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Entstehungsgeschichte, die Dokumentation der Kriegszerstörungen und des Wiederaufbaus, eine detaillierte Baubeschreibung sowie die Analyse des städtebaulichen Ensembles.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Glyptothek, Klassizismus, Leo von Klenze, Museumsbau und Denkmalpflege.
Warum spielt die Person Josef Wiedemann eine so zentrale Rolle?
Wiedemann leitete den Wiederaufbau nach 1945 und entwickelte das Konzept, den historischen Baukörper mit modernen, funktionalen Innenräumen für eine zeitgemäße Museumspräsentation zu verbinden.
Welche Bedeutung kommt dem Königsplatz in diesem Kontext zu?
Der Königsplatz bildet das monumentale Ensemble, in dem die Glyptothek als "Tempel der Kunst" ein zentrales architektonisches Element im städtebaulichen Konzept Ludwigs I. darstellt.
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- M. A. Sigrid Weyers (Author), 2005, Glyptothek mit Königsplatz, München, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133154