Die Geschichte der Außenwirtschaftspolitik

Von der Gründung des Ersten Deutschen Zollvereins bis zum Ende der Weimarer Republik


Hausarbeit, 2008

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Außenwirtschaft und Außenwirtschaftspolitik

3 Historischer und ökonomischer Hintergrund
3.1 Zur Außenwirtschaft in verschiedenen Wirtschaftssystemen
3.1.1 Merkantilismus
3.1.2 Freihandel
3.1.3 Schutzzollsystem
3.2 Wirtschaftlicher und sozialer Strukturwandel Deutschlands im 19 Jahrhundert

4 Deutsche Außenwirtschaftspolitik zwischen der Gründung des Deutschen
Zollvereins 1833 und der Weimarer Republik
4.1 Der Deutsche Zollverein
4.2 Die Ära Bismarck – von Freihandel zu Schutzzöllen
4.3 Handelsvertragspolitik und das Zolltarifgesetz von 1902
4.4 Der Erste Weltkrieg
4.4 Die Weimarer Republik

5 Resümee

1 Einleitung

Wenn man in Deutschland den Begriff der Außenwirtschaft hört, so denkt man zunächst an den Titel Exportweltmeister, den sich Deutschland Jahr für Jahr „erkämpft“. Doch welche Entwicklungen hat Deutschland auf diesem Weg durchgemacht? Betrachtet man die Außenwirtschaftspolitik Deutschlands in den letzten 200 Jahren, so ist diese nicht nur durch häufige Veränderungen in der politischen Landschaft gekennzeichnet, sondern auch durch große wirtschaftliche und soziale Veränderungen wie beispielsweise den Industrialisierungsprozess seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Waren zum Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland nahezu noch 1800 Binnenzolllinien zu verzeichnen, so gehören heute weltweite Handelsabkommen innerhalb der Mitgliedschaft in der WTO[1] oder dem GATT[2] zum Alltag in der Außenwirt-schaftspolitik.

Vorliegende Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt diese Entwicklung näher zu be-leuchten und dabei auch auf politische, soziale und wirtschaftliche Ent-wicklungen dieser Zeitspanne einzugehen. Da die hier dargestellte Thematik im Rahmen des Hauptseminars Geschichte der Wirtschaftspolitik vom Merkantilismus bis heute des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Innovations-geschichte an der Universität Bamberg bearbeitet wird und das Thema doppelt belegt ist, haben sich die Referenten dazu entschieden das Themengebiet aufgrund der doch recht großen Fülle aufzuspalten. In der hier vorgelegten Arbeit wird daher der Fokus auf die Entwicklung der Außenhandelspolitik von der Gründung des Ersten Deutschen Zollverein bis zum Ende der Weimarer Republik gelegt. Der zweite Teil – vom Nationalsozialismus bis zur Globali-sierung im 20. und 21. Jahrhundert – wird dementsprechend gesondert von meinem Koreferenten vorgelegt.

Um die Entwicklung der Außenwirtschaftspolitik mit Blick auf die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen Deutschlands zwischen dem Beginn des 19. Jahrhunderts und dem Ende der Weimarer Republik besser verstehen und einordnen zu können, soll zunächst eine Definition der Begriffe Außenwirtschaft und Außenwirtschaftspolitik gegeben werden, um im An-schluss daran die historischen und ökonomischen Veränderungen dieser Zeit darzustellen. Hieran anschließend steht die Entwicklung der Außenwirt-schaftspolitik zwischen 1833 und 1933 im Mittelpunkt, wobei die Stichpunkte Gründung des Deutschen Zollvereins, Ära Bismarck und die Entwicklung von Freihandel zu Schutzzöllen, Handelsvertragspolitik und das Zolltarifgesetz von 1902, Erster Weltkrieg und Weimarer Republik als Eckpunkte der Analyse dienen sollen.

Zu Beginn wird nun allerdings zunächst eine definitorische Einführung in den Bereich der Außenwirtschaft und der Außenwirtschaftspolitik gegeben.

2 Außenwirtschaft und Außenwirtschaftspolitik

Der Begriff Außenwirtschaft stellt nach Glastetter (1975) „die Gesamtheit aller ökonomischen Transaktionen [...], die zwischen Wirtschaftssubjekten eines Landes (= Inländer) und Wirtschaftssubjekten des Auslandes (= Ausländer) stattfinden“ dar. Hierbei richtet sich die Bezeichnung „Inländer“ bzw. „Aus-länder“ danach, wo die betreffende Person ihren Wohnsitz im Sinne ihres Lebensmittelpunktes hat, bei juristischen Personen danach, wo die Registrierung vorliegt.[3]

Anders ausgedrückt umfasst der Begriff Außenwirtschaft die „Gesamtheit der Wirtschaftsbeziehungen zwischen autonomen Staats- oder Wirtschafts-räumen.“[4] Dabei handelt es sich um „Waren-, Dienstleistungs-, Kapital-, Zahlungs- und sonstigen Wirtschaftsverkehr zwischen In- und Ausland.“[5]

Außenwirtschaftspolitik bezeichnet die „gesamtwirtschaftlich autoritative Wertallokation im Bereich der Außenwirtschaft, meist seitens staatlicher Stellen, aber auch seitens gesellschaftlicher Instanzen (z.B. Kammern)“[6] und bedeutet somit staatliches Eingreifen in die Außenwirtschaft, um allgemeine wirtschaftspolitische Ziele zu unterstützen. Maßnahmen der Außenwirtschafts-politik sind dabei sowohl von der geltenden Wirtschaftsauffassung eines Landes als auch von der gegebenen oder geplanten Wirtschaftsordnung ab-hängig. [7]

Ursachen internationalen Handels stellen standortspezifische Unterschiede sowie die Produktion am kostenoptimalsten Ort dar. Im Einzelnen lassen sich

- natürliche Standortvorteile (Rohstoffe, Klima, Bodenstruktur),
- dichte Besiedelung,
- Rationalisierungsstand und
- standortpolitische Vorteile (Steuerermäßigung, Infrastruktur, etc.) aufzählen.[8]

Vorteilen des Außenhandels wie

- der Produktion am kostenoptimalsten Ort (Freihandelstheorem),
- dem internationalen Ausgleich der regionalen Knappheiten und
- der Rationalisierung rückständiger Volkswirtschaften stehen Nachteile wie

- außerpolitische und außenwirtschaftliche Abhängigkeiten und
- die Verhinderung einer ausgeglichenen Wirtschaftsstruktur durch eine zu starke internationale wirtschaftliche Arbeitsteilung gegenüber.

Die Vorteilhaftigkeit von Außenhandel für den einzelnen Staat lässt sich in den so genannten Terms of Trade messen, welche das Verhältnis von Export- güterpreisen zu Importgüterpreise widerspiegelt.[9]

Bevor anschließend der Blick gezielt auf die deutsche Außenwirtschaftspolitik zwischen der Gründung des Deutschen Zollvereins 1833 und dem Ende der Weimarer Republik gelenkt wird, soll zunächst der historische und öko- nomische Hintergrund dieser Zeitspanne erarbeitet werden, ohne den eine Bewertung nicht möglich erscheint.

3 Historischer und ökonomischer Hintergrund

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der deutschen Außenwirtschafts-politik in der Zeit von der Gründung des Deutschen Zollvereins 1833 bis zum Ende der Weimarer Republik. Dieser Zeitabschnitt ist durch zahlreiche Wechsel der Wirtschaftssysteme und Wirtschaftserfolge ebenso gekenn-zeichnet, wie durch innenpolitische Veränderungen, die in diesen Zeitraum fallen. Diese Veränderungen prägten die Außenwirtschaftspolitik nachhaltig, so dass eine Untersuchung ohne die Betrachtung der historischen Ereignisse dieser Zeit nicht sinnvoll erscheint.

3.1 Zur Außenwirtschaft in verschiedenen Wirtschafts-systemen

Für ein Verständnis der deutschen Außenhandelspolitik im untersuchten Zeit-raum erscheint zunächst ein gewisser volkswirtschaftlicher Hintergrund not-wendig. Hierzu soll eine knappe Darstellung der in dieser Zeit vor-herrschenden Wirtschaftssysteme vorgenommen werden.

3.1.1 Merkantilismus

Der Merkantilismus hatte seinen Ursprung bereits im Mittelalter in England und Frankreich. Die Denkrichtung entstand im Zuge großer Umbrüche wie der an Bedeutung gewinnenden Arbeitsteilung und dem zunehmenden Umfang an Handel und Geldwirtschaft.[10] Diese ersten Formen, die zunächst lediglich den Verbleib des Geldes im eigenen Land zum Ziel hatten, unterschieden sich zum späteren Begriff des Merkantilismus. Nachfolgend stand die Förderung der eigenen Wirtschaft durch die Ausbildung der Arbeitskräfte im Mittelpunkt. Später rückte die Handelsbilanzlehre ins Zentrum des Merkantilismus. Diese besagte, dass der Wohlstand und das Vermögen des eigenen Landes durch das Bestreben zu steigern ist, möglichst wenige Waren einzuführen und mög-lichst viele zu exportieren, was im Ergebnis zu einem Geldüberschuss führen sollte, der mehr Wohlstand und Vermögen für das eigene Land bedeutete.

Demnach stand ein Land, das viel importierte nach merkantilistischer Ansicht vor dem Ruin.

Anfang des 19. Jahrhunderts erfuhr die Idee des Merkantilismus immer stärkeren Widerstand und wurde schließlich von den Vertretern des Frei-handels für „völlig falsch“[11] erklärt.[12]

3.1.2 Freihandel

Mit dem so genannten Cobden-Vertrag von 1860, in dem zwischen England und Frankreich die Herabsetzung des Zolltarifes vereinbart wurde, begann in Europa des 19. Jahrhunderts die Periode des Freihandels.

Die Theorie des Freihandels geht auf die Erkenntnisse des Nationalökonomen Adam Smith (1723-1790) zurück, welche die Eckpfeiler der Freihandelstheorie bildeten. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war, dass Kapital und Boden lediglich Hilfswerkzeuge darstellen und der Reichtum hauptsächlich auf menschlicher Arbeit beruht. Smith vertrat den „Grundsatz des Gehenlassens(!) (Laissez-Faire)“[13], den Grundsatz, dass „die Freiheit aller individuellen wirtschaftlichen Tätigkeit das öffentliche Wohl von ganz alleine herbeiführen werde.“[14] Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass das öffentliche Wohl nur durch Beschneidung dieser individuellen Freiheit beeinträchtigt werden kann. Übertragen auf den internationalen Handel ergibt sich der Grundsatz, dass freier Handel ohne jegliche Beschränkungen sich zum Wohle aller Parteien auswirkt.

Freihandel wurde nie in seiner reinsten Form umgesetzt, jedoch wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Gedanken der Freihandelslehre in die Handelsverträge und die ökonomischen Überlegungen der Staaten ein-bezogen. Die Periode des deutschen Freihandels während der Zeit des Deutschen Bund es und des Deutschen Reichs war, wie noch näher auszu-führen sein wird, sehr kurz, denn unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise Anfang der 1870er Jahre fanden sogleich wieder protektionistische Gedanken ihre Befürworter, was in den kommenden Jahren im Zuge der Krise in der Eisenindustrie und im Agrarbereich zur Abkehr vom Freihandelsgedanken und zur Hinwendung zur so genannten Schutzzollpolitik führte.[15]

3.1.3 Schutzzollsystem

Das Schutzzollsystem stellt den Gegensatz der Theorie des Freihandels dar. Hohe Zölle sollten Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts der Funktion dienen, Produktionsunterschiede zwischen in- und ausländischen Unter-nehmen auszugleichen, was allerdings oftmals in einem gegenseitigen An-heben der Zölle verschiedener Staaten endete, wodurch Absatzgebiete in-ländischer Unternehmen verloren gingen. Ebenso erhofften sich Befürworter des Protektionismus durch die Erhebung der Schutzzölle höhere Staatsein-nahmen.

