Zwischen Allmacht und Ohnmacht - Kommandant in Auschwitz


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
20 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zwischen Allmacht und Ohnmacht – Kommandant in Auschwitz
1. Rudolf Höß – Biografie bis 1933
2. Das System nationalsozialistischer Konzentrationslager
3. Rudolf Höß und der Aufbau des Konzentrationslagers Auschwitz
4. Rudolf Höß und die „Endlösung der Judenfrage“
5. Rudolf Höß und seine individuelle Schuld und Verantwortung

III. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Literaturverzeichnis

Monographien und Aufsätze

Adler, H. G. / Langbein, Hermann / Lingens-Reiner, Ella (Hrsg.): Auschwitz. Zeugnisse und Berichte. Frankfurt am Main 1962.

Bastian, Till: Auschwitz und die „Auschwitz-Lüge“: Massenmord und Geschichtsfälschung. München 31994.

Benz, Wolfgang: Geschichte des Dritten Reiches. München 2000.

Boehnert, Gunnar: Rudolf Höß – Kommandant von Auschwitz. In: Smelser, Ronald / Syring, Enrico: Die SS : Elite unter dem Totenkopf – 30 Lebensläufe. Paderborn 2000. S. 254-266.

Deselaers, Manfred: „Und Sie hatten nie Gewissensbisse?“: die Biografie von Rudolf Höß, Kommandant von Auschwitz, und die Frage nach seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen. Leipzig 1997.

Fleming, Gerald: Hitler und die Endlösung – „Es ist des Führers Wunsch...“ Frankfurt am Main, Berlin 1987.

Höß, Rudolf: Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen. Eingeleitet und kommentiert von Martin Broszat. Stuttgart 1958.

Kogon, Eugen: Der SS-Staat. München 361974.

Langbein, Hermann: Der Auschwitz-Prozess. Eine Dokumentation. Wien 1965.

Lasik, Aleksander: Die Lagerführung des KL Auschwitz. In: Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz – nationalsozialistisches Vernichtungslager. Auschwitz 1997. S. 61-76.

Milgram, Stanley: Das Milgram-Experiment. Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität. Reinbek 1997.

Petter, Wolfgang: SA und SS als Instrumente nationalsozialistischer Herrschaft. In: Bracher, Karl-Dietrich / Funke, Manfred / Jacobsen, Hans-Adolf (Hrsg.): Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft. Bonn 21993. S. 76-94.

Reitlinger, Gerald: Die Endlösung. Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939-1945. London 41961.

Segev, Tom: Die Soldaten des Bösen. Zur Geschichte der KZ-Kommandanten. Reinbek 1992.

Silbermann, Alphons / Stoffers, Manfred: Auschwitz: Nie davon gehört? Erinnern und Vergessen in Deutschland. Berlin 2000.

von Soest, George: Zigeuner zwischen Verfolgung und Integration. Weinheim 1980.

Internet

Aussage von Rudolf Höß vor dem IMT Nürnberg (englische Originalfassung):

http://www.history1900s.about.com/homework/history1900s/gi/dynamic/offsite.htm?site=http://www.courttv.com/casefiles/nuremberg/hoess.html

Zugriff erfolgte am 11.12.2000.

