„Die Polizei – Dein Freund und Helfer“
Dieses Sprichwort aus dem deutschen Volksmund beschreibt ein Bild der Polizei,
wie es in der deutschen Gesellschaft viele Jahre vorherrschte. Ob dies in der
heutigen Zeit noch aktuell ist, lässt manche im Zuge des gesellschaftlichen und
sozialen Wandels zweifeln. Die Polizei sieht sich aktuell, bei einer stetig steigenden
Kriminalitätsrate und mangelndem Personal, immer größeren Herausforderungen
gegenüber. Im Zuge dieses gesellschaftlichen Wandels spielt vor allem der Begriff
Identität eine entscheidende Rolle. Polizeibeamten werden die unterschiedlichsten
identitätsstiftenden Merkmale zugeschrieben. Auch wenn diese meist affektive
Zuschreibungen der Gesellschaft widerspiegeln, sind es doch die Polizeibeamten
selbst, die einem bestimmten Ideal des Polizeiberufes nachstreben (Bosold 2006;
72f.)1. Dies führt zu einer Außenwahrnehmung der Polizeibeamten in der
Bevölkerung, welche die eigene Wahrnehmung stark beeinflussen kann.
Die Polizei verfügt daher zum Teil über ein eigenes Leitbild, welches es ihnen
ermöglicht, ein recht deutliches Selbstbild im Bezug auf ihren Beruf trotz aller
internen und externen Widrigkeiten aufzuzeigen. Dieses Selbstverständnis entwickelt
sich bereits bei der Entscheidung für eine Bewerbung als Polizeibeamter im
Polizeivollzugsdienst. So wird zum Beispiel bei der hessischen Polizei sehr deutlich
beschrieben: „Das Leitbild soll der einzelnen Beamtin und dem einzelnen Beamten
als Orientierung dienen und die Identifikation mit der Aufgabe fördern, den Schutz
der Rechte der Bürgerinnen und Bürgern als Zentrum des Handelns der Polizei zu
begreifen“ (Behr 2006: 36). Ob es das dann wirklich kann ist fraglich.
Ziel dieser Arbeit ist es daher zu zeigen, welches Selbstbild die Polizei gerade im
Zuge des gesellschaftlichen Wandels hat. Dazu gehört vor allem die
Außenwahrnehmung der Polizei durch die Gesellschaft und deren Einfluss auf das eigene Selbstbild. Hinzu kommt die generelle Entscheidung für den Beruf des
Polizeibeamten2. Die hier gestellte Forschungsfrage lautet demnach:
Inwiefern stimmt das Selbstbild der Polizei im Polizeivollzugsdienst mit der
Außenwahrnehmung der Bevölkerung überein? Lassen sich Unterschiede durch den
gesellschaftlichen Wandel und den damit einhergehenden Werte- und Normenverfall
erklären? [...]
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung
2. Selbstbild der Polizei
2.1 Grundstein der Sozialisation – Auswahl und Ausbildung
2.2 Orientierung am vorgegebenen Leitbild
3. Außenwahrnehmung der Polizei
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Hausarbeit ist es, das Selbstbild der Polizei im Polizeivollzugsdienst vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels zu untersuchen und zu analysieren, inwiefern dieses mit der Außenwahrnehmung durch die Bevölkerung korreliert.
- Die konstruktive Entwicklung des Selbstbildes von Polizeibeamten
- Einflussfaktoren der Sozialisation durch Auswahlverfahren und Ausbildung
- Die Rolle polizeilicher Leitbilder als Orientierungsinstrumente
- Analyse der Außenwahrnehmung und des Vertrauensverhältnisses zur Bevölkerung
- Auswirkungen von Arbeitsbelastung und medialer Darstellung auf die Polizeiarbeit
Auszug aus dem Buch
2.2 Orientierung am vorgegebenen Leitbild
Leitbilder spielen in unserer Gesellschaft eine entscheidende Rolle. Sie dienen als Führungsinstrumente genauso wie als Orientierungshilfe in allen möglichen Berufsfeldern. Im Bezug auf den Polizeivollzugsdienst kann man die Herausbildung eines Leitbildes bei der Selbst- bzw. Außenwahrnehmung der Beamten aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Die Idee, ein eigenes Leitbild für die Polizei zu implementieren, geht aus der polizeilichen Kulturdebatte der 1990er Jahren hervor. Fakt ist, dass es sich bei der Implementierung dieses Leitbildes um eine politische Entscheidung handelte, die vom Innenministerium durchgesetzt wurde. Die Polizeibeamten wurden nur in geringem Maße an der Ausarbeitung beteiligt (Behr 2006: 36). Dies stellt bis heute ein Problem dar und führt zum Teil zu wachsender Arbeitsunzufriedenheit bei den Polizeibeamten.
