Emotionale Störungen des Kindesalters


Hausarbeit, 2009

17 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2. 1 Emotionen
2. 1. 1 Definition
2. 1. 2 Frühkindliche Entwicklung der Emotionen
2. 2 Emotionale Störungen des Kindesalters (F93)
2. 2. 1 Trennungsangststörung (F93.0)
2. 2. 2 Phobische Störung des Kindesalters (F93.1)
2. 2. 3 Soziale Angststörung des Kindesalters (F93.2)
2. 2. 4 Geschwisterrivalität (F93.3)

3. Schlussteil

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Emotionale Störungen des Kindesalters bezeichnen eine Gruppe von Störungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, bei der Angst durch bestimmte, im Allgemeinen ungefährliche Objekte, die sich außerhalb der Person befinden, hervorgerufen wird. Sie sind ähnlich einer „richtigen“ Angststörung und werden definiert als Verstärkung normaler Entwicklungsprobleme, jedoch mit besseren Prognosen: Viele ängstliche Kinder sind als Erwachsene unauffällig.

Zu der Gruppe von Störungen, nach dem ICD-10, werden Störungen gezählt, die eine Verstärkung normaler Entwicklungen darstellen. Darin unterscheiden sie sich von den Phobien. Bei den Emotionalen Störungen steht die Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation im Vordergrund, die im Allgemeinen ungefährlich ist.

Die Typen der emotionalen Störungen des Kindesalters (F 93) werden unterschieden nach Trennungsangststörung (F 93.0), phobische Störung des Kindesalters (F 93.1), soziale Angststörung des Kindesalters (F 93.2) und der Geschwisterrivalität (F 93.3).[1]

Die folgenden Seiten werden als erstes definieren, was „Emotionen“ sind und wie diese in der frühkindlichen Entwicklung herausgebildet werden. Des Weiteren werden die emotionalen Störungen des Kindesalters thematisiert, mit den Untertypen der Trennungsangststörung, der phobischen Störung des Kindesalters, der sozialen Angststörung des Kindesalters und der Geschwisterrivalität. Hier sollen die Leitsymptome, die Ursachen und die Folgen der jeweiligen emotionalen Störungen näher beleuchtet werden. Als letzten Betrachtungspunkt sollen die möglichen Behandlungsmethoden der Störungen vorgestellt werden.

2. Hauptteil

2. 1 Emotionen

2. 1. 1 Definition

Das Wort Emotion (Synonym: Gefühl, Affekt) lässt sich vom lateinischen Begriff emovere ableiten, welches mit den Verben „wegschaffen, vertreiben, herausheben, aufwühlen, erschüttern“ übersetzt wird. Im Volksmund wird der Begriff der Emotion auch als Gemütsbewegung bzw. Gemütszustand definiert. In der Fachliteratur werden Emotionen als „Gefühlszustände beschrieben. Sie motivieren Handlungen, steuern den Gefühlsausdruck und regulieren die Interaktion mit anderen Menschen.“[2]

Es ist ein psychophysiologischer Prozess, der durch die bewusste bzw. unbewusste Aufnahme und Interpretation eines Objekts oder einer Situation hervorgerufen wird, wobei dieser physiologische Wandlungen, spezifische Kognitionen, subjektives Emotionserleben und die Abwandlung der Verhaltensbereitschaft auslöst.

Emotionen sind kurzlebige, vorübergehende Zustände, die auf äußere Ereignisse reagieren, wodurch sich diese deutlich von den Synonymen Stimmung, Gefühl und Affekt abgrenzen: Stimmungen sind länger anhaltende emotionale Phasen, deren Vorhandensein und Auslöser oft unbemerkt bleiben. Gefühle bezeichnen das subjektive Erleben der Emotion, wie das Gefühl der Freude, der Lust, der Unlust, der Angst, der Furcht, der Trauer, der Aggression, des Ärgers, der Scham oder des Neides. Von Affekten spricht man, wenn Emotionen Handlungen auslösen, die nicht mehr oder in geringerem Maße kontrollierbar sind. Sie bezeichnen die emotionale Färbung dessen, was man sagt oder tut. Die Affekte werden nach richtig, falsch, gut oder böse beurteilt.[3]

