Selbstbild und Außenwahrnehmung der Polizei – Sozialisation im Polizeivollzugsdienst


Hausarbeit, 2008
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Selbstbild der Polizei
2.1 Grundstein der Sozialisation – Auswahl und Ausbildung
2.2 Orientierung am vorgegebenen Leitbild

3. Außenwahrnehmung der Polizei

4 Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Polizei – Dein Freund und Helfer“

Dieses Sprichwort aus dem deutschen Volksmund beschreibt ein Bild der Polizei, wie es in der deutschen Gesellschaft viele Jahre vorherrschte. Ob dies in der heutigen Zeit noch aktuell ist, lässt manche im Zuge des gesellschaftlichen und sozialen Wandels zweifeln. Die Polizei sieht sich aktuell, bei einer stetig steigenden Kriminalitätsrate und mangelndem Personal, immer größeren Herausforderungen gegenüber. Im Zuge dieses gesellschaftlichen Wandels spielt vor allem der Begriff Identität eine entscheidende Rolle. Polizeibeamten werden die unterschiedlichsten identitätsstiftenden Merkmale zugeschrieben. Auch wenn diese meist affektive Zuschreibungen der Gesellschaft widerspiegeln, sind es doch die Polizeibeamten selbst, die einem bestimmten Ideal des Polizeiberufes nachstreben (Bosold 2006; 72f.)[1]. Dies führt zu einer Außenwahrnehmung der Polizeibeamten in der Bevölkerung, welche die eigene Wahrnehmung stark beeinflussen kann.

Die Polizei verfügt daher zum Teil über ein eigenes Leitbild, welches es ihnen ermöglicht, ein recht deutliches Selbstbild im Bezug auf ihren Beruf trotz aller internen und externen Widrigkeiten aufzuzeigen. Dieses Selbstverständnis entwickelt sich bereits bei der Entscheidung für eine Bewerbung als Polizeibeamter im Polizeivollzugsdienst. So wird zum Beispiel bei der hessischen Polizei sehr deutlich beschrieben: „Das Leitbild soll der einzelnen Beamtin und dem einzelnen Beamten als Orientierung dienen und die Identifikation mit der Aufgabe fördern, den Schutz der Rechte der Bürgerinnen und Bürgern als Zentrum des Handelns der Polizei zu begreifen“ (Behr 2006: 36). Ob es das dann wirklich kann ist fraglich.

Ziel dieser Arbeit ist es daher zu zeigen, welches Selbstbild die Polizei gerade im Zuge des gesellschaftlichen Wandels hat. Dazu gehört vor allem die Außenwahrnehmung der Polizei durch die Gesellschaft und deren Einfluss auf das eigene Selbstbild. Hinzu kommt die generelle Entscheidung für den Beruf des Polizeibeamten[2]. Die hier gestellte Forschungsfrage lautet demnach:

Inwiefern stimmt das Selbstbild der Polizei im Polizeivollzugsdienst mit der Außenwahrnehmung der Bevölkerung überein? Lassen sich Unterschiede durch den gesellschaftlichen Wandel und den damit einhergehenden Werte- und Normenverfall erklären?

Um die oben genannte Fragestellung beantworten zu können, werde ich zunächst im zweiten Abschnitt der Hausarbeit das Selbstbild der Polizei untersuchen. Hierbei spielt unter anderem der Aspekt der Sozialisation eine entscheidende Rolle. Ziel ist es, hier zu untersuchen, warum sich junge Menschen für den Beruf des Polizeibeamten entscheiden und wie ihre Ausbildung verläuft. Dem folgen eine Untersuchung des vorgegebenen Leitbilds der Polizei und die Erörterung der Frage, inwieweit sich die Polizeibeamten an diesem Leitbild orientieren. Im nächsten Abschnitt der Hausarbeit wird nun die Außenwahrnehmung der Polizei untersucht. Hier soll vor allem der Einfluss gesellschaftlicher Strukturen sowie die Beeinflussung der Gesellschaft durch Medien und Presse untersucht werden. Schließlich wird im Fazit auf die entstandenen Erkenntnisse eingegangen.