I. Einleitung

Mit dem Namen des Konzentrationslagers Auschwitz sind die Schrecken des industrialisierten Massenmords an den Juden untrennbar verbunden. Auch heute – 56 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Rote Armee – ist für kaum einen Menschen, selbst nach dem Studium der durch intensive historische Forschung zustande gekommenen Befunde, dieser Schrecken begreifbar. Auschwitz wurde von den Nationalsozialisten zum größten aller Vernichtungslager ausgebaut. Hier wurden über eine Million Menschen umgebracht, auch wenn Auschwitz nicht als reines Vernichtungslager, sondern auch als Arbeitslager gedacht war. Für die KZ-Insassen bedeutete Auschwitz entweder Vernichtung durch Zyklon B oder Vernichtung durch Arbeit in den Arbeitskommandos. Offensichtlich ist unser Vorstellungsvermögen nur eingeschränkt in der Lage, die dokumentierten Verbrechen von Auschwitz anderen Menschen zuzuschreiben. Das gilt umso mehr, wenn bei differenzierter Betrachtung der Täter klar wird, dass es sich nicht bei allen um Persönlichkeiten handelte, die für eine Entwicklung zur menschlichen Bestie prädestiniert waren. Mit den Verbrechen in Auschwitz verbindet sich vor allem der Name eines Täters und Hauptverantwortlichen: Rudolf Höß. Er war zuständig für den Aufbau des Konzentrationslagers Auschwitz und war die längste Zeit dessen Kommandant. Die Wissenschaft befindet sich in der glücklichen Lage, dass sie aus Höß’ autobiographischen Aufzeichnungen und seiner Aussage vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg aus erster Hand Schlussfolgerungen über das Leben, die Persönlichkeit und den Charakter eines nationalsozialistischen Funktionsträgers ziehen kann. Bereits vorab möchte der Verfasser dieser Arbeit die These aufstellen, dass auch Höß nicht das gängige Profil des ungebildeten, unchristlichen und brutalen NS-Schergen aufweist. Eugen Kogon spricht davon, dass es sich bei SS-Angehörigen in der Regel „um Tiefunzufriedene, Nichterfolgreiche, durch irgendwelche Umstände Zurückgesetzte, um Minderbegabte aller Art und häufig genug um sozial gescheiterte Existenzen handelte“[2], was auf die Mitglieder der SS-Totenkopfverbände und Rudolf Höß – wenn überhaupt – nur sehr eingeschränkt zutrifft.[3] Damit entfallen Erklärungsfaktoren, die den Völkermord an den Juden in Auschwitz ein wenig begreifbarer machen können. Gleichzeitig wird die Frage aufgeworfen, welche Faktoren es denn nun eigentlich waren, die aus Höß einen zutiefst schuldigen Menschen gemacht haben.[1]

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird zunächst erörtert, welche charakterlichen und persönlichen Eigenschaften von Rudolf Höß dazu führten, dass er das Amt des Kommandanten von Auschwitz erhielt. Dazu werden im ersten Kapitel das Leben und die Sozialisation von Rudolf Höß bis zu seinem ersten Kontakt mit der SS analysiert. Wichtigste Bezugsgrundlage sind hier und an anderen Stellen der Hausarbeit die autobiographischen Aufzeichnungen von Rudolf Höß.[4] Im zweiten Abschnitt wird geklärt, welche äußeren Einflüsse das Handeln eines Kommandanten im Konzentrationslager Auschwitz innerhalb des Systems der nationalsozialistischen Konzentrationslager, das beherrscht wurde von Reichsicherheitshauptamt auf der einen und Wirtschaftsverwaltungshauptamt auf der anderen Seite (im folgenden RSHA und WVHA), bestimmten. Der dritte und vierte Teil beschäftigen sich mit Rudolf Höß’ tatsächlichem Verhalten als Kommandant. Während sich der dritte Abschnitt mit der Aufbauphase des Konzentrationslagers Auschwitz bis zum Sommer 1941 beschäftigt und unter anderem auch das Verhältnis zwischen WVHA und Lagerleitung beleuchtet, wird im daran anschließenden Abschnitt die Phase der industrialisierten Judenvernichtung unter Koordination des RSHA analysiert. In einem letzten Kapitel wird nochmals auf die Person von Rudolf Höß und seine individuelle, nicht durch die Handlungsrestriktionen des Systems nationalsozialistischer Konzentrationslager zu erklärende, Verantwortung und Schuld eingegangen. Aufgrund der Tatsache, dass Höß den längsten Zeitraum an der Spitze des Konzentrationslagers Auschwitz stand, wird auf die anderen beiden Kommandanten bzw. Standortältesten Baer und Liebehenschel nur kursorisch eingegangen.

II. Zwischen Allmacht und Ohnmacht – Kommandant in Auschwitz

1. Rudolf Höß – Biografie bis 1933

Rudolf Franz Ferdinand Höß wurde am 25.11.1900 in Baden-Baden als Sohn einer streng katholischen Familie geboren. Er beschreibt sich selbst als eifrigen Schüler, aber auch als Einzelgänger, dem es nicht gelang, eine Beziehung zu anderen Menschen selbst in seiner familiären Umgebung aufzubauen. Er verbrachte stattdessen viel Zeit mit Pferden in der ländlichen Umgebung von Baden-Baden. Der Vater erzog ihn nach militärischen Grundsätzen und sah den zukünftigen Lebensweg seines Sohnes als Geistlicher fest vorgezeichnet. Die beherrschende Vaterfigur brachte Rudolf Höß die Beachtung der klassischen preußischen Tugenden Sorgfalt, Ordnung, Hilfsbereitschaft, Befehlsgehorsam und Pflichtbewusstsein bei. Von Kindheit an wurde Höß dazu erzogen, Autoritäten bedingungslos zu gehorchen. Erst mit der Verletzung des Beichtgeheimnisses durch seinen Beichtvater geriet zumindest die religiöse Säule von Höß’ Erziehung ins Wanken; in der Folge weigerte er sich, Priester zu werden.[5]