Emotionen „sagen etwas über den inneren Zustand eines Menschen aus und sind meist mit bestimmten Körperempfindungen wie Muskelspannung oder -entspannung, Schwitzen, Erröten, Urindrang usw. verbunden. Deshalb sind Emotionen auch z.T. an der Mimik, Gestik, Sprechweise usw. ablesbar.“[4] Dadurch dass wir unsere Emotionen durch Gesichtsausdruck oder Verhaltensweisen ausdrücken, teilen wir uns der Gesellschaft mit, was die Emotionen zu einem wichtigen Faktor im Sozialverhalten sowie Sozialleben macht. Des Weiteren „alarmieren (sie; d.V.) uns in Gefahrensituationen und werden von erkennbaren physiologischen Reaktionen begleitet, die unsere psychophysiologische Leistungsfähigkeit erhöhen und uns auf entsprechende Reaktionen vorbereiten. Darüber hinaus besitzen Emotionen eine kognitive Komponente – sie beeinflussen Gedächtnis, Denken und Entscheidungsfindung – und bewegen uns zum Handeln oder zur Tatenlosigkeit.“[5]

2. 1. 2 Frühkindliche Entwicklung der Emotionen

In den ersten Lebenstagen zeigt das Neugeborene ein ruhiges, überwiegend gefühlsneutrales Verhalten. Es zeigt eher negative Gefühlsregungen, wie Schreien, die auf bestimmte, ihm unangenehme Reize hinweisen sollen.

Diese Beobachtung beweist auch die Theorie von Oerter und Holodynski[6], nach der der menschliche Säugling mit angeborenen emotionalen Ausdrucksreaktionen zur Welt käme, die den Eltern dessen momentane Bedürfnislage anzeigen und darauf gerichtet seien, sie zu entsprechender Bewältigungstat zu veranlassen. Diese bilden sich in den ersten vier Wochen aus:

„1. Schreien: signalisiert einen dringenden Bedarf z.B. nach Nahrung, Körperkontakt etc. (Emotion Disstress);
2. Lächeln: markiert – zunächst als „Engelslächeln“ mit geschlossenen Augen – den Abschluss eines Spannungs-Entspannungs-Zyklus und signalisiert den Aufbau von Reizkontingenzen (Emotion Wohlbehagen);
3. (visuelle) Aufmerksamkeitsfokussierung mit leicht geöffnetem Mund: signalisiert die Neuartigkeit externer Stimulation (Emotion Interesse);
4. Schreckreflex mit aufgerissenen Augen und Körperspannung: signalisiert eine bedrohliche Überstimulation (Emotion Erschrecken);
5. Naserümpfen mit Vorstrecken der Zunge, um Mundinhalt auszuspucken: signalisiert ungenießbare Nahrung (Emotion Ekel).“[7]

Mit etwa acht Monaten hat das Kleinkind gelernt, bekannte Gesichter von unbekannten zu unterscheiden. Bei der sogenannten „Achtmonatsangst“ zeigt das Kind ein „abwehrend-ängstliches Verhalten […]. Der Säugling fühlt sich in dieser Zeit noch stark von der Mutter abhängig und nur in ihrer Gegenwart sicher.“[8] Dies zeigt, dass die wichtigsten Bezugspersonen einen Einfluss auf die Entwicklung der Emotionen von Säuglingen und Kleinkindern haben. Die Erwachsenen vermitteln den Kindern ihre Standards: Die Kinder lernen durch Nachahmung der Erwachsenen Emotionen auszudrücken. Die Bezugspersonen steuern in manchen Fällen auch das Verhalten ihrer Kinder durch einen bestimmten Emotionsausdruck, z. B. warnt ein entsetzter Ausdruck das Kind davor, etwas Gefährliches zu tun.[9]