2. Selbstbild der Polizei

Wie in jedem Beruf orientieren sich die Beamten der Polizei an gewissen Identifikationsmerkmalen[3]. Es existiert also ein Selbstbild der Polizei, welches aus der Zuschreibung bestimmter Merkmale resultiert (Bosold 2006: 72). Hierbei können unter anderem persönliche Merkmale, aber auch Merkmale, die aufgrund der Zugehörigkeit zur Polizei wahrgenommen werden, als Grundlage für die Konstruktion eines Selbstbildes dienen. „So ist denkbar, dass ein Polizeibeamter sich insgesamt positiv bewertet, weil er sich unabhängig von bestimmten beruflichen – oder auch privaten – Kontexten als attraktiv, intelligent oder hilfsbereit einschätzt. Zum anderen kann der Beamte sich aber auch positiv beurteilen, weil er sich aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Polizei bestimmte Merkmale zuschreibt, wie beispielsweise stark, loyal oder gerecht zu sein“ (Bosold 2006: 72). Ebenso spielt die Wahrnehmung einer Person von Außen eine entscheidende Rolle in der Entstehung und Fixierung eines Selbstbildes. Hier ist vor allem die wahrgenommene Reaktion des Gegenübers zu berücksichtigen, da diese einen Einfluss auf das eigene Verhalten und die eigene Wahrnehmung hat.

Die Identifikation und das damit einhergehende Selbstbild sind stark von der Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen abhängig, dies können Gruppen im privaten wie auch im beruflichen Umfeld sein. Sie ist also nicht nur von der eignen Wahrnehmung, sondern auch von der Fremdwahrnehmung gekennzeichnet. Hinzu kommt eine Identifikation über die Zugehörigkeit zu Organisationen, hier vor allem zum beruflichen Umfeld. Im Falle des Selbstbilds der Polizei kann hier zum Beispiel je nach Aufgabenspektrum eine Unterscheidung vorliegen. So nehmen sich Beamte, die an Großeinsätzen teilnehmen, oft nicht als Individuum, sonder als Teil des Ganzen – in dem Fall der Organisation Polizei – wahr. Man kann hier das Beispiel einer Großdemonstration anführen. Die Polizisten nehmen sich als Gruppe der Ordnungsmacht wahr, während die Demonstranten als „die anderen“ bzw. als Gruppe von Gegnern wahrgenommen werden. Im Gegensatz dazu treten Beamte, die alleine bzw. zu zweit ihren Dienst verrichten, individueller auf (Bosold 2006: 72f.). Ein solcher Wechsel des Selbstbilds hängt immer stark mit der Identifikation mit der entsprechenden Organisation zusammen – je mehr man sich mit einer Organisation verbunden fühlt, desto größer die Identifikation.

Wenn die Beziehung zwischen Gruppen in den Vordergrund rückt, sind die Verhaltensweisen und das damit verbundene Selbstbild oft einheitlich. Um diese Einheitlichkeit zu erhalten und zu vertiefen, werden gruppenzugehörige Symbole verwendet. Die Polizei als Organisation symbolisiert ihre Gruppenzugehörigkeit also z.B. mit Uniformen und anderen Symbolen, und stellt damit eine deutliche Unterscheidung zu anderen Gruppen, z.B. den eben genannten Demonstranten, her (Bosold 2006: 73). Aus dieser Gruppenzugehörigkeit heraus lassen sich besondere Anforderungen an einen Polizeibeamten feststellen, diese, wenn er sie erfüllt, auch zu einem entsprechen Selbstbild beitragen. Zu nennen sind hier Eigeninitiative, hohe intrinsische Motivation, Loyalität gegenüber den Organisationszielen, Verantwortungsbewusstsein und -bereitschaft, Lernbereitschaft, Risikobereitschaft und viele mehr (Polizei-Führungsakademie 2004: 10). Sie dienen als Identifikationsmerkmale, an denen sich die Beamten orientieren können und die eine Gruppenzugehörigkeit fördern.

Das Selbstbild der Polizei ist also durch verschiedene Konstellationen und Rollenverständnisse gekennzeichnet. Zusammenfassend lässt sich hier sagen, dass Polizeibeamte nicht nur eine Rolle spielen. Sie Identifizieren sich mit den grundlegenden Prinzipien des Polizeiberufs genauso wie mit Merkmalen, welche sie privat prägen. Sie wechseln also ihre Rollen wie jeder andere Bürger auch, angefangen bei der beruflichen Rolle – Polizist, zu privaten Rollen wie Mutter, Vater, Freund etc. Es findet eine stetige Sozialisation der Polizeibeamten statt, die durch ihre Umwelt, also auch durch die Außenwahrnehmung der Bevölkerung, geprägt wird. Vor allem der Aspekt der Außenwahrnehmung ist für die Bildung eines Selbstbildes unerlässlich, dies resultiert daraus, dass Außenwahrnehmung und Selbstbild zum Teil extrem variieren können. Aus diesem Grund wird im späteren Verlauf der Hausarbeit ausführlicher auf diesen Punkt eingegangen.

