Feminismus im Islam und Frauenbewegungen im Modernisierungsprozess der Türkei


Hausarbeit, 2009

20 Seiten

MA Celal Yesilcayir (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Feminismus

3. Die allgemeine Lage der Frauen im Islam
3.1. Frauen im Koran
3.2. Feminismus im Islam

4. Feminismus in der türkisch-islamischen Gesellschaft anhand von Zuhal Yesilyurt Gündüz
4.1. Die türkischen Frauenbewegungen im Modernisierungsprozess der Türkei

5. Die Lage der Frau im Vergleich zwischen der laizistische Türkei und anderen islamischen Ländern

6. Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mann könnte meinen, dass das wissenschaftliche Interesse in der westlichen Welt an dem Thema „Frauenbewegungen und Feminismus im Islam“ besonders groß sei. Das wissenschaftliche Interesse beschränkt sich allerdings meist auf eine Kritik der ungleichen Stellung von Frauen und deren Rechtlosigkeit in islamisch geprägten Gesellschaften.

Die Geschichte der Frauenbewegungen und ihrer Anliegen sowie deren Probleme aber auch Erfolge werden eher selten thematisiert. Über die Rolle der Frau im Islam an sich wird viel gesprochen und geschrieben, doch sind die nicht-europäischen Frauenbewegungen bis heute weitgehend unerforscht. Es fehlen Untersuchungen mit international vergleichender Perspektive, die auch Frauenbewegungen beispielsweise aus der islamischen Welt in ihre Analysen mit einbeziehen.

In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, den Feminismus-Begriff im Islam sowie die Situation der Frauen in islamischen Ländern näher zu beschreiben, um eine ansatzweise Vorstellung davon zu vermitteln, was es bedeuten kann in einer islamischen Gesellschaft `Frau` zu sein. Da es schwierig ist, von einem speziell “islamischen Feminismus„ zu sprechen, wird dieser Begriff anhand von Frauenbewegungen und deren Situation in islamisch geprägten Ländern analysiert.

Gesondert werden die Frauenbewegungen in der Türkei, die unter anderem durch Kemal Atatürks initiierten Modernisierungsprozess Aufschwung erhielten, anhand von Zuhal Yesilyurt Gündüzs Sichtweise dargestellt. Im Anschluss wird versucht ein Vergleich zwischen der Lage der Frauen in der laizistischen Türkei und deren Lage in anderen islamischen Ländern zu ziehen.

2. Definition des Feminismus

Im Duden wird der Begriff `Feminismus` als eine Frauenbewegung beschrieben, welche sich für die Befreiung der Frauen einsetzt. Unter Anderem für die Befreiung aus gesellschaftlicher Diskriminierung und geschlechtsspezifischer Rollenverteilung.[1]

Dagegen wird im Neuen Großen Lexikon unter `Feminismus` die Gesamtheit aller Bestrebungen verstanden, die vom Grundsatz der rechtlichen und sozialen Gleichberechtigung der Geschlechter ausgehen, um den weiblichen Einflusses auf Staat, Gesellschaft und Kultur zu stärken.[2]

Feminismus (abgeleitet von frz. Féminisme und lat. femina = Frau) bezeichnet Bewegungen, die sich für die Interessen von Frauen stark machen. Ihr Konzept zielt auf eine verbesserte Lage der Frau und eine faktische Gleichstellung in allen Bereichen der Gesellschaft ab, die viele Feministen als nicht existent ansehen. Selbstbestimmung, Gewissensfreiheit, aber vor allem die Gleichberechtigung der Geschlechter gelten als wichtige Deklarationen des Feminismus.

Generell werden feministische Bestrebungen als relativ `modern` eingestuft.

Ende der sechziger Jahre hatte sich der Feminismus bereits global verbreitet. Viele feministische Bewegungen wurden in dieser Zeit durch die Ideen von Simone de Beauvoir geprägt. Sie bildete in ihrem Buch `Das andere Geschlecht` die These: `Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es`. Konventionelle Ehe und Familie werden de Beauvoirs Meinung nach als Institutionen zur Unterdrückung der Frauen in einem Patriarchat dargestellt, die es zu überwinden gilt.[3]

Unter Feminismus im weiteren Sinne werden Freiheits- und Gleichheitsbestrebungen von Frauen sowie das Vertreten ihrer eigenen Interessen und Rechte verstanden.

3. Die allgemeine Lage der Frauen im Islam

Die Lage der Frauen in der islamischen Welt hat sich von Land zu Land unterschiedlich weit entwickelt. Auch innerhalb der jeweiligen Länder lassen sich große Unterschiede zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten feststellen.

Die `islamische Welt` hält nach wie vor am Prinzip der Geschlechtertrennung fest. Eines der sichtbaren Zeichen ist der Schleier, den viele Frauen tragen und der nach einer Zeit des Rückgangs heute sicherlich eine Art `Renaissance` erlebt. Er ist auch ein Symbol für eine Trennung zwischen Männern und Frauen. Vom Grad dieser Geschlechtertrennung innerhalb einer Gesellschaft hängt es ab, inwieweit die Frauen Bildungs- und Ausbildungschancen erhalten, ob sie arbeiten dürfen, oder sich am gesellschaftlichen Leben beteiligen können.

Muslimische Autoren neigen dazu, nachweisen zu wollen, dass der Koran die Stellung der Frau entscheidend verbessert habe. Sie greifen deshalb auf vorislamische Zeiten zurück, in welchen die Stellung der arabischen Frauen viel schlechter gewesen sei.

Ihrer Meinung nach ist es ein Verdienst des Propheten Muhammad, die Frau aus dem rechtlosen Zustand herausgeführt zu haben. Tatsächlich besaß die Frau vor Beginn des Islam in der arabischen Gesellschaft hauptsächlich Pflichten und gar keine Rechte. Sie galt als Besitz des Mannes, der mit ihr machen konnte, was er wollte. Er durfte seine Frau sogar umbringen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.[4]

Im Koran wird die Lage des Vaters nach der Geburt einer Tochter vor dem Islam folgendermaßen beschrieben:

„Wenn einer von ihnen von der Geburt eines Mädchens benachrichtigt wird, bleibt sein Gesicht finster, und er unterdrückt (seinen Groll). Er verbirgt sich vor den Leuten wegen der schlimmen Nachricht. Solle er es nun trotz der Schmach behalten oder es um Boden verscharren. Übel ist, wie sie da beurteilen.“[5] Sure 16 (al-Nahl) Vers: 58,59

Die Geburt einer Tochter wurde vielfach als Schande betrachtet, und viele entledigten sich dieser Last, indem sie die Mädchen töteten. Dies geschah in dem man die Töchter (lebendig?) begrub. Die Frau rangierte in ihrer Stellung noch hinter dem Nutztier und konnte verkauft, verschenkt oder auch verstoßen werden. Selbst die Kinder durften ihr in solchen Fällen weggenommen werden. Die Frau war innerhalb der Familie überflüssig und wurde wie ein Fremdkörper behandelt. (Fußnote??)

„ Und wenn das Mädchen, das verscharrt wurde, gefragt wird, wegen welcher Sünde sie denn getötet wurde…“[6] Sure 81(al-Takwir) Vers :8-9

In der vorislamischen Zeit wird die Situation für kleine Mädchen und Frauen im damaligen Arabien als grausam und barbarisch beschrieben.

3.1. Frauen im Koran

Im Koran dagegen ist diese Sitte, nach der Töchter getötet werden dürfen, ausdrücklich verboten worden:

„Und tötet nicht eure Kinder nicht aus Furcht vor Verarmung. Ihnen und euch bescheren Wir Lebensunterhalt. Sie töten ist eine große Sünde.“[7] Sure 17 (al-Isra), Vers: 31

Auch die Männer werden ausdrücklich darauf hingewiesen, Ihre Frauen nicht schlecht zu behandeln.

Nach dem Koran sollen Männer und Frauen im Islam gleiche Belohnung und gleiche Bestrafung für ihr Leben und im Jenseits erhalten. Mann und Frau gelten insofern als gleichberechtigt[8]:

„Wer gutes tut, ob Mann oder Weib, und dabei gläubig ist, den werden Wir bestimmt ein angenehmes Leben leben lassen. Und Wir werden ihnen bestimmt mit ihrem Lohn vergelten für das Beste von dem, was sie taten.“[9] Sure 16 (al-Nahl) Vers: 97

Trotz dieser Gleichberechtigung von Mann und Frau durch Gott im `Letzten Gericht` kennt der Koran eine geschlechtsspezifische Unterscheidung.[10] Es heißt:

„Die Männer haben Vollmacht und Verantwortung gegenüber den Frauen, weil Gott die einen vor den anderen bevorzugt hat und weil sie von ihrem Vermögen (für die Frauen)ausgeben. Die rechtschaffenen Frauen sind demütig ergeben und bewahren das, was geheimgehalten werden soll, da Gott es geheimhält. Ermahnt diejenigen, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, und entfernt euch von ihnen in den Schlafgemächern und schlagt sie!“[11] Sure 4 (el-Nisa), Vers: 34

[...]


[1] Vgl.: Duden, das große Wörterbuch der deutschen Sprache. Neue Aufl. 1999, S.221, hrgs. Monika Schoch

[2] Vgl.: Neues Grosses Lexikon, 1999 Köln, S.258

[3] Vgl.: De Beauvoir, Simone: Das andere Geschlecht, Rowohlt Verlag, Hamburg 1951

[4] Vgl.: Der unbekannte Islam. Hrsg. von Jäger und Wildermuth. Zürich - Köln. 1982. S. 121

[5] Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah. Mit einem Geleitwort von Inamullah Khan. Gütersloh 1987. S. 204, 205

[6] Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. S. 462

[7] Ebenda S. 213

[8] Vergleich: Antes, Peter. Ethik und Politik im Islam. Stuttgart, 1982. S.59

[9] Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. S. 62,63

[10] Antes, Peter. Ethik und Politik im Islam. Stuttgart, 1982. S.59

[11] Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. S. 208

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Feminismus im Islam und Frauenbewegungen im Modernisierungsprozess der Türkei
Hochschule
Universität Kassel
Autoren
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V133216
ISBN (eBook)
9783640397631
ISBN (Buch)
9783640398034
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feminismus, Islam, Frauenbewegungen, Modernisierungsprozess, Türkei
Arbeit zitieren
MA Celal Yesilcayir (Autor)Corinna Baspinar (Autor), 2009, Feminismus im Islam und Frauenbewegungen im Modernisierungsprozess der Türkei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133216

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