Bereits bis zum zweiten Lebensjahr zeigt das Kleinkind alle Grundemotionen, wie Interesse, Leid, Widerwillen, Freude, Zorn, Überraschung, Scham, Furcht, Verachtung und Schuldgefühle. In den folgenden Jahren setzt sich die Differenzierung der Gefühle fort. Dabei ändern sich sowohl der Bereich der die Emotionen auslösenden Reize als auch die Form des Ausdrucks dieser Emotionen und die Art des Reagierens auf diese Gefühle. Während z. B. ein Säugling auf Angst auslösende Reize mit Schreien reagiert, sucht der Zweijährige Schutz bei der Mutter oder er läuft davon. Das Kleinkind lernt, welche Gefühle und Arten des Gefühlsausdrucks von der Gesellschaft akzeptiert werden, und es lernt dadurch, welche Gefühle er zeigen darf und welche nicht. Daraus kann man schließen, dass die Entwicklung der Gefühle in den ersten Lebensjahren angelegt wird und sich im Laufe der Jahre eine Differenzierung sowohl der Gefühle als auch der auslösenden Reize und damit verbundenen Reaktionen vollzieht.[10]

Die einzelnen Entwicklungsstufen der Emotionen bei Kleinkindern werden gut in der Sroufes Stufentheorie (1979)[11] zusammengefasst. Diese geht zunächst davon aus, dass „sich die meisten Emotionen aus drei Emotionsvorläufern (entwickeln; d.V.), die bereits beim Neugeborenen zu beobachten sind: Vergnügen/Freude, Ängstlichkeit/Furcht, Wut/Ärger.“[12] Im Laufe der Entwicklung bilden sich weitere Emotionen heraus, die in folgenden acht Stufen der Differenzierungstheorie von Sroufe vorgestellt werden:

„1. die Periode der absoluten Reizschranke (1. Monat);
2. Zuwendung zur Umwelt (2.-3. Monat) und Differenzierung von Neugier/Interesse und Freude/Lächeln;
3. Vergnügen an gelungener Assimilation (3.-5. Monat) mit Differenzierung von Freude/Vollem Lachen und Wut/Enttäuschung;
4. aktive Teilnahme am sozialen Geschehen (6.-9. Monat) mit Differenzierung von Vergnügen und Ärger;
5. Phase der sozial-emotionalen Bindung (10.-12. Monat) mit Differenzierung von Fremdenfurcht und Bindung;
6. Phase des Übens und Explorierens (13.-18. Monat) mit Differenzierung von Begeisterung, Vorsicht/Ängstlichkeit und Ärger;
7. Bildung des Selbstkonzepts (19.-36. Monat) mit Differenzierung von positiven Selbstwert, Scham, Trotz und Bockigkeit bis hin zu absichtlichem Wehtun;
8. Phase des Spielens und der Phantasie (ab 36 Monaten) mit Differenzierung von Stolz und Liebe sowie Schuldgefühlen.“[13]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das emotionale Lernen in den ersten Lebensmonaten beginnt und sich während der gesamten Kindheit fortsetzt. Die deutlichsten Schritte emotionaler Entwicklung vollziehen sich in den ersten sechs Lebensjahren und umfassen folgenden Fertigkeitsbereiche, die sich parallel zueinander entwickeln und wechselseitig beeinflussen:

Emotionsausdruck, nonverbal und sprachlich,

Emotionswissen, vor allem Wissen über Auslöser bestimmter Emotionen bei sich und anderen,

Emotionsregulation, innere und äußere Strategien im Umgang mit Emotionen.[14]

2. 2 Emotionale Störungen des Kindesalters (F93)

Emotionale Störungen des Kindesalters bezeichnen eine Gruppe von Störungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, bei der Angst durch bestimmte, im Allgemeinen ungefährliche Objekte, die sich außerhalb der Person befinden, hervorgerufen wird. Sie sind ähnlich einer „richtigen“ Angststörung und werden definiert als Verstärkung normaler Entwicklungsprobleme, jedoch mit besseren Prognosen: Viele ängstliche Kinder sind als Erwachsene unauffällig.

Zu der Gruppe von Störungen, nach dem ICD-10, werden Störungen gezählt, die eine Verstärkung normaler Entwicklungen darstellen. Darin unterscheiden sie sich von den Phobien. Bei den Emotionalen Störungen steht die Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation im Vordergrund, die im Allgemeinen ungefährlich ist.