Vorreiter im Bezug auf ein polizeiliches Leitbild war das Land Hessen. Wie bereits in der Einleitung aufgezeigt, verfügte die hessische Polizei bereits früh über ein detailliertes Leitbildmotiv, an dem sich andere Länder und Polizeiinitiativen später orientieren konnten (Behr 2006: 36ff.) Generell und unabhängig von dem hessischen Leitbild lassen sich einige grundsätzliche Feststellungen aus der Betrachtung polizeilicher Leitbilder ableiten. Zunächst kann man feststellen, dass sie durchaus Identitätsstiftend für die Polizei sein können. Auch wenn es schwer erscheint, eine gemeinsame Identität der Polizei zu entwickeln, kann man zumindest davon ausgehen, dass vorhandene Leitbilder eine einheitliche Identität betonen, wenngleich sie eine solche auch nicht vorgeben können. Hierzu ist der polizeiliche Alltag viel zu komplex und die Aufgabenvielfalt zu groß, als dass sich eine einheitliche Identifikation aufgrund eines Leitbildes implementieren kann (Behr 2006: 37). Hinzu kommt die Tatsache, dass sich die Beamten zum Teil in sehr unterschiedlichen Rollen befinden.
Ein wichtiger Aspekt im Bezug auf polizeiliche Leitbilder ist, dass sie keine Realität vermitteln. Es handelt sich hier um Idealvorstellungen, welche den Polizeibeamten eine Art Verhaltenskodex für die optimale Polizeiarbeit an die Hand geben sollen. Ein großes Problem entsteht, wenn dieses aufgezeigte Wunschbild des perfekten Polizeibeamten von den Beamten selbst gar nicht wahrgenommen oder verstanden wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Identitätsfrage der Polizei ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Übereinstimmung von Selbstbild und Außenwahrnehmung im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen.
2. Selbstbild der Polizei: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Polizeibeamte Identitätsmerkmale konstruieren und wie Auswahlverfahren sowie Ausbildung und Leitbilder die berufliche Identitätsbildung beeinflussen.
3. Außenwahrnehmung der Polizei: Der Abschnitt untersucht die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen gesellschaftlichen Akzeptanz der Polizei und der negativen Selbstwahrnehmung der Beamten, geprägt durch Medien und Belastungssituationen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass interne Organisationsprobleme die Außenwirkung belasten und fordert Entlastung sowie objektivere Berichterstattung, um das Image des „Freundes und Helfers“ zu stärken.
Schlüsselwörter
Polizeivollzugsdienst, Selbstbild, Außenwahrnehmung, Identität, Sozialisation, Polizeiausbildung, Leitbild, Gesellschaftlicher Wandel, Arbeitszufriedenheit, Vertrauensverlust, Polizeikultur, Kriminalitätsrate, Institution Polizei, Mediale Darstellung, Polizeiarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Hausarbeit untersucht die Identitätskonstruktion von Polizeibeamten und fragt, inwiefern das Selbstbild der Polizei mit der Wahrnehmung durch die Bevölkerung übereinstimmt.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Aspekte der polizeilichen Sozialisation, die Bedeutung von Leitbildern als Orientierungshilfe sowie die Auswirkungen von Medien und Arbeitsbedingungen auf das öffentliche Ansehen der Polizei.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob sich Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung durch den gesellschaftlichen Wandel und einen vermeintlichen Normenverfall erklären lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle Studien und Theorien zur Polizeiforschung (wie von Bosold, Behr und Groß/Schmidt) herangezogen werden, ergänzt um eine Fallbetrachtung der hessischen Polizeiausbildung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Entstehung des polizeilichen Selbstbildes und die Ausbildung beleuchtet, bevor die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Außenwahrnehmung der Institution Polizei detailliert erörtert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialisation, Identitätsstiftung, polizeiliches Leitbild, öffentliche Wahrnehmung, Vertrauensbasis, institutionelle Überlastung und mediale Darstellung der Polizeiarbeit.
Wie wirkt sich die Ausbildung in Hessen auf das Selbstbild der Beamten aus?
Die Ausbildung fungiert als erster Schritt der Sozialisation, bei dem durch ein strukturiertes Studium und praktische Phasen ein professionelles Rollenverständnis entwickelt werden soll, das allerdings oft von der Realität im Dienstalltag abweicht.
Warum nehmen Polizisten die Außenwahrnehmung oft negativer wahr, als sie statistisch ist?
Die negative Wahrnehmung resultiert aus emotional hochbelasteten Einsätzen und dem persönlichen Kontakt mit Straftätern oder Opfern, die ihre eigene subjektive Sicherheitsangst auf die Beamten projizieren.
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- Sabine Dorsheimer (Author), 2008, Selbstbild und Außenwahrnehmung der Polizei – Sozialisation im Polizeivollzugsdienst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133182