2.1 Grundstein der Sozialisation – Auswahl und Ausbildung

Generell ist bereits die Entscheidung für den Beruf des Polizeibeamten ein erster Schritt zur Sozialisation als Polizist. Hierzu zählt allerdings nicht nur die Entscheidung diesen Beruf ausüben zu wollen, sondern überhaupt die Chance dazu zu erhalten. Um also Polizist werden zu können, bedarf es zunächst eines Auswahlverfahrens für den Polizeivollzugsdienst. Hier jedoch gilt: Die Regelungen und Auswahlkriterien im Bezug auf die Einstellung in den Polizeivollzugsdienst sind Ländersache. Somit sind die Voraussetzungen für eine Einstellung wie auch die jeweiligen Einstellungsverfahren in jedem Bundesland unterschiedlich. (Petersen 2004: 39). Es lässt sich allerdings in den letzten Jahren ein rückläufiger Trend für die Entscheidung zum Polizeiberuf feststellen. Es herrscht eine Art Motivationsverlust bei den angehenden Polizisten, der sich durch mangelnde finanzielle Entlohnung, also materielle Defizite innerhalb der Organisation Polizei, als auch durch die ungünstige Stellensituation an sich erklären lässt (Liebl 2003: 2007ff.).

„Als hoheitliche Einrichtung beschäftigt die Polizei im Vollzugsdienst fast ausschließlich Beamte. Für die Beamten gilt (noch) eine weitgehend identische und im deutschen Beamtentum allgemein übliche Laufbahngliederung, die sich aufteilt in den einfachen, den mittleren, den gehobenen und den höheren Dienst“ (Groß 2008: 24). Da der einfache Dienst seit einigen Jahren gar nicht mehr besetzt wird, wurden die meisten Polizisten der letzten Jahre im mittleren Dienst eingestellt und beschäftigt, von dort gab es die Möglichkeit, aufgrund von Eignung und Leistung in den gehobenen Dienst aufzusteigen. Seit den 1990er Jahren geht der Trend allerdings zu einer dualen Aufteilung der Polizei, es wird also in einigen Ländern nur noch für den gehobenen und höheren Polizeivollzugsdienst Beamte ausgebildet (Groß 2008: 24f.).

Da die Regelungen für den Polizeivollzugsdienst Ländersache sind, variieren die unterschiedlichen Ausbildungsgänge je nach dem Anforderungsprofil des jeweiligen Bundeslands. Um nun einen möglichen Ausbildungsgang zu verdeutlichen, wird hier exemplarisch auf die Ausbildung des Bundeslandes Hessen eingegangen, welches die zweigeteilte Laufbahn, also nur noch für den gehobenen und den höheren Polizeivollzugsdienst, vorsieht. Bereits bei den Anforderungsbedingungen für den Polizeiberuf wird deutlich, dass ein Bewerber viele unterschiedliche Werte und Attribute mitbringen muss, um überhaupt als möglicher Kandidat in Betracht zu kommen. Die Internetseite der hessischen Polizei gibt hierbei unterschiedliche Vorraussetzungen an (Frevel/Liebl 2007: 43f.):

[...]


[1] In diese Hausarbeit wird auf die amerikanische Zitierweise zurückgegriffen. Die Fußnoten dienen lediglich zur Ergänzung einzelner Aspekte bzw. um Literaturhinweise zur Vertiefung einzelner Problematiken zu ermöglichen.

[2] Auf eine Differenzierung des Geschlechts (Polizeibeamtin / Polizeibeamter) wird in dieser Hausarbeit verzichtet.

[3] Hier wird nur auf spezifische Merkmale zur Selbstwahrnehmung der Polizeibeamten eingegangen um ein entsprechendes Selbstbild der Polizei aufzeigen zu können. Generell muss beachtet werden, dass die Entwicklung eines Selbstbildes ein komplexer soziologischer Prozess ist, der durch viele Faktoren geprägt wird. Hier empfiehlt sich zur Vertiefung der Problematik das angewendete Buch von Christiane Bosold, Polizeiliche Übergriffe – Aspekte der Identität als Erklärungsfaktoren polizeilicher Übergriffe, S. 69 – 87.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Selbstbild und Außenwahrnehmung der Polizei – Sozialisation im Polizeivollzugsdienst
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Seminar: Polizei und Innere Sicherheit
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V133182
ISBN (eBook)
9783640397556
ISBN (Buch)
9783640397112
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstbild, Außenwahrnehmung, Polizei, Sozialisation, Polizeivollzugsdienst
Arbeit zitieren
Sabine Dorsheimer (Autor), 2008, Selbstbild und Außenwahrnehmung der Polizei – Sozialisation im Polizeivollzugsdienst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133182

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