Filme, die eine narrative Unzuverlässigkeit aufweisen, sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Dabei handelt es sich um Widersprüche in der Erzählung, die den Zuschauer verwirren und durch diese Verwirrung, die komplette Geschichte in Frage gestellt wird. Filme wie David Lynchs Lost Highway (Lost Highway, USA 1996), M. Night Shyamalans The Sixth Sense (The Sixth Sense, USA 1999) oder James Mangolds Identity (Identität, USA 2003) sind nur einige von vielen Filmbeispielen auf die diese narrative Unzuverlässigkeit zutrifft.
Der vorliegende Beitrag setzt sich mit dem unzuverlässigen Erzählen in Alexandre Ajas Haute Tension (High Tension, F 2003) auseinander. Dabei soll die Frage im Mittelpunkt stehen, ob es sich bei dieser Geschichte um eine objektive Realität oder um eine fiktives Produkt der Hauptdarstellerin aufgrund ihrer multiplen Persönlichkeit handelt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zusammenfassung High Tension
2 Hinters Licht geführt
2.1 Die Hauptdarstellerin als unzuverlässige Erzählerin
2.2 Widersprüche in der Erzählung
2.2.1 Auf der Reise und im Transporter
2.2.2 Allein im Bett
2.2.3 In der Tankstelle
2.2.4 Die Verfolgungsjagd
2.3 „Ok, nehmt es auf.“
2.3.1 Unzuverlässiges Erzählen als Mittel zur Darstellung einer fiktionalen Welt
2.4 Subjektive Perspektive oder objektive Realität?
2.5 Sarà perchè ti amo
2.6 Schizophrenie, Liebe und Wahn
2.7 Gefangen im Blickwinkel der Figur
3 Terrorkino und Emotionalität
3.1 Emotionalität als Ersatz für unzuverlässiges Erzählen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des unzuverlässigen Erzählens in Alexandre Ajas Film "High Tension". Dabei wird der Frage nachgegangen, ob die filmische Geschichte als objektive Realität zu verstehen ist oder als ein fiktives Konstrukt der Hauptdarstellerin, das aus ihrer multiplen Persönlichkeit und Wahnvorstellungen resultiert.
- Analyse der narrativen Unzuverlässigkeit im Horrorgenre.
- Untersuchung von Widersprüchen in der filmischen Erzählstruktur.
- Psychologische Einordnung von Schizophrenie, Liebes- und Verfolgungswahn.
- Die Rolle der emotionalen Wirkung im "Terrorkino" gegenüber intellektueller Logik.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Hauptdarstellerin als unzuverlässige Erzählerin
Bereits ziemlich am Anfang des Films wird deutlich, dass die Fokussierung auf der Hauptdarstellerin Cecile de France alias Marie liegt. Wie bereits erwähnt, zeigt die erste Szene sie im Krankenhaus, wobei zu dem Zeitpunkt noch nicht erkennbar ist, um wen es sich hier handelt. Der erste Blick der Kamera ist durch eine Detailaufnahme auf ihre Füße gerichtet, die sie, fast so wie ein schüchternes Schulmädchen, aneinander reibt. Dann auf ihre Hände, die das Gleiche machen wie ihre Füße und im Anschluss daran erhalten wir einen Blick auf ihren Rücken, an dem sich zahlreiche Wunden befinden. Als die Kamera ihren Hinterkopf erreicht, hebt sie ihren Kopf, schaut in ein rotes Licht hinein und spricht: „Ok, nehmt es auf.“ Nun ist klar, dass der Rezipient die Geschichte durch einen Flashback lediglich aus ihrer Perspektive aus erzählt bekommt. Dadurch sind wir als Zuschauer gefangen im begrenzten Blickwinkel der Figur.2Wir erhalten eine subjektive Erzählung was für diese Analyse ausschlaggebend ist, worauf ich aber später noch zu sprechen kommen werde.
Marie bleibt weiterhin im Zentrum der Handlung des Films, denn sie läuft in ihrem Traum verletzt durch den Wald, sie sucht ihre Freundin im Maisfeld, sie wird beim Begutachten des Hauses gezeigt, sie befindet sich alleine draußen auf der Schaukel und raucht eine Zigarette und sie liegt alleine im Zimmer auf dem Bett, Musik hörend und masturbierend.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der narrativen Unzuverlässigkeit im Film sowie Zusammenfassung des Inhalts von "High Tension".
2 Hinters Licht geführt: Detaillierte Untersuchung der filmischen Widersprüche, der unzuverlässigen Erzählperspektive der Protagonistin und der psychologischen Hintergründe ihres Wahns.
3 Terrorkino und Emotionalität: Erörterung der Wirkung von Terrorkino, das trotz erzählerischer Inkonsistenzen durch eine starke emotionale Intensität beim Zuschauer funktioniert.
Schlüsselwörter
High Tension, unzuverlässiges Erzählen, Filmwissenschaft, Schizophrenie, Wahnvorstellungen, Terrorkino, Identität, narrative Struktur, psychische Erkrankung, multiple Persönlichkeit, Subjektivität, Filmgenre, Emotionale Effizienz, Alexandre Aja, Flashback.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die narrativen Mechanismen des Films "High Tension" (2003) und fokussiert sich dabei auf die Rolle der unzuverlässigen Erzählerin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die erzählerische Unzuverlässigkeit, der Zusammenhang von Schizophrenie und Wahn sowie die spezifische Wirkungsweise des Terrorkinos auf den Zuschauer.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es zu klären, ob die Ereignisse im Film eine objektive Realität darstellen oder ob sie als Halluzinationen einer psychisch erkrankten Protagonistin zu deuten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine filmwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die narrative Muster und filmische Widersprüche systematisch dekonstruiert.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Szenen auf inhaltliche Widersprüche geprüft und die psychologischen Symptome der Hauptfigur, wie Verfolgungswahn und Liebeswahn, theoretisch fundiert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "unzuverlässiges Erzählen", "Schizophrenie", "Terrorkino" und "Subjektivität" geprägt.
Wie erklärt die Autorin das Phänomen der "unzuverlässigen Erzählerin" im Film?
Die Autorin sieht die Unzuverlässigkeit als Resultat der Schizophrenie der Hauptfigur, wodurch der Zuschauer gezwungen wird, die Geschichte aus einer subjektiven, verzerrten Sicht wahrzunehmen.
Warum funktioniert der Film "High Tension" trotz seiner logischen Fehler laut der Autorin?
Die Autorin argumentiert, dass der Film auf emotionaler Ebene wirkt und diese Intensität beim Zuschauer schwerer wiegt als die intellektuelle Auflösung logischer Inkonsistenzen.
Welche Rolle spielt die Musik in der Analyse?
Die Musik (speziell das Lied „Sarà perchè ti amo“ und die Kopfhörerszenen) dient als Indikator für den psychischen Zustand Maries und ihre Fixierung auf die Freundin Alex.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich der Realität im Film?
Die Arbeit schlussfolgert, dass eine eindeutige Unterscheidung zwischen Realität und Wahn innerhalb des Films nicht möglich ist, da der Zuschauer durch die subjektive Erzählweise permanent im Ungewissen gelassen wird.
- Quote paper
- Rosalinda Basta (Author), 2005, Was ist wirklich passiert? Die unzuverlässige aber wirkungsvolle Darstellung der gespaltenen Persönlichkeit in High Tension, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133331