Wie noch gezeigt werden soll, wurden im Deutschen Reich in der Praxis hohe Zölle in einzelnen Wirtschaftsbereichen erhoben, um diese vor ausländischer Konkurrenz zu schützen.

Im Deutschen Reich führte das Zolltarifgesetz vom 15. Juli 1879 unter Reichs-kanzler Bismarck zur endgültigen Abkehr vom Prinzip des Freihandels und bedeutete die Hinwendung zu einem Protektionismus, der in den Folgejahren noch ausgebaut werden sollte. [16]

Vorausgehend wurden in einem knappen Abriss die Wirtschaftssysteme des für diese Arbeit relevanten Zeitraums, mit ihrer außenwirtschaftspolitischen Bedeutung dargestellt. Um im Folgenden die Außenwirtschaftspolitik zwischen dem Jahre 1833 und der Weimarer Republik näher zu beleuchten, soll jedoch zunächst noch ein Überblick über den sozialen und wirtschaftlichen Struktur-wandel in Deutschland im 19. Jahrhundert gegeben werden, da der Wandel Deutschlands vom Agrar- zum Industriestaat zentrale Bedeutung für die Außenwirtschaftspolitik des hier untersuchten Zeitrahmens hatte.

[...]


[1] World Trade Organization

[2] General Agreement on Tariffs and Trade

[3] Vgl. Bellers, Jürgen: Deutsche Außenwirtschaftspolitik 1949 – 1989. Siegen, 2003. S. 3.

[4] Meyers Lexikon online 2.0. http://lexikon.meyers.de/meyers/Au%C3%9Fenwirtschaft.

[5] Ebd.

[6] Bellers, Jürgen: Deutsche Außenwirtschaftspolitik 1949 – 1989. Siegen, 2003. S. 3.

[7] Vgl. Meyers Lexikon online 2.0. http://lexikon.meyers.de/meyers/Au%C3%9Fenwirtschaft.

[8] Vgl. Bellers, Jürgen: Deutsche Außenwirtschaftspolitik 1949 – 1989. Siegen, 2003. S. 3.

[9] Vgl. Ebd. 3f.

[10] Bundeszentrale für politische Bildung: Wirtschaft heute. Bonn, 2002. S. 10.

[11] Bayer, Frank: Das System der deutschen Handelsverträge von 1853 bis 1914. Wesentliche völkerrechtliche Prinzipien und deren Gemeinsamkeiten mit dem heutigen Weltwirtschafts-recht. Halle, 2004. S. 28.

[12] Vgl. ebd. S. 27f.

[13] Ebd. S. 28.

[14] Ebd.

[15] Vgl. ebd. S. 29f.

[16] Vgl. ebd. S. 29.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Außenwirtschaftspolitik
Untertitel
Von der Gründung des Ersten Deutschen Zollvereins bis zum Ende der Weimarer Republik
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für Wirtschafts- und Innovationsgeschichte)
Veranstaltung
Geschichte der Wirtschaftspolitik vom Merkantilismus bis heute
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V133259
ISBN (eBook)
9783640399246
ISBN (Buch)
9783640398737
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Außenwirtschaftspolitik, Gründung, Ersten, Deutschen, Zollvereins, Ende, Weimarer, Republik
Arbeit zitieren
Fabian Wahler (Autor), 2008, Die Geschichte der Außenwirtschaftspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133259

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