Stattdessen nutzte Rudolf Höß die Gelegenheit, die ihm der Erste Weltkrieg bot und setzte die militärische Familientradition fort. Zunächst meldete er sich in einem Lazarett als Freiwilliger, um dann mit 16 Jahren, nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, als Soldat an die Front in die Türkei zu kommen.[6] In den Schlachten des Krieges lernte Höß zu töten und erfuhr, dass sein eigenes Leben und das der Angehörigen seiner Einheit davon abhängen konnte, dass er kaltblütig andere Menschen umbrachte. Rudolf Höß entwickelte darüber hinaus eine heftige kameradschaftliche Verehrung für seinen militärischen Vorgesetzten, dem er stärker zugeneigt war als seinem Vater. Bereits mit 17 Jahren war Höß bis zum Unteroffizier aufgestiegen und mehrfach verwundet sowie ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Eisernen Kreuz.[7]

In der Folgezeit tat Höß Dienst in einem Freikorps im Baltikum, in Oberschlesien und dem Ruhrgebiet, wo er die mit dem Ende des Krieges schon verloren geglaubte Kameradschaft im Korpsgeist und der bedingungslosen Treue zu einem Führer wiederzufinden glaubte. Gleichzeitig lernte er auch die Brutalität des Bürgerkriegs kennen, der regelmäßig auch zivile Opfer forderte.[8] Vor dem Hintergrund des Zusammengehörigkeitsgefühls und des herrschenden Korpsgeistes ist auch der Fememord zu verstehen, der von Höß und anderen begangen wurde und 1923 zu seiner Verurteilung zu einer zehnjährigen Haftstrafe führte. Im Rahmen der Freikorps’ wurden Verrat von Kameraden und andere Delikte in Selbstjustiz mittels Femegerichten geahndet. Höß war beteiligt am Fememord an Walter Kadow, einem Volksschullehrer, der angeblich den Nationalsozialisten Leo Schlageter an die Franzosen verraten haben sollte.[9] Entgegen seinen eigenen Erwartungen musste Höß seine Strafe im Zuchthaus Brandenburg antreten. Im Gefängnis kam Höß erstmals mit dem Terror von Häftlingen und Gefängnispersonal in Kontakt und lernte auch die letzten von ihm verabscheuten menschlichen Abgründe kennen. Höß Leben in Unfreiheit forderte Disziplin von ihm, da es von den preußischen Verantwortlichen en détail geregelt war. Höß trieb diese Zeit aufgrund von Einzelhaft, Schikanen und Depressionen an den Rand des Wahnsinns, so dass er nach zwei Jahren einer Haftpsychose zum Opfer fiel.[10]

[...]


[1] Diese Hausarbeit ist abgefasst nach den neuen Rechtschreibregeln vom 1. August 1998.

[2] Kogon, Eugen: Der SS-Staat. München 361974. S. 365.

[3] Vgl.: Boehnert, Gunnar: Rudolf Höß – Kommandant von Auschwitz. In: Smelser, Ronald / Syring, Enrico: Die SS: Elite unter dem Totenkopf – 30 Lebensläufe. Paderborn 2000. S. 255.

[4] Höß, Rudolf: Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen. Eingeleitet und kommentiert von Martin Broszat. Stuttgart 1958.

[5] Vgl.: ebenda, S. 24-27.

[6] Vgl.: ebenda, S. 28f.

[7] Vgl.: ebenda, S. 30 und 32.

[8] Vgl.: ebenda, S. 34f.

[9] Vgl.: ebenda, S. 36.

[10] Vgl.: ebenda, S. 39 und 47.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Zwischen Allmacht und Ohnmacht - Kommandant in Auschwitz
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
3,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V13317
ISBN (eBook)
9783638190053
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auschwitz, Höß
Arbeit zitieren
Thomas Zimmerling (Autor), 2001, Zwischen Allmacht und Ohnmacht - Kommandant in Auschwitz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13317

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