Die Typen der emotionalen Störungen des Kindesalters (F 93) werden unterschieden nach Trennungsangststörung (F 93.0), phobische Störung des Kindesalters (F 93.1), soziale Angststörung des Kindesalters (F 93.2) und der Geschwisterrivalität (F 93.3).[15]

Es besteht eine Komorbidität zu anderen Angststörungen: So leiden etwa die Hälfte der Kinder mit einer emotionalen Störung an einer weiteren Angststörung, ein Drittel der Leidenden sogar an zwei weiteren. Weitere Krankheitsbilder, die neben den emotionalen Störungen auftreten, sind:

„Depressive Störungen

Hyperkinetische Störungen

Störung des Sozialverhaltens

Effektiver Mutismus (wird nach neueren Befunden auch als spezifische Unterform sozialer Phobie eingestuft)

Depersonalisationssymptome

Zwangssymptome

Angstbedingte Verweigerung/Vermeidung des Schulbesuchs wurde früher als eigene Störung (Schulangst/Schulphobie) klassifiziert. Sie wird aktuell als Begleitproblematik anderer Angststörungen (bei Trennungsangst, bei sozialer Phobie, bei Agoraphobie etc.) zugeordnet.“[16]

Des Weiteren ist es auffällig, dass Jungen seltener von emotionalen Störungen betroffen sind als die Mädchen.[17]

[...]


[1] Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information: ICD-10 online (WHO-Version 2006): http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm, Abgerufen am 04.04.09.

[2] Petermann, Franz, Niebank, Kay, Scheithauer, Herbert 2004: Entwicklungswissenschaft. Entwicklungspsychologie - Genetik – Neuropsychologie. Berlin, S. 135.

[3] Ebd., S. 135.

[4] Remschmidt, Helmut 2000: Angstsyndrome und emotionale Störungen, In: Remschmidt, Helmut (Hrsg.), Kinder- und Jugendpsychiatrie. Eine praktische Einführung. Stuttgart, S. 16.

[5] Petermann, Franz, Niebank, Kay, Scheithauer, Herbert 2004: Entwicklungswissenschaft. Entwicklungspsychologie - Genetik – Neuropsychologie. Berlin, S. 135.

[6] Holodynski, Manfred, Oerter Rolf 2008: Emotionale Entwicklung, In: Oerter, Rolf, Montada, Leo (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Basel, S. 554f.

[7] Ebd., S. 554f.

[8] Remschmidt, Helmut 2000: Angstsyndrome und emotionale Störungen, S. 17.

[9] Von Hofacker, Nikolaus 2004: Störungen der emotionalen Verhaltensregulation des späten Säuglingsalters und des Kleinkindalters, In: Papousek, Mechthild, Schieche, Michael, Wurmser, Harald (Hrsg.), Regulationsstörungen der frühen Kindheit. Frühe Risiken und Hilfen im Entwicklungskontext der Eltern-Kind-Beziehungen. Bern, S. 214ff.

[10] Petermann, Franz, Niebank, Kay, Scheithauer, Herbert 2004: Entwicklungswissenschaft, S. 151f.

[11] Ruth, Hellgard 2008: Sozialverhalten und Emotionen, In: Oerter, Rolf, Montada, Leo (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Basel, S.203f.

[12] Ebd., S. 203.

[13] Ruth, Hellgard 2008: Sozialverhalten und Emotionen, S. 204.

[14] Holodynski, Manfred, Oerter Rolf 2008: Emotionale Entwicklung, S. 570f.

[15] Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information: ICD-10 online (WHO-Version 2006): http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm, Abgerufen am 04.04.09.

[16] Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie u.a. (Hrsg.) 2003: Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. Köln, S. 281.

[17] Denner, Silvia 2003: Emotionale Störungen und Verhaltensauffälligkeiten im Vorschulalter. Ergebnisse einer Studie von Dortmunder Kindergartenkindern, Online im Internet: http://www.fh-dortmund.de/de/ftransfer/medien/denner2.pdf. Abgerufen am 04.07.2009.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Emotionale Störungen des Kindesalters
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Soziologie)
Note
gut
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V133277
ISBN (eBook)
9783640399284
ISBN (Buch)
9783640398775
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotionen, Störungen, Emotionale Entwicklung, Trennungsangst, phobien, Fremdenangst, Geschwisterrivalität
Arbeit zitieren
Alina Heberlein (Autor:in), 2009, Emotionale Störungen des Kindesalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133277

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Emotionale Störungen des Kindesalters



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden